Siedlinghausen
Siedlinghausen Stadt Winterberg | ||
|---|---|---|
| Koordinaten: | 51° 15âČ N, 8° 28âČ O | |
| Höhe: | 450 mÂ ĂŒ. NHN | |
| Einwohner: | 1918 (30. Juni 2021)[1] | |
| Eingemeindung: | 1. Januar 1975 | |
| Postleitzahl: | 59955 | |
| Vorwahl: | 02983 | |
Lage von Siedlinghausen in Winterberg
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Siedlinghausen | ||

Siedlinghausen ist ein im Rothaargebirge gelegener Stadtteil von Winterberg im Hochsauerlandkreis, Nordrhein-Westfalen (Deutschland). In Siedlinghausen leben rund 1900 Einwohner.
Geographische Lage
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Siedlinghausen liegt im Nordteil des Rothaargebirges am Nordrand vom Naturpark Sauerland-Rothaargebirge. Es befindet sich etwa 7,5Â km (Luftlinie) nordwestlich der Kernstadt von Winterberg im Tal des Flusses Neger, in den im Dorf der Bach Namenlose (Lamelofe) mĂŒndet; in letztere mĂŒndet beim in Richtung des Dorfs Silbach gelegenen Siedlinghausener Gewerbegebiet Burmecke die Burmecke.
Die Ortschaft befindet sich zwischen diesen Bergen â mit Höhen in Meter (m) ĂŒber Normalhöhennull (NHN): Kahlenberg (733 m; im Nordnordosten), Eggenberg (690,8 m; im Nordosten), Hoher Hagen (729 m; im Osten), Iberg (703,7 m; mit Bergsee; im SĂŒdosten), Meisterstein (636,4 m; mit Bergsee; im SĂŒden), KĂ€ppelchen (563,2 m; im Westen), KrĂ€henstein (557 m; im Westen) und LĂŒttenberge (597,2 m; im Nordwesten). Der tiefste Punkt der Gemarkung Siedlinghausen befindet sich im Negertal an der Grenze zu Brunskappel mit 414,5 m.
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Siedlinghausen entstand um 900. Erstmals erwĂ€hnt wurde es 1314 im GĂŒterverzeichnis des Klosters Meschede.
Im 15. Jahrhundert wurde das in der NĂ€he gelegene Dorf Negerkirchen zur WĂŒstung.
1548 gehörte das Dorf âSidlinghausenâ zur Freigrafschaft Grönebach, die die Herren von Gaugreben vom Landgrafen von Hessen zu Lehen hatten. Zu dieser Zeit gehörte das Dorf zum Amt Medebach und damit zum Herzogtum Westfalen.[2]
1802 fiel der Ort mit dem Herzogtum Westfalen an die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt.[3] Ab 1816 gehörte Siedlinghausen zu PreuĂen. Zuerst wurde es dem Kreis Medebach, danach dem Kreis Brilon zugeordnet. Hierin war es Bestandteil des Amtes Bigge.
1864 hatte der Ort etwa 900 Einwohner. Bis 1871 sank ihre Zahl bis auf 785, um bis 1939 auf 1316 anzusteigen. Durch die zahlreichen FlĂŒchtlinge nach 1945 stieg die Einwohnerzahl bis 1950 auf 2121, um bis 1966 wieder auf 1948 Personen abzusinken.[4]
Am 30. MĂ€rz 1945 marschierten Truppen der Wehrmacht durchs Dorf Richtung Winterberg.[5] Nur einige Soldaten quartierten sich im Dorf ein. Die deutschen Truppen und deren AusrĂŒstung befand sich in erbĂ€rmlichen Zustand. Am 1. April mussten aus dem Dorf sieben Pferdefuhrwerke gestellt werden um Soldaten nach KĂŒstelberg zu bringen. In KĂŒstelberg mussten die Fuhrwerke der Wehrmacht ĂŒberlassen werden. Im Dorf fuhr deutsche Artillerie auf. In den GeschĂ€ften und aus GroĂlagern verteilte man Lebensmittel. Im Jagdschloss und in einer Gastwirtschaft quartierte sich ein Generalstab ein. Der Gauverteidigungskommissar Bertram erschien und erklĂ€rte sich zum Ortskommandanten. Der Volkssturm in Siedlinghausen wurde aufgerufen und das Standrecht verhĂ€ngt. Ein Teil des Volkssturms wurde nach Olsberg geschickt. Der Rest bewachte die bereits frĂŒher aus BĂ€umen gebauten Panzersperren.
