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Feindbild Islam

aus Wikipedia, der freien EnzyklopÀdie
„Der Triumph des Islams bei Alcassar“, Schlachtendarstellung Ă€hnlich derjenigen, die Heinz Halms SZ-Artikel „Die Panikmacher. Wie im Westen der Islam zum neuen Feindbild aufgebaut wird“ vom 16./17. Februar 1991 begleitete, mit dem die Debatte ĂŒber das Feindbild Islam eröffnet wurde.

Feindbild Islam (auch Islam-Feindbild oder Islamfeindbild) ist ein Begriff, der im deutschsprachigen Bereich verwendet wird, um ein einseitig negatives Bild des Islams und der Muslime in westlichen Diskursen zu identifizieren und zugleich als unangemessen und sogar gefĂ€hrlich zu kritisieren.[1] BemĂ€ngelt wird dabei jeweils auch, dass dieses Islam-Bild klischeehafte ZĂŒge aufweise[2.1] und sich mit einer Anzahl von negativen Stereotypen verbinde.[3.1] Nach Claudia Derichs besteht das Hauptproblem beim Feindbild Islam in der Pauschalisierung und darin, „Islam auf eine simple und statische Deutung zu reduzieren“.[4]

Der Begriff „Feindbild Islam“ kam wĂ€hrend des Zweiten Golfkriegs (1990/91) auf und sollte zum Ausdruck bringen, dass nach dem Ende des Kalten Krieges der Islam den Kommunismus als Feindbild in den westlichen Gesellschaften ersetzt habe. Die teils als polemisch und vereinfachend wahrgenommenen BeitrĂ€ge zu Islam und Muslimen insbesondere von Gerhard Konzelmann und Peter Scholl-Latour in den Medien hĂ€tten bei Wissenschaftlern und Journalisten den Eindruck entstehen lassen, der Islam sei das allgegenwĂ€rtige Feindbild der bundesrepublikanischen Gesellschaft geworden.[5.1] Sie stießen daraufhin einen Reflexionsprozess ĂŒber die allgemeine Wahrnehmung von Islam und Muslimen an.[5.2] Mitte der 1990er Jahre erreichte die Debatte ĂŒber das Feinbild Islam einen ersten Höhepunkt, als auch der ehemalige Bundeskanzler Helmut Schmidt und Bundesaußenminister Klaus Kinkel vor diesem Feindbild warnten und letzterer Planungen fĂŒr eine internationale Konferenz zu diesem Thema vorantrieb. Auch wĂ€hrend der Kontroverse um die Friedenspreisverleihung an Annemarie Schimmel spielten Feindbild-Islam-VorwĂŒrfe eine große Rolle. In der zweiten HĂ€lfte der 1990er Jahre mehrten sich kritische Stimmen, die die These vom Feindbild Islam in Zweifel zogen und als ein Konstrukt abtaten, das allein dazu diene, Kritik an MissstĂ€nden in islamischen LĂ€ndern ins Unrecht zu setzen. Eine Veranstaltung, die sich speziell der BekĂ€mpfung des Feindbilds Islam widmete, war die Bremer Islam-Woche von 1997.

Die TerroranschlĂ€ge am 11. September 2001 lösten einen neuen Diskussionsschub zum Islam-Feindbild aus, wobei bekrĂ€ftigende und kritische Stimmen sich die Waage hielten. Ein neuer Aspekt in der Diskussion ĂŒber das Islam-Feindbild ab dem Jahr 2000 war, dass nun Muslimen und islamischen VerbĂ€nden vorgeworfen wurde, die These von diesem Feindbild auf Dialogveranstaltungen zu instrumentalisieren. Ab 2008 rĂŒckte das Feindbild Islam in den Fokus der Rechtsextremismus-PrĂ€vention. Ab dieser Zeit wird das „Feindbild Islam“ von denjenigen, die es postulieren, als ein wirkungsmĂ€chtiges Konstrukt betrachtet, das zwar in der Mitte der Gesellschaft Verbreitung findet und die Integrationsdebatten wesentlich bestimmt, aber vor allem von Rechtsextremisten und Rechtspopulisten instrumentalisiert und in propagandistischer Absicht zugespitzt wird.[6.1]

Innerhalb des Verlaufs der Debatte ĂŒber das Feindbild Islam wurden sehr viele Einzelthemen diskutiert: seine Bestandteile, die GrĂŒnde fĂŒr seine Entstehung und seinen Erfolg, seine sozialpsychologische Funktion, sein VerhĂ€ltnis zu anderen Feindbildern, seine Auswirkungen auf staatliches Handeln, seine Rolle bei verschiedenen geistig-politischen Strömungen, mögliche Gegenmittel und insbesondere auch die Frage, ob es ein Feindbild Islam in den Medien gibt.

Abgrenzung von anderen Begriffen: Islamophobie und Islamfeindlichkeit

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Der Begriff „Feindbild Islam“ kam in den frĂŒhen 1990er Jahren auf. Parallel zu seiner Durchsetzung im deutschsprachigen Kontext etablierte sich im angloamerikanischen Raum in den 1990er Jahren der Ă€hnlich schillernde Begriff „Islamophobia“.[3.2] Er wurde in den 2000er Jahren in seiner eingedeutschten Version „Islamophobie“ auch im deutschsprachigen Raum gelĂ€ufig[7.1] und konkurrierte dann mit dem Begriff „Feindbild Islam“. Nach Karin Hörner besteht allerdings ein Unterschied darin, dass ein „Feindbild Islam“ im Gegensatz zu „Islamophobie“ nicht an konkrete Verfeindungen gebunden ist. Ihr zufolge ist der Begriff Feindbild auch neutraler, „insofern, als er selbst in nichtwissenschaftlichen Kontexten nicht unmittelbar mit Krankheiten assoziiert wird“.[7.2] An dem Begriff „Islamophobie“ sei dagegen kritisiert worden, dass er mit einer Pathologisierung der betreffenden Haltung einhergehe.[7.3] Außerdem gebe es gegen den Begriff „Islamophobie“ terminologische Bedenken, weil er unter anderem von der Organisation fĂŒr islamische Zusammenarbeit (OIC) als ideologisches Schlagwort instrumentalisiert worden sei. Deshalb sei der Begriff „Feindbild“ im deutschen Kontext besser fĂŒr den wissenschaftlichen Gebrauch geeignet als „Islamophobie“.[7.4]

In den spĂ€ten 2000er Jahren kam im deutschen Kontext außerdem der Begriff Islamfeindlichkeit auf. Teilweise werden die Begriffe Feindbild Islam und Islamfeindlichkeit als Synonym verwendet.[3.2] Allerdings bezeichnet Islamfeindlichkeit eine subjektive Haltung,[8.1] wĂ€hrend Islam-Feindbild den Prozess „des Fremdmachens und Abwertens auf der Mikroebene gesellschaftlicher Diskurse“ beschreibt,[8.2] der mit der Erzeugung eines gesellschaftlichen Bedrohungsszenarios einhergeht.[8.3]

Wie der Begriff „Islamstereotyp“ dient der Begriff „Islamfeindbild“ dazu, „die textlichen und visuellen Diskurselemente medialer bzw. öffentlicher Debatten ĂŒber den Islam konkret zu benennen.“[8.4] Im Unterschied zum Islamstereotyp, das auch positive Konnotationen tragen kann, bezeichnet Feindbild Islam aber immer ein negativ aufgeladenes Islambild.[8.5]

Nach Alexander HĂ€usler und Hans-Peter Killguss muss dann von der Inszenierung eines Feindbildes Islam gesprochen werden, „wenn der Islam pauschal als eine gewaltförmige und archaische 'AuslĂ€nderreligion' dargestellt wird, fĂŒr die es in den europĂ€ischen Gesellschaften angeblich keinen Platz gibt.“[6.2] Nach Peter Heine geht es, wenn von einem „Feindbild Islam“ die Rede ist, um das westliche Bild vom Islam vor allem in seiner nahöstlichen AusprĂ€gung.[9.1]

Verlauf der Debatte um das Feindbild Islam

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Veranstaltungen zum „Feindbild Islam“ wĂ€hrend des Zweiten Golfkriegs

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Der aus der sozialpsychologischen Vorurteilsforschung stammende Begriff Feindbild wurde erstmals Ende 1990 auf den Islam bezogen. Am 6. November 1990 bot das MĂŒnchener Institut fĂŒr Psychologie und Friedensforschung einen Vortrag zum Thema „Nicht ohne meine Tochter – Neues Feindbild Islam?“ an.[10] Dieser bezog sich auf das Buch Nicht ohne meine Tochter der amerikanischen Autorin Betty Mahmoody, dessen 1988 erschienene deutsche Übersetzung sich in der Bundesrepublik Deutschland zu einem Bestseller entwickelt hatte und dessen Verfilmung wĂ€hrend des Zweiten Golfkriegs in die Kinos kam.[11.1] Es galt auch spĂ€ter noch als eines der klassischen Beispiele fĂŒr das Feindbild Islam (siehe unten Beispiele).

Die Idee vom Islam als neuem Feindbild hing auch mit der Kriegsmobilisierung wĂ€hrend des Zweiten Golfkriegs zusammen. FĂŒnf Tage nachdem Saddam Hussein seine Truppen in Kuwait hatte einmarschieren lassen, am 7. August 1990, rief er den Dschihad, den Heiligen Krieg, aus, womit er den Islam in diesen Konflikt einbezog.[12] Einige Veranstaltungen, die wĂ€hrend des Zweiten Golfkriegs zum neuen Feindbild Islam stattfanden, nahmen auf diesen Sachverhalt Bezug. So bot am 7. Februar 1991 das oben genannte MĂŒnchener Institut fĂŒr Psychologie und Friedensforschung einen Vortrag zum Thema Dschihad - „Heiliger Krieg“ gegen „gerechter Krieg“ - Neues Feindbild Islam? an.[13] Das Thema wurde in dieser Zeit auch von den Kirchen aufgegriffen. Der Vorsitzende des Islam-Ausschusses der Evangelischen Landeskirche in Bayern Hermann VorlĂ€nder bot am 3. MĂ€rz 1991 zusammen mit einem tunesischen Politologen einen Zeitfragen-Gottesdienst zum Thema „Teufel Saddam? Feindbild Islam“ an.[14] Auch Muslime meldeten sich zu Wort. So referierte der Leiter des Islamischen Zentrums MĂŒnchen und Kulturreferent der Islamischen Gemeinschaft in Deutschland, Ahmad al-Khalifa, am 15. MĂ€rz 1991 bei einem Vortrag zu der Frage, inwieweit der Islam das neue Feindbild sei, und ging dabei auch auf die Vorstellung vom Golfkrieg als Heiligen Krieg ein.[15]

Die islamwissenschaftliche Kritik an Gerhard Konzelmann und Peter Scholl-Latour

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Peter Scholl-Latour, einer der beiden Journalisten, denen Anfang der 1990er Jahre vorgeworfen wurde, den Islam zum Feindbild aufzubauen.

Überregional eröffnet wurde die Diskussion ĂŒber das Feindbild Islam mit dem Artikel „Die Panikmacher. Wie im Westen der Islam zum neuen Feindbild aufgebaut wird“ des Islamwissenschaftlers Heinz Halm, der am 16./17. Februar 1991 in der Feuilleton-Beilage zur SĂŒddeutschen Zeitung erschien.[16] In diesem Artikel warnte Halm vor der „gefĂ€hrlichen Wirkung“ der beiden Journalisten Gerhard Konzelmann und Peter Scholl-Latour, die in ihren zahlreichen BĂŒchern und Fernsehauftritten den Islam zum neuen Feindbild aufgebaut, ein undifferenziertes Bild von einem höchst komplexen Sachverhalt vermittelt und verbreitete Vorurteile bedient hĂ€tten.[17.1] Als Beleg dafĂŒr, dass Scholl-Latour wĂ€hrend des Golfkriegs den Islam zum neuen Feindbild aufgebaut habe, verwies Halm unter anderem auf dessen vierteilige Fernsehserie mit dem Titel „Schwert des Islam“, die im Januar 1991, also wĂ€hrend der Bombardierungen von Bagdad, im ZDF ausgestrahlt worden war, sowie auf Scholl-Latours gleichnamiges Buch, das im Heyne-Verlag erschien und ĂŒber lĂ€ngere Zeit den ersten Platz der Spiegel-Bestsellerliste belegte.[18]

Nachdem Halm seinen Artikel im Februar veröffentlicht hatte, wurde er am 13. MĂ€rz 1991 von Dagobert Lindlau zu einer Veranda-Talkrunde mit Scholl-Latour und Konzelmann eingeladen. WĂ€hrend der Sendung ließ man ihn allerdings kaum zu Wort kommen.[19.1] An der NeutralitĂ€t von Dagobert Lindlaus GesprĂ€chsfĂŒhrung wurden spĂ€ter starke Zweifel geĂ€ußert.[20] Studierende und Lehrende der Islamwissenschaft und Turkologie der UniversitĂ€t Hamburg riefen daraufhin ein Forschungsprojekt ins Leben, innerhalb dessen sie „das Wesen und die Geschichte des Feindbildes Islam“ ebenso untersuchen wollten wie die Geisteshaltung und die Stilmittel von „Autoren vermeintlich zuverlĂ€ssiger beziehungsweise objektiver Informationen zu diesem Thema“. Aufgrund ihrer Kritik an den beiden als Gallionsfiguren der den Golfkrieg flankierenden Medienberichterstattung wahrgenommenen Autoren wurde die Gruppe unter dem Namen „Konzeltour“ bekannt.[21] Der Islamwissenschaftler Gernot Rotter, der die Aktion „Konzeltour“ mitangeregt hatte, schreibt hierzu:

„Es war weniger das Sinnen auf Rache fĂŒr den verbalen Meuchelmord an dem in einen Hinterhalt gelockten StammesgefĂ€hrten, das die Gruppe beseelte, als vielmehr das Bestreben, den Flurschaden, den die beiden mit ihren tendenziösen, bisweilen rassistischen Äußerungen immer weiter ausdehnten, als bewußte Verbreitung eines neuen Feindbildes 'Islam' zu entlarven.“

– Gernot Rotter[19.2]

Wichtigstes Ergebnis des Hamburger Forschungsprojekts war das von Verena Klemm und Karin Hörner herausgegebene Buch Das Schwert des „Experten“. Peter Scholl-Latours verzerrtes Araber- und Islambild, das 1993 im Palmyra-Verlag in Heidelberg erschien. Heinz Halm, der das Vorwort schrieb, Ă€ußerte darin, dass am Feindbild Islam viele mitstrickten. Am gefĂ€hrlichsten seien aber diejenigen, „die es unter dem Vorwand historischer Belehrung oder journalistischer Information“ tĂ€ten.[22] Gernot Rotter Ă€ußerte in dem Band, dass Scholl-Latour das Feindbild Islam noch subtiler fördere als Konzelmann.[23] Der Kritik an Gerhard Konzelmann und Peter Scholl-Latour schlossen sich auch Wissenschaftler anderer Disziplinen an. So urteilte der Sozialwissenchaftler Klaus F. Geiger 1992 in einem Artikel, dass bei der „Innenausstattung“ des Feindbildes Islam in den Jahren 1990/91 Sendungen und BĂŒcher der beiden „von besonderer Bedeutung“ gewesen seien.[24]

Eine weitere Forschergruppe, die sich im Anschluss an Scholl-Latours Fernseh-Dokumentation bildete, war das interdisziplinĂ€r zusammengesetzte Medienprojekt TĂŒbinger Religionswissenschaft. Dieses machte sich zur Aufgabe, einen kritischen Blick auf die den Zweiten Golfkrieg begleitende Berichterstattung zu werfen und zu untersuchen, ob diese Sendereihe das Islambild der deutschen Gesellschaft beeinflusst hatte und inwieweit Fernsehsendungen und Presseerzeugnisse dem Aufbau und der Verbreitung von Feindbildern dienten.[25] Ein erstes Ergebnis dieser BemĂŒhungen war die vom Medienprojekt produzierte Radiosendung „Feindbild Islam“, die am 9. Juni 1991 im Uni-Radio TĂŒbingen gesendet wurde.[26] Claudia Ott, die an dem Medienprojekt mitwirkte, erstellte 1993 einen Beitrag fĂŒr CIBEDO, in dem sie Kriterien fĂŒr die Bewertung von BeitrĂ€gen ĂŒber den Islam vorlegte. Demnach ist ein Beitrag gut, wenn er sorgsam, sparsam und sinnvoll mit Suggestionsmitteln umgeht; er ist dagegen schlecht, wenn er Metaphern und Musik stĂ€ndig zum Nachteil des Islams einsetzt und damit das Feindbild Islam „auf einer ganz unterschwelligen psychologischen Ebene fördert.“[27.1] Weitere schriftliche Ergebnisse legte die Arbeitsgruppe in dem Sammelband Der Islam in den Medien vor, der 1994 als Band 7 in der von Jan Assmann und Theo Sundermeier herausgegebenen Buchreihe Studien zum Verstehen fremder Religionen erschien.[28] Ein Beitrag in diesem Band beschĂ€ftigte sich mit der Frage, „ob zur Zeit ein Feindbildwechsel vom Kommunismus zum Islam stattfindet“[29.1] und ob sich Strukturen des alten Feindbilds im neuen Feindbild wiederfinden lassen.[29.2] Der Beitrag gelangte zu dem Ergebnis, dass sich das Feindbild Islam nicht nur in Bildern auf der sprachlichen Ebene manifestiere, sondern sich auch der visuellen Bildebene zeigen lasse.[29.3]

Islam, Orient, Dritte Welt oder SĂŒden als neues Feindbild?

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Neben der Verwendung des Begriffs „Feindbild Islam“ wurde in den frĂŒhen 1990er Jahren von manchen Wissenschaftlern unterschiedlicher Disziplinen auch die Existenz anderer Feindbild-Konzepte als Ersatz fĂŒr das Feindbild Kommunismus angenommen, nĂ€mlich „Feindbild Orient“, „Feindbild SĂŒd“ und „Feindbild Dritte Welt“.[30.1] Schon Mitte Dezember 1990 hielt der Hamburger Islamwissenschaftler Gernot Rotter in der Evangelischen Akademie Loccum einen Vortrag, in dem er davon sprach, dass mit dem Golfkrieg ein neues Feindbild gefunden sei: der Orient, oder genauer: die Muslime und unter ihnen besonders die Araber.[31]

Die Begriffe „Feindbild SĂŒd“ und „Feindbild Dritte Welt“ wurden von dem Literaturwissenschaftler JĂŒrgen Link aufgebracht. Er vertrat in einem Artikel, den er am 16. Januar 1991 in der Frankfurter Rundschau veröffentlichte, die These, dass dieses Feindbild nicht neu sei, aber mit Saddam Husseins Überfall auf Kuwait „die Gefahr einer in dieser Form neuen und höchst brisanten Kombination“ bestehe. Seiner Analyse zufolge funktionierte das neue Feindbild Dritte Welt strukturell auf drei Stufen:

  1. auf der Stufe fundamentaler symbolischer Kodierungen (System vs Chaos, Subjekt vs Subjektlosigkeit usw.),
  2. auf der Ebene der Kollektivsymbolik (Bazillen, Drogen, Gase usw., die den Körper bedrohen; Saddam, der seinen Krummdolch an meine Schlagader setzt usw.);
  3. und auf einer quasi kulturtypologischen Ebene (Islam als fanatische Religion, Orient als Raum des Wahnsinns)

Hinsichtlich der dritten Stufe verwies Link auf Edward Saids „meisterhafte Analyse“ in dessen Buch Orientalismus. Auf allen drei Stufen empfahl Link, „Interventionsmöglichkeiten zu ĂŒberlegen.“[32]

Die Konzepte „Feindbild Dritte Welt“ und „Feindbild SĂŒd“ hatten zunĂ€chst grĂ¶ĂŸere PopularitĂ€t als der Begriff „Feindbild Islam“ und wurden noch im selben Jahr von den beiden Politologen Volker Matthies und Franz Nuscheler und dem Friedensforscher Lothar Brock diskutiert. Matthies brachte im Juni 1991 in einem Artikel zu Aus Politik und Zeitgeschichte zum Ausdruck, dass „hinter der berechtigten Sorge um den realen, harten Kern der Sicherheitsprobleme im SĂŒden [...] durchaus handfeste Eigeninteressen der mit Ende des Ost-West-Konflikts nach neuen Feindbildern und neuer Legitimation suchenden MilitĂ€rs, Sicherheitspolitiker und der RĂŒstungswirtschaft zu erkennen“ seien.[33] Lothar Brock, der im selben Jahr zusammen mit Stephan Hessler einen Beitrag fĂŒr das Jahrbuch Frieden 1992 zum Wahrnehmungswandel in den Nord-SĂŒd-Beziehungen veröffentlichte, fragte darin: „Wird die Angst vor einer Bedrohung von Wohlstand, gesellschaftlicher Ordnung und Sicherheit der BundesbĂŒrger durch den „SĂŒden“ in den kommenden Jahren an die Stelle der verblassenden Feindbilder des Ost-West-Konfliktes treten?“[34]

