Latil TP
| Latil TP | |
|---|---|
| Restaurierter Latil TP | |
| Basisinformation | |
| Hersteller | Automobiles Industriels Latil |
| Modell | TP |
| Produktionszeit | 1916â1918/9 |
| Varianten | s. Text |
| Technische Daten | |
| Eigengewicht | 3,8 t |
| Nutzlast | 4,0 t |
| Länge | 5,79 m |
| Breite | 2,01 m |
| Radstand | 3,00 m |
| Spurweite | 1,70 m |
| Motor | wassergekĂźhlter Vierzylinder, 105Ă140 mm |
| Leistung | 35 PS bei 1200/min |
| Geschwindigkeit | 24 km/h |
| Kraftstoffvorrat | 85 l |
| Getriebe | 5 V, 1 R |
| Antriebsformel | 4 Ă 4 |
| Bereifung | Vollgummi v. 1000Ă140, h. dopp.1000Ă130 |
Der Latil TP war eine allradgetriebene Zugmaschine fĂźr GeschĂźtze, die die franzĂśsische Armee im Ersten und im Zweiten Weltkrieg verwendete.
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Firma Latil hatte mit dem Latil TAR eine sehr erfolgreiche Zugmaschine fĂźr schwerste GeschĂźtze entwickelt, die im franzĂśsischen Heer im Ersten Weltkrieg zahl- und erfolgreich verwendet wurde. Es entstand der Wunsch nach einem leichteren und kleineren Fahrzeug, das als Zugmaschine auch fĂźr leichtere GeschĂźtze (die bislang pferdebespannt gezogen wurden) eingesetzt werden konnte. Der daraufhin von Latil entwickelte Typ TP (Tracteur Porteur, etwa zu Ăźbersetzen mit âZugmaschine mit Ladeflächeâ) wurde ab etwa Sommer 1916 hergestellt, ab Oktober 1916 begannen die ersten fertiggestellten Fahrzeuge die bis dahin in Gebrauch befindlichen US-amerikanischen Jeffery Quad bei der Artillerie portĂŠ (= verlastete Feldartillerie) abzulĂśsen[1].[A 1] Die AblĂśsung anderer Allrad-LKW in bestehenden Formationen der Artillerie portĂŠ und die Aufstellung neuer solcher Formationen war ein Prozess, der sich bis Kriegsende im November 1918 hinzog.

Als nach Ende des Ersten Weltkrieges die franzĂśsische Armee auf FriedensfuĂ zurĂźckgefĂźhrt wurde, wurden die bisher benutzten Latil TP in Arsenalen eingelagert, um mit ihnen im Kriegsfall neu aufzustellende Formationen auszurĂźsten. Ende 1921 fanden Versuche statt, die Fahrzeuge auch zum Ziehen der Canon de 105 mle 1913 Schneider und der Canon de 155 C modèle 1917 Schneider zu verwenden: Beide GeschĂźtze wogen einschlieĂlich Protze in Fahrstellung zwischen drei und vier Tonnen, die sechs Tonnen Zugkraft des Latil TP reichten daher zum Bewegen dieser GeschĂźtze aus[2]. Dementsprechend wurden in der Folgezeit mit den genannten GeschĂźtzen ausgestattete Formationen mit Latil TP motorisiert[3].
Gebaute Stßckzahlen sind nicht genannt, indessen dßrften zusammen von allen Varianten (s. u.) mindestens mehrere hundert Latil TP von 1916 bis zum Produktionsende (wohl Anfang 1919) gebaut worden sein.
Technik
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Fahrzeug kann als âkleiner Bruderâ des Latil TAR angesehen werden: Gleich diesem hatte er Vierradantrieb und einen Radstand von 3,00 m, ebenso befand sich der KĂźhler hinter dem Motor, was der Motorhaube ein schnabelfĂśrmiges Aussehen verlieh. Gelenkt waren indessen nicht alle vier Räder, sondern nur die Vorderräder. Die eisernen vollgummibereiften Räder hatten nur fĂźnf Speichen, daran kann der Latil TP leicht vom Latil TAR (letzterer mit acht Speichen) unterschieden werden. Die Zugleistung betrug sechs Tonnen[4]. Die HĂśchstgeschwindigkeit in den einzelnen Gängen des FĂźnfganggetriebes waren wie folgt: 1. Gang 2,5 km/h, 2. Gang 4,2 km/h, 3. Gang 7,1 km/h, 4. Gang 12,8 km/h und im 5. Gang 20 km/h.
