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Aussichtswagen

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Innenansicht eines Netrail P1 in Stockholm, Schweden

Als Aussichtswagen oder Panoramawagen wird ein Reisezugwagen oder Triebwagen bezeichnet, der mit ĂŒberdurchschnittlich großen Fenstern ausgerĂŒstet wurde, um eine gute Aussicht auf Landschaften und SehenswĂŒrdigkeiten entlang der Strecke zu ermöglichen. Auch offene Sommerwagen werden mitunter so bezeichnet, unterscheiden sich jedoch konstruktiv erheblich von den hier behandelten Fahrzeugen. In der Schweiz gibt es fĂŒr ZĂŒge mit Aussichtswagen eine eigene Zuggattung, den Panorama Express, kurz PE.

Dome car der Union Pacific Railroad

Überwiegend in Nordamerika verbreitet waren Wagen mit einer verglasten Aussichtskanzel, die die DĂ€cher des ĂŒbrigen Zuges ĂŒberragt und damit eine Aussicht nicht nur zur Seite und nach oben, sondern auch nach vorne und hinten erlaubt. Erste Fahrzeuge dieser Art wurden um 1890 in Dienst gestellt.[1] Der Wagenboden im Bereich der Aussichtskanzel ist erhöht, was einen Blick ĂŒber das Zugdach ermöglicht; darunter ist Platz etwa fĂŒr DienstrĂ€ume, eine KĂŒche oder Bar, teilweise auch Schlafabteile. Der Fahrzeugtyp war in den nordamerikanischen FernzĂŒgen zwischen 1940 und 1970 sehr verbreitet.[2] Neben der ursprĂŒnglichen Form, bei der die Aussichtskanzel weniger als die halbe WagenlĂ€nge einnimmt, wurden auch Wagen gebaut, deren Aussichtskanzel fast ĂŒber die gesamte WagenlĂ€nge geht, teilweise als Super Domes bezeichnet. FĂŒr Strecken mit kleinerem Lichtraumprofil im Nordosten der USA wurden einzelne niedrigere Aussichtswagen wie die Sun-Lounge- und Strata-Dome-Wagen gebaut.

VIA Rail Canada betreibt insgesamt 30 klassische Aussichtswagen, davon 14 Kanzelwagen fĂŒr den Zugschluss, und setzt diese in touristisch ausgerichteten LangstreckenzĂŒgen ein. Im planmĂ€ĂŸigen Verkehr der Amtrak wurden die ZĂŒge mit Aussichtswagen inzwischen von Superliner-Garnituren abgelöst; der letzte Aussichtswagen mit langer Aussichtskanzel namens Ocean View wurde bis 2019 außerplanmĂ€ĂŸig an einstöckige ZĂŒge angehĂ€ngt und danach verkauft.[3] PlanmĂ€ĂŸig im Einsatz sind solche Fahrzeuge heute noch bei der Grand Canyon Railway.

FĂŒr den Sonderzugeinsatz werden zahlreiche Aussichtswagen verschiedener Bauarten von privaten Betreibern betriebsfĂ€hig erhalten.

Innenraum eines ehemaligen Rheingold-Aussichtswagens

In den Jahren 1962 und 1963 beschaffte die Deutsche Bundesbahn insgesamt fĂŒnf Aussichtswagen des Typs AD4ĂŒm-62 nach US-amerikanischem Vorbild fĂŒr den Rheingold und den Rheinpfeil, die ab 1965 als Trans-Europ-Express (TEE) liefen, neue Zuggarnituren. Bei ihnen befanden sich unter der mittigen Aussichtskanzel mit 22 SitzplĂ€tzen Maschinen-, Post- und GepĂ€ckrĂ€ume, an einem Wagenende zwei normale Abteile, ein Zugsekretariat und eine Telefonkabine und am anderen Ende eine Bar. Die ersten drei Wagen mit Rheingold-Aufschrift hatten acht Fensterreihen, die 1963 nachgelieferten beiden Wagen fĂŒr den Rheinpfeil (mit Aufschrift Deutsche Bundesbahn) vier große Fensterreihen. Gebaut wurden die Wagen bei Wegmann in Kassel.[4]

In den Sommern 1912 und 1913 liefen Aussichtswagen der Canadian Pacific Railway auf den Gebirgslinien der k.k. Staatsbahnen, das heißt auf der Arlberg-, Tauern- und Karawankenbahn. Sie erreichten dabei Salzburg, Innsbruck, Buchs, Villach und Triest. Der Betrieb wurde mit Kriegsbeginn 1914 eingestellt.[5]

Einer der Salonwagen der schmalspurigen Mariazellerbahn verfĂŒgte ĂŒber Panoramafenster, dieses Fahrzeug benĂŒtzte Kaiser Franz Joseph I. bei seiner Fahrt nach Mariazell am 24. September 1910. In den 1990er Jahren wurde wieder ein Salonwagen mit Panoramafenstern in Betrieb genommen, seit der Sommersaison 2014 verkehren auf dieser Strecke Panoramawagen Ă€hnlich denen der RhĂ€tischen Bahn.