Franz Nuscheler

Franz Nuscheler hielt im September 1991 auf einer Tagung in Köln einen Vortrag zur Funktion des Feindbildes Dritte Welt, in dem er dieses ebenfalls als Ersatz fĂŒr das weggefallene Feindbild Kommunismus darstellte: „Auf vielfĂ€ltige, offene und subtile Weise wird in der westlichen Öffentlichkeit ein neues Feindbild aufgebaut, der Osten durch den SĂŒden, Marx durch Mohammed [...] ersetzt.“[35] Die Tagung selbst hatte den Titel: „Die Neue Weltordnung in Unseren Köpfen - wie der Golfkrieg und die Berichterstattung das Politische Denken verĂ€ndert haben.“ Der Islamwissenschaftler Reinhard Schulze, der auf dieser Tagung ebenfalls einen Vortrag hielt, stellte sich darin gegen Nuscheler und erklĂ€rte: „Das Feindbild SĂŒden hat sich im Golfkrieg nicht bestĂ€tigen können; vielmehr wurde hier das alte Feindbild Osten – der Nahe und Mittlere Osten, der Orient – bekrĂ€ftigt“.[36] Gegen die These vom „neuen Feindbild Dritte Welt“ stellte sich auch der Politikwissenschaftler Bernd Guggenberger. Er meinte, dass sich der Zweite Golfkrieg nur wenig dazu eigne, diese These zu illustrieren.[37]

Jörg Becker schließlich benutzte 1991 den Begriff „anti-muslimisches Feindbild“ fĂŒr das neue islambezogene Feindbild.[38] Der Begriff „Feindbild Islam“ setzte sich jedoch in den folgenden Jahren gegenĂŒber allen anderen Feindbild-Begriffen, die als Alternative fĂŒr das weggefallene Feindbild Kommunismus diskutiert wurden, durch. Einer der frĂŒhesten Texte, der diesen Begriff im Titel fĂŒhrt, war Ulrike Bechmanns Beitrag „Feindbild Islam?“ zu einem 1991 veröffentlichten Sonderheft der theologischen Zeitschrift Bibel und Kirche, das speziell der Untersuchung von Feindbildern gewidmet war. Ausgelöst von Darstellungen und Berichterstattung in den Medien, stellte sie darin die Frage, ob der Islam zum neuen Feindbild des Westens geworden sei. Sie empfahl Realismus und einen „Blick fĂŒr kulturelle Unterschiede, die als Bereicherung der Welt begriffen werden sollten“ als Gegenmittel gegen den Aufbau dieses neuen Feindbildes.[18] Allerdings Ă€ußerten 1992 die Autorinnen eines Sammelbandes ĂŒber Karikaturen zum Zweiten Golfkrieg Zweifel, ob das Feindbild Islam wirklich auf „den Islam“ abziele oder nicht eher auf „die Araber“.[39.1]

Die Journalistin Andrea Lueg sah eine Korrespondenz und enge VerknĂŒpfung des Feindbildes Islam mit dem Feindbild Dritte Welt, mit dem Argument, dass die Bevölkerungsexplosion in den Staaten des Nahen Ostens, die durch Flucht- und Migrationsbewegungen auch Europa erreiche und westlichen Wohlstand und westliche Kultur bedrohen könne, ein wichtiger Aspekt der Angst vor der „islamischen Bedrohung“ sei. Das anti-islamische Feindbild betrachtete sie von daher als Teil einer umfassenderen Angst vor der „dritten Welt“.[40.1]

Die Feindbild-Islam-Publizistik der frĂŒhen 1990er Jahre

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In den frĂŒhen 1990er Jahren nahm die Debatte ĂŒber das Feindbild Islam Fahrt auf. Die Algerien-Spezialistin Sabine Kebir versuchte 1992 in einem Essay die innere WidersprĂŒchlichkeit des neuen Feindbildes zu zeigen. Dass der Islam unfĂ€hig zur Toleranz sei, könne nicht behauptet werden, weil das maurisch beherrschte Andalusien „das toleranteste Staatswesen des Mittelalters“ gewesen sei. Der Krieg gegen den Irak sei als notwendiger Feldzug gegen den Alleinherrscher Saddam Hussein gerechtfertigt worden, die vom Westen unterstĂŒtzten Regime von Kuwait und Saudi-Arabien seien aber „um keinen Deut demokratischer“ als der Irak und zudem „der Hort des auf die ganze islamische Welt ausstrahlenden Fundamentalismus“.[41] Der Islamwissenschaftler Khalid DurĂĄn vertrat Ende 1992 die Auffassung, dass sich der Islam „doch nur sehr bedingt als neues Feindbild“ eigne, weil der Islamismus auf wenige Staaten beschrĂ€nkt sei, eigentlich nur auf Iran und Sudan und mit EinschrĂ€nkungen Saudi-Arabien und Pakistan. In Afghanistan gebe es zwar eine islamistische Regierung, doch herrsche die nur ĂŒber einen Bruchteil des allgemeinen Chaos, wĂ€hrend der grĂ¶ĂŸte Teil des Landes Kriegsherren unterstehe, die mit dem Islamismus wenig im Sinn hĂ€tten.[42] Auch das Buch Der Islam als Alternative von dem zum Islam konvertierten deutschen Diplomaten Murad Wilfried Hofmann, das im selben Jahr erschien, kann als Beitrag zu der Debatte betrachtet werden. Es wird im Klappentext mit den Worten beworben, dass der Autor darin, um BrĂŒcken zu schlagen, jedes heiße Eisen anpacke, „aus dem das alte und das neue Feindbild 'Islam' unter EuropĂ€ern geschmiedet wurde.“[43]

Jochen Hippler, einer der Herausgeber der ersten Aufsatzsammlung zum Feindbild Islam

Der wichtigste Beitrag zur Debatte ĂŒber das Feindbild Islam war die gleichnamige Aufsatzsammlung, die von dem Politikwissenschaftler Jochen Hippler und der Journalistin Andrea Lueg 1993 im Konkret Literatur Verlag veröffentlicht wurde. Darin monierten die beiden, dass das Feindbild Islam dazu beitrage, dass eine zentrale Chance vertan werde: nach dem Ende des Kalten Krieges und dem Verlust des alten militĂ€rischen Gegners die MilitĂ€rapparate im Westen auf einen symbolischen Rest zu reduzieren oder ganz beseitigen und ĂŒber Sicherheit völlig neu nachzudenken.[44.1] Mit ihrer Kritik am Feindbild Islam, so betonten sie, wollten sie nicht „sĂ€mtliche Erscheinungen im Nahen Osten“ rechtfertigen oder „unter den Teppich der kulturellen Andersartigkeit“ kehren. Vielmehr kritisierten sie, „dass die populĂ€ren Feindbilder gerade verhindern, dass eine Auseinandersetzung mit UnterdrĂŒckung, Frauenverachtung, Menschenrechtsverletzungen stattfinden kann“. Um diese MissstĂ€nde gehe es den Ideologen, die am Feindbild malen, nĂ€mlich nicht. Sie und ihre „Kunden“, so behaupteten Hippler und Lueg, wollten sich nur „selbst ein gutes GefĂŒhl verschaffen, indem sie eine andere Kultur oder Religion pauschal diffamieren.“[44.2] Nicht alle Bestandteile des Feindbilds Islam seien frei erfunden. In islamisch geprĂ€gten Gesellschaften fĂ€nden sich tatsĂ€chlich Aggression, Repression, Fanatismus usw. Kritik am Feindbild Islam zu ĂŒben bedeute nicht, sĂ€mtliche VorgĂ€nge in diesen Gesellschaften zu akzeptieren. Vielmehr sei der Abbau des Feindbildes die Voraussetzung fĂŒr eine ernsthafte Kritik.[40.2] Hippler behauptete, das Feindbild Islam lebe davon, Akteuren im Nahen und Mittleren Osten religiöse GrĂŒnde zu unterstellen, um dann ihre streng religiöse Orientierung zu beklagen.[45.1] Viele Elemente des Feindbildes Islam, so die beiden Autoren, hĂ€tten direkt vor- oder anti-aufklĂ€rerischen Charakter, „wie scheinbar religionskritisch sie sich auch gebĂ€rden mögen“.[44.3]

Im MĂ€rz 1994 warf die Hamburger Orientalistin Karin Hörner der Redaktion der feministischen Zeitschrift Emma vor, sich des Feindbildes Islam zu bedienen. Dieses habe „derzeit bei Sexisten und Rassisten, aber nicht nur bei ihnen Konjunktur“. Dieses Feindbild mache den Islam, den Muslim zu „unserem neuen Großfeind“.[46] Konkret beanstandete Hörner die Emma-Ausgabe vom Juli/August 1993, in der es ein Fundamentalismus-Dossier gab. Das Feindbild Islam machte sie vor allem an BeitrĂ€gen von Ursula Ott und der Gastautorin Fay Weldon fest. Weldon hatte in ihrem Beitrag unter anderem geschrieben, dass der Islam, „der ganz wie die christlichen Religionen vor sich hinzudĂ€mmern schien, [
] mit Gewalt und Terror auf die WeltbĂŒhne zurĂŒckgekehrt“ sei und dies eine Überraschung gewesen sei, weil man gedacht habe, „daß wir den Islam wĂ€hrend der KreuzzĂŒge doch ein fĂŒr alle Mal erledigt hatten, daß Jesus doch wohl eindeutig ĂŒber Mohammed triumphiert hat.“[47]

1994 nahmen auch viele Volkshochschulen Veranstaltungen zum Feindbild Islam in ihr Programm auf, so zum Beispiel die MĂŒnchener Volkshochschule Stadtbereich West am 20. Juni,[48] die Volkhochschule Wiesbaden am 21. Juni,[49] die Volkshochschule Erding im Oktober[50] und die Volkshochschule Freising im Dezember.[51]

Die Islamwissenschaftlerin Petra Weyland, die 1995 „Reflexionen zur diskursiven Produktion des Feindbildes Islam“ veröffentlichte, vertrat darin die These, dass es sich beim Feindbild Islam nicht um eine ReprĂ€sentation des Realen handele, sondern um eine „diskursiv erzeugte HyperrealitĂ€t“ im Sinne Jean Baudrillards, ein System von Simulacra, dessen Aufbau auf globaler Ebene betrieben werde. An der Konstruktion dieser HyperrealitĂ€t, die auf dem Weg sei, zum Ausgangspunkt fĂŒr Entscheidungen und Handlungen zu werden, seien Medien, Experten, Wissenschaftler, aber auch islamische Fundamentalisten selbst beteiligt.[52.1]

Warnungen von Politikern vor dem Islam-Feindbild und Kinkels Konferenzplan

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Im Jahre 1994 erreichte die Diskussion um das Feindbild Islam die Politik. FĂŒhrende Politiker warnten in diesem Jahr diesem Feindbild. So gab der frĂŒhere Bundeskanzler Helmut Schmidt am 29. April 1994 in einem Meinungsartikel fĂŒr Die Zeit im Zusammenhang mit dem Bosnienkrieg zu bedenken:

„Mit wenigen Ausnahmen wissen wir EuropĂ€er fast nichts vom Islam, wir verstehen ihn kaum. Wohl aber erfahren wir durch die Medien immer wieder von AuswĂŒchsen des islamischen Fundamentalismus und schließen von diesem PhĂ€nomen, das es Ă€hnlich in allen Religionen gibt, auf den ganzen Islam - eine völlig unzulĂ€ssige Generalisierung. So wĂ€chst die Gefahr, daß - nach dem Fortfall des sowjetischen Imperialismus - der Westen sich ein neues, antiislamisches Feindbild schafft. Dies wiederum wĂŒrde auf seiten islamischer Völker Gegenreaktionen auslösen.“

– Helmut Schmidt[53]
Bundesaußenminister Klaus Kinkel, der fĂŒr November 1995 eine Konferenz zum Feindbild Islam plante

Und knapp eine Woche spĂ€ter warnten Bundesaußenminister Klaus Kinkel und sein niederlĂ€ndischer Kollege Pieter Kooijmans auf der ersten deutsch-niederlĂ€ndischen Botschafterkonferenz davor, nach dem Wegfall des Ost-West-Gegensatzes den Islam zum neuen Feindbild in Europa aufzubauen.[54]

Klaus Kinkel wiederholte seine Warnung vor dem Feindbild Islam am 5. Februar 1995 auf der Tagung fĂŒr europĂ€ische Sicherheitspolitik in MĂŒnchen[55] und am 21. MĂ€rz 1995 bei einem Treffen mit dem Ă€gyptischen StaatsprĂ€sidenten Hosni Mubarak. Bei dem Treffen mit Mubarak bezeichnete er es als „schlimm und fatal, wenn der Islam nach Kommunismus und Leninismus als neues Feindbild aufgebaut“ werde. Bei derselben Gelegenheit teilte er mit, dass die Bundesregierung in der zweiten JahreshĂ€lfte eine Islam-Konferenz mit Politikern und Vertretern der Religionen plane.[56] Die Idee, dass man etwas gegen das Feindbild Islam unternehmen mĂŒsste, fand auch in der Presse Zuspruch. Thomas Hartmann vertrat im Mai 1995 in der taz die Auffassung, dass die nichtmuslimischen WesteuropĂ€er dem „Feindbild Islam“ in Europa entgegentreten mĂŒssten, um ernsthaft einen Dialog mit der islamischen Welt fĂŒhren zu können.[57]

Ende August 1995 kĂŒndigte Kinkel in einem GesprĂ€ch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung die geplante Islam-Konferenz fĂŒr November 1995 in Bonn an und erklĂ€rte, dass er mit ihr dem „Feindbild Islam“ entgegenwirken wolle.[58] Zu der Konferenz, die Mitte November stattfinden sollte, lud Kinkel seine Amtskollegen aus Iran, Saudi-Arabien und Ägypten sowie „150 bis 200 Persönlichkeiten aus Politik, Wissenschaft und Kultur“ nach Bonn ein, um – wie in Medien berichtet wurde – das neue Feindbild Islam zu diskutieren.[59] Nachdem aber am 5. November der iranische PrĂ€sident Rafsandschani den Mord an Jitzchak Rabin als Strafe Gottes fĂŒr den Mord an Fathi Schakaki bezeichnet hatte, fĂŒhrten die allgemeine Kritik an der Konferenz und die Ablehnung durch 50 Abgeordnete der regierenden Koalition dazu, dass diese Konferenz kurzfristig abgesagt werden musste.[60]

Die Kontroverse um die Friedenspreisverleihung an Annemarie Schimmel

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Dass im Jahre 1995 viel ĂŒber das Feindbild Islam gesprochen wurde, hatte auch mit der Kontroverse um die Auszeichnung von Annemarie Schimmel mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels zu tun. Nachdem Schimmel kurz nach ihrer Nominierung fĂŒr den Friedenspreis in einem Interview in den Tagesthemen VerstĂ€ndnis fĂŒr die Morddrohung Chomeinis gegenĂŒber Salman Rushdie zum Ausdruck gebrachtet hatte, rief ihr frĂŒherer SchĂŒler Gernot Rotter in einem Artikel fĂŒr Die Zeit den Börsenverein des Deutschen Buchhandels dazu auf, seine Auswahlentscheidung noch einmal zu ĂŒberdenken. Zwar erkannte er an, dass der Börsenverein mit dieser Entscheidung ein politisches Zeichen „gegen die gefĂ€hrlichen Tendenzen [
], den Islam zum neuen Feindbild zu machen“ habe setzen wollen, da Schimmels Liebe zur islamischen Mystik, jener „stillen, verinnerlichten, toleranten und unaggressiven ReligiositĂ€t [
] so gar nicht zum westlichen Feindbild vom Islam“ passe. Allerdings kritisierte er, dass Schimmel mit ihrer Rechtfertigung fĂŒr Chomeinis Morddrohung nicht nur ihr eigenes Lebenswerk, sondern auch die AufklĂ€rungsarbeit von Fachkollegen in Misskredit gebracht und bis zu einem gewissen Grad unglaubwĂŒrdig gemacht habe, „die seit einigen Jahren in unzĂ€hligen VortrĂ€gen, Interviews und Veröffentlichungen versuchen, dem gĂ€ngigen pauschalen Islam-Feindbild eine differenzierte Sichtweise entgegenzusetzen“. So gefĂ€hrlich das gegenwĂ€rtig gepflegte Feindbild Islam und das Gerede vom angeblich bevorstehenden Kampf der westlichen mit der islamischen Kultur sei, weil es zu einer Selffulfilling prophecy zu werden drohe, so wenig hilfreich sei eine unkritische VerklĂ€rung aller mit religiösen oder pseudoreligiösen Parolen legitimierten VorgĂ€nge im islamischen Raum, weil sie unglaubwĂŒrdig sei.[61]

Annemarie Schimmel, hier bei einem Vortrag im Jahre 1980 anlĂ€sslich der Verleihung des Johann-Heinrich-Voss-Preises fĂŒr Übersetzung an sie

In den Monaten nach Rotters Artikel entstand eine heftige Kontroverse um die Person der PreistrĂ€gerin, an der sich insbesondere die Zeitschrift Emma, der westdeutsche PEN-Club und der Ahriman-Verlag beteiligten.[62] Munir D. Ahmed und Kai Hafez verteidigten in einem Artikel fĂŒr die Zeitschrift Orient Annemarie Schimmel und behaupteten, dass ihr Wissen ĂŒber das historische Beziehungsgeflecht zwischen europĂ€ischer und islamischer Kultur den eigentlichen Hintergrund fĂŒr die seit dem Golfkrieg erkennbaren BemĂŒhungen der deutschen Orientwissenschaft bildeten, das „Feindbild Islam“ in Medien und Öffentlichkeit zu korrigieren.[63.1] Schimmel selbst brachte am 12. September einem Interview mit den beiden ihre Hoffnung zum Ausdruck, dass die Diskussion ĂŒber sie dafĂŒr sorgen werde, dass „man sich etwas ernsthafter mit dem Islam beschĂ€ftigt, statt in ihm immer nur ein Feindbild zu sehen“, gab aber gleichzeitig zu bedenken, dass „der Abbau solcher Bilder“ Zeit erfordere.[64] Kai Hafez Ă€ußerte am 30. September, dass die Verleihung des Friedenspreises an Schimmel eigentlich ein Aufruf zur Reflexion ĂŒber den Zusammenhang zwischen Feindbild Islam und AuslĂ€nderfeindlichkeit sei, deutete die eingetretene Polarisierung als Folge „der unterschiedlichen Funktionen und VerwertungszusammenhĂ€nge des 'Feindbildes Islam' fĂŒr verschiedene politische und intellektuelle Gruppierungen“ und warf den Kritikern Schimmels indirekt vor, „das Negativbild des Islam“ zu aktivieren.[65]

Der ehemalige bayerische Kultusminister Hans Maier, der selbst Mitglied des Stiftungsrates fĂŒr den Friedenspreis des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels war, verteidigte am 14. September 1995 die Entscheidung des Stiftungsrates, und warf denjenigen, die sich gegen die Preisverleihung an Annemarie Schimmel ausgesprochen hatten, vor, den Islam aufgrund der mit ihm verbundenen negativen Erscheinungen „zum (neuen) Feindbild der westlichen Demokratien zu machen.“[66] Michael LĂŒders deutete die Kontroverse am 22. September in einem Artikel fĂŒr Die Zeit insgesamt als weiteren Beleg dafĂŒr, dass „das neue Feindbild des Westens Islam heißt“.[67] Gegen diese Interpretationen wandte sich am 19. Oktober Albrecht Metzger. Speziell auf das PlĂ€doyer von Hans Maier Bezug nehmend, kritisierte er, dass man den Kritikern Schimmels kaum vorwerfen könne, alle „dem neuen Feindbild Islam erlegen“ zu sein. Denn zu diesen Kritikern zĂ€hle auch Gernot Rotter, „der seit vier Jahren mit fast missionarischem Eifer daran arbeitet, den Leuten die Formel ‚Islam ist gleich Fundamentalismus‘ aus den Köpfen zu hĂ€mmern.“[68]

Die Debatte um Annemarie Schimmel verschaffte dem Schlagwort vom „Feindbild Islam“ enorme mediale Aufmerksamkeit. Sat.1 reagierte am 17. September 1995 mit einer Ausgabe von Talk im Turm von Erich Böhme, die der Frage gewidmet war: „Gibt es ein 'Feindbild Islam' und 'Angst vor Allahs Kriegern'?“. An dem GesprĂ€ch beteiligten sich neben Peter Scholl-Latour der Schriftsteller GĂŒnter Wallraff, der Leiter des Hamburger Orient-Instituts, Udo Steinbach, und der algerische Politologe Abdelkader Sahraoui.[69] BundesprĂ€sident Roman Herzog, der bei der Verleihung des Friedenspreises an Annemarie Schimmel in der Frankurter Paulskirche am 15. Oktober die Laudatio auf die PreistrĂ€gerin sprach, nahm auch indirekt auf die Feindbild-Islam-Diskussion Bezug, indem er die Frage stellte, „ob in unserer Zeit als rationale Friedensstrategie eine kulturĂŒbergreifende Zusammenarbeit der AufklĂ€rer, der Pragmatiker, der Sucher nach einer Zivilisation der Versöhnung gegen die Maler der Feindbilder denkbar ist.“[70]

