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HeinzelmÀnnchen

aus Wikipedia, der freien EnzyklopÀdie

Die HeinzelmĂ€nnchen waren der Sage nach Kölner Hausgeister. Sie verrichteten nachts, wenn die BĂŒrger schliefen, deren Arbeit. Nachdem sie dabei jedoch einmal beobachtet wurden, verschwanden sie fĂŒr immer. Neben ihrer geringen GrĂ¶ĂŸe zeigen auch typische Attribute, wie die ZipfelmĂŒtze und ihr Fleiß, dass die HeinzelmĂ€nnchen zur Gruppe der Kobolde, Wichtel und Zwerge gehören.

Die Volkskundlerin Marianne Rumpf (1921–1998) fĂŒhrt in einem Beitrag[1] in der Fachzeitschrift fĂŒr ErzĂ€hlforschung Fabula von 1976 zwei ErklĂ€rungen zur Herkunft des Namens in der Volkssage an: Zum einen war HeinzelmĂ€nnlein[2] eine Bezeichnung fĂŒr die Alraune,[3] die als Hausgeist verwendet wurde. Zum anderen waren Heinz[4] oder Heinzenkunst Namen von Vorrichtungen im Bergbau zur WasserabfĂŒhrung. Daher könnten nach Rumpf die Bediener solch hilfreicher Vorrichtungen HeinzelmĂ€nner genannt worden sein.[5]

Ski-laufende HeinzelmĂ€nnchen auf dem Kölner Weihnachtsmarkt „Heinzels WintermĂ€rchen“ 2018 (auf der DachflĂ€che)

Der Weihnachtsmarkt auf dem Heumarkt und dem Platz Alter Markt in Köln nennt sich „Heinzels WintermĂ€rchen“. Auf ihm werden HeinzelmĂ€nnchenfiguren in verschiedenen Situationen dargestellt.

Als Vorlage der Kölner Sage diente möglicherweise die 1816 erstmals mĂŒndlich ĂŒberlieferte Sage Des kleinen Volkes Hochzeitsfest auf der Eilenburg aus der Sagensammlung der BrĂŒder Grimm, welche sich auf der mittelalterlichen Burg Eilenburg im sĂ€chsischen Eilenburg zugetragen haben soll.[6][7] Die Sage erscheint 1826 erstmals schriftlich in einem Werk des Kölner Schriftstellers Ernst Weyden (1805–1869) als kurze ProsaerzĂ€hlung mit dem Herkunftsvermerk „MĂŒndlich“ und der Einleitung:

„Es mag noch nicht ĂŒber fĂŒnfzig Jahre seyn, daß in Cöln die sogenannten HeinzelmĂ€nnchen ihr abentheuerliches Wesen trieben. Kleine nackende MĂ€nnchen waren es, die allerhand thaten, Brodbacken, waschen und dergleichen Hausarbeiten mehrere; so wurde erzĂ€hlt; doch hatte sie Niemand gesehen.“

– Ernst Weyden: Cöln's Vorzeit[8]
HeinzelmĂ€nnchen-Diorama mit bei MĂŒnzeinwurf beweglichen Figuren (am Aufstieg zum Drachenfels (Siebengebirge))

PopulĂ€r geworden ist sie in der Gedichtfassung (Ballade) von 1836 des Malers und Dichters August Kopisch (1799–1853), mit der er die ursprĂŒnglich rheinlĂ€ndische Sage aus dem Siebengebirge nach Köln transportierte:

„Wie war zu Cölln es doch vordem,
Mit HeinzelmÀnnchen so bequem!
Denn, war man faul: 
 man legte sich
Hin auf die Bank und pflegte sich:
Da kamen bei Nacht,
Ehe man’s gedacht,
Die MÀnnlein und schwÀrmten
Und klappten und lÀrmten
Und rupften und zupften
Und hĂŒpften und trabten
Und putzten und schabten 

Und eh ein Faulpelz noch erwacht, 

War all sein Tagewerk 
 bereits gemacht!“

– August Kopisch: Gedichte[9]

Ähnliche Figuren die Wolterkens in Schleswig-Holstein[10] und die Brownies aus dem englischen Sprachraum, Nisse in Norwegen und DĂ€nemark sowie die Tomte in Schweden, die dort als Julenisse oder Jultomte die Weihnachtsgeschenke bringen. Die HeinzelmĂ€nnchen zĂ€hlen zu den Vorbildern der Ende des 19. Jahrhunderts erfundenen Gartenzwerge.[11] Kommerzielle Varianten neuerer Zeit sind die MainzelmĂ€nnchen als die Maskottchen des ZDF.