Offene Fahrzeuge

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In Österreich wurden schon sehr frĂŒh derartige Aussichtswagen eingesetzt, offene Sommerwagen ohne Dachaufbau. Trotz der Einfachheit der Konstruktion und des geringen Komforts wurde versucht, sie als Fahrzeuge 1. Klasse zu vermarkten. Vorwiegend aufgrund der RauchbelĂ€stigung durch die Dampflokomotiven war ihnen aber kein dauerhafter Erfolg beschieden.[6] FĂŒr die Mittenwaldbahn beispielsweise wurden 1932 zwei ehemalige Wiener Stadtbahnwagen entsprechend adaptiert.[7] Im selben Jahr wurde auch ein offener Vierachser in Dienst gestellt.[8] Schon seit 31. Juli 1931 liefen – mit großem Erfolg – drei offene, auf GĂŒterwagen basierende Aussichtswagen auf der schmalspurigen, 1911 elektrifizierten Mariazellerbahn. Einer der Wagen wurde vom Club Mh.6 originalgetreu restauriert und wird seit 2020 wieder eingesetzt.[9]

Die RhĂ€tische Bahn setzt in den Sommermonaten Juli und August offene Aussichtswagen auf der Arosalinie, der Berninabahn, der Bahnstrecke Davos Platz–Filisur und auf der Strecke Landquart–Ilanz durch die Rheinschlucht ein. Die zweiachsigen Wagen sind auffĂ€llig gelb lackiert und tragen in Rot eine große Aufschrift in einer der drei im Kanton GraubĂŒnden vertretenen Landessprachen: Aussichtswagen auf Deutsch, Vagun panoramic in RĂ€toromanisch oder Carozza panoramica in Italienisch. Die Wagen sind mit HolzbĂ€nken mit klappbaren RĂŒckenlehnen ausgestattet. Ein weißes Metallgestell schĂŒtzt die FahrgĂ€ste, falls die Fahrleitung auf das Fahrzeug fallen sollte, ein kleines Dach in der Mitte schĂŒtzt vor dem Schmutz der Fahrleitung.

Offene Aussichtswagen verkehren auch bei den Appenzeller Bahnen auf der Rorschach-Heiden-Bergbahn und auf der Strecke AltstĂ€tten–Gais.

In Deutschland setzt die SĂ€chsische Dampfeisenbahn GmbH in den Sommermonaten regelmĂ€ĂŸig offene Aussichtswagen auf ihren 750-mm-spurigen Strecken im LĂ¶ĂŸnitzgrund, im Weißeritztal und nach Oberwiesenthal ein, die zum normalen Tarif benutzt werden dĂŒrfen. Auch die Harzer Schmalspurbahnen bieten saisonal einen Schienencabriowagen an. Hier wird ein geringer Zuschlag berechnet.[10] Die Jagsttalbahn hat einen Sommerwagen[11]. Ähnliches gilt fĂŒr die Selfkantbahn.[12] Bei der U-Bahn Berlin gibt es naturgemĂ€ĂŸ kaum Aussicht – aber einen Cabriowagen.[13][14]

Andere LĂ€nder

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„Halboffene“ Fahrzeuge, das heißt offen, aber mit Dach, verkehren im neuseelĂ€ndischen TranzAlpine und auf der Bahnstrecke Colombo–Badulla in Sri Lanka. Eingesetzt werden sie dort von dem privaten Anbieter Expo Rail, sind aber in planmĂ€ĂŸige ZĂŒge eingestellt.[15] In Frankreich werden solche Fahrzeuge auf der Ligne de Cerdagne eingesetzt.

Kanzelwagen des Gegenzuges der Henschel-Wegmann-Garnitur im Einsatz fĂŒr den Blauen Enzian

Kanzelwagen sind Aussichtswagen, die am Zugschluss eingesetzt werden und dort ein Aussichtsabteil bieten. Abgeleitet ist dieser Fahrzeugtyp von US-amerikanischen Observation Cars.

