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Ferrari (Motorradmarke)

aus Wikipedia, der freien EnzyklopÀdie
Ferrari MotorrÀder Logo
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Eine Ferrari 150 Sport, Baujahr 1952. Unter dem Fahrersitz die (im Artikel erwÀhnten) DÀmpferrohre der Hinterrad­aufhÀngung

Ferrari war eine italienische Motorradmarke der 1950er Jahre. Es war ein kleines Unternehmen, das in keiner Verbindung zum bekannten, gleichnamigen Automobilhersteller beziehungsweise Rennstall stand. Der volle Firmenname lautete Moto Ferrari, La Meccanica Italiana SrL, Milano.[1]

Das Unternehmen wurde von den BrĂŒdern Amos und Luigi Ferrari 1951 gegrĂŒndet und produzierte bis 1953 unter diesem Namen Ferrari in Mailand einige Modelle mit HubrĂ€umen von 123 cmÂł bis 248 mÂł, Zwei- und Viertaktmotoren, in Zwei- und Einzylinderbauweise.[1] Ab 1953 wurden die MotorrĂ€der unter dem Namen Fratelli Ferrari angeboten.[2] 1956 verschwanden die Maschinen vom Markt.

Amos Ferrari arbeitete zunĂ€chst fĂŒr Giovanni Parrilla in dessen Produktion im Motorenbereich und erwarb sich dabei beachtliche Fachkenntnisse. Mit UnterstĂŒtzung eines wohlhabenden MailĂ€nder GeschĂ€ftsmanns grĂŒndeten Amos und sein Bruder Luigi daraufhin Anfang 1952 ihr eigenes Unternehmen[3] in der Via Bessarione 15 in Mailand, nur wenige hundert Meter von Parillas Hauptsitz entfernt.

Das erste Motorrad war eine 125-cmÂł-Zweitaktmaschine, bei der sowohl das Fahrwerk als auch der Motor deutlich von Parilla inspiriert waren. Einige Bauteile waren sogar vollstĂ€ndig mit Teilen an deren MotorrĂ€dern austauschbar. Es gab jedoch wichtige Unterschiede. Ferrari stattete seine MotorrĂ€der mit einem Vierganggetriebe aus (im Gegensatz zum Dreiganggetriebe der 125er Parilla) und positionierte den Schalthebel – nach deutscher Bauweise – ungewöhnlicherweise links. In Italien hatten in den 1950er-Jahren alle MotorrĂ€der den Schalthebel auf der rechten Seite, mit Ausnahme von Ferrari, AeroCaproni und allen Maschinen, die mit deutschen Motoren ausgestattet waren.[3]

Das Modell hatte auch eine ungewöhnliche HinterradaufhĂ€ngung. Parallel ĂŒber der Schwinge liegt links und rechts ein Rohr mit einer durch einen Hebel mit ihr verbundenen Schraubenfeder und Ă€hnelte in ihrer Konstruktion einem zuvor von Gilera patentierten Modell.[3]

Auf dem MailÀnder Motorradsalon 1952 wurden die Modelle Ferrari 150 Lusso Sport (Lusso = Luxus) und Super Sport prÀsentiert, letztere mit einem 160-cm³-Motor. Im folgenden Jahr wurde die Produktion der 125er-Reihe eingestellt, und die Produktion konzentrierte sich fortan auf 150-cm³-Modelle.

Nach einer Klage des weitaus bekannteren gleichnamigen Sportwagenherstellers musste der Name geÀndert werden. Fortan firmierte das Unternehmen unter der Bezeichnung Fratelli Ferrari, und die MotorrÀder wurden unter dem Namen Moto Ferrari vermarktet.

Auf dem Salon 1954 zeigte Ferrari in der Modellreihe Turismo Lusso einen interessanten Zweizylinder-SOHC-Motor mit 175 cm³ und kettengetriebener Nockenwelle, neben den Zweitaktmodellen Gran Turismo (150 cm³ und 175 cm³). Im Katalog fand sich auch ein Moto furgoncino (dreirÀdriger Motorradtransporter) mit einem 175-cm³-Zweitaktmotor und Kardanantrieb.