In den Niederlanden nennt man sie Kabouters. In den 1960er- und 1970er-Jahren entstand dort ein regelrechter Kult um diese fiktiven Geschöpfe. Dazu trug auch ein von Wil Huygen und Rien Poortvliet herausgebrachtes, liebevoll illustriertes Werk Das große Buch der HeinzelmĂ€nnchen. Die ganze Wahrheit ĂŒber Herkunft, Leben und Wirken des Zwergenvolkes bei.

Auch zu den Menehune von Hawaii besteht eine gewisse Ähnlichkeit.

In dem 2021 erschienenen Buch Die HeinzelmĂ€nnkes. Auf Abenteuer im Ruhrgebiet verlassen diese Köln und landen an Ruhr und Emscher. Obwohl sie dort einiges zum Guten wenden, werden sie schließlich aufgrund ihres aufmĂŒpfigen Verhaltens von der Obrigkeit aus der Region verwiesen. Der Kölner Stadt-Anzeiger brachte zu dem Thema ein Gesellschaftsspiel (Brettspiel) heraus.

HeinzelmÀnnchenbrunnen

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HeinzelmÀnnchenbrunnen zu Köln von Edmund und Heinrich Renard (2006)
HeinzelmÀnnchenbrunnen: Detail (2007)
Eilenburger HeinzelmÀnnchen-Brunnen (2009)

Dieser Kölner Brunnen steht nahe dem Dom und gegenĂŒber dem Ă€ltesten Brauhaus Kölns, dem FrĂŒh, in der Straße Am Hof. (50° 56â€Č N, 6° 57â€Č O) Er wurde in den Jahren 1899–1900 von dem Architekten Heinrich Renard (1868–1928) und seinem Vater, dem Bildhauer Edmund Renard der Ältere (1830–1905) gestaltet, auch wenn dieser eigentlich eher der religiösen Kunst verpflichtet war. Der Brunnen wurde vom Kölner Verschönerungsverein aus Anlass des 100. Geburtstags von August Kopisch (1799–1853) gestiftet. Die Original-Skulptur der Schneidersfrau ist im Kölnischen Stadtmuseum im Zeughaus Köln ausgestellt und am Brunnen durch eine der Verwitterung besser widerstehende Kopie ersetzt.[12]

Die Grundform des HeinzelmĂ€nnchenbrunnens wird durch ein Kreissegment bestimmt, dessen Mittelpunkt die dreipassförmige Brunnenschale aus Granit bildet. DarĂŒber erhebt sich die Doppeltreppe, auf der die hĂŒbsch dargestellte Schneidersfrau mit einer Laterne in der Hand steht. Sie leuchtet auf die zu beiden Seiten heruntergestĂŒrzten HeinzelmĂ€nnchen, die zu ihr aufschauen. Unter ihr am Mittelpfeiler des Brunnens steht auf einem ĂŒber einem Schneiderwappen liegenden Schriftband der Kernsatz des Gedichtes von Kopisch: „Neugierig war des Schneiders Weib“.

Die massive BrĂŒstungsmauer schließt an den eigentlichen Brunnen in westlicher und östlicher Richtung an. Sie besteht aus Sandstein. Acht Reliefs zieren die Mauer. Sechs davon zeigen die einzelnen Arbeiten der nĂ€chtlichen Helfer. Von links nach rechts sind dargestellt der Zimmermann, der Schreiner, der BĂ€cker, der Metzger, der Schenk und zuletzt der Schneider. Dazwischen befinden sich noch zwei Reliefplatten mit AuszĂŒgen aus dem Gedicht in Frakturschrift. An der RĂŒckseite des Brunnens sitzt eine Eule auf einem Buch und hĂ€lt eine Lupe in den Krallen. Sie steht fĂŒr Klugheit und Weisheit, das Buch und die Lupe weisen auf das literarische Werk von August Kopisch hin.