Cornelia Filter konstatierte Anfang November 1995 in einem spöttischen Meinungsartikel fĂŒr die Zeitschrift Emma, dass spĂ€testens seit der Debatte um Schimmel das Schlagwort von dem „neuen Feindbild Islam“ allen ein Begriff sei.[59] Über dieses Feindbild, gegen das frĂŒher nur Linke im Namen von Anti-Rassismus und AuslĂ€nderfreundlichkeit zu Felde gezogen seien, wĂŒrden sich neuerdings auch „Konservative zusammen mit Fortschrittlichen“ empören. Der gemeinsame Feind dieser „Heiligen Allianz“, der angeblich das „Feindbild Islam“ propagiere, seien Feminismus und Selbstbestimmung.[59]

Zunehmende Kritik an der Feindbild-Islam-These

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In den Jahren 1995 und 1996 mehrten sich kritische Stimmen gegenĂŒber der Feindbild-Islam-These. Anfang 1995 beschwerte sich Bassam Tibi darĂŒber, dass seine Kritik am mangelnden VerstĂ€ndnis islamischer Fundamentalisten fĂŒr Menschenrechte, die er in seinem 1994 veröffentlichten Buch Im Schatten Allahs. Der Islam und die Menschenrechte (1994) geĂ€ußert hatte, „in der in Deutschland dominierenden Kultur der Political Correctness“ als angeblicher Beitrag zum Feindbild Islam öffentlich „Gegenstand von Rufmord“ geworden sei.[71] Wolfgang GĂŒnter Lerch schrieb im Januar 1996 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, dass die Beunruhigung der westlichen Öffentlichkeit angesichts von Schreckensmeldungen ĂŒber die Verfolgung von Dichtern und Wissenschaftlern, Morddrohungen, Steinigungen und andere barbarische Strafen, die von ihren Apologeten als islamisch ausgegeben werden, und das Erschrecken ĂŒber die Versuche in Ägypten, den Literatur-NobelpreistrĂ€ger Nagib Mahfuz zum Ketzer zu stempeln und ihm nach dem Leben zu trachten, sowie ĂŒber die Mordkommandos in Algerien nicht einem „Feindbild Islam“ entsprĂ€ngen. Vielmehr seien sie auf das Entsetzen darĂŒber zurĂŒckzufĂŒhren, dass im Namen einer Religion solche VorfĂ€lle geschĂ€hen und sich hĂ€uften, sowie auf die BefĂŒrchtung, dass ĂŒber den islamischen Fundamentalismus wieder eine Verbindung von Religion und Politik das Weltgeschehen bestimmen könnte, von der sich die EuropĂ€er nach den Religionskriegen in der AufklĂ€rung getrennt hĂ€tten.[72]

Der Publizist Richard Herzinger beschrieb im September 1996 in Die Zeit das Schlagwort vom „Feindbild Islam“ als Folge einer Wahrnehmungsblockade in der westlichen Öffentlichkeit: Sobald sich eine terroristische Ideologie als Ausdruck einer rebellierenden, erwachenden außereuropĂ€ischen Kultur ausweise, trete im Westen „ein kultureller Empathiediskurs auf den Plan, der vor ĂŒberheblicher Mißachtung der religiösen und kulturellen Motive der TĂ€ter und vor Überreaktionen auf ihre Taten warne“. TatsĂ€chlich gebe es aber eine wachsende Zahl islamischer Staaten, die den Westen zu ihrem offiziellen Todfeind erklĂ€rt hĂ€tten.[73]

Cover der Zeitschrift Merkur, in dem 1995 einer der kritischsten DebattenbeitrÀge zum Feindbild Islam erschien

Der Literatur- und Kulturwissenschaftler Siegfried Kohlhammer hielt die These vom neuen Feindbild Islam, das das alte Feindbild Kommunismus abgelöst hat, fĂŒr schlichtweg falsch. 1995 monierte er in einem Essay fĂŒr die Debattenzeitschrift Merkur, in dem er sich besonders mit dem Sammelband von Hippler und Lueg auseinandersetzte, „die auffĂ€llige DĂŒrftigkeit der Belege fĂŒr die Existenz eines Feindbildes Islam.“ Er Ă€ußerte den Verdacht, dass die Existenz dieses Feindbildes im Wesentlichen „mit der Rede ĂŒber das Feindbild Islam bewiesen wird.“[74.1] Bei denjenigen Texten, die von Lueg als Belegmaterial fĂŒr die These vom Feindbild Islam herangezogen wurden, könne von einem Feindbild Islam keine Rede sein. Außerdem warf Kohlhammer den Feindbild-Islam-Kritikern vor, dieselben Fehler zu begehen, die sie beim Feindbild Islam monierten. WĂ€hrend sie dringend davor warnten, die Fundamentalisten/Islamisten mit dem Islam gleichzusetzen, gelte ihnen immer wieder Kritik am islamischen Fundamentalismus als Beleg fĂŒr ein Feindbild Islam. In anderen FĂ€llen diene ihnen Kritik des Islamismus in einem islamischen Land, die von einem deutschen Magazin zitiert wurde, als Beweis fĂŒr ein Feindbild Islam im Westen. Die Subsumierung der Kritik an MissstĂ€nden in islamischen LĂ€ndern und Kulturen unter den Feindbild-Islam-Vorwurf fĂŒhre zu peinlicher Apologetik.[74.2]

Mit der These vom Feindbild Islam, so Kohlhammer weiter, werde „Böses imaginiert, von dem man sich zur Vermehrung des eigenen moralischen Kapitals entrĂŒstet distanzieren“ könne. Man bekunde öffentlich, dass man „an den bösartigen Umtrieben und Vorurteilen“ des Kollektivs nicht beteiligt sei. Indem die Feindbild-Islam-Mahner „alle Westler in welthistorische Sippenhaft“ nĂ€hmen, könnten sie die „vorteilhafte Rolle des Wachpersonals spielen.“[74.3] Kohlhammer empfahl außerdem, ein Feindbild Islam von Xenophobie und Rassismus zu unterscheiden, die durchaus „ein sehr reales Problem in den westlichen LĂ€ndern“ darstellten. Das Gerede vom Feindbild Islam lenke jedoch davon ab.[74.4] Die schwierige Menschenrechtssituation in vielen muslimisch geprĂ€gten LĂ€ndern werfe jedoch „die bange Frage“ auf, „ob der real existierende Islam nicht eigentlich [doch] ein Feind des Westens ist und in diesem Sinne ein Feindbild Islam realistisch und also wĂŒnschenswert wĂ€re“.[74.5] Kohlhammer erhob in seinem Artikel auch den Vorwurf, dass sich in zahlreichen Artikeln und BĂŒchern zum Feindbild Islam Islam-Apologetik mit anti-westlicher Haltung oder auch Indifferenz oder Unkenntnis gegenĂŒber wesentlichen Unterschieden zwischen westlicher und islamischer Welt verbinde.[74.4] 1996 baute Kohlhammer seinen Artikel zu einem Buch gleichen Titels aus. Hier schĂ€rfte er seine EinwĂ€nde gegen die These, dass das Feindbild Islam das alte Feindbild Kommunismus abgelöst habe.[75.1] Insgesamt warf Kohlhammer den Feindbild-Islam-Mahnern vor, mit ihrer Rede vom Feindbild vor allem eines zu bezwecken: „die westliche Kritik an den Menschenrechtsverletzungen von vornherein ins Unrecht zu setzen.“[76]

Kohlhammers Artikel und Buch wurden 1996 sehr positiv von dem Soziologen und Journalisten Eberhard Seidel in einem Artikel fĂŒr die taz rezensiert. Er resĂŒmierte es mit der Aussage, dass in Deutschland „wenig bis nichts auf ein aktuelles Feindbild Islam“ hindeute. Auch wandte er sich gegen die Interpretation, dass VorfĂ€lle in FĂŒrstenwalde/Spree, bei denen kurz zuvor Jugendliche muslimischen libanesischen Hausfrauen im VorĂŒbergehen die KopftĂŒcher heruntergerissen hatten, Ausdruck dieses Feindbildes Islam seien. Ihm zufolge handelte es sich lediglich um Xenophobie.[76] Udo Marquardt erklĂ€rte 1996 in einer Schrift fĂŒr die Deutsche Kommission Justitia et Pax mit Verweis auf Kohlhammers Artikel, dass die Existenz eines Feindbildes Islam keineswegs ausgemacht sei.[77.1] Ob wirklich im Westen ein Wechsel der Feindbilder stattgefunden habe, vom Kommunismus zum Islam, sei umstritten.[77.2]

Auch Eberhard Seidel, Claudia Dantschke und Ali Yıldırım, die im Jahre 2000 fĂŒr Die GrĂŒnen im EuropĂ€ischen Parlament eine Dokumentation ĂŒber den Islamismus erstellten, bezweifelten die These vom Islam-Feindbild. In Deutschland, so brachten sie vor, deute „wenig bis nichts auf ein aktuelles Feindbild Islam hin.“ Ansonsten wĂ€re die Aufnahme von Hunderttausenden muslimischer FlĂŒchtlinge aus Bosnien politisch ebenso wenig durchsetzbar gewesen wie die der FlĂŒchtlinge aus dem Libanon, Afghanistan, der TĂŒrkei, Pakistan, Indonesien, dem Irak und dem Iran. Die Autoren der Dokumentation bemĂ€ngelten außerdem, dass die Vertreter der Feindbild-Islam-These „bis heute“ eine Antwort auf die Fragen schuldig geblieben seien, wer dieses Feindbild konstruiere und wie es zur ideologischen Homogenisierung und zur Mobilisierung fĂŒr das eigene westliche System genutzt werde.[78.1]

Die Bremer Islam-Woche 1997

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Henning Scherf

Eine der wichtigsten Veranstaltungen in den spĂ€ten 1990er Jahren, die sich der BekĂ€mpfung des Feindbilds Islam widmete, war die Bremer Islam-Woche von 1997, die von dem Religionswissenschaftler Tilman Hannemann organisiert wurde. Der Bremer BĂŒrgermeister Henning Scherf (SPD), der die Veranstaltung mit einem Grußwort eröffnete, sagte darin:

„Das vor allem durch Fernsehen und Zeitungen bei uns vermittelte Bild des Islam erzeugt bei vielen Menschen eher Angst und Mißtrauen als Sympathie und Hoffnung. Die Bilder und Schlagzeilen von Massakern und TerroranschlĂ€gen, angeblich im Namen Allahs verĂŒbt, lassen den Islam als Religion der Gewalt, der Unbarmherzigkeit und Menschenfeindlichkeit erscheinen. [
] Mit Islam verbindet man Terror, religiöse Intoleranz, die UnterdrĂŒckung der Frau, ein unmenschliches Strafrecht, Mißachtung der Menschenrechte. Dieses Bild ist falsch. Wir mĂŒssen es korrigieren.“

– Henning Scherf[79]

Das Feindbild Islam war bei der Bremer Islam-Woche auch spezielles Thema eines Vortrags des Göttinger Soziologen Lutz Hoffmann. Darin vertrat er die These, dass moderne Gesellschaften nicht ohne Feindbilder auskĂ€men, und man daher den Islam erfinden mĂŒsste, wenn es ihn nicht schon gĂ€be.[80.1] Allerdings stimmte Hoffmann den Kritikern des Konzepts darin zu, dass das Feindbild Islam „kaum mehr als ein Klischee“ sei, „ebenso grob geschnitzt und denuziatorisch wie das, was sie entlarven will.“ Er wolle versuchen zu klĂ€ren, was „das Feindbild Islam“ eigentlich zum Feindbild mache und welche Bedeutung es fĂŒr seinen Benutzer habe. GegenĂŒber dem Feindbild Judentum trage das Feindbild Islam immer noch rudimentĂ€re ZĂŒge.[80.2] Zwar habe er nicht vor, die Existenz eines Feindbildes Islam empirisch nachzuweisen, weil dafĂŒr viel ausgedehntere Studien notwendig seien, doch wolle er eine Theorie des Feindbildes im allgemeinen und des Feindbildes Islam im Besonderen zu entwerfen, um solche empirische Studien zu ermöglichen.[80.3] Sein Versuch, das Feindbild Islam zu analysieren, bedeute jedoch nicht, dass er denjenigen in den RĂŒcken fallen wolle, die sich kritisch mit konkreten PhĂ€nomenen auseinandersetzen, die – zu Recht oder Unrecht – mit dem Islam in Verbindung gebracht wĂŒrden.[80.4]

In seiner Analyse versuchte Hoffmann zu zeigen, dass Feindbilder stets zum kognitiven Inventar einer modernen Gesellschaft gehören und einen Teil von deren „Gegenideologie“ bilden.[80.5] Die Gegenideologie beschreibe nicht, wie der „Feind“ wirklich sei, sondern wie er erscheinen mĂŒsse, um fĂŒr die Gesellschaft die Funktion eines Feindbilds wahrzunehmen. Sie bilde nicht Fakten ab, sondern konstruiere eine Wirklichkeit.[80.6] Die Konstruktion des feindlichen Kollektivs und seines Umfangs sei dabei von der RealitĂ€t kaum beeinflusst: Es wĂŒrden diesem Kollektiv Menschen, Gruppen und PhĂ€nomene zugerechnet, „die von diesem weder als zugehörig anerkannt werden noch sich selbst als ihm zugehörig betrachten“. Als Beispiel verwies Hoffmann hier auf die laizistische TĂŒrkei. Umgekehrt, so brachte er vor, wĂŒrden andere Individuen, Gruppen und Erscheinungen, die in der gesellschaftlichen RealtitĂ€t zweifellos denen zuzurechnen seien, auf die ansonsten Feindbild abzielt, von dem Vorwurf entlastet, mit dem Feindbild gemeint zu sein. So habe die öffentliche Meinung weder die antikommunistischen MudschāhidÄ«n zur Zeit der sowjetischen Invasion in Afghanistan noch die muslimischen Bosniaken dem Feindbild Islam zugeordnet. Auch der „fundamentalistische Iran“ sei wĂ€hrend des Zweiten Golfkrieges fast völlig aus dem antiislamischen Feindbild gerĂŒckt, weil dessen Zentrum von seinem Gegner Irak eingenommen worden sei. Anhand dieser Beispiele versuchte Hoffmann nachzuweisen, dass das Feindbild Islam lediglich Ergebnis eines Konstruktivismus ist.[80.7] Um die charakteristischen Merkmale des spezifisch antiislamischen Feindbilds kontrastiv herauzuarbeiten, griff Hoffmann auf den Vergleich zum Antisemitismus zurĂŒck.[80.8] FĂŒr die Ergebnisse dieses Vergleichs siehe unten den Abschnitt Feindbild Judentum und Antisemitismus.

Der Vortrag von Lutz Hoffmann erschien zunĂ€chst 1997 als Sonderveröffentlichung der AuslĂ€nderbeauftragten des Landes Bremen[81] und dann erneut drei Jahre spĂ€ter im Rahmen einer schriftlichen Dokumentation der Bremer Islam-Woche. Zu dieser Dokumentation verfasste die AuslĂ€nderbeauftrage der Bundesregierung Marieluise Beck ein Vorwort mit dem Titel „Vom Feindbild Islam zum gegenseitigen Respekt“. Darin Ă€ußerte sie, ganz im Sinne der Thesen Hoffmanns, dass sich im deutschen Islam-Bild wie bei jedem Feindbild eher die eigene Befindlichkeit als die RealitĂ€t der Abgebildeten widerspiegele.[82]

Die Wirkung der AnschlÀge vom 11. September 2001 auf die Diskussion

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Die TerroranschlĂ€ge am 11. September 2001 fĂŒhrten dazu, dass die Diskussion ĂŒber das Feindbild Islam neu angefacht wurde. Dabei gab es sowohl Stimmen, die die These von Feindbild Islam neu bekrĂ€ftigten, als auch solche, die diese These zurĂŒckwiesen.

BekrÀftigungen der Feindbild-These

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Sumaya Farhat-Naser

Nur zehn Tage nach den AnschlĂ€gen warnte die Wochenzeitung Die Woche in einem Leitartikel „Feindbild Islam“ vor ideologischer AufrĂŒstung gegenĂŒber dem Islam.[83.1] Die palĂ€stinensische Christin Sumaya Farhat-Naser behauptete am 18. September 2001 in einem Interview mit der SĂŒddeutschen Zeitung, dass das Feindbild „Islam“ seit Jahren bewusst geschĂŒrt wĂŒrde und einen Vorwand fĂŒr noch mehr Kontrolle ĂŒber die islamischen Staaten liefere.[84]

Jochen Hippler und Andrea Lueg gaben 2002 eine aktualisierte und erweiterte Neuauflage ihrer Aufsatzsammlung heraus, diesmal unter dem ergĂ€nzten Titel „Feindbild Islam oder Dialog der Kulturen“. Darin konstatierten sie, dass es nach den TerroranschlĂ€gen vom 11. September die Tendenz gegeben habe, „die Warnung vor einem Feindbild Islam fĂŒr den gutgemeinten, aber etwas naiven Versuch zu halten, die Augen vor den Gefahren der muslimischen Welt zu verschließen.“[85.1] Lueg teilt mit, dass einige Stimmen die Kritik am Feindbild Islam fĂ€lschlich als kritiklose Akzeptanz sĂ€mtlicher VorgĂ€nge in islamischen Gesellschaften dargestellt hĂ€tten.[17.1] Dies sei aber nicht richtig. Wer vor falschen Bildern und Klischees warne, sei deshalb noch lange nicht blind fĂŒr politische Interessen, Fehler, Ungerechtigkeiten und Gefahren. Und wer vor einem Feindbild Islam warne, sei deswegen noch lange kein Freund von Islamisten, noch nicht einmal notwendigerweise ein Freund des Islam.[17.2] Bei ihrer Warnung vor dem Feindbild Islam gehe es ihnen aber darum, nicht in die Falle eines eigenen kulturellen Hochmuts zu gehen, der einem die Sicht vernebele: Sobald man nĂ€mlich die Welt vor allem in den leichten Schwarz-Weiß-Schemata – wir sind die Guten, die anderen die Bösen – wahrnehme, mache man sich Illusionen ĂŒber den eigenen Grad der Zivilisiertheit.[85.2]

Lueg kritisierte in ihrem eigenen Beitrag, dass sich an der medialen Darstellung des Islams seit Anfang der 1990er nichts geĂ€ndert habe. Auf Buchdeckeln und Zeitschriften-Covern fĂ€nden sich immer noch Ă€hnliche Begriffe, die klischeehaft mit dem Islam verknĂŒpft wĂŒrden wie zuvor: „Fanatische Kriege im Namen Allahs“, „Jeder Muslim eine Bombe?“, „radikale Gotteskrieger rĂŒsten auf“ in Der Spiegel vom 15. Oktober 2001, sowie „Mohammeds zornige Erben. Neue Serie: Die Wurzeln des Hasses“ im Stern vom 25. Oktober 2001.[17.3] Auf dieser pragmatischen Ebene der entworfenen Bilder sei die Diskussion um das Feindbild Islam noch nicht angekommen.[17.4] Die Tatsache, dass die deutsche Bundesregierung Ende 2000 in ihrer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der Fraktion der CDU/CSU im Deutschen Bundestag zum „Islam in Deutschland“ darauf hingewiesen hatte, dass der Titel dieser Anfrage eine inhaltliche VerkĂŒrzung darstelle, weil es den Islam „als monolithischen Block“ nicht gebe,[86] wertete Lueg allerdings als Beleg dafĂŒr, dass die Diskussion um das Feindbild Islam bis zur Bundesregierung vorgedrungen sei.[17.1]

Logo der Zeitschrift Marxistische BlÀtter

Besondere Aufmerksamkeit erhielt das Feindbild Islam auch in der Zeitschrift Marxistische BlĂ€tter, die ihm 2005 ein Schwerpunktheft widmete. Darin wurde die These vertreten, dass das Ende des Warschauer Pakts und die Auflösung der Sowjetunion Anfang der 1990er Jahre die imperialistischen MĂ€chte vor die Notwendigkeit gestellt habe, das Feindbild Kommunismus durch ein neues zu ersetzen, um die Beibehaltung des gigantischen militĂ€rischen Droh- und Interventionsapparats der NATO-Staaten zu rechtfertigen. Der militĂ€rpolitische Diskurs habe daher die „neuen Risiken“ erfunden. FĂŒr den Massengebrauch sei dies aber zu komplex gewesen. Deswegen habe sich der RĂŒckgriff auf das „vertraute“ Feindbild Islam angeboten. SpĂ€testens mit den TerroranschlĂ€gen vom 11. September 2001 sei es dann gelungen, dem Feindbild Islam einen festen Platz in den Ängsten der Bevölkerungsmehrheit der „Ersten Welt“ zu verschaffen. Die BeitrĂ€ge des Heftes beruhten auf den Referaten einer Tagung der Marx-Engels-Stiftung vom April 2005.[87] Nach Karin RĂŒhrdanz, die den Hauptbeitrag des Schwerpunktheftes schrieb, war einer der GrĂŒnde fĂŒr die Wiederbelebung des Feindbildes Islam das von den Protagonisten neoliberaler Hegemonie im Islamismus vermutete Potential zum Widerstand und zur Entwicklung alternativer Gesellschaftsmodelle gewesen.[88.1]

