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Pestmauer

aus Wikipedia, der freien EnzyklopÀdie
Die Pestmauer nahe Fontaine-de-Vaucluse
Ein Meilenstein zur Erinnerung an die Pestmauer

Die Pestmauer (frz. Mur de la peste) ist eine annĂ€hernd 25 Kilometer lange Mauer, die man ab 1721 im Hochland des Comtat Venaissin (Frankreich) errichtete, um die Ausbreitung der Pest zu verhindern, die in einer der letzten großen Epidemien Europas zwischen dem Juni 1720 und 1722/1723 in der Provence wĂŒtete.

Am 25. Mai 1720 schleppte das Schiff Le Grand St. Antoine, aus Syrien kommend, die Pest in den Hafen von Marseille ein (Große Pest von Marseille). Da man aus wirtschaftlichen GrĂŒnden die QuarantĂ€ne von Schiffsbesatzung und Ladung auf der Île de Jarre von 40 auf 26 Tage verkĂŒrzt hatte, konnte sich die Krankheit zunĂ€chst in den Armenvierteln der Stadt, dann aber auch in Aix-en-Provence, im Luberon und in den Alpillen ausbreiten. In der Provence wurden daraufhin zahlreiche Barrieren errichtet, um die Ausbreitung der Krankheit zu verhindern. Auch die FlussĂŒbergĂ€nge wurden bewacht.

Am 21. August 1720 untersagte der Vize-Legat Rainier d’Elci dem ihm unterstellten pĂ€pstlichen Comtat Venaissin den Handel mit den sĂŒdlicher gelegenen Teilen der Provence. SĂ€mtlicher Verkehr in den Bergen des spĂ€teren DĂ©partements Vaucluse wurde verboten.

Im Februar 1721 vereinbarten Vertreter des Comtat Venaissin und des Königreichs Frankreich, eine 25 Kilometer lange und zwei Meter hohe Mauer zwischen Monieux und der Schlucht von CabriĂšres zu errichten, um ihre jeweiligen Gebiete zu schĂŒtzen. Wegen des unwegsamen GelĂ€ndes und fehlender qualifizierter BaukrĂ€fte – die Arbeiten wurden ĂŒberwiegend von Landarbeitern, Landstreichern und Kindern ausgefĂŒhrt – dauerten die Bauarbeiten bis in den Juli 1721. Die Pestmauer wurde anschließend von etwa tausend pĂ€pstlichen Soldaten bewacht.

Bereits Ende August 1721 erreichte aber die Pest Avignon und das Comtat Venaissin, wĂ€hrend sie in den sĂŒdlicheren Teilen der Provence bereits nahezu verklungen war. Kurzerhand ĂŒbernahmen französische Soldaten das Bauwerk, um nun den SĂŒden vor dem Norden zu schĂŒtzen. Erst ab Januar 1723 war auch im Comtat Venaissin die Pest ĂŒberwunden.

Reste der Mauer und der kleinen HĂŒtten fĂŒr die Wachtposten sind vom Pas de Viguier im Norden, auf dem Col de la Ligne (756 m), auf der Gemarkungsgrenze von Murs nach Methamis, östlich der Fontaine-de-Vaucluse und bei CabriĂšres d’Avignon zu sehen.

  • Stefan Brandenburg, Ines Mache: Provence. Handbuch fĂŒr individuelles Reisen und Genießen. Reise Know-How Verlag Rump, Bielefeld/Brackwede 1996, S. 479–481, ISBN 3-89416-609-6

Koordinaten: 43° 53â€Č 41,1″ N, 5° 8â€Č 22,1″ O