Am 4. April begannen die US-Truppen das Dorf zu beschieĂen. Ein Volkssturmmann wurde durch einen Granatsplitter an der Panzersperre auf der Insel getötet. Am nĂ€chsten Tage wurde der Beschuss noch stĂ€rker. Am Morgen des 6. April kamen US-Truppen aus Osten durch den Wald ins Dorf. Es kam nur zu einem kurzen Kampf. Die US-Truppen nahmen etwa 250 Deutsche gefangen. Kurz vor dem Einmarsch wurde noch ein Zivilist durch einen Granatsplitter getötet. Ein deutscher Königstiger, der kurz vorher aus dem Ort abgefahren war, nahm vom Steinklev das Dorf unter Feuer. Ein Haus wurde so getroffen, dass es abbrannte. US-GeschĂŒtze wurden aufgefahren und vertrieben den deutschen Panzer und nahmen dann Altenfeld und Elpe unter Feuer. Bei dem Beschuss blieb kein Haus im Dorf ohne SchĂ€den. Alle arbeitsfĂ€higen MĂ€nner aus dem Dorf mussten die StraĂen im Dorf rĂ€umen. Probleme bereitete die Nahrungsversorgung der einheimischen Bevölkerung, aus dem Ruhrgebiete Evakuierter und der Fremdarbeiter.
In der Umgebung des Dorfes wurden 14 gefallene Deutsche geborgen und auf dem Friedhof begraben. Bei einzelnstehenden Höfen und HĂ€user kam es zu ĂberfĂ€llen durch ehemalige Fremdarbeiter. Im Dorf durfte ein mit Schlagwaffen ausgerĂŒsteter Selbstschutz aufgestellt werden. Der Selbstschutz verhinderte weitere Ăbergriffe in der Gemeinde. Bis zum Sommer versorgte die Bevölkerung heimlich deutsche Soldaten, welche sich in den WĂ€ldern versteckten und meist nachts ins Dorf kamen.
Im Zweiten Weltkrieg (1939â1945) fielen 91 MĂ€nner aus dem Dorf als Soldaten, davon die meisten an der Ostfront, oder starben in Gefangenschaft.[6]
Am 1. Januar 1975 wurde das Dorf in die Stadt Winterberg eingegliedert.[7]
Kultur und SehenswĂŒrdigkeiten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Bauwerke
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1858 baute Freiherr von FĂŒrstenberg das Jagdschloss Siedlinghausen. Siedlinghausen hat viele Wanderwege und schöne Aussichtspunkte. Im Dorf gibt es ein Hallen- und Freibad, einen Tennisplatz und einen Sportplatz. Von der alten Kirche, die 1893 erbaut wurde, ist der Turm erhalten geblieben und mit der 1981 eingeweihten Pfarrkirche St.-Johannes-Evangelist durch ein Schutzdach verbunden. Der Ort gewann 1975 beim Wettbewerb Unser Dorf soll schöner werden die Silbermedaille des Landes Nordrhein-Westfalen.
Die St.-Johannes-SchĂŒtzenhalle wurde 1905 erbaut und steht seit 2000 unter Denkmalschutz.
NaturdenkmÀler
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Ein sehr markantes Ăberbleibsel des Diabasabbaus ist der Bergsee des Meistersteins. In diesem ehemaligen Diabasbruch hat sich allein durch Regenwasser ein 7 bis 9 m tiefer See gebildet. Heute werden der See zum Tauchen und die SteilwĂ€nde zum Bergklettern genutzt.

RegelmĂ€Ăige Veranstaltungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- SchĂŒtzenfest am dritten Wochenende im Juli
- Sommerfest des Löschzuges am dritten Wochenende im August
- Anfang September startet auf der SorpestraĂe seit 1994 das mittlerweile legendĂ€re Hobby-Radrennen Bildchen-Sprint. Dieses Bergzeitfahren fĂŒhrt hinauf zum sogenannten Bildchen, ĂŒber 7,4 km und 220 Höhenmeter.
- Oktoberfest am ersten Wochenende im Oktober
Wirtschaft und Infrastruktur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Noch vor dem 16. Jahrhundert bis in die 1980er Jahre wurde hier Schiefer abgebaut. Siedlinghausen gehört zum Fredeburger Revier. Seit dem 16. Jahrhundert lĂ€sst sich im Dorf Eisenindustrie nachweisen. Dazu zĂ€hlten SchmelzhĂŒtten, EisenhĂ€mmer und Schmieden. Insbesondere fertigte man Sensen und Sicheln. Heute leben die Einwohner vom Tourismus, Landwirtschaft und Produktionen in mittelstĂ€ndischen Betrieben.
