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Helmut Moritz

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Helmut Moritz (* 1. November 1933 in Graz; † 21. Oktober 2022[1] ebenda[2]) war ein österreichischer GeodĂ€t. Er galt als einer der anerkanntesten ReprĂ€sentanten der physikalischen GeodĂ€sie.

Helmut Moritz

Helmut Moritz wurde in Graz in Österreich geboren. Sein Vater Josef war Eichbeamter und fiel wĂ€hrend des Zweiten Weltkrieges 1944 in Frankreich. Seine Mutter Caroline war Hausfrau. Helmut Moritz besuchte von 1939 bis 1943 die Volksschule, anschließend bis 1951 das Akademische Gymnasium in Graz.

Er studierte von 1951 bis 1956 GeodĂ€sie an der Technischen Hochschule Graz und schloss 1956 als Diplom-Ingenieur fĂŒr Vermessungswesen ab. Zu seinen akademischen Lehrern gehörte der Mathematikprofessor Bernhard Baule. Von 1955 bis 1958 war er als wissenschaftliche Hilfskraft an der TH Graz tĂ€tig. 1959 wurde er hier sub auspiciis zum Dr. techn. promoviert. Von 1958 bis 1964 war er in Graz als Beamter des Bundesamtes fĂŒr Eich- und Vermessungswesen (BEV) beschĂ€ftigt.

1960 wurde er, im Alter von 27 Jahren, an der Technischen Hochschule Graz habilitiert. Vom BEV auf 2 Jahre beurlaubt, war er aufgrund einer Empfehlung von Karl Rinner von 1962 bis 1964 als Visiting Research Associate am Department of Geodetic Science der Ohio State University in Columbus (Ohio). Seine Forschungen wurden von dem dortigen Professor Weikko A. Heiskanen stark unterstĂŒtzt. Moritz wurde mit einer grundlegenden Arbeit ĂŒber Fehlerfortpflanzung rasch international bekannt. Die Rezeption von Veröffentlichungen der Mathematiker und Kybernetiker Norbert Wiener und Andrej Nikolajewitsch Kolmogorow erweiterten seine akademische Lehre in der Theoretischen GeodĂ€sie. Im gemeinsam mit Heiskanen verfassten Buch Physical Geodesy fand dies seinen Niederschlag; dieses Werk wurde aus dem Englischen ins Chinesische, Serbokroatische, Spanische und TĂŒrkische ĂŒbersetzt und entwickelte sich zu einem geodĂ€tischen Bestseller. Eine zusammen mit Bernhard Hofmann-Wellenhof verfasste Neuauflage erschien 2005 und wurde ins Chinesische, Japanische und Russische ĂŒbersetzt.

Sein Forschungsaufenthalt an der Ohio State University eröffnete Moritz langfristige Perspektiven, mehr als 20 Jahre blieb er mit dieser UniversitĂ€t in fachlicher Verbindung. Als Ausdruck dieser Verbundenheit sowie seiner herausragenden wissenschaftlichen Leistungen wurde ihm 1992 das Ehrendoktorat der Ohio State University verliehen. 1964 kehrte er zurĂŒck an das BEV in Graz, bald darauf wurde er beamteter Privatdozent an der TH Hannover. Hier setzte er seine Forschungsarbeit am geodĂ€tischen Randwertproblem des russischen GeodĂ€ten Molodenski zur Bestimmung der Erdgestalt aus Messungen der Schwerkraft und des Schwerepotenzials fort. FĂŒr diese weiterfĂŒhrenden Arbeiten, die Moritz selbst als Teil seines Lebenswerkes sah, wurde ihm rund 30 Jahre spĂ€ter die EhrendoktorwĂŒrde der Moskauer UniversitĂ€t fĂŒr GeodĂ€sie, Aerophotogrammetrie und Kartographie verliehen.

Im Alter von 30 Jahren wurde Moritz 1963 als ordentlicher Professor fĂŒr Physikalische GeodĂ€sie an die Technische UniversitĂ€t Berlin berufen. Von 1964 bis 1971 lehrte und forschte er hier. 1967 erhielt er einen Ruf der UniversitĂ€t Graz, den er jedoch nicht annahm, weil die Berufungsverhandlungen mit dem österreichischen Ministerium fĂŒr Wissenschaft und Forschung unbefriedigend verlaufen waren. 1971 bekam er einen zweiten Ruf aus Graz, der schließlich zu seiner Berufung zum Ordentlichen Professor an der Technischen UniversitĂ€t Graz fĂŒhrte. Innerhalb eines Jahres nach seiner RĂŒckkehr nach Graz schrieb Moritz das Buch Advanced Physical Geodesy, und es folgten drei weitere FachbĂŒcher zum Gesamtgebiet der physikalischen GeodĂ€sie, der Geodynamik und der Erdrotation. In Graz wirkte Moritz bis zu seiner Emeritierung im Jahre 2002.

Im Werdegang von Moritz spielte seine internationale TĂ€tigkeit eine zunehmende Rolle; er sprach bzw. veröffentlichte in Englisch, Französisch, Italienisch, Polnisch, Russisch, Serbokroatisch, Slowenisch, Spanisch und Tschechisch. Seine frĂŒhen AktivitĂ€ten in der Deutschen GeodĂ€tischen Kommission fĂŒhrten dazu, dass er bereits 1965 zu deren Vorsitzenden gewĂ€hlt wurde. Damals wurde seine enge wissenschaftliche Kooperation mit der Technischen UniversitĂ€t MĂŒnchen begrĂŒndet, die 1981 den ersten seiner drei Ehrendoktortitel an den damals erst 48-jĂ€hrigen Moritz verlieh.