Kritik an den Feindbild-Islam-Warnungen

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Die AnschlĂ€ge vom 11. September 2001 lösten aber auch eine neue Welle der Kritik gegenĂŒber den Feindbild-Islam-Warnungen aus. Wolfgang GĂŒnter Lerch nannte sie einen Monat spĂ€ter in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung das „vorwurfsvolle Gerede“ vom Feindbild Islam und kritisierte, dass jeder, der „zu realistischen Urteilen riet, [
] mit Panikmachern in einen Topf geworfen“ worden sei. Das „Feindbild Islam“ habe man auch jedem unterstellt, „der auf gewissenhafte Feststellung von Gemeinsamkeiten und Grenzen drang und dem unbegrenzten Relativismus der sogenannten Postmoderne mißtraute“.[89] Die Zeitschrift Merkur reagierte noch im Oktober 2001 mit einem Neuabdruck des kritischen Aufsatzes von Kohlhammer aus dem Jahre 1995.[90] Jens Bisky kommentierte dazu in der SĂŒddeutschen Zeitung bissig: „Die Geste ist deutlich: Im Merkur sah man damals schon klar.“[91]

Der Politikwissenschaftler Johannes Kandel, der eine Buchrezension zur Neuauflage des Buches von Hippler und Lueg schrieb, warf den beiden vor, dass sie darin genau dem Mechanismus erlĂ€gen, den sie selbst kritisierten, und Feindbilder produzierten. Schon der Titel des Buches unterstelle, dass es das „Feindbild Islam“ im Singular gebe. Doch gebe es das genauso wenig, wie es „den Islam“ gebe.[92.1] In seinem Eifer, gegen „das“ Feindbild Islam anzutreten, denunziere Hippler alle, die ernsthaft nach der religiösen, der islamischen Komponente des gegenwĂ€rtigen Terrorismus fragen, als Handlanger der Terroristen, die eine Konfrontation zwischen „dem Islam“ und „dem Westen“ provozieren wollten.[92.2] Wenn Hippler im Ergebnis konstatiere, „daß das Feindbild Islam in den Köpfen der bundesdeutschen Bevölkerung und ihrer Öffentlichkeit tief verankert ist,“ sei das in dieser PauschalitĂ€t schlichtweg falsch und seinerseits feindbildfixiert.[92.3] Außerdem warf Kandel den Herausgebern vor, Verschwörungstheorien aufzustellen, wenn sie dem Westen vorwĂŒrfen, „das“ Feindbild Islam zu produzieren, um „andere Politikziele hinter dem RĂŒcken der Öffentlichkeit zu verfolgen“.[92.2] Johannes Kandel bezweifelte beim Feindbild auch die Existenz lĂ€ngerer geschichtlichen KontinuitĂ€ten.[92.1]

Auch Wissenschaftler stimmten in diese Kritik an der Feindbild-Islam-These ein. So fĂŒhrte der Freiburger Islamwissenschaftler Rainer Brunner nach einem Artikel, den Rainer Hermann im Dezember 2001 in der FAZ veröffentlichte, die Neigung in Europa und Nordamerika, vor einem „Feindbild Islam“ zu warnen und auf die Nennung kultureller Unterschiede zu verzichten, erneut auf political correctness zurĂŒck sowie auf die Diskussion, die der amerikanisch-palĂ€stinensische Literaturwissenschaftler Edward Said 1978 mit seinem Buch Orientalismus angestoßen hatte. Seit Said dem Westen vorgeworfen habe, sich den Orient nach seinen eigenen Bildern geschaffen zu haben, plage viele im Westen ein schlechtes Gewissen, das sie mit einem „SĂŒhnestolz“ zu beruhigen versuchten. Brunner gab zu bedenken, dass die mit der Warnung vor dem Feindbild Islam verbundene NaivitĂ€t eine Sackgasse sei, die auch den Erfolg des Dialogs der Kulturen gefĂ€hrde.[93] Bassam Tibi klagte nach den TerroranschlĂ€gen in Istanbul 2003 darĂŒber, dass erfahrungsgemĂ€ĂŸ einige deutsche Medien den Vorwurf erhöben, dass man grundsĂ€tzlich ein Islam-Feindbild verbreite, wenn man nur ĂŒber den Islamismus spreche. Dieser Reflex sei politisch korrekt und mit der Warnung verbunden, dass keine Generalisierung ĂŒber den Islam vorgenommen werden dĂŒrfe. Eine fundierte Generalisierung, so Tibi, könne aber helfen, den Blick auf das Problem zu schĂ€rfen, wenn dabei Vorurteile vermieden wĂŒrden. Diese Bemerkung sei wichtig, weil bei den deutschen Warnern vor dem Feindbild Islam hĂ€ufig diese Differenzierung fehle und eine VerklĂ€rung stattfinde.[94]

Eine vermittelnde Position innerhalb dieser Debatte nahm Sabine Schiffer ein. Sie Ă€ußerte 2004 in ihrer Dissertation zur Darstellung des Islams in der Presse, dass es sowohl bei den AnhĂ€ngern der These vom Feindbild Islam als auch ihren Gegnern die Tendenz gebe, sich die jeweils nĂŒtzlichen und plausiblen Argumente und Beispiele zunutze zu machen, die anderen aber nicht.[95.1]

VorwĂŒrfe gegenĂŒber Muslimen, die Feindbild-Islam-These zu instrumentalisieren

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Logo der Islamischen Gemeinschaft MillĂź GörĂŒĆŸ

Ein neuer Aspekt in der Diskussion ĂŒber das Islam-Feindbild ab dem Jahr 2000 war, dass nun vor allem Muslimen und islamischen VerbĂ€nden zugeschrieben wurde, die These von diesem Feindbild zu vertreten. So schrieben die Autoren der Islamismus-Dokumentation fĂŒr die europĂ€ischen GrĂŒnen in diesem Jahr, dass die Islamisten „in ihrer These vom Feindbild“ seit einigen Jahren in Diskussionsveranstaltungen behaupteten, die in Deutschland verĂŒbte rassistische Gewalt sei „antiislamische Gewalt“. Sie ĂŒbersĂ€hen absichtlich, dass die rassistische Gewalt christliche rumĂ€nische Asylsuchende, katholische Mosambikaner, buddhistische Vietnamesen ebenso treffe wie TĂŒrken.[78.1] Sie verwiesen auch darauf, dass Mehmet Sabri Erbakan, der GeneralsekretĂ€r der Islamischen Gemeinschaft MillĂź GörĂŒĆŸ im April 1997 dazu aufgerufen hatte, „sich nicht durch solche KrĂ€fte beeinflussen zu lassen, die mit inhaltsleeren Etikettierungen wie ‚islamistisch‘ oder ‚fundamentalistisch‘ krampfhaft versuchten, ein Bedrohungsszenario zu schĂŒren und ein Feindbild Islam aufzubauen.“[78.2]

Bassam Tibi Ă€ußerte im Mai 2002 in einem Beitrag fĂŒr die Wochenzeitung Die Zeit, es sei vonseiten der Muslime in höchstem Maße unaufrichtig, wenn sie im christlich-islamischen Dialog – statt an der in der islamischen Welt sehr weit verbreiteten Dschihad-Deutung des 11. September Kritik zu ĂŒben – behaupteten, dies alles habe mit dem Islam nichts zu tun, und man trage zu einem „Feindbild Islam“ bei, wenn „man Mohammed Atta und seinen Meister bin Laden mit dem Islam in Zusammenhang“ bringe.[96]

Johannes Kandel schrieb 2003 anlĂ€sslich der Interkulturellen Woche, dass die muslimischen VerbĂ€nde seit Jahren wiederholten, dass es in Deutschland ein stabiles „Feindbild Islam“ gebe. Empirisch lasse sich dieses jedoch nicht nachweisen, schon gar nicht fĂŒr die Mehrheit der Bevölkerung. Die Rede vom „Feindbild“ werde den vielfĂ€ltigen Initiativen und BemĂŒhungen von Behörden, NGOs, Kirchen, Wissenschaft und Medien, Muslimen die Integration zu erleichtern, nicht gerecht.[97] UnterstĂŒtzung erhielt Kandel von Andreas Jacobs, der im selben Jahr in einem Beitrag fĂŒr Die Politische Meinung beklagte, dass die These vom Feindbild Islam zum unerlĂ€sslichen Bestandteil von Dialogveranstaltungen mit Muslimen geworden sei.[98.1] Problematisch sei die Feindbild-Islam-These vor allem deswegen, weil hier genau diejenigen Mechanismen bedient wĂŒrden, die der Dialog mit dem Islam eigentlich kritisieren sollte, denn „auf der Suche nach der Opferrolle“ vermische sich „Zutreffendes allzu leicht mit anti-westlichen Vorurteilen und verschwörungstheoretischen VersatzstĂŒcken.“[98.2] Ärgerlich sei auch, „dass mancher deutsche Islam-Experte“ gerne der Versuchung erliege, „seinen muslimischen Dialogpartnern bei der BekrĂ€ftigung der Feindbild-These allzu eilfertig an die Seite zu treten.“[98.2] Die Betonung eines Feindbildes Islam durch die islamischen Verbandsvertreter auf Dialogveranstaltungen diene in Wirklichkeit dem Verweis auf die kulturelle Differenz, der Abgrenzung und der Schaffung von rechtlichen und politischen FreirĂ€umen.[98.3]

Eberhard Seidel, der schon 1996 Kohlhammers Buch positiv besprochen hatte und zu den Verfassern der Islamismus-Dokumentation fĂŒr die europĂ€ischen GrĂŒnen gehörte, erklĂ€rte 2003, dass sich das Feindbild Islam fĂŒr die demokratische Öffentlichkeit empirisch nicht nachweisen lasse.[99.1] Die Behauptung, Deutschland und seine BĂŒrger pflegten ein Feindbild Islam, sei „ein ideologisches Konstrukt, das in erster Linie den Interessen islamistischer VerbĂ€nde“ zuarbeite. Es habe deswegen auch nicht der vielen wohlmeinenden Appelle bedurft, denn weder die wirtschaftlichen noch politischen oder gar politischen Interessen Deutschlands machten ein Feindbild Islam opportun.[99.2] Neben den BedĂŒrfnissen der Muslime mĂŒsse man auch das Unbehagen vieler BĂŒrger gegenĂŒber dem Islam ernst nehmen. Es werde nicht geringer, indem man es leugne und seine Existenz „als Ausgeburt des Feindbilds Islam“ denunziere.[99.3] Sehr Ă€hnlich hatte das Seidel auch schon in der Islamismus-Dokumentation formuliert.[78.3]

Seidel stĂŒtze sich bei seinen Aussagen auf die Ergebnisse einer Erhebung aus dem Jahr 2003, die die beiden Soziologen Steffen M. KĂŒhnel und JĂŒrgen Leibold im Rahmen einer Erhebung des GMF-Forschungsprogramms durchgefĂŒhrt hatten. Sie hatte ergeben, dass sich die Behauptung von einem besonderen ‚Feindbild Islam‘ nicht bestĂ€tigen lasse. Das Feindbild Islam, so hatten KĂŒhnel und Leibold gefolgert, werde nur von bundesdeutschen Intellektuellen sowie von islamischen bzw. islamistischen Gruppen aus unterschiedlichen Motiven beschworen.[100]

Ähnliche Kritik Ă€ußerte 2004 die Religionswissenschaftlerin Ursula Spuler-Stegemann in der EinfĂŒhrung zu einer Aufsatzsammlung, die dem „Feindbild Christentum im Islam“ gewidmet war. Sie monierte, dass in der Flut von „mehr oder weniger fachkundigen BĂŒchern“ zum Islam und Terrorismus, die seit dem 11. September 2001 den Markt ĂŒberschwemmt hĂ€tten, das „ohnehin ĂŒberstrapazierte 'Feindbild Islam'“ zum vielfach instrumentalisierten Klischee geworden sei, insbesondere auch von muslimischer Seite.[101] Die verĂ€nderte Stimmung gegenĂŒber der Feindbild-Islam-These fasste Wolfgang GĂŒnter Lerch im Dezember 2004 folgendermaßen zusammen:

„Vor dem ‚11. September‘ warnten manche im Westen vor einem ‚Feindbild Islam‘ - manchmal nur, um eine kritische Auseinandersetzung mit dieser Religion zu verhindern. Nach dem blutigen Ereignis sah man dann genauer hin, entdeckte, daß manches liebgewordene Stereotyp ĂŒber die ‚abrahamitischen Religionen‘ so nicht der Wahrheit entsprach, wie man es lange fĂŒr richtig gehalten hatte. Nun ist die Neigung groß, in die andere Richtung zu ĂŒbertreiben: Der Verharmlosung, die nichts aufklĂ€rt, folgt die DĂ€monisierung, die zu nichts Positivem fĂŒhrt.“

– Wolfgang GĂŒnter Lerch[102]

Das Islam-Feindbild im Fokus der RechtsextremismusprÀvention ab 2008

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Der Historiker und Vorurteilsforscher Wolfgang Benz

Als im September 2008 die rechtsextreme BĂŒrgerbewegung pro Köln im Verbund mit der gleichgesinnten BĂŒrgerbewegung pro NRW zur DurchfĂŒhrung eines so genannten Anti-lslamisierungskongresses in Köln aufrief und damit große öffentliche Aufmerksamkeit auf sich zog, war dies fĂŒr das NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln der Anlass zur DurchfĂŒhrung einer Fachtagung zum Feindbild Islam.[6.1] Im Dezember 2008 lud dann das Zentrum fĂŒr Antisemitismusforschung (ZfA) der Technischen UniversitĂ€t Berlin zu einer Konferenz ĂŒber die Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen Feindbild Islam und Judenfeindschaft ein. Wolfgang Benz, seit 18 Jahren Leiter des Zentrums, und seine Mitarbeiter hatten in den vergangenen Jahren ihr Aufgabenspektrum ausgedehnt, um andere Feindbilder und Phobien zu erkunden, wobei Antisemitismus mit seinen Denkstrukturen als Paradigma genutzt wurde. Dass die Forscher sich nach Sinti und Roma auch den Muslimen und dem Islam als aktuellem Feindbild zuwandten, löste allerdings Internet-Angriffe islamkritischer Blogger gegen das Zentrum aus und brachte ihm Kritik von seiten des Publizisten und Politologen Matthias KĂŒntzel ein. Letzterer monierte, dass die Analogie zwischen den beiden PhĂ€nomenen „schrĂ€g und fatal“ sei, weil sie den Holocaust trivialisiere und islamistischen Terror ignoriere. Benz rechtfertigte sich damit, dass aktuelle MissstĂ€nde, etwa die Tendenz, fĂŒr das Fehlverhalten einzelner das ganze Kollektiv in Haftung zu nehmen, es notwendig machten, sich mit dem Feindbild Islam zu beschĂ€ftigen.[103] Weitere Kritiker der Konferenz waren Kristina Schröder, die damals noch Köhler hieß und Islambeauftragte der CDU/CSU-Bundestagsfraktion war, der Publizist Henryk M. Broder und Vertreter jĂŒdischer Organisationen. Der Tenor vieler Wortmeldungen war, dass Benz als ZfA-Leiter mit diesem Vergleich die nationalsozialistische Judenverfolgung verharmlose und deren SingularitĂ€t in Zweifel ziehe.[104]

In einem Meinungsartikel fĂŒr die SĂŒddeutsche Zeitung, den er gut ein Jahr spĂ€ter veröffentlichte, bekrĂ€ftigte Benz noch einmal, dass sich derjenige, der sich zu Recht â€žĂŒber die Borniertheit der Judenfeinde“ entrĂŒste, auch das Feindbild Islam kritisch betrachten mĂŒsse. Derzeit werde der Islam gedanklich mit Extremismus und Terror verbunden, wodurch alle Angehörigen der islamischen Religion und Kultur mit einem Feindbild belegt und diskriminiert wĂŒrden.[105] In einer weiteren wissenschaftlichen Veröffentlichung, die 2012 erschien, Ă€ußerte Benz, dass sich das auf Ressentiments gegrĂŒndete, verbreitete Ängste instrumentalisierende Feindbild Islam habe auf einem politisch-sozialen Aktionsfeld etabliert habe, das Impulse von Moscheebau-Projekten, aus Debatten ĂŒber Kopftuch und Zwangsehe, ĂŒber die von obskuren Publizisten beschworene Gefahr einer „Islamisierung Europas“ erhalte und der inzwischen uralten Projektion vom „Untergang des Abendlands“ folge.[106.1]

Die in dieser Zeit stark zunehmende Rolle der Islamfeindlichkeit in den rechtsradikalen und rechtspopulistischen Gruppen brachte 2010 und 2011 auch die beiden Zeitschriften Der Rechte Rand und Inamo dazu, dem Feindbild Islam Dossiers zu widmen. Das Dossier in Der rechte Rand, an dem Alexander HĂ€usler, Jörg Kronauer, Heribert Schiedel und Bernhard Schmid mitwirkten, gab einen Überblick ĂŒber rechtsextreme Akteuren mit islamfeindlicher Ausrichtung in ganz Europa.[107] Das Inamo-Dossier mit dem Titel „Feind Bild Islam“ enthielt mehrere Artikel zur zunehmenden Islamophobie und einen Artikel von Werner Ruf zum Feindbild Islam bei der NATO.[108] Auch war das Feindbild Islam in dieser Zeit immer wieder Thema in den Zeitungen. So kritisierte Lamya Kaddor im August 2010, dass die Bundespressekonferenz Thilo Sarrazin eingeladen hatte, damit er und Necla Kelek „auf großer BĂŒhne das Feindbild Islam unters Volk bringen“.[109]

Eine der wenigen Personen, die in dieser Zeit die Islam-Feindbild-These zurĂŒckwies, war die Religionswissenschaftlerin Petra Klug. Sie kritisierte 2010, dass es „zu den gĂ€ngigen, aber meist unhinterfragten und empirisch nicht ausreichend geprĂŒften Annahmen im akademischen und öffentlichen Diskurs“ gehöre, dass der Islam zum neuen Feindbild des Westens avanciert sei. Dieses Bild vom Feindbild fĂŒhre aber ein Eigenleben, „das von den tatsĂ€chlich beobachtbaren Äußerungen ĂŒber den Islam relativ unabhĂ€ngig ist und seine Relevanz vor allem aus seiner politischen Funktion schöpft.“[110.1] Sie Ă€ußerte sich auch zustimmend zu den Thesen, die Siegfried Kohlhammer in den 1990er Jahren vorgetragen hatte. Zwar seien sie „zugespitzt und Ă€ußerst suggestiv formuliert“, doch wenn man sie „ihres provokativen Gewandes“ entkleide, bleibe der Hinweis, „dass unter dem Vorwand, das Feindbild Islam nicht stĂŒtzen zu wollen, oft eine gefĂ€hrliche Relativierung und Verharmlosung betrieben“ werde.[110.2]

Eine parodistische Verballhornung des Feindbild-Islam-Begriffs findet sich im Titel der von Hartmut Krauss herausgegebenen Aufsatzsammlung Feindbild Islamkritik: Wenn die Grenzen zur Verzerrung und Diffamierung ĂŒberschritten werden, die 2010 im Hintergrund-Verlag in OsnabrĂŒck erschien. Sie resultierte zum Teil aus der Kritischen Islamkonferenz 2008 an der UniversitĂ€t Köln und enthĂ€lt auch einen Aufsatz des Publizisten und BundesgeschĂ€ftsfĂŒhrers der BĂŒrgerbewegung Pax Europa Conny Axel Meier mit dem Titel „Feindbild Islam kontra Wunschbild Islam“.[111]

JĂŒrgen Todenhöfers zehn Thesen zum Feindbild Islam

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JĂŒrgen Todenhöfer

StĂ€rker außenpolitisch als innenpolitisch ausgerichtet waren die Zehn Thesen gegen das Feindbild Islam, die der CDU-Politiker JĂŒrgen Todenhöfer 2011 auf etwas mehr als 60 Seiten veröffentlichte.[112] In ihrer Kurzform lauten die Thesen wie folgt:

  1. Der Westen ist viel gewalttÀtiger als die muslimische Welt. Millionen arabische Zivilisten wurden seit Beginn der Kolonialisierung getötet.
  2. Nichts fördert den Terrorismus mehr als die „Antiterrorkriege“ des Westens. Sie sind ein Terrorzuchtprogramm.
  3. Terrorismus ist kein typisch muslimisches, sondern ein weltweites Problem.
  4. Islamisch getarnte Terroristen sind Mörder. Christlich getarnte AnfĂŒhrer völkerrechtswidriger Angriffskriege auch.
  5. Muslime waren und sind mindestens so tolerant wie Juden und Christen. Sie haben die westliche Kultur entscheidend mitgeprÀgt.
  6. Nicht nur in der Bibel, auch im Koran sind die Liebe zu Gott und NĂ€chstenliebe die zentralen Gebote.
  7. Die westliche Politik gegenĂŒber der muslimischen Welt leidet unter einer erschreckenden Ignoranz einfachster Fakten.
  8. Der Westen muss die muslimische Welt genauso fair und großzĂŒgig behandeln, wie er zu Recht Israel behandelt. Muslime sind genauso viel wert wie Juden und Christen.
  9. Die Muslime mĂŒssen sich wie ihr Prophet Mohammed fĂŒr einen Islam des Fortschritts und der Toleranz einsetzen. Sie mĂŒssen dem „muslimischen Terrorismus“ die religiöse Maske vom Gesicht reißen.
  10. Das Gebot der Stunde heißt Staatskunst, nicht Kriegskunst – in Afghanistan, in Pakistan, im Irak, im Iran, in Syrien und in PalĂ€stina.