Bei der Renovierung des Brunnens 2017/18 wurden die durch eine Hydrophobierung geschĂ€digten figĂŒrlichen Reliefs durch KunststeinabgĂŒsse ersetzt. Die Originale gingen an das Kölnische Stadtmuseum und in das Depot des Stadtkonservators Köln.[13]

Außerdem gibt es im Kölner Stadtteil Neuehrenfeld in der NĂ€he des Takuplatzes den HeinzelmĂ€nnchenweg. (50° 58â€Č N, 6° 55â€Č O)

Ferner gibt es in Köln-Höhenhaus am Wupperplatz das Denkmal fĂŒr den Grinkenschmied. Er soll hier nach der Vertreibung der Heinzel aus Köln in einer Höhle im Wald am Emberg gewohnt haben. Grinken sind die Metallringe um WagenrĂ€der. Er soll aber darĂŒber hinaus besonders kunstfertig in der Schmiedekunst gewesen sein. Am Wupperplatz gibt es außerdem ein nach ihm benanntes Lokal. FrĂŒher wurde er einmal jĂ€hrlich zu einer Kirmes „geweckt“.

Der KĂŒnstler Michael Weihe schuf den HeinzelmĂ€nnchen-Brunnen auf dem Marktplatz von Eilenburg, der auf die Eilenburger HeinzelmĂ€nnchen-Sage Bezug nimmt.

HeinzelmÀnnchenplastik in Berlin-Alt-Treptow

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Vier HeinzelmÀnnchen von Werner Richter, in Berlin-Alt-Treptow (2011)

Seit 1981 schmĂŒckt den Treptower Park auf der Höhe der Bulgarischen Straße am Weg zur AbteibrĂŒcke zur Insel Treptow (ehemals „Insel der Jugend“) ein von Werner Richter in Bronze und Granit geschaffenes Kunstwerk, das vier der Kölner HeinzelmĂ€nnchen zeigt, die stark bewegt eine steile Treppe herabkollern. Die erzĂ€hlfreudige Gruppe gehört zu den gelungenen Plastiken im Treptower Park aus der Zeit der DDR.[14] Der 2001 mit dem Bezirk Köpenick zum neuen Bezirk Treptow-Köpenick zusammengeschlossene Bezirk Treptow grĂŒndete zur politischen Wende mit Köln am Rhein eine StĂ€dtepartnerschaft.

Das Kunstwerk wurde im November 2014 von Buntmetalldieben abgebaut und weggeschafft, das zustÀndige Bezirksamt hat Anzeige gegen unbekannt erstattet und lÀsst ermitteln.[15] Bis 2021 wurde das Kunstwerk nicht gefunden.[16]

Joseph Hellmesberger junior komponierte 1903 das CharakterstĂŒck HeinzelmĂ€nnchen fĂŒr Orchester. Es wurde einem breiten Publikum durch das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker 2022 bekannt.

Hans Pfitzner vertonte die Ballade Kopischs 1903 als Orchesterlied (Die HeinzelmÀnnchen op. 14).

Philatelistisches

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Mit dem Erstausgabetag 7. Oktober 2021 gab die Deutsche Post AG in der Serie Sagenhaftes Deutschland ein Postwertzeichen im Nennwert von 60 Eurocent unter dem Titel HeinzelmÀnnchen heraus. Der Entwurf stammt vom Grafiker Thomas Steinacker aus Bonn.

  • Ernst Weyden: Cöln's Vorzeit. Geschichten, Legenden und Sagen Cöln's, nebst einer Auswahl cölnischer Volkslieder. Schmitz, Köln 1826.
  • August Kopisch: Die HeinzelmĂ€nnchen zu Köln. Regionalia Verlag, Rheinbach 2014, ISBN 978-3-95540-137-5.
  • August Kopisch: Gedichte. Duncker und Humblot, Berlin 1836.
  • Rien Poortvliet, Wil Huygen: Das große Buch der HeinzelmĂ€nnchen. Die ganze Wahrheit ĂŒber Herkunft, Leben und Wirken des Zwergenvolkes. Stalling, Oldenburg, 1978. ISBN 3-7979-1668-X [= Heel Verlag, Königswinter 2012, ISBN 978-3-86852-622-6].
  • Rien Poortvliet, Wil Huygen: Das geheime Buch der HeinzelmĂ€nnchen. Neues vom Zwergenvolk und ihre Botschaft an die Menschen. Heel Verlag, Königswinter 2020, ISBN 978-3-96664-019-0.
  • Die HeinzelmĂ€nnchen (und andere Geschichten aus Opas altem Buch) CD Hörspiel uccello verlag, ISBN 978-3-397337-80-7.
  • Handbuch von Köln Verlagsanstalt Hermann Wieger, Köln 1925.
  • Yvonne Plum: Kölner Brunnen Hayit Verlag Köln 1992.
  • Birgit Schilling, Karl Heinz Thurz: Brunnen in Köln. J. P. Bachem Verlag, Köln 1988, ISBN 3-7616-0936-1.
  • Hans-JĂŒrgen Mende und Kurt Wernicke (Hrsg.): Berliner Bezirkslexikon Treptow-Köpenick. Berlin 2009, ISBN 978-3-89542-153-2.
  • Benjamin BĂ€der (Zeichnungen), Werner Boschmann (Text): Die HeinzelmĂ€nnkes. Auf Abenteuer im Ruhrgebiet. Begleitet von Benjamin BĂ€der und Werner Boschmann. Beraten durch Olli Heinze (Sprecher der HeinzelmĂ€nnkes). Verlag Henselowsky Boschmann, Bottrop 2021, ISBN 978-3-948566-08-1.
Commons: HeinzelmĂ€nnchen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikisource: HeinzelmĂ€nnchen – Quellen und Volltexte
Wiktionary: HeinzelmĂ€nnchen – BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