Fahrzeuge mit großen Fensterscheiben

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In Österreich stellten verschiedene Bahngesellschaften vor 1914 Aussichtswagen in ihre ZĂŒge ein.[16] Höhepunkt waren Aussichtswagen, die ab 1912 bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs auf folgenden Linien angeboten wurden:

  • Wien ĂŒber Salzburg nach Innsbruck,
  • Salzburg ĂŒber Villach nach Triest und
  • Innsbruck nach Buchs.

Von Reisenden der 1. oder 2. Klasse konnten sie gegen einen Zuschlag genutzt werden.[17][18]

SBB-Panoramawagen im IR 2319 (Basel SBB – Locarno)
Panoramawagen des Bernina-Express

Überwiegend in der Schweiz anzutreffen sind Wagen mit einem Fußboden in normaler Höhe oder nur leicht angehoben und großen Aussichtsfenstern ĂŒber die ganze WagenlĂ€nge, die in den Dachbereich ĂŒbergehen (mit abgewinkelten Oberlichtern oder gekrĂŒmmten Fensterscheiben). Mehrere Schmalspurbahnen haben solche Wagen beschafft, darunter Montreux-Berner Oberland-Bahn, Matterhorn-Gotthard-Bahn, RhĂ€tische Bahn und BrĂŒnigbahn. Sie laufen in touristischen ZĂŒgen wie dem Glacier-Express, dem Bernina-Express und dem Golden-Pass. Seit 2014 betreibt auch die österreichische Mariazellerbahn vier Panoramawagen, die von denen des Glacier-Express abgeleitet sind.[19]

Die Schweizerischen Bundesbahnen beschafften 1991/1992 zwölf Panoramawagen der Gattung Apm 61 Pano, die RIC-fĂ€hig und fĂŒr eine Geschwindigkeit von 200 km/h geeignet sind. Diese Wagen werden vor allem in regulĂ€ren EuroCity-ZĂŒgen eingesetzt und sind fĂŒr FahrgĂ€ste der ersten Wagenklasse benutzbar. So wie bei den MOB-Wagen wurde die Fußbodenhöhe gegenĂŒber den anderen Wagen erhöht, um die Aussicht fĂŒr Reisende zu verbessern.

Im Schweizer Kursbuch werden ZĂŒge, die Panoramawagen mitfĂŒhren, mit einem eigenen Piktogramm gekennzeichnet:

FĂŒhreraussichtswagen

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FĂŒr den Sonderzug von Adolf Hitler baute die Waggonfabrik Fuchs in Heidelberg 1939 einen mit Ausnahme der Plattform und des Thekenbereichs in der oberen HĂ€lfte verglasten Aussichtswagen (Bln 10 282), in der Literatur auch FĂŒhreraussichtswagen genannt. Der mittlere Teil des Glasdachs konnte aufgeschoben werden. Ausgestattet wurde der Wagen durch die Vereinigten WerkstĂ€tten fĂŒr Kunst im Handwerk in MĂŒnchen. Nach dem Zweiten Weltkrieg lief der Wagen zunĂ€chst in dem US-amerikanischen Dienstzug A 300. 1953 wurde der Wagen den Österreichischen Bundesbahnen ĂŒbergeben, die ihn in einen Oberbaumesswagen umbauten.[20]

Innenraum der Berliner Panorama-S-Bahn
Panorama-Mittelteil bei einer Karlsruher Stadtbahn

In Deutschland wurde der erste Triebwagen mit Vollverglasung 1935 der Öffentlichkeit vorgestellt. Insgesamt wurden nur zwei Exemplare der als ET 91 bezeichneten Baureihe gefertigt. Ihrem Aussehen entsprechend wurden sie als GlĂ€serner Zug bezeichnet. Der jĂŒngere der beiden Wagen, ET 91 02, kam noch wĂ€hrend des Zweiten Weltkriegs zu Schaden, ET 91 01 verkehrte dagegen noch bis 1995 regelmĂ€ĂŸig mit Ausflugsfahrten ab MĂŒnchen Hbf in SĂŒdbayern und Österreich, als auch er durch einen Frontalzusammenstoß mit einer Lokomotive im Bahnhof Garmisch-Partenkirchen zerstört wurde. Die Reste dieses Fahrzeuges sind im Bahnpark Augsburg ausgestellt. Mit dem 137 240 wurde 1936 auch ein dieselgetriebener Aussichtstriebwagen gebaut, 1939 wurden zwei weitere 137 462/463 in Dienst gestellt.