Erhard Eppler, der das BĂŒchlein in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung rezensierte, kritisierte, dass Todenhöfer in allen zehn Thesen den Westen als Einheit behandelt, obwohl sich Deutschland und Frankreich im Gegensatz zu den USA nicht am Irak-Krieg beteiligt hatten und nie vom Krieg, sondern immer nur vom Kampf gegen den Terror gesprochen hĂ€tten.[113] Positiver besprach die Thesen der Religionswissenschaftler Michael Blume. Ihm imponiere, „dass der Christ und Demokrat [sc. Todenhöfer] die Courage zeigt, dem islamfeindlichen Mainstream in Medien, Internet und Teilen der Gesellschaft die Stirn zu bieten“, erklĂ€rte er 2012 in einem Wissenschaftsblog.[114]

Todenhöfer thematisierte das Islam-Feindbild 2012 noch einmal in einem Artikel fĂŒr das SĂŒddeutsche Zeitung Magazin. Hier deutete er den Arabischen FrĂŒhling als Aufstand auch „gegen die Zerrbilder des Westens und dessen sorgsam gepflegtes Feindbild Islam.“[115]

Die meisten BeitrĂ€ge zur Diskussion ĂŒber das Islam-Feindbild aus der Zeit nach 2012 befassten sich mit seiner Rolle und Instrumentalisierung im Rechtspopulismus und Rechtsradikalismus. Siehe dazu unten den betreffenden Abschnitt.

Bestandteile des Feindbildes

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Hinsichtlich der Frage, aus welchen Elementen sich das Feindbild Islam zusammensetzt, gibt es unterschiedliche Aussagen. Gernot Rotter vertrat 1992 den Standpunkt, dass BrutalitĂ€t, UnzuverlĂ€ssigkeit, Geilheit, IrrationalitĂ€t und Hysterie zu dem Feindbildregister gehörten, das „sich das christliche Abendland ĂŒber die Jahrhunderte hinweg gegenĂŒber der islamischen Welt zurechtgelegt hat.“ Dieses Feindbildregister zeige sich auch in den BĂŒchern Konzelmanns.[19.3] Andere Autoren, die sich mit politischen Karikaturen zum Zweiten Golfkrieg beschĂ€ftigten, identifizierten Irrsinn und Grausamkeit als zentrale Elemente des Feindbildes Islam.[39.1] Stefan Butter, der das Feindbild Islam im amerikanischen Spielfilm untersuchte, sieht ebenfalls IrrationalitĂ€t als einen zentralen Bestandteil dieses Feindbildes.[11.2]

Ein weiterer Feindbildtopos ist nach Rotter, „dass der Islam und damit die Muslime grundsĂ€tzlich gewalttĂ€tig und aggressiv seien und somit eine Bedrohung fĂŒr die abendlĂ€ndische Kultur darstellten“. Ein Aspekt dieses Topos sei der „Feuer-und-Schwert-Mythos“, also die Vorstellung, dass „es das einzige Bestreben des Islam sei, sich ‚mit Feuer und Schwert‘ auszubreiten“.[116.1] Auch das „Schwert des Dschihad“ wird den Feindbildelementen zugerechnet, die fĂŒr den Islam stehen. Dies erschien besonders hĂ€ufig in politischen Karikaturen zum Zweiten Golfkrieg.[39.2]

Weit vorne unter den Facetten des Islam-Feindbildes in den Medien rangiert nach Rotter außerdem der Topos von der UnterdrĂŒckung der Frau in der islamischen Welt. Die Existenz dieses Aspekts des Islam-Feindbilds lasse sich bis ins Mittelalter zurĂŒckverfolgen.[117.1] Die Instrumentalisierung des Status der muslimischen Frau zum Feindbildklischee verfolge dabei meist den Zweck, von entsprechenden eigenen Defiziten abzulenken.[116.2] Eine Ă€hnliche Auffassung vertritt hier wiederum Butter.[11.3]

Nach Rotter steht der Islam „in unserem Feindbild“ zwar nicht mehr in erster Linie als Hort sexueller Ausschweifung im Vordergrund, doch spielt das Stichwort Harem immer noch eine gewisse Rolle.[116.2] Peter Heine meinte, dass sich hinsichtlich dieses Stereotyps des Feindbildes Islam eine Umkehrung ergeben habe. So habe der Westen wĂ€hrend des Mittelalters und bis in die Zeit des viktorianischen Puritanismus des 19. Jahrhunderts die islamische Welt als einen Hort der ungezĂŒgelten Leidenschaft gesehen, in der Gegenwart wĂŒrden dagegen sexuelle Freiheit und FreizĂŒgigkeit als westliche, sĂ€kulare Errungenschaft verstanden und die islamische Welt wegen ihrer angeblichen PrĂŒderie, wie sie in der Verschleierung der Frau gesehen wurde, kritisiert.[9.2]

Nach Silvia Kuske setzt sich das Feindbild Islam aus einer Mischung widersprĂŒchlicher Einzelbilder zusammen, dem „Reichtum“ und der „Macht“ der Ölscheichs, von denen man sich abhĂ€ngig glaube, der „Gewaltbereitschaft“ der „Terroristen“, dem „Fanatismus“ der „Fundamentalisten“ und dem „Ungebildet-/Unterentwickeltsein“ der Migranten.[118.1] Susanne Lang meinte, es sei die proklamierte Geschlossenheit von Muslimen und die starke Verpflichtung gegenĂŒber den kollektiv geteilten Werten, die vor dem Hintergrund einer Werte-Öffnung in einer sich pluralisierenden Gesellschaft als „Überlegenheit des Feindes“ empfunden werde.[119]

ErklĂ€rungen fĂŒr Entstehung und Erfolg des Feindbilds

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Bedarf nach Ersatz fĂŒr das weggefallene Feindbild Kommunismus

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Grundtenor der meisten Veröffentlichungen der frĂŒhen 1990er Jahre zum Feindbild Islam war, dass es das alte Feindbild Kommunismus ersetzt habe. Dies lĂ€sst sich mit der Nachwirkung der bipolaren Weltordnung der vorangeganenen Jahrzehnte erklĂ€ren.[5.3] Schon Heinz Halm versuchte in seinem Artikel vom Februar 1991, eine ErklĂ€rung dafĂŒr zu geben, warum das neue Feindbild „an die Wand gemalt“ wird: Es bestehe „dafĂŒr offenbar ein Bedarf [...], seitdem das alte des Kalten Krieges nicht mehr schreckt: Die Kosaken sind abgesessen, doch etwas weiter östlich zurren die Tataren bereits die Sattelgurte fest.“[16] Damit spielte er wahrscheinlich auf das geflĂŒgelte Wort an: „Was nĂŒtzt die beste Sozialpolitik, wenn die Kosaken kommen.“[120.1]

Gernot Rotter fasste 1992 die These vom Feindbild Islam als Ersatz-Feindbild fĂŒr das Jahrbuch Frieden 1993 wie folgt zusammen:

„Mit dem Zusammenbruch des Ost-West-Gegensatzes ist uns ein, ja das Feindbild abhanden gekommen, das bislang zur Legitimierung der militĂ€rischen RĂŒstung diente. Um weiterhin eine Politik der HochrĂŒstung [...] zu rechtfertigen, vielleicht aber auch nur um einen menschlichen Hang nach einem bipolaren Freund-Feind-Denken zu befriedigen, wurde ein neues Feindbild gemalt. Insofern kam Saddam Husseins Überfall auf Kuwait wie gerufen. In den Medien mußte nur noch ,richtig‘ gezeichnet und das Bild mit arabischer IrrationalitĂ€t und islamischer RĂŒckstĂ€ndigkeit eingerahmt werden. Fertig!“

– Gernot Rotter[117.1]

1994 spitzte Rotter in der Schweizer Kulturzeitschrift Du die These von der zeitlichen Koinzidenz von Saddams Überfall auf Kuwait und dem Verlust des alten Feindbilds noch einmal zu: Dieser Überfall sei exakt zur rechten Zeit gekommen, um der „zivilisierten Welt“ den Islam als neues Feindbild zu prĂ€sentieren, „so exakt, dass manche nicht so recht an einen Zufall glauben mochten.“[116.3]

In den folgenden Jahren wurde diese Argumentation in vielen deutschen Zeitungs- und BĂŒchern wiederholt.[121] Hippler und Lueg erklĂ€rten die Konjunktur populĂ€rer Literatur ĂŒber die islamische Gefahr mit einer IdentitĂ€tslĂŒcke nach dem Ende des Kalten Krieges.[44.4] Das Feindbild Islam sei dabei zur „KrĂŒcke fĂŒr die eigene kulturelle IdentitĂ€t“ geworden.[40.3] Gerhard Höpp vertrat die Auffassung, dass der Westen nach dem Ende der Ost-West-Konfrontation das Feindbild Islam regelrecht „erfunden“ habe.[122]

Willy Claes, dessen Aussagen als NATO-GeneralsekretĂ€r als Beleg fĂŒr das Feindbild Islam in der westlichen Außenpolitik herangezogen wurden.

Sowohl LĂŒders als auch Murad Hofmann[123] und spĂ€ter Werner Ruf[124.1] sahen die Tatsache, dass der damalige NATO-GeneralsekretĂ€r Willy Claes in einem Interview mit der britischen Tageszeitung The Independent am 8. Februar 1995 gesagt hatte, dass der Aufstieg des islamischen Fundamentalismus in Nordafrika ein Risiko darstelle, das sich weitaus schwieriger eindeutig einordnen lasse als die Bedrohung durch die Sowjetunion,[125] als einen Beleg dafĂŒr an, dass der Islam auf außenpolitischer Ebene das neue Feindbild abgebe. Es sei so dem Westen unmittelbar nach Ende des Ost-West-Konflikte gelungen, das neue Feindbild als kollektive Bedrohung zu etablieren.[126.1]

Nach Werner Ruf[127] ist der Islam schon wĂ€hrend des Ost-West-Konflikts instrumentalisiert worden, damals jedoch als wichtige ideologische Gegenkraft gegen den atheistischen Kommunismus. Eine erste, „den Islam“ zum Feindbild erhebende Interpretation eines zwischenstaatlichen Konflikts sei dann auf die Iranische Revolution und die Geiselnahme von Teheran gefolgt. Wie schnell und nahtlos nach dem Zusammenbruch des Ost-West-Systems der Feindbildwechsel vom verschwundenen Kommunismus zum Islam vor sich ging, zeigte nach ihm das fanzösische Verteidigungsweißbuch von 1994, wo festgestellt wird: „Der islamistische Extremismus stellt ohne Frage die beunruhigendste Bedrohung dar. [
] Er nimmt oft den Platz ein, den Kommunismus innehatte als Widerstandsform gegen die westliche Welt.“[128]

Die These von dem Feindbild Islam als Ersatz fĂŒr das Feindbild Kommunismus wurde von einigen Autoren relativiert. Karin Hörner sah es 1993 noch nicht als ausgemacht an, dass das alte Feindbild Kommunismus durch den Islam ersetzt werde.[129] SpĂ€ter vertrat sie die Auffassung, dass diese Vermutung „zu stark dem alten bipolaren Weltbild verhaftet“ gewesen sei.[7.5] Nach Werner Ruf war es nicht der Islam allgemein, sondern der politisierte Islam, der nach Wegfall des kommunistischen Feindbilds an dessen Stelle rĂŒckte.[124.2] Der Politikwissenschaftler Christoph Weller vertrat die Auffassung, dass sich ein zeitlicher Zusammenhang des Aufkommens des Islam-Feindbilds mit dem Zerfall des Feindbildes Sowjetunion nicht erkennen lasse.[30.2]

Besonders Kohlhammer erhob EinwÀnde gegen die These, dass der das Feindbild Islam das alte Feindbild Kommunismus abgelöst habe. Diese These implizierte seiner Meinung nach drei Annahmen:

  1. Die westlichen Gesellschaften haben und brauchen ein Feindbild, wobei es auf dessen spezifische Beschaffenheit nicht ankommt,
  2. Der Kommunismus war bis zu seinem Zusammenbruch um 1990 das Feindbild,
  3. Es gab vor dem Zusammenbruch des Kommunismus kein Feindbild Islam.[75.2]

Keine diese Annahmen stimme aber. Die wirtschaftliche Interessenlage der westlichen LĂ€nder mache ein Feindbild weder notwendig noch empfehlenswert.[75.1] In vielen westlichen LĂ€ndern gebe es große und wachsende muslimische Minderheiten, die von der westlichen sĂ€kularistischen Zivilgesellschaft integriert werden mĂŒssten. Die Produktion und Propagierung eines antiislamischen Feindbildes seien dazu nicht geeignet, sondern wĂŒrden möglicherweise bĂŒrgerkriegsĂ€hnliche ZustĂ€nde heraufbeschwören, woran keine der relevanten gesellschaftlichen Gruppen interessiert sei.[75.1] Eine Ă€hnliche Position vertraten die Autoren der Islamis-Dokumentation fĂŒr die GrĂŒnen im EuropĂ€ischen Parlament: Weder die wirtschaftliche noch die politische Interessenlage der Staaten der EuropĂ€ischen Union, so schrieben sie, machten ein Feindbild Islam opportun. Sie wĂŒrden wenig Nutzen aus ihm ziehen.[78.3]

Latenz eines alten Islam-Feindbildes

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Der schnelle Erfolg des Feindbildes Islam nach dem Wegfall des Kommunismus wird auch damit erklĂ€rt, dass es sich um ein schon vorher lange latent vorhandenes Feindbild handelte.[116.2][124.1] Allgemein wird davon ausgegangen, dass dieses Feindbild nicht erst mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion, also zu Beginn der 1990er Jahre, entstanden ist, sondern es sich um die Reaktivierung eines im kulturellen GedĂ€chtnis des Westens fest verankerten Feindbilds handelt.[3.3] Till Bastian spricht von einem „niemals versiegten Traditionsstrom“, auf den sich das Feindbild Islam stĂŒtzen könne.[120.2] Das Bild vom Islam als „feindlicher Religion“ sei – so Claudia Ott und Hubert Mohr – innerhalb kurzer Zeit neu belebt worden.[130.1] Manche Autoren sprechen in diesem Zusammenhang von einem „neuen alten Feindbild“[29.3] bzw. „alt-neuen Feindbild Islam“.[126.2]

Nach Petra Weyland geht es um Stereotypen jahrhundertealten Ursprungs, die sich zu einem neuen Feindbild verdichteten.[52.1] Es sei diese lange Tradition und „das meist Ă€ußerst vage Wissen ĂŒber den konkreten historischen Hergang“ der damit verbundenen Ereignisse, die „die ganz besondere PlausibilitĂ€t unseres heutigen Feindbildes Islam“ ermöglichten.[131.1] Iman Attia vertritt die Auffassung, dass das politische Feindbild Islam aus einem antimuslimischen Kulturrassismus und Orientalismus schöpft, „der sich in kulturellen und Alltagsdiskursen ĂŒber die Jahrhunderte gehalten und ausdifferenziert hat“.[132]

Manche Autoren machen auch Angaben zum Alter des Feindbilds Islam. Nach Jochen Hippler und Andrea Lueg reichen seine historischen Wurzeln bis zu den KreuzzĂŒgen zurĂŒck. Durch das Ende des Kalten Krieges habe dieses alte Feindbild in den 1990er Jahren nur besondere Sprengkraft erhalten.[44.5] Ähnlich Ă€ußerte sich Muhammad Salim Abdullah: der Islam gelte bereits seit dem Konzil von Clermont im Jahre 1095, das mit dem Aufruf des Papstes Urban II. zum Ersten Kreuzzug gegen die „unglĂ€ubigen Mohammedaner“ endete, als Erbfeind der Christenheit.[133.1] Rotter zufolge hat das Feindbild Islam es „tausend Jahre alte Wurzeln.“[116.2] Ihm zufolge lĂ€sst es sich bis ins frĂŒhe Mittelalter zurĂŒckverfolgen, „wo von Sarazenenseuche und Ă€hnlichen Dingen die Rede war.“[134.1]

Die Wiener TĂŒrkenbelagerung von 1683, Inbegriff der islamischen Bedrohung, auf einem GemĂ€lde von Frans Geffels, um 1700

Thomas Hartmann meinte, dass das Feindbild Islam auch durch die Reconquista der iberischen Halbinsel und die Wiener TĂŒrkenbelagerungen in der europĂ€ischen Kulturgeschichte tief verwurzelt sei.[57] Nach Udo Steinbach hat sich im Rahmen dieser Konflikte â€žĂŒber weiteste Teile der europĂ€ischen Wahrnehmung [
] ein Feindbild Islam verfestigt“.[2.1] Zwar habe es BemĂŒhungen gegeben, den Islam in einem differenzierteren Licht zu sehen, was eine positive Begegnung mit ihm möglich gemacht habe, doch seien diese ohne langfristige nachhaltige Wirkung geblieben.[2.2] Mit der Abschaffung des Kalifats im MĂ€rz 1924 sei das Feindbild Islam gegenstandslos geworden,[2.3] dann aber nach dem Ende des Ost-West-Konfliktes wieder hervorgetreten.[2.4] Nach Rotter wurde das Feindbild Islam zwischenzeitlich immer wieder verschĂŒttet, wurde aber „bei jeder möglichen Gelegenheit wieder hervorgeholt.“ Dass Karl Martell in der Schlacht von Tours und Poitiers angeblich das Abendland gerettet hat, bilde „bei uns“ das scheinbar verinnerlichte Grundwissen eines jeden SchĂŒlers, sowie Prinz Eugen, der edle Ritter, der angeblich das Abendland in der Schlacht vor Wien gerettet hat, zum Lehrplan in Geschichte gehöre.[134.2]

Karin RĂŒhrdanz datierte die Entstehung des Feindbildes Islam ebenfalls auf das spĂ€te 11. Jahrhundert,[88.2] meinte allerdings, dass man erst seit Mitte der 1970er Jahre wieder von der Entwicklung eines Feindbildes Islam im eigentlichen Sinne sprechen könne.[88.1] Nach ihrer Auffassung gibt es beim Feindbild Islam ĂŒber die Jahrhunderte große KontinuitĂ€t; „die Ähnlichkeiten nicht nur in den Argumentationsmustern, sondern selbst hinsichtlich der realen HintergrĂŒnde in den ökonomischen und sozialen UmbrĂŒchen und politischen Auseinandersetzungen“ seien oft verblĂŒffend.[88.2] Werner Ruf meinte, dass das Feindbild Islam seine Wurzeln teilweise „in den Legitimationsmustern imperialistischer Dominanz“ habe, wie sie bereits Edward Said, Aziz al-Azmeh und viele andere treffend beschrieben hĂ€tten.[126.3]

Einfluss der amerikanischen Kulturkampftheorie

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Samuel P. Huntington

Gernot Rotter erklĂ€rte 1994, dass Samuel P. Huntington, Direktor des renommierten Institute for Strategie Studies an der Harvard-UniversitĂ€t im Nachhinein den ideologischen Überbau fĂŒr das neue Feindbild Islam geliefert habe.[116.3] Diese EinschĂ€tzung wurde von vielen spĂ€teren Autoren geteilt. Nach Kai Hafez gehört die Konjunktur von Kulturkampfideologien wie Huntingtons „Kampf der Kulturen“ zu den politischen und ideologischen Konstellationen, die der Instrumentalisierung des Feindbildes Islam Vorschub leisteten.[83.2] Werner Ruf wies darauf hin, dass in den USA das Feindbild Islam seine politische Aktualisierung schon durch den Aufsatz The Roots of Muslim Rage des prominenten Orientalisten Bernard Lewis erfahren hatte, der im September 1990 in der auf Sicherheitsfragen spezialisierten Zeitschrift The Atlantic erschien.[126.2] In diesem Artikel sprach Lewis bereits von einem Clash of Civilizations und „der historischen Reaktion eines alten Rivalen auf unser jĂŒdisch-christliches Erbe, unsere sĂ€kulare Gegenwart und die weltweite Ausbreitung von beidem.“[135] Seine Generalisierung in Medien und Politik, so Ruf, habe das Feindbild Islam dann durch Huntingtons im Sommer 1993 in Foreign Affairs erschienenen Aufsatz The clash of civilizations? erfahren.[124.2] Seitdem sei dieses Feindbild gewissermaßen zum wissenschaftlichen Paradigma erhoben worden.[126.4] Nur wenige Monate nach dem Erscheinen von Huntingtons Artikel brachte das Middle East Forum (MEF), das 1990 als Sektion des Foreign Policy Research Institute (FPRI) gegrĂŒndet worden war, Middle East Quarterly heraus, eine Zeitschrift, die Huntingtons Nahoststrategie ĂŒbernahm. Nach EinschĂ€tzung des Executive Intelligence Review trug diese Zeitschrift ebenfalls zur Förderung des Islams als Feindbild bei.[136]