Verkehr
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In Siedlinghausen kreuzen sich die LandesstraĂen L 740, die von Winterberg im SĂŒdosten durch Silbach und Siedlinghausen nach Altenfeld im Westen verlĂ€uft, und L 742, die von Rehsiepen im SĂŒdwesten vorbei am Jagdschloss Siedlinghausen und durch Siedlinghausen nach Brunskappel fĂŒhrt.
Hindurch fĂŒhrt die Bahnstrecke NuttlarâWinterberg mit dem Bahnhof Siedlinghausen. Der dieselbetriebene RE 57 fĂ€hrt unter der Woche alle zwei Stunden bis nach Dortmund. Am Wochenende wird das Fahrplanangebot wegen des Tourismus in Winterberg auf einen Stundentakt verdichtet.
| Linie | Verlauf | Takt |
|---|---|---|
| RE 57 | Dortmund-Sauerland-Express: Dortmund Hbf â Dortmund-Hörde â Fröndenberg â Wickede (Ruhr) â Neheim-HĂŒsten â Arnsberg (Westf) â Oeventrop â Freienohl â Meschede â Bestwig â Bigge â Siedlinghausen â Silbach â Winterberg (Westf) Stand: Fahrplanwechsel Dezember 2024 | 120âŻmin (wochentags) 60âŻmin (Wochenenden/Feiertage/Juni â September wochentags) |
Zwei Buslinien verkehren durch das Dorf. Der Schnellbus âS50â (Olsberg-Brunskappel-Siedlinghausen-Silbach-Winterberg-ZĂŒschen-Hallenberg), fĂ€hrt wochentags und bis zum Samstagnachmittag stĂŒndlich. Sonntags verkehrt die Hauptlinie viermal in jede Richtung.
Des Weiteren gibt es eine Linie â349â (Siedlinghausen -teilweise Siedlinghausen, Schule- Heindrichsdorf-Wasserfall-Fort Fun-Andreasberg-Elpe-Bigge-Olsberg), welche keinen regelmĂ€Ăigen Takt hat. Ihre Abfahrtszeiten richten sich ĂŒberwiegend nach dem SchĂŒlerverkehr. Nur unter der Woche kommt diese Linie als Bus; Samstags gibt es drei Fahrten, welche als TaxiBus mit telefonischer Anmeldung ausgelegt sind.
Söhne und Töchter des Ortes
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- August GĂŒnther (1909â1989), Landrat und Oberkreisdirektor des Landkreises Soest
- Albert Meister (1895â1942), Politiker der NSDAP, Landtags- und Reichstagsabgeordneter sowie OberbĂŒrgermeister der Stadt Herne, BundesfĂŒhrer des Deutschen SĂ€ngerbundes
- Eugen Senge-Platten (1890â1972), KĂŒnstler, Maler und Bildhauer
Sonstiges
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Der Arzt Franz Schranz (1894â1961) initiierte einen privaten GesprĂ€chszirkel (âSiedlinghauser Kreisâ), in dem sich bekannte Intellektuelle einfanden.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Gerhard Schumacher: Geschichte des Dorfes Siedlinghausen. Selbstverlag, Siedlinghausen 1954.
- Hugo Cramer: Der Landkreis Brilon im zweiten Weltkriege 1939â1945 â Erlebnisberichte vieler Mitarbeiter aus dem ganzen Kreisgebiet. Josefs-Druckerei, Bigge 1955.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Literatur ĂŒber Siedlinghausen in der Nordrhein-WestfĂ€lischen Bibliographie
- Siedlinghausen (offizielle Homepage)
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- â Stadt Winterberg: Winterberg in Zahlen und Fakten, abgerufen am 3. Februar 2022
- â Alfred Bruns: Hallenberger Quellen und Archivverzeichnisse. MĂŒnster 1991, S. 67.
- â Manfred Schöne: Das Herzogtum Westfalen unter hessen-darmstĂ€dtischer Herrschaft 1802â1816. Olpe 1966, S. 172.
- â Statistische Rundschau fĂŒr den Landkreis Brilon. DĂŒsseldorf 1967, S. 16f.
- â Hugo Cramer: Der Landkreis Brilon im zweiten Weltkriege 1939â1945. 1955, Abschnitt Siedlinghausen, S. 149â152.
- â Hugo Cramer: Der Landkreis Brilon im zweiten Weltkriege 1939â1945. 1955, Ehrentafel Abschnitt Siedlinghausen, S. 199â201.
- â Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis fĂŒr die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und SchlĂŒsselnummernĂ€nderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart / Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 332 (Statistische Bibliothek des Bundes und der LĂ€nder [PDF; 41,1 MB]).