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  1. ↑ Marianne Rumpf: Wie war zu Cölln es doch vordem mit HeinzelmĂ€nnchen so bequem. Fabula, 17/1 (1976), S. 45–74.
  2. ↑ Adelung - Das HeinzelmĂ€nnlein. Abgerufen am 21. Juni 2025.
  3. ↑ Adelung - Der Alraun. Abgerufen am 21. Juni 2025.
  4. ↑ Adelung - 2. Der Heinz. Abgerufen am 21. Juni 2025.
  5. ↑ Rumpf, S. 70.
  6. ↑ Mitteldeutscher Rundfunk (MDR): RĂ€tsel, Mythen und Legenden - Die HeinzelmĂ€nnchen von Eilenburg. Archiviert vom Original am 12. September 2017; abgerufen am 11. September 2017.
  7. ↑ Stadtverwaltung Eilenburg: HeinzelmĂ€nnchensage. Abgerufen am 11. September 2017.
  8. ↑ Ernst Weyden: Cöln's Vorzeit. Cöln am Rhein, Pet. Schmitz, 1826, S. 200; Volltext einsehbar bei Wikisource.
  9. ↑ August Kopisch: Gedichte. Berlin, Duncker und Humblot, 1836, S. 98, die erste Strophe; Volltext einsehbar bei Wikisource.
  10. ↑ Karl MĂŒllenhoff (Hrsg.): Sagen, MĂ€rchen und Lieder der HerzogtĂŒmer Schleswig, Holstein und Lauenburg499. Die Wolterkens. 499. Die Wolterkens. Erstdruck, 1. Auflage. Dritte Buch. Schwerssche Buchhandlung, Kiel 1845 (zeno.org).
  11. ↑ Der Gartenzwerg. Goethe-Institut, abgerufen am 14. April 2024.
  12. ↑ Judith Breuer: Der HeinzelmĂ€nnchenbrunnen in Köln. Beinahe ein Nachruf. In: Kölner Domblatt. Jahrbuch des Zentral-Dombau-Vereins, 83. Folge, Köln 2018, S. 260 – 271, insbes. S. 261–267.
  13. ↑ Breuer: Der HeinzelmĂ€nnchenbrunnen... In: Kölner Domblatt 2018, S. 268 u. 271.
  14. ↑ Hans-JĂŒrgen Mende, Kurt Wernicke (Hrsg.): Berliner Bezirkslexikon Treptow-Köpenick, Berlin 2009, S. 295.
  15. ↑ Berlin: Alle News, Analysen und Berichte. Abgerufen am 21. Juni 2025.
  16. ↑ Offene Treptower BĂŒhne und BLOB. 26. Januar 2021, abgerufen am 21. Juni 2025.
  17. ↑ Kleine Chronik der FU Berlin: Das erste HeinzelmĂ€nnchen. Abgerufen am 21. Juni 2025.
  18. ↑ Archivierte Kopie (Memento vom 22. MĂ€rz 2016 im Internet Archive)
  19. ↑ Studierende International. Abgerufen am 21. Juni 2025.
  20. ↑ Archivlink (Memento des Originals vom 25. MĂ€rz 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprĂŒft. Bitte prĂŒfe Original- und Archivlink gemĂ€ĂŸ Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.