Septimer
| Septimerpass (Pass da Sett/Passo del Settimo) | |||
|---|---|---|---|
| HimmelsÂrichtung | Nord | SĂŒd | |
| Passhöhe | 2310 mÂ ĂŒ. M. | ||
| TĂ€ler: Kanton, Land: |
Oberhalbstein / Bergell | ||
| Talorte | Bivio (1769 mÂ ĂŒ. M.) | Casaccia (1459 mÂ ĂŒ. M.) | |
| Ausbau | Saumweg (mittelalterliche âRömerstrasseâ) | ||
| Gebirge | Oberhalbsteiner Alpen (W) Albula-Alpen (O) | ||
| BesonderÂheiten | aus römischer Zeit bekannt | ||
| Profil | |||
| LĂ€nge | 6Â km | 4Â km | |
| Anstieg | 541Â m | 851Â m | |
| Ă-Steigung | 9Â % | 21,3Â % | |
| Karte (GraubĂŒnden) | |||
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| Koordinaten | 769062Â /Â 143330 | ||

Der Septimerpass (rĂ€toromanisch , italienisch ) ist ein Alpenpass im Schweizer Kanton GraubĂŒnden. Mit einer Scheitelhöhe von 2310 m verbindet er die TĂ€ler Oberhalbstein (Nord) mit Bergell (SĂŒd) und trennt die Oberhalbsteiner Alpen (West) von den Albula-Alpen (Ost).
Lage und Erschliessung
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Die Luftdistanz zu den Passfussorten betrĂ€gt sechs Kilometer bis Bivio (auf 1769 m gelegen) und vier Kilometer bis Casaccia (1459 m). Auf der Passhöhe verlaufen der Alpenhauptkamm und die EuropĂ€ische Hauptwasserscheide zwischen den Einzugsgebieten von Rhein und Po. Vom Septimerpass aus lassen sich zwei weitere PĂ€sse ĂŒberschreiten: nach Westen die Forcellina (2671 m)[1] ins Avers, nach Osten der Lunghinpass (2644 m) ins Oberengadin.
Der einstmals bedeutende mittelalterliche Handelsweg ĂŒber den Pass ist heute in den Sommermonaten eine beliebte Route bei Wanderern und Mountainbikern. Das Gebiet von Bivio bis zur Passhöhe wird vor allem vom schweizerischen MilitĂ€r als Schiess- und Ăbungsareal genutzt.
Namensherkunft
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Name des Passes ist als Septimus erstmals um 1035 erwĂ€hnt (Ekkehard IV., s. a. 895), die rĂ€toromanische Form Set im spĂ€ten 14. Jahrhundert (angebliches Setmunt um 1210 bei Gottfried von StraĂburg ist eine Konjektur von Hans Ferdinand MaĂmann 1843). Als deutschsprachige Form wird Septmer um 1500 fassbar. Volksetymologisch wurde der Name mit dem römischen Kaiser Septimius Severus in Verbindung gebracht (wie auch Julier mit Julius CĂ€sar), daneben auch mit unterschiedlichen Herleitungen aus dem Zahlwort âsiebenâ. Stampa kommt in seiner Studie zum Flurnamen (1954) zur Ansicht, dass mit grösserer Wahrscheinlichkeit eine Ableitung zu *seditare "sitzen, sich setzen", analog zu tessinerisch sĂšt "Bank, Steinbank", vorliege.[2] Michiel de Vaan nimmt ein spĂ€tlateinisches/romanisches Saeptu Monte bzw. Monte Saeptu an, zu Deutsch âbeschĂŒtzter Bergpassâ.[3]
Geschichte
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Der Pass wurde seit der Römerzeit begangen, trat aber an Wichtigkeit hinter dem weniger steilen und weniger lawinengefĂ€hrdeten Julierpass zurĂŒck. Bis in die 1930er-Jahre galt die Benutzung des Septimer in römischer Zeit als wahrscheinlich aber ungesichert; 1938 gelang H. Conrad der Nachweis durch Entdeckung eines Silberdenars aus dem Jahr 46 v. Chr.[4] Die Strasse ĂŒber den Septimer war in römischer Zeit allerdings wohl weniger gut ausgebaut als die ĂŒber den Julier; Simonett (2018) vermutet, dass man fĂŒr den Warenverkehr mit beladenen Wagen den Julier wĂ€hlte, fĂŒr den RĂŒckweg mit leeren Karren den kĂŒrzeren aber steileren Weg ĂŒber den Septimer.[5]

