Wolfgang Torge
Wolfgang Torge (* 4. Juni 1931[1] in Laubusch, damals Landkreis Hoyerswerda in PreuĂen) ist ein deutscher GeodĂ€t und Autor mehrerer LehrbĂŒcher. Er war von 1968 bis 1996 Professor fĂŒr GeodĂ€sie und war Ordinarius fĂŒr Theoretische GeodĂ€sie am Institut fĂŒr Erdmessung (IFE) der UniversitĂ€t Hannover.[2] In den 1990er-Jahren wurde er zweimal zum PrĂ€sidenten der Internationalen Assoziation fĂŒr GeodĂ€sie (IAG) gewĂ€hlt.
Leben und TĂ€tigkeiten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Wolfgang Torge wurde als Sohn von Gertrud Torge, geborene Klose, und des Lehrers Alfred Torge geboren. Er besuchte Oberschulen in Lauban und Nienburg, studierte von 1951 bis 1955 Vermessungswesen an der TU Hannover, schloss das Studium als Diplom-Ingenieur ab und wurde dort 1966 zum Dr.-Ing. promoviert. AnschlieĂend arbeitete er als Vermessungsrat bei der NiedersĂ€chsischen Landesvermessung. Drei Jahre spĂ€ter erhielt er seine Berufung zum Hochschulprofessor. 1967/1868 war er als Experte an einem Entwicklungshilfeprojekt fĂŒr Zentralamerika und Panama beteiligt. Von 1971 bis 2002 war er Schriftleiter der Zeitschrift fĂŒr Vermessungswesen.[3] 1979 wurde er Vorsitzender des Nationalen Komitees fĂŒr GeodĂ€sie und Geophysik.
Weithin bekannt wurde Torge durch seine LehrbĂŒcher, insbesondere das Buch GeodĂ€sie, das erstmals 1975 in der Sammlung Göschen erschien und in spĂ€teren Auflagen zum Standardwerk gewachsen ist. Auch die englische Ausgabe erschien in mehreren Auflagen und wurde in weitere Sprachen ĂŒbersetzt:
- GeodĂ€sie â erweiterte Auflage 2003, 369 Seiten, De Gruyter, Berlin.
- Geodesy â Auflagen 1980, 1991, 2001 und 2012, De Gruyter, Berlin.
- Ăbersetzungen ins Spanische, Chinesische und Griechische.
- Gravimetry â bei De Gruyter erstmals erschienen 1989 â ist kaum weniger bekannt.
Torge definiert GeodĂ€sie in einem weiteren und einem engeren Sinn: Der weite umfasst alle Gebiete des Vermessungswesens, der engere hingegen â im Sinne des englischen âGeodesyâ â die Höhere GeodĂ€sie und die Landesvermessung. Auf letztere zwei Themenkreise beziehen sich seine BĂŒcher hauptsĂ€chlich.
Durch seine Erfahrungen von der Ingenieur- bis zur Erdmessung und SatellitengeodĂ€sie bietet Torge eine Gesamtschau auf dem âState of the Artâ. Das Fach hat sich in den letzten Jahrzehnten in Richtung geodĂ€tischer Raumverfahren erweitert, was Torge nicht nur bei den Messmethoden mit Satelliten und Lasern, GPS oder VLBI-Radiointerferometrie berĂŒcksichtigt, sondern auch in den zugrundeliegenden Theorien einschlieĂlich der drei- und vierdimensionalen Modellbildung.