Varianten des Latil TP
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Zur Beobachtung der Trefferwirkung der Artillerie wurden im Ersten Weltkrieg vermehrt Fesselballone eingresetzt. Diese Ballone, die ein leichtes Ziel fĂźr feindliche Flugzeuge waren, mussten im Falle, dass sie angegriffen wurden, mĂśglichst schnell herabgezogen werden kĂśnnen, um sie so feindlicher Trefferwirkung zu entziehen. Die ursprĂźnglich pferdebespannten Ballonkompanien (âcompagnies d'aĂŠrostiersâ) wurden daher ab 1915 mit Kraftfahrzeugen ausgestattet, die Ăźber motorbetriebene Zugwinden verfĂźgten. Die ursprĂźnglich verwendeten Delahaye Type 78 ud Delahaye Type 80 (die nur Ăźber Hinterradantrieb verfĂźgten) wurden ab 1917 durch allradgetriebene Latil TP ersetzt, diese Fahrzeuge hatten neben einem besonderen Windenaufbau auf der Ladefläche einen stärkeren Motor von Panhard & Levassor, um den Beobachtungsballon mit mĂśglichst hoher Geschwindigkeit einfahren zu kĂśnnen. Der Vierradantrieb des Latil TP ermĂśglichte darĂźber hinaus den Einsatz des Ballons auch jenseits befestigter StraĂen[5].
Zu jedem Latil TP als Windenwagen gehĂśrte auĂerdem ein Latil TP als sogenannter âTenderâ zum Transport der Bedienungsmannschaften sowie von dringend benĂśtigtem Bediengerät. Diese Tender hatten den normalen Motor des Latil TP, jedoch einen auf 3,75 m verlängerten Radstand und einen Aufbau mit Sitzbänken fĂźr die Mannschaften und Schubfächern fĂźr deren Gepäck und diverses Gerät[6].
1918 wurde ein Latil TP fßr den Einsatz in Marokko mit Panzerplatten versehen und im März 1918 in Vincennes getestet. Ob (mÜglicherweise zwei?) weitere Fahrzeuge gebaut wurden, ob und wann sie nach Marokko verschifft wurden, ist allerdings unbekannt[7].
Ein Anfang 1919 entwickelter Ackerschlepper mit dem Motor des Latil TP, aber vĂśllig neuem Fahrgestell, erhielt die Bezeichnung Tourand-Latil TP.
Im Zweiten Weltkrieg
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Spätestens in den 1930er Jahren war das Prinzip der artillerie portĂŠ Ăźberholt: Mittlerweile gab es voll geländegängige (6Ă6) Zugmaschinen wie den Laffly S 15 T oder die Halbketten-Zugmaschine CitroĂŤn-KĂŠgresse P107, die FeldgeschĂźtze, ohne sie gesondert auf- und abladen zu mĂźssen, direkt als Anhängelast in die Feuerstellung ziehen konnten.
Die Windenwagen in den Ballonformationen wurden durch Latil M 1 B ersetzt, die, 1938 bestellt, ab Anfang 1939 der franzĂśsischen Armee zuliefen. Als im September 1939 der Zweite Weltkrieg ausbrach, waren gleichwohl noch etliche mittlerweile vĂśllig veraltete Latil TP in Depots vorhanden und kamen erneut zum Einsatz, um bei Mobilmachung neu aufgestellte Formationen auszustatten[8].
Die in der Masse noch während des Ersten Weltkrieges gebauten Fahrzeuge dßrften jetzt in der Praxis viel Verdruss bereitet haben: Sie waren nicht nur technisch mittlerweile restlos veraltet, sondern zudem auch infolge der langen Standzeiten in Depots entsprechend ßberlagert und reparaturanfällig. Die Fahrer und das Wartungspersonal, neuerer Kraftfahrzeuge gewohnt, bedurften der besonderen Einweisung. Die Erkenntnis, mit vÜllig veraltetem Material in den Krieg geschickt zu werden, zehrte an der Moral der Soldaten.
In die Wehrmacht wurden nach der Niederlage Frankreichs keine Latil TP ßbernommen, ein Gebrauch durch die Wehrmacht ist photographisch nicht belegt. Es dßrften daher alle Latil TP, sofern von deutschen Truppen erbeutet, nach dem Waffenstillstand von Compiègne (1940) verschrottet worden sein.
Anmerkungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- â Die Artillerie portĂŠ war geschaffen worden, um eine schnell verfĂźgbare Artilleriereserve zu haben: GeschĂźtz, Protze und Kettenzugmaschine waren auf den Ladeflächen allradgetriebener Lkw verlastet, die den Transport Ăźber längere Strecken Ăźbernahmen; im unmittelbaren Kampfgebiet wurden die Lasten abgeladen, und die Raupenschlepper zogen die GeschĂźtze in die meist in schwer zugänglichem Trichtergelände liegende Feuerstellung.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- François Vauvillier: Tous les Latil militaires 1914â1940, Volume 1 Camions et tracteurs routiers, Histoire et collections, Paris 2024, ISBN 979-10-380-1342-1
- Guy François: L' artillerie automobile française des origines à 1919, Histoire & collections, Paris 2023, ISBN 979-10-380-1344-5
- Guy François: L' artillerie de campagne de 75 portÊe 1919-1939, in GBM (Histoire de guerre, blindÊs & matÊriel) No. 145 S. 53ff, Paris 2023, ISSN 1956-2497
- Jacques Sicard, François Vauvillier: Les automitrailleuses au Maroc, 1908â1933, in GBM (Histoire de guerre, blindĂŠs & matĂŠriel) No. 87 S. 58ff, Paris 2009, ISSN 1956-2497