Bei Ausgrabungen 2007/2008 wurde auf 2340 m direkt oberhalb des Passweges ein noch immer gut erkennbares römisches Feldlager aus der augusteischen Kaiserzeit entdeckt. Es bot Platz fĂŒr drei jeweils etwa 200 Mann starke Einheiten. Zahlreiche Funde, unter anderem römische Schleuderbleie, Zeltheringe und MĂŒnzen, lassen vermuten, dass das Lager 16 v. Chr. zur Vorbereitung des Alpenfeldzugs 15 v. Chr. errichtet wurde und danach bis in das zweite Jahrzehnt n. Chr. in den Sommermonaten besetzt war. Die Soldaten sollten wahrscheinlich den Septimerpass als wichtigen Nachschubweg fĂŒr die nördlich der Alpen operierende römische Armee militĂ€risch sichern und instand halten. Nachdem Kaiser Tiberius 16/17 n. Chr. die Eroberung des rechtsrheinischen Germanien (Germania magna) aufgegeben und den Rhein als Grenze akzeptiert hatte, hatte das römische Heer im Norden zunĂ€chst keine militĂ€rischen Aufgaben mehr. Die aufwendigen Nachschublieferungen wurden ĂŒberflĂŒssig und damit wohl auch das Armeelager auf der Septimer-Passhöhe.[6]
Der Besitz der gesamten Septimerroute von Chur bis Chiavenna einschliesslich der damit verbundenen Zolleinnahmen bildete seit 960 die Machtbasis des Churer Bischofs. Ăber den Pass â im Hochmittelalter neben Grossem St. Bernhard und Brenner die wichtigste alpenquerende Transitverbindung â zogen HĂ€ndler und Heere, Könige und Kaiser, beispielsweise 961 Otto der Grosse und 1164 Friedrich Barbarossa. Das Hospiz St. Peter (Tgesa da Sett) mit Kapelle auf der Passhöhe wurde um 1100 erbaut oder erneuert.
1387 beauftragte der Bischof den Bergeller Adligen Jakob von Castelmur, den Pass zu einer befahrbaren Strasse auszubauen (âda er ainen weg und lantstraĂ ĂŒber den vorgenanten berg [âŠ] machen will und buwen sol, also das man mit wĂ€gen wol darĂŒber gefaren und gewandeln magâ); im Gegenzug hatte dieser Anspruch auf 10 Jahre weglösi.[7] Die Organisation der Transporte erfolgte durch die Porten Lenz, Tinizong, Stalla und Bergell-Sopraporta. Mit der Ăffnung der Viamala 1473 gewann aber die konkurrierende Untere Strasse ĂŒber den SplĂŒgenpass gegenĂŒber der Oberen Strasse ĂŒber den Septimer an Bedeutung, und durch fehlenden Unterhalt sank der Fahrweg wieder zum Saumpfad herab. Nachdem man seit dem SpĂ€tmittelalter verstĂ€rkt Weideland durch Rodung gewonnen hatte, stieg die Steinschlag- und Lawinengefahr an. Wegen der besonders im Winter gefĂŒrchteten Hangtraversierung am Piz Blanch auf der SĂŒdseite des Passes verlagerte sich auch der regionale Verkehr zunehmend auf die wesentlich sicherere parallel verlaufende Route ĂŒber Julier- und Malojapass. Als 1820 eine Fahrstrasse ĂŒber den Julier gebaut wurde, geriet der Septimer völlig ins Abseits, und das 1646 neu errichtete Hospiz verfiel.
Das gepflasterte StrĂ€sschen von 1387 sowie eine spĂ€tere â nach Annahme von Armon Planta um 1800 erbaute â Wegvariante haben sich abschnittsweise sehr gut erhalten. Besonders eindrĂŒcklich sind die Passage am SĂ€scel battĂŒ (behauener Stein) und, unterhalb davon, die Cranch (Kehren), mit denen der Weg ins Val Maroz absteigt.