Eine ganz andere Sicht vertraten Eberhard Seidel, Claudia Dantschke und Ali Yıldırım, die 2000 fĂŒr die GrĂŒnen im EuropĂ€ischen Parlament eine Dokumentation ĂŒber den Islamismus erstellten. Sie meinten, dass Huntingtons These vom Kampf der Kulturen nicht das Feindbild Islam selbst nĂ€hre, sondern die These von diesem Feindbild. Damit sei es jedoch nicht weit her, weil es im Westen neben Huntington auch andere Stimmen gebe wie diejenige des Ex-PrĂ€sidenten Roman Herzog, der sich die Widerlegung der These vom Kampf der Kulturen zur Herzensangelegenheit gemacht habe.[78.4] Die „Abkehr von einem essentialistischen Kulturbegriff“, so heißt es in ihrer Publikation, erfordere, dass man der These vom Feindbild Islam widerspreche, weil sie im Kern die Wiederbelebung der antiquierten Vorstellung sei, es gebe eine Art „Erbkonflikt“ zwischen „Abendland“ und „Morgenland“. Diesen gebe es aber nicht.[78.5] Eine Ă€hnliche Sicht vertrat Andreas Jacobs 2003. Er warf den Vertretern der Feindbild-Islam-These vor, mit ihrer Annahme der Wiederbelebung eines angeblich historisch verwurzelten Feindbildes selbst dem simplen Interpretationsmuster Huntingtons zu folgen. Sie wĂŒrfen Huntington erst durch den Vordereingang hinaus, und zwar so, dass alle Nachbarn es sĂ€hen, „um ihn anschließend verstohlen durch die HintertĂŒr wieder hineinzubitten“. Sie wĂŒrden damit zu denen, die sie eigentlich zu bekĂ€mpfen vorgeben, nĂ€mlich zu „Ideologen des kulturellen Unterschiedes“.[98.4]

Die Rolle der Medien

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Schon Heinz Halm, der im Februar 1991 die Debatte ĂŒber das Feindbild Islam eröffnete, machte auf die gefĂ€hrliche Wirkung einer Medienberichterstattung aufmerksam, „die sich auf suggestive emotionale Mittel bis hin zur Fehlinformation stĂŒtzt.“[130.2] Der Journalist Thomas Hartmann Ă€ußerte 1995, dass die westliche Medienkultur mit ihrer Lust an der Zuspitzung und dem Hang zu einfachen ErklĂ€rungen das Feindbild Islam befördere. Dies machte er daran fest, dass die Wochenzeitung Die Woche kurz vorher ĂŒber einem „durchaus differenzierenden“ Dossier getitelt hatte: „Das Schwert des Islam: Terror, Bomben, BĂŒrgerkrieg“. Der Redakteur wĂŒrde diese VerkĂŒrzung möglicherweise damit entschuldigen, dass die Platzvorgabe des Layouts die Wortwahl entschieden habe: „Das Schwert der Islamisten“ sei zu lang und zu schwerfĂ€llig oder möglicherweise habe „das andere Bild sprachlich einfach besser“ gefallen. Doch wenn man das „Feindbild Islam“ bekĂ€mpfen wolle, mĂŒsse man eine grĂ¶ĂŸere SensibilitĂ€t fĂŒr die Inhalte entwickeln. Ein Abbau dieses Feindbildes mĂŒsste vor allem an seinen subtilen Erscheinungsformen ansetzen.[57]

Anne Hoffmann Ă€ußerte 2004, dass der hohe Stellenwert der Islamberichterstattung in den Medien und die in vielen Untersuchungen festgestellten Defizite eben dieser Berichterstattung die Vermutung nahelegten, dass „die Medien fĂŒr die Entstehung des Feindbildes zumindest mitverantwortlich sind.“[62.1] Mario Peucker warnte, dass das „Feindbild Islam“ durch eine einseitige mediale Berichterstattung, die die muslimische Religion ĂŒberwiegend als irrational, gewalttĂ€tig, rĂŒckstĂ€ndig und bedrohlich darstellt, suggeriert und weiter gefördert werde.[137] Siegfried JĂ€ger Ă€ußerte, dass die mediale Abdeckung des Karikaturenstreits der rigideren Konturierung des Feindbildes Islam Vorschub leiste.[138]

Mechanismen der Feindbildproduktion nach J. Hippler

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Nach Jochen Hippler kommen im Zusammenhang mit dem Islam folgende Mechanismen der Feindbildproduktion zum Tragen:

  1. Vergleich unterschiedlicher RealitĂ€tsebenen: Es wird „der Westen“ mit „dem Islam“ oder die gesellschaftliche RealitĂ€t Europas und Nordamerikas mit einer religiösen Ideologie verglichen, dagegen werden praktisch nie Islam und Christentum verglichen.
  2. Übernahme fundamentalistischer ErklĂ€rungsmuster: Der Islam und seine GefĂ€hrlichkeit werden durch Zitate fundamentalistischer FĂŒhrer erklĂ€rt. Dabei ĂŒbernehmen westliche Autoren fundamentalistische Positionen und tragen sie als „islamisch“ weiter. Positionen von Islamisten werden als „der wahre Islam“ unterstellt, zum Beispiel dass Religion und Politik im Islam nicht zu trennen seien.
  3. Religiöse Interpretation sÀkularer Politik/NaivitÀt: Die Benutzung religiöser Formeln durch nahöstliche Akteure wird automatisch als Zeichen von ReligiositÀt aufgefasst, die Möglichkeit einer bewussten Instrumentalisierung von Religion ignoriert.
  4. Unterstellung dessen, was bewiesen werden soll: Anstatt den Anteil und die Bedeutung religiöser Aspekte der Politik im Nahen Osten zu untersuchen, wird von vornherein eine religiöse BegrĂŒndung unterstellt, um dann in einem zweiten Schritt den religiösen Charakter von Politik festzustellen.
  5. Verwechslung von Islam als Religion und islamischer Kultur und Tradition.
  6. Geschichtslosigkeit: Ereignisse der Gegenwart und heutige Erscheinungen werden aus dem Koran und der Sunna abgeleitet und nicht hinsichtlich ihrer historischen Entstehungsbedingungen untersucht.
  7. Verzicht auf Analyse von Interessen: Aktuelle Probleme werden ohne Analyse sozialer, wirtschaftlicher oder politischer RealitĂ€ten und Interessen durch „den Islam“ erklĂ€rt, wobei der Islam auf seine Schriften und die Äußerungen seiner Theologen verkĂŒrzt wird.
  8. Kulturelle Überheblichkeit: Aus der politischen, wirtschaftlichen und militĂ€rischen Überlegenheit des Westens ĂŒber die Gesellschaften des Nahen Ostens wird auf die eigene kulturelle und moralische Überlegenheit geschlossen.
  9. Verwenden unterschiedlicher MaßstĂ€be: Was dem Westen erlaubt ist, kann dem Nahen Osten verboten sein, etwa ABC-Waffen, die im Westen friedenstiftend, anderswo gefĂ€hrlich sind.
  10. Psychologisierung: Was im Westen „Machtpolitik“ ist, wird im Nahen Osten als „VerrĂŒcktheit“, „GrĂ¶ĂŸenwahn“, „IrrationalitĂ€t“ gedeutet. Anstatt von Interessenkonflikten werden psychologische Kategorien erörtert.[139]

ÜberfremdungsĂ€ngste

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Kai Hafez Ă€ußerte im Oktober 1995 die Vermutung, dass zwischen dem „Feindbild Islam“ in der allgemeinen deutschen Öffentlichkeit und der aggressiven AuslĂ€nderfeindlichkeit ein enger Zusammenhang bestehe, weil der Rechtsextremismus in starkem Maße mit antiislamischen Alltagstheorien („islamische Einwandererheere“, „islamische Überfremdung“ usw.) operiere.[65] Claudia Polzer meint, dass das Feindbild Islam deswegen nahegelegen habe, weil „mittlerweile viele Muslime unter uns leben.“[140] Nach Udo Steinbach hat das Anwachsen muslimischer Migrantengemeinden in Europa Einfluss auf die Wirkung des Feindbildes Islam gehabt.[2.5] Nach A. HĂ€usler und H.-P. Killguss baut der antiislamische Populismus auf den nationalistisch hergeleiteten Dualismus eines ethnisierten „Wir“ und „Die Fremden“ auf und kulturalisiert diesen Dualismus zu dem Feindbild der „Fremdreligion Islam“.[6.3]

Werner Ruf meint, dass alte Vorurteilsstrukturen und rassistische PrĂ€dispositionen fĂŒr das Feindbild Islam (re)aktiviert worden seien.[126.5] Karin Hörner vertrat die Auffassung, dass Gastarbeiter und Asylanten „als Muster des gefĂ€hrlich Fremden“ bei der Entstehung des Feindbildes Islam eine entscheidende Rolle gespielt hĂ€tten.[7.6]

Wolfgang Benz erklĂ€rte im Zusammenhang mit dem Feindbild Islam, dass ÜberfremdungsĂ€ngste, die in der Furcht vor dem „anderen“ und „fremden“ sozialpsychologisch erklĂ€rbar seien, eine lange Tradition mit wechselnden Objekten der Abneigung und Ausgrenzung hĂ€tten. Den sensationellen Erfolg von Thilo Sarrazins Buch Deutschland schafft sich ab von 2010 sah Benz ebenfalls als Symptom dieser ÜberfremdungsĂ€ngste.[106.2] Werner Ruf meint, dass der Islam zum Feindbild erhoben wurde, um die Menschen, die Muslime, nicht nennen zu mĂŒssen.[126.2]

Die Mitverantwortung islamischer Fundamentalisten und Terroristen

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Außerhalb der Wissenschaft war in den 1990er Jahren die Ansicht verbreitet, dass dem islamischen Fundamentalismus die Hauptschuld fĂŒr die Entstehung des Feindbilds Islam zukommt. So Ă€ußerte zum Beispiel der italienische Theaterregisseur Roberto Ciulli schon im Oktober 1993, dass dieser Fundamentalismus im Westen zum irrationalen „Feindbild Islam“ gefĂŒhrt habe.[141] In einem Beitrag zum Bericht aus Bonn vom 10. November 1995, der den Titel „Feindbild Islam“ trug, wurde die Entstehung dieses Feindbildes muslimischen „Fanatikern“ angelastet, „die mit blutigem Terror den Islam auf Erden verwirklichen“ wollten. Ihre „Untaten“ seien schuld daran, dass Islam und Fundamentalismus „aus westlicher Sicht“ gleichgesetzt wĂŒrden. Der Medienwissenschaftler Tim Karis deutete diesen Beitrag als ein Beispiel dafĂŒr, das sich im Mediendiskurs Islam kritische Betrachtungen zu einem Feindbild Islam mit Topoi verbinden können, die gerade als Ausweis eines solchen Feindbildes gelten.[3.4]

Allerdings finden sich solche Interpretationen in den 1990er Jahren auch schon innerhalb der Wissenschaft. So stellte das Medienprojekt TĂŒbinger Religionswissenschaft 1994 fest, dass in dem „sogenannten fundamentalistischen Islam“ seit der iranischen Revolution von 1978/79 das Potential bereit liege, „den Kommunismus als Feindbild abzulösen.“ Der Golfkrieg habe die Möglichkeit geboten, dieses Potential zu nutzen.[29.4] Faruk ƞen, Leiter des Zentrums fĂŒr TĂŒrkeistudien, brachte 1996 in einem Leserbrief vor, dass es „die wenigen islamischen Fundamentalisten mit ihren Organisationen“ seien, die innerhalb der westeuropĂ€ischen Staaten fĂŒr ein Feindbild Islam sorgten, wĂ€hrend die meisten Muslime hier friedlich nach dem historischen Modell „Nathan der Weise“ gemeinsam mit der christlichen Mehrheit leben wollten.[142] Claudia Polzer Ă€ußerte 1999, dass neben der Islamischen Revolution des Ayatollah Chomeini der Zweite Golfkrieg, Gewaltakte verschiedener terroristischer islamischer Gruppen, die Fatwa gegen den Schriftsteller Salman Rushdie und Medienberichte ĂŒber die Stellung der Frau im Islam das Feindbild Islam in den westlichen Gesellschaften verstĂ€rkt hĂ€tten.[140] Nach Kai Hafez gehört die Existenz des islamischen Fundamentalismus zu den politischen und ideologischen Konstellationen, die der Instrumentalisierung des Feindbildes Islam Vorschub leisteten.[83.2]

Angelika Königseder vertritt die Meinung, dass das Feindbild Islam nach den AnschlĂ€gen auf das World Trade Center in New York, auf Djerba, in London und Madrid, den blutigen Bildern von Selbstmordattentaten im Irak und der Ermordung des niederlĂ€ndischen Filmemachers Theo van Gogh eine neue QualitĂ€t erhalten und sich stĂ€rker verbreitet habe.[143.1] Nach Udo Steinbach waren es die Bilder des brennenden World Trade Center in Verbindung mit blutrĂŒnstigen PrĂ€sentationen islamistischer Organisationen und Gruppen im Internet, die das Feindbild Islam aktualisierten. Dies sei bis zu dem Punkt gegangen, dass weitgehend nicht mehr zwischen dem Islam als Religion und seinen politisch-militanten AuswĂŒchsen unterschieden worden sei.[2.4] Ähnlich Ă€ußerte sich Wolfgang Benz. Er sagte, die im Namen des Islams begangenen Terrorakte des 11. September 2001 in New York, die „verbrecherischen Taten fanatischer Aktivisten, die Religion missbrauchen“, und die Drohungen islamistischer Extremisten im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts hĂ€tten erheblichen Einfluss auf die Emotionen und den Intellekt westlicher demokratischer Gesellschaften gewonnen und damit ein neues Feindbild Islam entstehen lassen.[106.3] Hans-Eberhard Schultz meinte, dass das Feindbild Islam seit 2013 mit den Salafisten, die zunehmend dĂ€monisiert und verteufelt werden, ein neues, zusĂ€tzliches Gesicht bekommen habe.[144.1]

Navid Kermani

Auch muslimische Autoren sahen eine Mitverantwortung bei islamistischen Terroristen fĂŒr die Entstehung des Feindbilds. Navid Kermani schrieb nach den Madrider ZuganschlĂ€gen in einem Beitrag fĂŒr die SĂŒddeutsche Zeitung, dass sich zwar „fast alle Muslime hierzulande und die meisten Islamwissenschaftler [
] ĂŒber das verzerrte Bild, das die Medien vom Islam zeichnen“, Ă€rgerten, dieses Bild aber niemals so sehr in den Vordergrund gerĂŒckt wĂ€re, „wenn nicht genug Muslime – Terroristen, Theologen, StaatsfĂŒhrer – exakt jener Karikatur des Islams entsprĂ€chen, die den GlĂ€ubigen und Kennern aufstĂ¶ĂŸt“. Es möge zwar ein Feindbild Islam geben, aber schlimmer sei, „dass es einen Islam gibt, der sich als Feind geriert.“[145] Diesen letzten Satz wiederholte Kermani wörtlich im November 2005 bei einem Vortrag in der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Beide, das Feindbild Islam und der Islam, der sich als Feind geriert, so versuchte er bei dem Vortrag klar zu machen, bestĂ€rkten sich wechselseitig.[146.1] Kermani Ă€ußerte bei dem Vortrag auch, dass er sich zurzeit vielmehr Sorgen um das islamische oder arabische „Feindbild Westen“ als umgekehrt ĂŒber das europĂ€ische „Feindbild Islam“ mache, denn ihn selbst bedrohe der Terrorismus genauso wie sein Publikum.[146.2] Das Feindbild Islam sei nichts gegen das, was im Namen des Islams an Gewalt geschehe.[146.3] Die Tatsache, dass bei den Madrider ZuganschlĂ€gen Leute als Muslime aufgetreten seien und andere Menschen umbrachten, hĂ€tten ihn in eine Lage versetzt, in der es ihm schwer falle und ihm unsympathisch sei, sich â€žĂŒber das Feindbild Islam zu beschweren“.[146.2] Lamya Kaddor Ă€ußerte 2011 in einem Interview, dass die Situation der Muslime in Deutschland bezĂŒglich des Feindbilds Islam vor dem 11. September 2001 eindeutig besser gewesen sei.[147]

Der Prozess der Globalisierung

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Werner Ruf

Werner Ruf sah „die mit der Globalisierung einhergehenden Prozesse, in deren Folge nicht nur staatliche HandlungsspielrĂ€ume schrumpfen, sondern auch durch die Transnationalisierung der Ökonomie und durch Prozesse der Migration multikulturelle Lebensformen entstehen“, als einen der GrĂŒnde fĂŒr den schnellen Erfolg des Feindbildes Islam.[124.1] Er meinte, dass dieses Feindbild Islam auch eine Antwort auf die Globalisierung mit ihrer Transnationalisierung von Migration, Lebensstilen und Kulturmustern parat habe: Der Feind stehe nicht mehr an den Grenzen, er bedrohe „uns“ nicht mehr mit klassischen Armeen, sondern sei „hier, unter uns, ĂŒberall“.[148.1] Das Feindbild Islam biete in der globalisierten Welt „den einzigartigen Vorteil, einen Feind zu identifizieren, der 'uns' nicht nur von außen bedroht, sondern der ins Innere unserer Gesellschaft vorgedrungen ist, uns, unsere Werte, unsere IdentitĂ€t gefĂ€hrdet“.[126.6]

Theorien ĂŒber seine sozialpsychologische Funktion

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Der Mediziner und Publizist Till Bastian vertrat die Meinung, dass das Islam-Feindbild ein Ablenkungsmanöver sei, dass „die inneren WidersprĂŒche unserer Lebensform“ verdecke.[120.2] Hippler und Lueg erklĂ€rten 1993, die Feindbildproduktion bezĂŒglich des Islams habe nur partiell etwas mit den RealitĂ€ten des Orients, dafĂŒr aber umso mehr mit dem westlichen BedĂŒrfnis nach Selbstvergewisserung zu tun.[44.6] Hippler zufolge dient sie „inner-westlicher IdentitĂ€tsstiftung“. Es gehe um „das sich gegenseitige BestĂ€tigen, wie rational, aufgeklĂ€rt und vernĂŒnftig wir Westler sind.“[149] Nach Werner Ruf gewann das Feindbild Islam seine funktionale Dimension vor allem vor dem faktischen Hintergrund der „Inter- und Transnationalisierung unserer Gesellschaften“. Diese habe bewirkt, dass eine Vielzahl von Menschen aus diesem Kulturraum als Migranten prĂ€sent seien. Das Feindbild habe so eine zugleich transnationale und innergesellschaftliche Dimension erhalten: Bedroht seien „unser“ innerer Zusammenhalt, „unsere“ Kultur und „unsere“ abendlĂ€ndische Werteordnung.[150.1]

Karin RĂŒhrdanz vermutete 2005, dass das Feindbild Islam wie zu frĂŒheren Zeiten in starkem Maße der eigenen politischen Stabilisierung und der Disziplinierung der eigenen Bevölkerung dient.[88.3] Nach Karin Hörner dient das Feindbild Islam vor allem der StĂ€rkung der GruppenkohĂ€sion. Wer seine IdentitĂ€t bestimmen und verteidigen mĂŒsse, habe so ein Feindbild nötig. Ohne Krise und Verunsicherung gebe es keine IdentitĂ€tsdebatten. Die Einheit des Feindes garantiere eine scharfe Grenze der Wir-Gruppe. Der „monolithische“ Charakter des Feindbildes Islam liefere genau das: eine starre Grenze.[7.7]

Deniz Baßpınar illustrierte die Funktion der Selbstvergewisserung des Islam-Feindbilds am Beispiel des belgischen Burkaverbots von 2010: WĂ€hrend die belgische Regierung sich in der Vergangenheit auf nichts habe einigen können, habe sie bei diesem Verbot Einigkeit demonstriert. Daraus schloss sie, dass es diesem Gesetz gar nicht darum gehe, Frauen zu helfen, sich aus patriarchalischer oder religiöser Bevormundung zu befreien. Vielmehr vergewissere sich Belgien, das um die Einheitsfrage ringe, sich mit einer solchen Abstimmung lediglich seiner eigenen KonsensfĂ€higkeit.[151]

Nach Sabine Schiffer sind die Funktionen des Feindbildes Islam wie auch anderer Feindbilder:

  1. positive Eigenidentifikation (in Abgrenzung zum jeweiligen GegenĂŒber)
  2. ProjektionsflĂ€che fĂŒr Probleme, WĂŒnsche und Ängste (z. B. GlobalisierungsĂ€ngste)
  3. Rechtfertigungsgrundlage fĂŒr politische Interessen (Sicherheitsgesetzgebung und Militarisierungsbestrebungen, insbesondere Ressourcensicherung).[152.1]

Stefan Butter zufolge erfĂŒllt das Anprangern der UnterdrĂŒckung von Frauen im Islam die klassische Feindbildfunktion der Projektion: So wie das Feindbild des sĂŒdafrikanischen Apartheidsregime es möglich mache, den Rassismus in der eigenen Gesellschaft zu verdrĂ€ngen oder zumindest als marginal darzustellen, ermögliche das Feindbild Islam dasselbe fĂŒr den Sexismus.[11.3] Mit Hinblick auf amerikanische Filme, in denen Frauen von mĂ€nnlichen Helden vor Arabern oder Muslimen gerettet werden, gelangte er zu der Schlussfolgerung, dass das Feindbild Islam dazu dient, die eigene traditionelle Geschlechterordnung nicht zu hinterfragen, sondern zu zementieren.[11.4]