Die Idee des GlĂ€sernen Zuges wurde bei der Berliner S-Bahn aufgegriffen. Diese baute aus drei Einzelwagen der Baureihe 477 die „Panorama-S-Bahn“, die zum 75-jĂ€hrigen Bestehen Berliner S-Bahn vorgestellt wurde und ausschließlich auf Sonderfahrten eingesetzt wird. WĂ€hrend ihres Staatsbesuchs 2004 fuhr die britische Königin Elisabeth II. damit von Berlin nach Potsdam.[21]

Die französische Staatsbahn SNCF setzte in den 1960er- und 1970er-Jahren zehn Diesel-Aussichtstriebwagen der Baureihe X 4200 ein.

Bei der Stadtbahn Karlsruhe sind einige achtachsige Gelenktriebwagen der Typen GT8-80C und GT8-100D/2S-M mit einem sogenannten Komfort-Mittelteil ausgestattet. Dieses ist mit einer Dachrandverglasung ausgestattet und verfĂŒgt ĂŒber eine bequemere Innenausstattung.

  • Friedhelm Ernst: Ein Aussichtswagen fĂŒr die DB. In: Eisenbahn Magazin. Nr. 3/2016. Alba Publikation, MĂ€rz 2016, ISSN 0342-1902, S. 38–40 (mit Seitenansichts- und Grundriss-Zeichnungen).
  • Maximilian Rabl u. Johann Stockklausner: Österreichische Personenwaggons. Entwicklung, Konstruktion und Betrieb seit 1832. Wien 1982.
  • Josef Otto Slezak: Da staunt das Vorsignal. Seltsames von den Eisenbahnen aus aller Welt. Wien 1952.
Commons: Aussichtswagen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Commons: Panoramawagen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. ↑ Slezak, S. 167, Abbildungen S. 166.
  2. ↑ Slezak, S. 166f.
  3. ↑ Eric Anderson: Amtrak's 'Great Dome' car has been retired. In: Times Union. 30. August 2019, abgerufen am 23. September 2023 (englisch).
  4. ↑ Friedhelm Ernst: Ein Aussichtswagen fĂŒr die DB. In: eisenbahn-magazin. Nr. 3, 2016, ISSN 0342-1902, S. 38–40.
  5. ↑ Canadian Cars in the Austrian Alps. Canadian Pacific Railway observation cars in Europe, 1912-1914. Abgerufen am 14. Oktober 2020.
  6. ↑ Rabl u. Stockklausner, S. 32, Anm. 4; S. 65.
  7. ↑ Alfred Horn: 90 Jahre Stadtbahn, 10 Jahre U-Bahn. Bohmann-Verlag, Wien 1988, ISBN 3-7002-0678-X, S. 92.
  8. ↑ Johann Stockklausner, Maximilian Rabl: Österreichische Personenwaggons. 2. Auflage. Slezak Verlag, Wien 2003, ISBN 3-85416-066-6, S. 163.
  9. ↑ Neue Wagen in Betrieb. In: Eisenbahnclub Mh.6. 4. Juli 2020, abgerufen am 22. November 2020 (deutsch).
  10. ↑ Schienencabrio HSB, abgerufen am 29. November 2021
  11. ↑ Sommerwagen bei jagsttalbahn.de, abgerufen am 26. MĂ€rz 2022.
  12. ↑ Offener GĂŒterwagen bei selfkantbahn.de, abgerufen am 26. MĂ€rz 2022.
  13. ↑ Cabriowagen bei bvg.de, abgerufen am 3. Januar 2022.
  14. ↑ Unten oben ohne durch Berlin bei berlin.de, abgerufen am 3. Januar 2022.
  15. ↑ Andreas Illert: Mit dem Zug um 5:55-Uhr in den Tee. In: Fern-Express 3/2016, S. 22–29 (28).
  16. ↑ Rabl u. Stockklausner, S. 65, 104, 163, 255.
  17. ↑ Richard Heinersdorff: Die k.u.k. privilegierten Eisenbahnen der österreichisch-ungarischen Monarchie. Wien 1975, ISBN 3-217-00571-6, S. 148.
  18. ↑ Rabl u. Stockklausner, S. 33, 34 (Fahrplan), 154 (Fotos).
  19. ↑ Panoramawagen, das Highlight der Himmelstreppe (Memento vom 10. Mai 2016 im Internet Archive) (NÖVOG)
  20. ↑ Rabl u. Stockklausner, S. 174, 281.
  21. ↑ Christiane Flechtner: Königlicher Besuch in der Panorama-S-Bahn. (PDF) In: Punkt 3. S-Bahn Berlin, S. 3, abgerufen am 15. Januar 2022.