In den Grundlagen der GeodĂ€sie liegt auch Torges Hauptarbeitsgebiet, das von der Mathematischen GeodĂ€sie ĂŒber verschiedenste Arten von Vermessungsnetzen bis zur Geoidbestimmung reicht. Auf letzterem Gebiet hat sich das Institut fĂŒr Erdmessung (IFE) durch Berechnung europĂ€ischer und nationaler Geoidlösungen in internationaler Kooperation einen Namen gemacht. Um 1990 begann Wolfgang Torge, die Vision eines europĂ€ischen Zentimetergeoids zu entwickeln, was damals in weiter Ferne schien und etwa 2020 erreicht sein sollte. Es wird neben geowissenschaftlichen Zielen auch eine zentimetergenaue Transformation zwischen terrestrisch-orthometrischen Höhen und den geometrisch definierten GPS-Höhen ermöglichen, was bis dahin auf etwa 5 cm begrenzt war. Unter Torges Ăgide wurde dafĂŒr Ende der 1990er-Jahre eine Zenitkamera zur prĂ€zisen Messung von Lotabweichungen entwickelt, einige Jahre spĂ€ter auf die CCD-Technik umgebaut und so die Kombination von astrogeodĂ€tischen Verfahren mit der Gravimetrie vorangetrieben.
Torge ist evangelisch, hatte 1959 Renate Keil geheiratet und wohnt in Hannover.[1]
Ehrungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Helmert-GedenkmĂŒnze des Deutschen Vereins fĂŒr Vermessungswesen, 1991
- Eratosthenes-Ehrenpreis des Förderkreises des Vermessungstechnischen Museums in Dortmund, 2013[4]
- Goldene Ehrennadel des DVW, 2013[3]
- Korrespondierendes Mitglied der Braunschweigischen Wissenschaftlichen Gesellschaft
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Catalogus Professorum 1831â2006. Festschrift zum 175-jĂ€hrigen Bestehen der UniversitĂ€t Hannover, Band 2. Georg Olms Verlag, Hildesheim / ZĂŒrich / New York 2006, ISBN 3-487-13115-3, S. 519 (wissenschaftlicher Lebenslauf, PublikationsĂŒbersicht).
- Wolfgang Torge: GeodÀsie (= Sammlung Göschen. 2163). de Gruyter, Berlin u. a. 1975, ISBN 3-11-004394-7.
- Wolfgang Torge: GeodĂ€sie. De Gruyter Lehrbuch, 2., vollstĂ€ndig ĂŒberarbeitete und erweiterte Auflage. De Gruyter, Berlin / New York 2003, ISBN 3-11-017545-2.
- Wolfgang Torge, JĂŒrgen MĂŒller: Geodesy. de Gruyter Textbook, 4. Auflage. De Gruyter, Berlin/Boston 2012, ISBN 978-3-11-020718-7.
- Helmut Moritz: Was ist GeodĂ€sie? Eine ĂŒberwiegend ernsthafte Betrachtung. In: Festschrift Univ. Prof. em. Dr.-Ing. Wolfgang Torge zum 70. Geburtstag (= Wissenschaftliche Arbeiten der Fachrichtung Vermessungswesen der UniversitĂ€t Hannover. Nr. 241, ISSN 0174-1454). Fachrichtung Vermessungswesen der UniversitĂ€t Hannover, Hannover 2001, S. 43â48.
- Wolfgang Torge: Geschichte der GeodÀsie in Deutschland. De Gruyter, Berlin u. a. 2007, ISBN 978-3-11-020719-4 (2., durchgesehene und korrigierte Auflage. ebenda 2009).
- Torge, Wolfgang. In: Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Whoâs who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, LĂŒbeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 1256.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Literatur von und ĂŒber Wolfgang Torge im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Wolfgang Torge am Institut fĂŒr Erdmessung (IfE) und wichtigste Publikationen ( vom 19. Januar 2017 im Internet Archive)
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 zfv â Zeitschrift fĂŒr GeodĂ€sie, Geoinformation und Landmanagement, 136. Jg., Nr. 3/2011, ISSN 1618-8950, S. n-50
- â https://www.ife.uni-hannover.de/torge
- 1 2 zfv â Zeitschrift fĂŒr GeodĂ€sie, Geoinformation und Landmanagement, 138. Jg., Nr. 6/2013, ISSN 1618-8950, S. n-99
- â Förderkreis Vermessungstechnisches Museum e. V.: , Mitteilung Nr. 507.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Torge, Wolfgang |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher GeodÀt |
| GEBURTSDATUM | 4. Juni 1931 |
| GEBURTSORT | Laubusch, Sachsen |