Die Entscheidung fĂŒr den Viertaktmotor war aus wirtschaftlicher Sicht mutig und riskant, da die Produktionskosten, insbesondere fĂŒr den Zweizylinder, hoch waren. Das kleine Unternehmen konnte sich trotz guter Technik auf Dauer nicht am Markt behaupten, geriet in eine finanzielle Krise, die nicht ĂŒberwunden werden konnte, und schloss am 15. November 1955.[2]

Da die Ferrari-MotorrĂ€der selbst zu ihrer Zeit selten waren, wurde damals wenig ĂŒber sie veröffentlicht, und so sind heute nur noch wenige Informationen erhalten.

Der italienische Motorradmarkt war in den 1950er-Jahren extrem wettbewerbsintensiv. Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden zahlreiche Unternehmen, die alle versuchten, vom wachsenden BedĂŒrfnis der Bevölkerung nach Motorisierung zu profitieren. Hohe Fertigungskosten, ein begrenztes Sortiment, der Streit mit Enzo Ferrari um den Firmennamen und die starke Konkurrenz durch die zahlreichen Mitbewerber fĂŒhrten zusammen mit der beginnenden „Automobilisierung“ (wie zum Beispiel durch FIAT mit dem Modell Seicento) dazu, dass das Unternehmen nicht rentabel genug war, um auf Dauer weiterzubestehen.

Heute sind die Maschinen sehr selten und erzielen auf dem Markt oder bei Versteigerungen mitunter sehr hohe Preise.[4]

Im Jahr 1903 baute ein Hersteller mit Namen A. Ferraris in Mailand MotorrÀder mit verstÀrktem Fahrradrahmen, die mit Peugeot-Einbaumotoren und Kettenantrieb ausgestattet waren. Dieses Unternehmen hat weder mit dem hier beschriebenen noch der Firma von Enzo Ferrari eine Verbindung.[5][6]

  • Erwin Tragatsch: Alle MotorrĂ€der 1894–1981: Eine Typengeschichte. 2500 Marken aus 30 LĂ€ndern' Stuttgart 1997, ISBN 3-87943-410-7
  • Erwin Tragatsch: The Illustrated Encyclopedia of Motorcycles', Secaucus 1985. ISBN 0-89009-868-9
  • S. Ewald/G. Murrer: EnzyklopĂ€die des Motorrads, Marken – Modelle – Technik, BechtermĂŒnz Verlag 1999, ISBN 3-8289-5364-6
Commons: Ferrari – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • motodilombardia.it Historie des Herstellers (englisch)
  • ZeitFakt Fratelli Ferrari: Videoreportage ĂŒber den Hersteller. Auf YouTube. (deutsch)
  • bwgarage.com Artikel ĂŒber die 1954er Ferrari 150 Lusso Sport. Mit zahlreichen Bildern u. technischen Infos u. einigen allgemeinen Infos zum Hersteller (englisch)

Einzelnachweise

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  1. 1 2 ManxNorton.com: Ferrari Motorcycles. Abgerufen am 23. Dezember 2025 (englisch).
  2. 1 2 PROF: Ferrari. In: motodilombardia.it. 25. April 2020, abgerufen am 23. Dezember 2025 (italienisch).
  3. 1 2 3 Black and White Garage - 1954 Ferrari 150 Lusso Sport. Abgerufen am 23. Dezember 2025 (britisches Englisch).
  4. ↑ Fratelli Ferrari Market - CLASSIC.COM. Abgerufen am 23. Dezember 2025.
  5. ↑ PROF: Ferraris. In: motodilombardia.it. 25. April 2020, abgerufen am 23. Dezember 2025 (italienisch).
  6. ↑ ManxNorton.com: Ferraris Motorcycles. Abgerufen am 23. Dezember 2025 (englisch).