Er wurde Vorsitzender einer Studiengruppe der International Association of Geodesy (IAG) ĂŒber fundamentale Erdkonstanten, die nicht nur geodĂ€tische, sondern auch astronomische, geophysikalische und geographische Bedeutung besitzen. Moritz war in der Wahlperiode 1979 bis 1983 PrĂ€sident der IAG. Von 1991 bis 1995 stand er der Internationalen Union fĂŒr GeodĂ€sie und Geophysik (IUGG) als PrĂ€sident vor. 1987 wurde er Mitglied der traditionsreichen Leopoldina in Halle (Saale).[3]

Ab 1962 bearbeitete er das Forschungsgebiet: Theorie des Erdschwerefeldes als Grundlage fĂŒr Messungen auf der ErdoberflĂ€che und aus Satelliten, geodĂ€tische Anwendungen der Allgemeinen RelativitĂ€tstheorie (1967 Gradiometrie). Diese Forschungen sind in mehr als 20-jĂ€hriger Zusammenarbeit als Adjunct Professor an der Ohio State University und im Rahmen der Internationalen Assoziation fĂŒr GeodĂ€sie erfolgt. Seine Forschungsarbeiten haben unter anderem dazu beigetragen, neue Mess- und Rechentechniken zur Beschreibung der Erdfigur zu entwickeln. Damit schuf er Voraussetzungen fĂŒr die prĂ€zisen Bestimmungen von Form und Schwerefeld der Erde mit modernen Satelliten. Unter dem Titel Science, Mind and the Universe hat er Darlegungen zur Naturphilosophie verfasst, in die auch seine eigenen Ansichten eingeflossen sind. Damit hat Moritz die Grundlagen der Naturwissenschaften in einer Gesamtschau dargestellt. Sein Lebenswerk und sein internationales Wirken sind geprĂ€gt von dem Bestreben, das Humanum der Wissenschaften wirksam werden zu lassen.

Moritz ist weltweit ausgezeichnet worden und unter anderem TrĂ€ger der Carl-Friedrich-Gauß-Medaille und der Alexander-von-Humboldt-Medaille. Er war Mitglied in vielen nationalen und internationalen FachverbĂ€nden und Akademien, darunter als Ehrenmitglied auch im DVW Berlin-Brandenburg e. V. – Gesellschaft fĂŒr GeodĂ€sie, Geoinformation und Landmanagement und als Mitglied der Gelehrtengesellschaft Leibniz-SozietĂ€t der Wissenschaften zu Berlin.

Helmut Moritz war seit 1959 mit Gerlinde Moritz verheiratet, die im Jahre 2002 verstorben ist. Das Ehepaar hat die Tochter Berta (* 1960), promovierte Biologin, und den Sohn Albrecht (* 1962), promovierter Biochemiker.

Mitgliedschaft in internationalen Akademien

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  • 1963 Kaarina and W. A. Heiskanen Award, Ohio State University
  • 1977 Carl-Friedrich-Gauss-Medaille (anlĂ€sslich der 200. Geburtstages des Namensgebers), Braunschweigische Wissenschaftliche Gesellschaft
  • 1983 Alexander-von-Humboldt-Medaille, Akademie der Wissenschaften der DDR (AdW)
  • 1998 Kopernikus-Medaille, Polnische Akademie der Wissenschaften
  • 2008 Struve-Medaille, Pulkovo
  • 2008 Ziolkowski-Medaille, Moskau
  • 1981 Ehrendoktor Dr.-Ing. h. c. der TU MĂŒnchen
  • 1992 Ehrendoktor DSc. h. c. der Ohio State University
  • 1994 Ehrendoktor Dr. h. c. der GeodĂ€tische UniversitĂ€t Moskau
  • 1993 Ehrenprofessor Prof. h. c. der Wuhan TechnicalUniversity of Surveying and Mapping, VR China
  • 2014 Orden der Freundschaft der Russischen Föderation
  • 1979–1983 PrĂ€sident der Internationalen Assoziation fĂŒr GeodĂ€sie
  • 1991–1995 PrĂ€sident der Internationalen Union fĂŒr GeodĂ€sie und Geophysik
  • 1998–2002 Generaldirektor des Inter-UniversitĂ€ren Centrums Dubrovnik
  • 1998–2006 PrĂ€sident der Internationalen Humanistischen Liga in Sarajevo.

Nach Helmut Moritz wurde der Asteroid 29250, ein Asteroid des HauptgĂŒrtels, benannt.

Die Forschungsergebnisse von Moritz haben sich in 9 BĂŒchern und ĂŒber 230 Veröffentlichungen niedergeschlagen.

  • Herbert Mang: Laudatio auf Prof. Helmut Moritz, im Namen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Sitzungsberichte der Leibniz-SozietĂ€t der Wissenschaften zu Berlin. Band 104, Jahrgang 2009, S. 7–16. trafo Wissenschaftsverlag Dr. Wolfgang Weist, Berlin 2009.

Einzelnachweise

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  1. ↑ Traueranzeige der TU Graz in der Kleinen Zeitung vom 28. Oktober 2022
  2. ↑ Leopoldina. Struktur und Mitglieder 2023, S. 358.
  3. ↑ Mitgliedseintrag von Helmut Moritz (mit Bild und CV) bei der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina, abgerufen am 21. April 2022.