Ab 1938 entstand etwas sĂŒdlich der Passhöhe die Sperrstelle Septimer, bestehend aus vier in Kavernen untergebrachten Maschinengewehrstellungen. Die Sperrstelle sollte das Vordringen von Infanterie-VerbĂ€nden aus dem Bergell nach Norden und damit eine Umgehung der Sperrstellen Julier und Maloja verhindern. Die Sperrstelle wurde in den 1990er-Jahren im Zuge des Konzepts Armee 95 aufgegeben.[8]
Literatur
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- Guido Lisignoli: Bergell â Die schönsten Wanderungen. Lyasis Verlag, Sondrio.
- Carl Paul: Wanderung am 7. August 1882 auf der RömerstraĂe ĂŒber den Septimerpass. 1882, S. 83â89 (gaebler.info [PDF]).
- Helmut Tiefenthaler: Der Italienweg ĂŒber den Septimer. Ein kulturgeschichtlicher Weitwanderweg vom Bodensee an den Comer See. In: Schriften des Vereins fĂŒr Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung. Band 132, 2014, S. 231â263 Digitalisat
Zur historischen Bedeutung:
- Ingrid H. Ringel: Der Septimer â Wahrnehmung und Darstellung eines Alpenpasses im Mittelalter. Kommissionsverlag Desertina, Chur 2011, ISBN 978-3-85637-404-4.
- Armon Planta: Verkehrswege im alten RÀtien. Band 2. Terra Grischuna Verlag, Chur 1986, ISBN 3-908133-22-X.
- Maria Strasser-Lattner: Der Handel ĂŒber die BĂŒndner PĂ€sse zwischen Oberdeutschland und Oberitalien im spĂ€ten Mittelalter. Magisterarbeit, UniversitĂ€t Konstanz. Konstanz 2004 (Volltext, ub.uni-konstanz.de).
- Werner Zanier: Der römische Alpenfeldzug ĂŒber den Septimer 15 v. Chr. In: AkademieAktuell. Zeitschrift der bayerischen Akademie der Wissenschaften. Nr. 3/2006, 2006, ISSN 1436-753X, S. 28â31 (badw.de [PDF]).
- JĂŒrg Simonett: Septimerpass. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 9. Dezember 2016.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- â Piz Forcellina auf ETHorama
- â Stampa, G.A., "Zur Deutung des Flurnamens Set - Septimer", BĂŒndner Monatsblatt : Zeitschrift fĂŒr BĂŒndner Geschichte Heft 3 (1954), doi:10.5169/seals-397666.
- â Michiel de Vaan: Der Passname Septimer. In: Werner Zanier (Hrsg.): Das römische MilitĂ€rlager auf dem Septimerpass in GraubĂŒnden (Schweiz). Band 2. C. H. Beck, MĂŒnchen 2025, S. 555â560.
- â BĂŒndnerisches Monatsblatt, 1938, S. 233/234.
- â JĂŒrg Simonett: "Julierpass", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 30. Januar 2018. Online:
- â Terra Grischuna 6/2011: Schleuderbleie, Pilumspitzen und HellebardenĂ€xte
- â Thomas KĂŒhtreiber: StraĂe und Burg. Anmerkungen zu einem vielschichtigen VerhĂ€ltnis. In: Kornelia Holzner-Tobisch, Thomas KĂŒhtreiber, Gertrud Blaschitz (Hrsg.): Die Vielschichtigkeit der StraĂe. KontinuitĂ€t und Wandel in Mittelalter und frĂŒher Neuzeit (= Veröffentlichungen des Instituts fĂŒr Realienkunde des Mittelalters und der frĂŒhen Neuzeit). Band 22. Wien 2012, Kap. Burg und ZollstĂ€tten: Fallbeispiele im schrift- und bauhistorischen Vergleich (S. 284), S. 263â301 (Text auf academia.edu).
- â Sperrstelle Septimer beim Festungsmuseum Crestawald (abgerufen am 12. Oktober 2012).