VerhÀltnis zu anderen Feindbildern

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Feindbild Kommunismus

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Mehrere Autoren befassten sich mit dem VerhĂ€ltnis zwischen dem Feindbild Islam und dem weggefallenen Feindbild Kommunismus. Karin Hörner sah bei beiden Feindbildern „Àhnliche Bausteine“[7.8] und meinte, dass „das Ă€ltere Traditionsmuster des Feindbildes Kommunismus als Folie des Feindbildes Islam klar erkennbar“ sei.[7.9] So sah sie zum Beispiel in der Tatsache, dass Scholl-Latour bei den Beschreibungen in seinem Buch Allah ist mit den Standhaften den marxistisch getönten Ausdruck „Unterproletariat“ wĂ€hlte, einen eindeutigen Beleg dafĂŒr, dass er das alte Feindbild des „kommunistisch-proletarischen BĂŒrgerschrecks“ auf den Islam ĂŒbertragen hatte.[153] Das Medienprojekt TĂŒbinger Religionswissenschaft gelangte zu dem Ergebnis, dass auf der Ebene der Sprachbilder „die Schablone fĂŒr das 'Feindbild Kommunismus' auf den Islam ĂŒbertragen“ worden sei; der „alte Feind Islam“ sei dabei „stellenweise recycled“ worden.[29.4] Ähnlich Ă€ußerte sich die mit diesem Projekt verbundene Silvia Kuske: Beim Feindbild Islam, das vor allem im Sprachgebrauch zum Ausdruck komme, zeigten sich ihrer Beobachtung nach „erstaunliche Parallelen“ zu den im Kalten Krieg verwendeten Metaphern.[118.2] Lutz Hoffmann meinte, dass beide Feindbilder das schon dem Antisemitismus gelĂ€ufige Etikett der „asiatischen Gefahr“ und die damit verbundenen Bilder von Fluten und DĂ€mmen verbinde. Gemeinsam sei beiden auch der Vorwurf, im Gegensatz zu „uns“ nicht auf die Menschenrechte zu achten.[80.9]

Kai Hafez betonte dagegen Unterschiede zwischen den beiden Feindbildern Kommunismus und Islam. Er meinte, dass die Behauptung, dass das Feindbild Islam das Feindbild Kommunismus nach dem Ende des Ost-West-Konflikts abgelöst hat, insofern zutreffend sei, „als in der deutschen Gesellschaft kontinuierlich die Existenz negativer Fremdbilder zu beobachten“ sei.[154.1] Im Unterschied zum Feindbild Kommunismus sei das Feindbild Islam aber „kein weitgehend realistisches Abbild des politisches Gegners, sondern ein auf problematischen deutschen Wahrnehmungstraditionen des Orients basierendes Zerrbild einer benachbarten Kultur“. Die Verlagerung zum Kulturellen bewirke jedoch, daß sich das Feindbild Islam nicht in die alten Rechts-Links-Kategorien fĂŒge, sondern potentielle Akzeptanz in allen Gesellschaftsbereichen der deutschen oder westlichen Kultur finde. Die unterschiedlichen Gruppen- und thematischen ZusammenhĂ€nge sowie die „Öffnungs- und Verschlußmechanismen des Islambildes im Rechts-Links-GefĂŒge“ erschwerten es jedoch seiner Ansicht nach, von einem einheitlichen „Feindbild Islam“ in der deutschen Öffentlichkeit zu sprechen. Das Feindbild Islam sei „inkonsistent, launisch, tauch[e] auf und ab und [werde] einmal von dieser, einmal von jener Gruppe aktualisiert“. Die Ursache fĂŒr dieses Verhalten sei im unterschiedlichen Charakter der AbbildungsgegenstĂ€nde – Kommunismus/Realsozialismus oder Islam – zu suchen.[154.2]

Anne Hoffmann sieht in den Lagerbildungen wĂ€hrend der Debatte um die Verleihung des Friedenspreises an Annemarie Schimmel 1995 und nach dem 11. September 2001 einen Beleg fĂŒr die von Hafez postulierte „Launenhaftigkeit“ des Feindbildes Islam, weil 1995 Linke als Feinde und Rechte als Freunde des Islam aufgetreten seien, wĂ€hrend nach den TerroranschlĂ€gen 2001 Rechte eher dazu tendiert hĂ€tten, im Islam den Feind zu sehen, und Linke dazu geneigt hĂ€tten, den islamistischen Terror mit der RĂŒcksichtslosigkeit der USA zu entschuldigen.[62.2]

Feindbild Judentum und Antisemitismus

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Um die charakteristischen Merkmale des antiislamischen Feindbilds kontrastiv herauzuarbeiten, griff der Soziologe Lutz Hoffmann auf den Vergleich zum Antisemitismus zurĂŒck.[80.8] Die fĂŒnf charakteristischen Merkmale von Antisemitismus und Feindbild Islam sind ihm zufolge:

  1. Tradierte Konfrontationen. Ähnlich wie gegenĂŒber den Juden kennt die europĂ€ische Tradition auch gegenĂŒber dem Islam eine große Anzahl von Überlieferungen, die dessen Andersartigkeit und Bedrohlichkeit herausarbeiten. Das antiislamische Feindbild betont im Unterschied zum antijĂŒdischen aber das militĂ€rische Element und die mit ihm einhergehende BrutalitĂ€t.[80.10]
  2. Bedrohlichkeit. Das Feindbild ist nicht das Bild eines Feindes, der bekĂ€mpft wird, sondern von dem man bekĂ€mpft wird. WĂ€hrend im Antisemitisus jĂŒdischen MitbĂŒrgern die Konspiration mit einer bedrohlichen außenpolitischen Macht (amerikanischer Kapitalismus oder russischer Bolschewismus) vorgeworfen wurde, werden beim Feindbild Islam durch die Konstruktion einer strategischen Einheit „Islam“ bestimmte PhĂ€nomene so untereinander in Beziehung gebracht, dass ein bedrohliches Szenario entsteht.[80.11]
  3. Teilweise Wehrlosigkeit. Das Feindbild umfasst stets irgendwelche wehrlosen innergesellschaftlichen Gruppen, die als Vorhut, Agenten, Sympathisanten etc. eines Ă€ußeren Feindes definiert werden. Der Antisemitismus hat seinen Ausgang bei solchen innergesellschaftlichen Gruppen genommen und diesen dann erst in einem spĂ€teren Schritt eine Verbindung mit Ă€ußeren MĂ€chten angedichtet. Beim Islam ist es dagegen umgekehrt: Er erscheint zunĂ€chst als feindliche Macht, der vorgeworfen wird, die eigene Gesellschaft von außen zu bedrohen. Innergesellschaftlich ist diese Macht durch die muslimischen Immigranten reprĂ€sentiert, die als VerbĂŒndete des Islams wahrgenommen werden.[80.12]
  4. Versteckte Vorbildlichkeit. In der Regel wird das Feindbild durch die Unterstellung von Überlegenheiten des „Feindes“, die im ideellen Bereich angesiedelt sind, ergĂ€nzt. So wie der deutsche Antisemitismus den angeblich völkischen Zusammenhalt der Juden herausgekehrt habe, um die völkische Geschlossenheit der Deutschen herzustellen, falle auf, dass die vormodernen und antimodernen ZĂŒge des Islams insbesondere von denen betont werden, die sich gleichzeitig ĂŒber den Individualismus der modernen Gesellschaft aufregen.[80.13]
  5. Projektion des negativ Bewerteten. Die Feindbildgruppe wird aber wesentlich durch das gekennzeichnet, was im Widerspruch zu den Werten steht, die die Eigengruppe kennzeichnen oder kennzeichnen sollen. Im Gegensatz zum antimodernistischen Antisemitismus, der die Juden fĂŒr die ungeliebten PhĂ€nomen der gesellschaftlichen Modernisierung verantwortlich machte (Kapitalismus, Demokratie, Individualismus, Egoismus, Liberalismus), schreibt der Antiislamismus der Fremdgruppe alles zu, was einer modernen Gesellschaft widerspricht: mangelnde Trennung zwischen Kirche und Staat, fehlende demokratische Strukturen, UnterdrĂŒckung der Frauen, Missachtung der Menschenrechte etc.[80.14] Das Feindbild Islam, so Hoffmann, „vergegenwĂ€rtigt uns gleichsam unsere eigene, nicht mehr als plastische Erinnerung verfĂŒgbare Vergangenheit“.[80.15]

Werner Ruf mutmaßte 2012 sogar, dass das Feindbild Islam seine Wurzeln „in alten antisemitischen Klischees“ habe.[126.3] Autoren, die sich ab den spĂ€ten 2000er Jahren zu dem VerhĂ€ltnis zwischen Feindbild Islam und Antisemitismus Ă€ußerten, beobachteten eher eine negative Korrelation zwischen den beiden. So Ă€ußerte Wolfgang Benz 2010 in einem Meinungsartikel fĂŒr die SĂŒddeutsche Zeitung[105] und 2012 erneut in einer wissenschaftlichen Veröffentlichung zur Islamfeindlichkeit,[155] dass sich das Feindbild Islam „zuweilen eines aggressiven, aufgesetzten Philosemitismus“ bediene. Pascal Beucker wies 2009 in einem Artikel fĂŒr die JĂŒdische Allgemeine darauf hin, dass die das Feindbild Islam fördernde rechtsextreme Partei BĂŒrgerbewegung pro Köln mit angeblicher Israel-Freundlichkeit Politik macht.[156] Ähnliche Beobachtungen machte Farid Hafez. Nach ihm suchen die europĂ€ischen Parteien der Neuen Rechte Europas bewusst den Schulterschluss ihrer Parteikollegen in Israel, um „sich vom Antisemitismus reinzuwaschen“. Dabei helfe das gemeinsame Feindbild Islam.[157.1] Werner Ruf nahm sogar an, dass bereits nach dem Ende des Kalten Krieges der Westen und Israel mit dem Islam ein gemeinsames Feindbild erhalten hĂ€tten.[126.7]

Islamische Gegenfeindbilder

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Nach Gernot Rotter steht dem Feindbild Islam im Orient bzw. in der arabischen Welt ein Feindbild „Westen“, „christliches Abendland“ u. À. gegenĂŒber. Dieses macht sich dort ihm zufolge mit Vorliebe an den USA fest.[158] In diesem Zusammenhang wies er darauf hin, dass islamistische Ă€gyptische Autoren wie Anwar al-DschundÄ«, der der Muslimbruderschaft zugehörige Journalist Hāmid Sulaimān und viele andere muslimische Autoren in ihren Schriften weitgehend immer wieder denselben Katalog von Feindbildelementen bieten, wobei sich zum Teil erstaunliche Parallelen zum westlichen Islam-Feindbild erkennen ließen.[117.2] Dem Westen wĂŒrden hier AggressivitĂ€t, Expansionsdrang und Intoleranz vorgeworfen, geistige Dekadenz, Verfall der Sitten und Degradierung von Frauen zu Lustobjekten.[117.3] Das von islamistischen Autoren entworfene Zerrbild vom Westen sei oft genauso undifferenziert wie „unser Feindbild vom Islam“.[159] Auch das westliche Vorurteil von der UnterdrĂŒckung der Frau beziehungsweise dem exzessiven, in der Institution des Harems manifestierten Sexismus habe im West-Feindbild der Islamisten eine spiegelbildliche Entsprechung, insofern als von diesen die westliche Frau als sexuell ausgebeutet dargestellt werde.[116.2]

Über die Frage, welches Feindbild zuerst da war, gibt es unterschiedliche Ansichten. Nach Rotter sind im Gegensatz zum Feindbild Islam, dessen Wurzeln sich bis ins Mittelalter zurĂŒckverfolgen lassen, fĂŒr das Feindbild „christliches Abendland“ AnsĂ€tze nicht vor dem 19. Jahrhundert feststellbar.[117.2] Es handele sich im Gegensatz zum Feindbild Islam also um „ein junges Feindbild“.[158.1] In einem Interview mit dem Journalisten Christoph Burgmer Ă€ußerte Rotter, es sei „eigentlich das neu eskalierende Feindbild des Westens gegenĂŒber dem Islam, das innerhalb der islamischen Welt ein Gegenfeindbild hervorgerufen hat“.[134.1] Udo Steinbach ging sogar noch weiter und Ă€ußerte die Auffassung, dass das im Westen ausgeprĂ€gte Feindbild Islam in der islamischen Welt nur bedingt seine Entsprechung in einem Feindbild Westen finde.[2.6] Anhand des Buches „Unter dem Halbmond“ von Helmuth von Moltke (1800–1891) versuchte er aufzuzeigen, das die Art von emotionaler Abneigung auf islamischer Seite hinsichtlich der historischen Tiefe und der geopolitischen Tragweite mit dem im Westen gehegten Feindbild Islam kaum vergleichbar sei. Ihm zufolge ist das in Europa entstandene und gehegte Feindbild Islam in seiner Erscheinungsform und seinen Auswirkungen diffuser und wirkmĂ€chtiger als das Feindbild Westen, das „hier und da in der islamischen Welt generiert“ werde.[2.7]

Dagegen ergĂ€nzten und bestĂ€tigten Gerhard Höpp zufolge die verschiedenen Varianten des Feindbildes Islam nur das bereits bestehende das Feindbild „Westen“.[122] Ähnlich meinte Wolfgang Benz, dass das Feindbild Islam der Populisten im Westen nur eine Erwiderung auf das im arabischen und islamischen Kulturkreis von Demagogen propagierte Feindbild Westen sei.[105] Sabine Schiffer gab zu bedenken, dass der Verweis darauf, dass die andere Seite das Feindbild Der Westen kultiviere, kein „Gegenbeweis einer Feindbildkultur des Westens gegenĂŒber dem Islam“ sei.[95.1] Dieser Auffassung schloss sich 2008 Khola Maryam HĂŒbsch an: Die Kultivierung eines Feindbildes „Westen“ könne noch nicht als Widerlegung des Feindbildes Islam gewertet werden.[160.1]

Henner FĂŒrtig und Gerhard Höpp versuchten 1998 in einem Aufsatz die „dialogischen Beziehungen“ zwischen dem Feindbild „Islam“ nach dem Ende des Ost-West-Konflikts im „neuen Westen“ und dem Feindbild „Westen“ im islamischen Orient deutlich zu machen.[161] Nach Höpp sind beide von derselben essentialistischen Art: Samuel P. Huntingtons These vom clash of civilizations und Ataullah Bogdan Kopanskis „clash between Blind Reason and Living Faith“, die Neue Weltordnung der USA und das das gleichbedeutende arabische Konzept an-niáș“ām al-ÊżÄlamÄ« al-ǧadÄ«d der Islamisten, der westliche Orientalismus und der islamische Okzidentalismus (istiÄĄrāb).[122]

Eine reziproke Beziehung zwischen Feindbild Islam und islamischem Fundamentalismus auf der Mikroebene beobachtete der Soziologe Wilhelm Heitmeyer bei muslimischen Jugendlichen in Deutschland. Die islamischen Fundamentalisten seien „von einem Feindbild Islam geradezu abhĂ€ngig“, Ă€ußerte er 1997 auf einer Diskussionsveranstaltung in Mainz.[162] Die ReligionspĂ€dagogin Lamya Kaddor postulierte 2017 sogar eine InteressenĂŒbereinstimmung zwischen islamistischen Terroristen und Islamhassern: Beiden gehe es darum, „einen Keil zwischen Muslime und Nichtmuslime“ zu treiben und ein „Feindbild Islam“ aufzubauen.[163] Mouhanad Khorchide gab 2022 zu bedenken, dass die „IdentitĂ€tsfalle, in der der Islam und Europa als Feindbilder gegeneinander ausgespielt werden, [
] immer mehr von den RĂ€ndern in Richtung Mitte der Gesellschaft“ rĂŒcke.[164]

  • Zu den BĂŒchern, die in den 1990er Jahren am hĂ€ufigsten als Beispiel fĂŒr das Feindbild genannt wurden, gehört Nicht ohne meine Tochter der amerikanischen Autorin Betty Mahmoody. Sowohl Ulrike Bechmann, die 1991 den ersten Beitrag zum Feindbild Islam veröffentlichte,[18] als auch Katajun Amirpur, die 2005 in der taz ĂŒber das Feindbild Islam reflektierte,[165] nahmen darauf Bezug. Auch Werner Ruf nennt es als Beispiel fĂŒr die zeitgleich mit dem Golfkrieg einsetzende Feindbildproduktion.[150.2] Kritisiert wurde unter anderem, dass Mahmoody in ihrem Buch von angeblichen Erniedrigungen des Christentums bei islamisch-religiösen Sitzungen in Iran berichtet, obwohl sie weder persische noch arabische Sprachkenntnisse besitzt und somit gar nicht verstehen konnte, was wĂ€hrend dieser Sitzungen gesprochen wurde.[166.1] Die iranische Journalistin Goltschehre Jung urteilte im FrĂŒhjahr 1991, dass „das Feindbild einer fanatischen, agressiven (sic!) moslemischen Gesellschaft“ den Boden fĂŒr Mahmoodys Buch bilde.[166.2]
Oriana Fallaci
  • Navid Kermani sieht das Buch „Die Wut und der Stolz“ von Oriana Fallaci, das 2002 fĂŒr mehrere Wochen auf Platz 1 der Spiegel-Bestseller-Liste stand und in dem Muslime mit Ratten verglichen werden, als klares Beispiel fĂŒr ein Feindbild Islam.[146.1]
  • Die Historikerin Angelika Königseder erwĂ€hnte ein Interview mit Alice Schwarzer, das im Juli 2006 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erschien, als Beispiel fĂŒr das Feindbild Islam. Schwarzer und der Herausgeber der Zeitung Frank Schirrmacher hĂ€tten sich hier „in ungewohnt trauter Einigkeit – nach dem Motto der Feind meines Feindes ist mein Freund“ die BĂ€lle zugespielt. Die Tatsache, dass Schwarzer in dem Interview die „Islamisierung unserer westlichen Gesellschaften“ als eine Offensive beschrieb, fĂŒr die das Geld aus Saudi-Arabien komme, wĂ€hrend Iran die Ideologie liefere, betrachtete Königseder als Indiz dafĂŒr, dass „mittlerweile kein Argument zu naiv und einfĂ€ltig“ sei, „um als Mittel im Kampf gegen das Feindbild Islam herangezogen zu werden“. Allein die Vorstellung, die zwei völlig verfeindeten Staaten Saudi-Arabien und Iran wĂŒrden ihre Differenzen außer Acht lassen und gemeinsame Sache bei der Unterwanderung Europas machen, sei ein Anzeichen fĂŒr Verschwörungstheorie.[143.2]
  • Als Beispiel fĂŒr eine innenpolitische Instrumentalisierung des Feindbildes Islam verwies die Journalistin Andrea Lueg darauf, dass der österreichische Rechtspopulist Jörg Haider in seinen Reden immer wieder von Eltern muslimischer SchĂŒler erzĂ€hlt hatte, die angeblich die Entfernung von Kruzifixen aus Klassenzimmern gefordert hatten. Dies hatte er mit dem Bemerkung versehen: „Wir haben nicht deswegen die TĂŒrkenkriege gefĂŒhrt, damit auf Umwegen korrigiert wird, was wir erkĂ€mpft haben.“ In einer solchen Verwendung des Feindbilds Islams, so hatte Lueg gefolgert, liege fĂŒr die westlichen Gesellschaften in der Zukunft ein grĂ¶ĂŸeres Problem als in der „islamischen Bedrohung.“[40.4]

Gibt es ein Islam-Feindbild in den Medien?

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Da den Medien eine wichtige Rolle fĂŒr Entstehung und Erfolg des Feindbildes Islam zugeschrieben wurde (siehe oben), wurde auch immer wieder diskutiert, ob und in welchem Umfang es ein solches Feindbild in den Medien ĂŒberhaupt gibt. Claudia Ott, die an dem TĂŒbinger Medienprojekt mitgewirkt hatte, Ă€ußerte sich 1993 ziemlich optimistisch und gab die EinschĂ€tzung ab, dass man aus dem Golfkrieg gelernt habe. Im Bereich der BILD-Zeitung und der Boulevardpresse habe sich zwar so gut nichts geĂ€ndert, aber vom Stern an aufwĂ€rts sei die Berichterstattung ĂŒber den Islam vorsichtiger und differenzierter geworden. Zwar gebe es auch hier noch „Berichte, die den Islam als Feindbild propagieren“, doch hĂ€tten sich neue Stimmen zu Wort gemeldet, „die diesen Meinungsmachern eine eigene Interpretation entgegensetzen“ wĂŒrden.[27.1]

DemgegenĂŒber waren die EinschĂ€tzungen der meisten spĂ€teren BeitrĂ€ge zu diesem Thema wesentlich negativer. Der Bildungsforscher Thomas Kliche gelangte 1998 zu der EinschĂ€tzung, dass „auf der Ebene der Akteursbeschreibungen [...] das Islambild der Printmedien unverkennbar die Merkmale eines Feindbildes“ aufweise.[167.1] „Feindbild“ heißt dabei fĂŒr ihn die Vorstellung eines sozialen Akteurs von einem anderen, die (1) das GegenĂŒber zu einem geschlossenen Gebilde homogenisiert, (2) es auf wenige Merkmale vereinfacht, (3) ihm Angriffslust unterstellt, (4) ihm negative Kognitionen, Emotionen und Konnotationen zuschreibt, (5) bereit ist, diese zu erwidern oder ihnen zuvorzukommen, wobei (6) der Akteur sich selbst als defensiv und positiv wahrnimmt.[167.2]

Der Kommunikationswissenschaftler Kai Hafez, der sich in seiner Habilitationsschrift mit dem Nahost- und Islambild der deutschen ĂŒberregionalen Presse zwischen 1955 und 1994 befasste, kam darin zum Ergebnis, dass sich die These eines medialen „Feindbildes Islam“ quantitativ erhĂ€rten lasse.[168.1] Gegenstand seiner Untersuchung waren die Pressemedien SĂŒddeutsche Zeitung, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Der Spiegel und Stern.[168.2] Er machte die Existenz eines Feindbildes in den untersuchten Pressemedien an einer „Konzentration auf Negativereignisse“ ab der Aktivierung der Islamberichterstattung durch die Iranische Revolution von 1978/79 fest: An die Stelle einer Berichterstattung ĂŒber neutrale Ereignisse im Zusammenhang mit den verschiedenen Erscheinungsformen des Islams sei „ein selektiver Aufmerksamkeitszuwachs nahezu allein fĂŒr die (extremistisch)-fundamentalistische Spielart des Islam erfolgt.“ Diese EreignisselektivitĂ€t sei ein zentraler Bestandteil eines Feindbildes.[168.3]

2006 bekrĂ€ftigte Hafez in einem Vortrag fĂŒr die Deutsche Islam-Konferenz, dass die These vom „Feindbild Islam“ mit den Methoden der empirischen Sozialforschung hinreichend belegt worden sei.[169.1] Es gebe eine permanente und seit Jahrzehnten bestehenden Fixierung großer seriöser Medien auf dieses Feindbild.[169.2] Zwar kĂ€men in Artikeln und einzelnen Radio- und Fernsehsendungen auch viele Kritiker des Feindbildes Islam zu Wort, aber an der thematischen Grundstruktur und der nachhaltigen Ausrichtung der Medienbeachtung auf den Gewaltkomplex habe sich wenig geĂ€ndert.[169.3] Journalisten und Korrespondenten der großen Medien hĂ€tten zwar an deutsch-arabischen Mediendialogen teilgenommen und seien lernbereit gewesen, doch zurĂŒck in ihren Medien seien sie strukturellen Pressionen und RoutinevorgĂ€ngen ausgesetzt gewesen, die einem Feindbild Islam in die HĂ€nde spielten.[169.4] Allerdings meinte er 2009, dass das Feindbild nicht vollstĂ€ndig ausgeprĂ€gt sei, weil der deutsche Mediendiskurs keine propagandistische Einheitlichkeit aufweise und auch eine aggressive Handlungsdimension fehle.[83.3] Deutsche Eliten und MeinungsfĂŒhrer wĂŒrden aber hĂ€ufig zu Stichwortgebern bei der medialen Reproduktion des „Feindbildes Islam“.[83.4]

Khola Maryam HĂŒbsch

Khola Maryam HĂŒbsch, die sich in einer Studie speziell mit der Darstellung der muslimischen Frau in den Medien befasste, kam darin zum Ergebnis, dass die These von dem „Feindbild Islam“ und der stereotypen Darstellung der Muslimin korrekturbedĂŒrftig sei, weil „durchaus auch emanzipierte muslimische Frauen portrĂ€tiert werden und der Islam in dem Zusammenhang als ungefĂ€hrliche Religion erscheint.“[160.2] Ihre Studie stĂŒtzte sich auf eine Analyse der Wochenmagazine Der Spiegel und Stern in den Jahren 2003 bis 2005.[160.3]

Auch der Kommunikationswissenschaftler Tim Karis, der sich in seiner Dissertation mit der Berichterstattung der ARD-Tagesthemen von 1979 bis 2010 befasste, hielt die These, die Medien zeichneten ein homogenes ‚Feindbild Islam‘, fĂŒr revisionsbedĂŒrftig. Schon der Umstand, dass problematische Islambilder in den Medien selbst zum Thema wĂŒrden, gibt ihm zufolge einen deutlichen Hinweis darauf, dass die Feindbild-These eine Ă€hnliche Vereinfachung darstellt, wie die Vorstellung eines zwischen Islamabad und Mekka homogenen Islams.[3.5] Der Begriff „Feindbild Islam“ sei als Analyseraster zu grob eingestellt, wodurch es den erzielten Forschungsergebnissen hĂ€ufig an TrennschĂ€rfe fehle,[3.6] und suggeriere eine homogene und durchgĂ€ngig negative Medienberichterstattung ĂŒber den Islam.[3.7] In Wirklichkeit wĂŒrden die These vom Feindbild Islam und die Sorge um die Diskriminierung von Muslimen in den Medien regelmĂ€ĂŸig selbst zum Thema. Einer der GrĂŒnde fĂŒr die Persistenz des Begriffs in der Forschung liege in seiner hohen AnschlussfĂ€higkeit an massenmediale Aufmerksamkeitskriterien, denn die Zuspitzung auf einen Begriff wie Feindbild Islam ermögliche es der Forschung, die aufgedeckten MissstĂ€nde in der Medienberichterstattung wiederum massenmedial bekannt zu machen. Die Islambildforschung habe durch die Konzentration auf die Begriffe Feindbild Islam und Islamophobie ihr VerstĂ€ndnis des PhĂ€nomens kaum erhöhen können und auch die Details und Nuancen im Mediendiskurs dadurch nicht besser erfasst.[3.8] „Feindbild Islam“ sei ein eindimensionales ErklĂ€rungsmuster, mit dem man brechen und das man zugunsten einer ganzheitlichen Betrachtung des Mediendiskurses Islam aufgeben mĂŒsse.[3.9]

Der UnabhĂ€ngige Expertenkreis Muslimfeindlichkeit, zu dem auch Kai Hafez gehörte, drĂŒckte sich vielleicht aufgrund dieser Kritik in seinem Bericht fĂŒr das Jahr 2023 etwas differenzierter aus: Auch wenn nicht durchgehend von einem geschlossenen „Feindbild Islam“ der Massenmedien gesprochen werden könne, weil deutsche Medien gewisse Nuancen in der Berichterstattung zeigten, weise der Islamdiskurs deutscher Leitmedien in Presse und Fernsehen bei allen Unterschieden eine deutlich negative thematische Grundstruktur auf.[8.6] ReprĂ€sentative Studien in den 1990er- und 2000er-Jahren hĂ€tten eine ausgeprĂ€gte Negativ- bzw. Feindbildagenda in fĂŒhrenden deutschen Medien ergeben, auch wenn sie gezeigt hĂ€tten, dass einige Medien das Problem des Feindbilds Islam selbst erkannt hĂ€tten.[8.7] An einer anderen Stelle in dem Bericht wird allerdings von einem „virulenten Feindbild Islam der Mainstream-Medien“ gesprochen und konstatiert, dass sich dieses Feindbild „in der breiten öffentlichen Meinung“ aktualisiert habe.[8.8] Einer der Befunde des Berichtes war, dass nach Wahrnehmung befragter Redakteure und Journalisten bei der Kolportierung des Feindbilds Islam ökonomische Motive eine große Rolle spielen.[8.9]

Auswirkungen des Feindbilds auf staatliches Handeln

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Außenpolitik

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Die Auswirkungen des Islam-Feindbilds auf die deutsche und westliche Außenpolitik wurde vor allem in den 1990er Jahren diskutiert. Jochen Hippler, der 1993 zum von ihm mitherausgegebenen Band zum Feindbild Islam einen Aufsatz „Islam und westliche Außenpolitik“ beisteuerte, kam darin zum Ergebnis, dass es solche Auswirkungen nicht gebe. Seine dortigen AusfĂŒhrungen fasste er mit der Aussage zusammen, dass „der Kern westlicher Außenpolitik sich vom Feindbild Islam nicht sonderlich beeindrucken“ lasse.[45.2] FĂŒr die Außenpolitik tauge es nur mit EinschrĂ€nkungen, da manche VerbĂŒndete des Westens selbst fundamentalistisch seien. Aus diesem Grund gebe es bezĂŒglich des außenpolitischen Feindbildes eine Art Schwebezustand.[45.3] Das Auseinanderklaffen der holzschnittartigen Feindbildproduktion in Publizistik und Medien und der widersprĂŒchlichen Verwendung des Feindbildes Islam in der konkreten Politik fand er „bemerkenswert“.[45.4] Allerdings verlieh er seiner BefĂŒrchtung Ausdruck, dass MilitĂ€rs und Politiker „problemlos auf das Feindbild Islam zurĂŒckgreifen könnten, wenn die Bundeswehr erst einmal außerhalb des NATO-Gebietes eingesetzt werden dĂŒrfe.[45.4]

Michael LĂŒders

Michael LĂŒders deutete hingegen im September 1995 eine Aussage von Eckart Werthebach, dem damaligen PrĂ€sidenten des Bundesamtes fĂŒr Verfassungsschutz, als Beleg dafĂŒr, dass „der Islam zunehmend die Rolle eines neuen Feindbildes“ im Staat ĂŒbernehme. Werthebach hatte zur Sicherheitslage nach dem Ende des Kommunismus gesagt, „daß an die Stelle der frĂŒheren Ost-West-Konfrontation ein verschĂ€rfter Gegensatz zwischen dem christlich-abendlĂ€ndischen Kulturkreis und einem aggressiven Islamismus treten“ könne.[67] Munir D. Ahmed und Kai Hafez vertraten um dieselbe Zeit die Auffassung, dass konservative Politiker in Deutschland das Islam-Feindbild zur Sicherung ihrer politischen Optionen nach dem Ende des Ost-West-Konflikts nutzten. Die NATO nutze dieses Feindbild Islam „wider besseren Wissens und unter dem Deckmantel der Verteidigungsbereitschaft fĂŒr die Sicherung ihres Fortbestehens.“[63.2] Kai Hafez behauptete 1997 in einem Artikel fĂŒr die Frankfurter Allgemeine Zeitung erneut, dass das Feindbild Islam in Deutschland „heute in der Innen- wie in der Außenpolitik wirksam“ sei. Die Auswirkungen auf die Außenpolitik exemplifizierte er am Beispiel des abgebrochenen „kritischen Dialogs“ mit Iran nach dem Mykonos-Attentat durch den iranischen Geheimdienst.[170]

Naika Foroutan war sich 2004 sicher, dass das Feindbild Islam seit Ende des Ost-West Konfliktes die Sicherheitsstrategie des Westens bestimme.[171] Und Werner Ruf sah 2010 einen Einfluss dieses Feindbildes beim Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan: Die Bundesrepublik Deutschland werde gegen (islamische) „Terroristen“ am Hindukusch verteidigt; deutsche Soldaten schĂŒtzten afghanische Frauen vor den Taliban und „was noch an abstrusen GrĂŒnden fĂŒr die Rechtfertigung geopolitischer Ziele angefĂŒhrt werde“.[148.2] DemgegenĂŒber urteilte Alexander Konrad 2022, dass das mediale Feindbild Islam sich „ungleich schwĂ€cher auf politische Handlungen“ ausgewirkt habe, als dies beim Antikommunismus im Kalten Krieg der Fall gewesen sei. Er wies auch darauf hin, dass in den 1990er Jahren Bundespolitiker wie Außenminister Kinkel und BundesprĂ€sident Herzog eher vor einem Feindbild Islam gewarnt hatten, als es zu schĂŒren.[5.4]

Hans-Eberhard Schultz zusammen mit seiner Frau Azize Tank

Der Rechtsanwalt Hans-Eberhard Schultz beklagte 2007[172.1] und erneut 2018,[144.2] dass seit der Übernahme des Feindbildes Islam bei der TerrorismusbekĂ€mpfung ein verstĂ€rkter Abbau von Grund- und Freiheitsrechten von Muslimen und Menschen, denen die Religion Islam zugeschrieben werde, stattfinde. Sie wĂŒrden zunehmend vom Staat unter Generalverdacht gestellt und ausgegrenzt. Der Fall Murat Kurnaz zeige, was bei der „Beobachtung“ gewaltloser islamischer Gruppen herauskomme: Folterungen und jahrelange Inhaftierung ohne Prozess, die im Rahmen des unerklĂ€rten Krieges gegen den „islamistischen Terrorismus“ als alternativlos hingestellt wĂŒrden.[172.2][144.3] Selbst anonyme Anzeigen könnten aufgrund der Wirksamkeit des Feindbildes Islam anders als in anderen vergleichbaren FĂ€llen ohne einen solchen Hintergrund zu schwerwiegenden rechtswidrigen Eingriffen gegen mutmaßliche „islamistische Feinde“ fĂŒhren, ohne dass die Justiz bereit und in der Lage sei, in derartigen FĂ€llen konsequent zum Schutze der Betroffenen einzugreifen.[144.4]

Als Beispiele fĂŒr den Abbau demokratischer Rechte im Zusammenhang mit der VerschĂ€rfung des AuslĂ€nderrechts und dem Feindbild Islam fĂŒhrte Schultz an:

  • das Verbot des „Ersten Arabischen Islamischen Kongresses in Europa“, der Anfang Oktober 2004 mit bis zu 800 Teilnehmern in Berlin stattfinden sollte, durch Bescheid des Berliner PolizeiprĂ€sidenten.[172.3]
  • ein Auftrittsverbot fĂŒr Vertreter des irakischen Widerstands[172.4]
  • Verbote von Symbolen und Bildern der Hisbollah auf Demonstrationen im Jahre 2006[172.5]
  • und die tatsĂ€chliche oder versuchte Ausweisung von als Hassprediger eingestuften Muslimen, deren Vergehen nicht zweifelsfrei bewiesen wurden, aufgrund des seit 2005 geltenden Aufenthaltsgesetzes.[172.6] Schultz sieht in diesen FĂ€llen ein Musterbeispiel dafĂŒr, wie angeblich schwerwiegendes gesellschaftsschĂ€dliches Fehlverhalten exponierter Vertreter des „Feindbildes Islam“ fĂŒr populistisch begrĂŒndete GesetzesĂ€nderungen instrumentalisiert wurde, da der spezielle Ausweisungstatbestand fĂŒr Hassprediger erst 2005 eingefĂŒhrt wurde.[144.5]

Befeuert wird nach Schultz das Feindbild auch durch die mit dem TerrorismusbekĂ€mpfungsgesetz eingefĂŒhrte Sicherheitsbefragung, die gezielt gegen „Terrorismus-VerdĂ€chtige“ und „böse Moslems“ eingesetzt werde. Hierbei wĂŒrden die betroffenen Personen in die EinbĂŒrgerungsbehörde geladen und zu ihrem Glauben befragt.[144.6] Die Versuche des Innenministeriums, das im institutionellen Rassismus etablierte „Feindbild Islam“ mithilfe der Deutschen Islamkonferenz aus dem Dunkel der Geheimdienste an das Licht der „Werte unserer Verfassung“ zu zerren, seien gescheitert.[144.5] Die Islamkonferenz sei selbst ein Musterbeispiel fĂŒr die Projekte, mit denen eine zentrale Funktion des Feindbildes vorangetrieben werde: Die Trennung zwischen den guten und den bösen Muslimen.[172.7]

Zu Ă€hnlichen Schlussfolgerungen wie Hans-Eberhard Schulz kam Werner Ruf. Er meint, dass das Feindbild Islam Auswirkungen auf den „GesprĂ€chsleitfaden“ habe, der in Baden-WĂŒrttemberg als „Hilfestellung“ fĂŒr GesprĂ€che mit Einwanderungsbewerbern erstellt wurde. Er sei von Misstrauen und Angst, teilweise auch Verachtung geprĂ€gt und zeige, dass dieses Feindbild in die Poren der Gesellschaft gedrungen sei.[126.8]

Klagen ĂŒber innenpolitische Auswirkungen des Feindbildes Islam gibt es auch in Österreich. Als 2018 die rechtskonservative Regierung von Sebastian Kurz PlĂ€ne fĂŒr ein Kopftuchverbot fĂŒr Kinder ausarbeitete, sprach sich die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ) „mit aller Entschiedenheit“ gegen dieses Verbot aus, mit dem Argument, dass damit „ein Feindbild Islam“ gezeichnet werde.[173] Farid Hafez Ă€ußerte 2019, dass sich Sebastian Kurz auf das Themenfeld â€șFeindbild Islamâ€č fokussiert habe, um die FPÖ rechts abzuhĂ€ngen.[157.2] Die österreichische Politikwissenschaftlerin Birgit Sauer Ă€ußerte 2023, die FPÖ habe trotz ihres eigenen konservativen Frauenbildes angefangen, das Kopftuch zu kritisieren, weil sie ihr Feindbild Islam damit aufbauen könne. Die Partei habe nĂ€mlich begriffen, dass sich ĂŒber die Forderung eines Kopftuchverbots und das Anprangern eines vermeintlich mittelalterlichen Frauenbilds von Muslimen WĂ€hlerstimmen gewinnen lassen.[174]

Verbreitung und Rolle bei verschiedenen geistig-politischen Strömungen

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Über die Verbreitung des Feindbildes Islam in der Bevölkerung gibt es keine Erhebungen, sondern nur persönliche SchĂ€tzungen. Jochen Hippler meinte schon 1993 feststellen zu können, dass das Feindbild Islam „in den Köpfen der bundesdeutschen Bevölkerung und ihrer öffentlichen Meinung tief verankert“ sei.[45.5] Ähnlich Ă€ußerte sich Petra Weyland 2004: das Feindbild Islam existiere „in weiten Teilen der westlichen Öffentlichkeit, in den Köpfen sehr vieler Menschen“.[131.2] Der Politikwissenschaftler Ozan Zakariya Keskinkılıç klagte im Februar 2020 im Zusammenhang mit der EnthĂŒllung der AnschlagsplĂ€ne der rechtsterroristischen Gruppe S. auf Moscheen und Muslime, dass die deutsche Gesellschaft vom Feindbild Islam so tief durchdrungen sei, dass sie Muslime als Opfer gar nicht wahrnehmen könne oder wolle.[175]

Die folgenden Abschnitte geben eine Übersicht ĂŒber Aussagen zur Entwicklung des Islam-Feindbilds bei verschiedenen geistig-politischen Strömungen.

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Die beiden Religionswissenschaftler Tilman Hannemann und Peter Meier-HĂŒsing konstatierten 2000, dass das Feindbild Islam „Linke und Rechte, AufklĂ€rer, Wertkonservative und nationale Chauvinisten“ eine.[176] Lutz Hoffmann beobachtete 1997 besonders bei Linken eine AnfĂ€lligkeit fĂŒr das Feindbild Islam. Diese erklĂ€rte er damit, dass „das Ende des Kalten Krieges sie grĂŒndlicher als die Konservativen um ihre bisherige Orientierung gebracht habe“.[80.16] Silvia Kuske sah gerade darin die integrative Wirkung des Feindbilds Islam im Gegensatz zum Feindbild Kommunismus, dass sich hier auch ein Teil der Linken gegen den Islam habe vereinnahmen lassen, „da sich der Westen als ReprĂ€sentant von Zivilisation, AufklĂ€rung und Toleranz von einer angeblich religiös bestimmten Gesellschaft, Moral und Politik abheben“ könne.[118.3]

DemgegenĂŒber hat bei vielen Rechtsextremen, so Anselm Neft, der nach einem eigenen Bekunden frĂŒher ein Rechter war, in den frĂŒhen 1990er Jahren das Feindbild Islam noch gar nicht existiert.[177] Seine EinschĂ€tzung stimmt mit Ergebnissen der wissenschaftlichen Forschung ĂŒberein. Phillip Becher, der das Islambild in den neurechten Periodika „Europa vorn“ und „Signal“ zwischen 1989 bis 1999 untersuchte, kam zu dem Ergebnis, dass islamischer religiöser Extremismus auf den Seiten der beiden Zeitschriften zunĂ€chst als potentieller globaler BĂŒndnispartner gegen die USA, „den Westen“ und „die Moderne“ betrachtet wurde und erst ab Mitte der 1990er Jahre der Islam mit Nachdruck als neues Feindbild konstruiert wurde.[178.1] WĂ€hrend Wolfgang Strauß Ende 1994 noch von der „Explosivkraft der nationaldemokratischen Ideen im Dschihad gegen Imperialismus und Kolonialismus“ schwĂ€rmte, kĂŒndigte sich im Februar 1995 mit einem Leitartikel von Manfred Rouhs, in dem er vor der Islamisierung Deutschlands warnte, die Wende zur Islamfeindlichkeit an.[178.2] 1996 Ă€ußerte der damalige NPD-Aktivist Andreas Molau in einem Beitrag fĂŒr Europa vorn, dass der Vorwurf, man erklĂ€re den Islam zum Feindbild, keineswegs schrecke, sondern vielmehr zutreffe.[178.3] Becher zufolge trugen die beiden Zeitschriften Europa vorn und Signal dazu bei, dass das Feindbild Islam spĂ€ter zu einem von der extremen Rechten viel genutzten Vehikel fĂŒr Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit wurde.[178.1]

Nach Kai Hafez gab es in den 1990er Jahren bei der Aktivierung des Negativbildes des Islams unterschiedliche VerwertungszusammenhĂ€nge bei linken und rechten Gruppen: Die Linke, vor allem die alternative Linke, sei besonders geneigt gewesen, Feindbilder zu zeichnen, wenn es um die Frage der Menschenrechte im Islam gehe (Meinungsfreiheit, Frauenrechte usw.), Konservative nutzten dagegen ihr Islambild hĂ€ufig zur Sicherung nationaler Interessen im In- und Ausland. Die unterschiedlichen Gruppen- und thematischen ZusammenhĂ€nge im Rechts-Links-GefĂŒge wĂŒrden es erschweren, von einem einheitlichen „Feindbild Islam“ in der deutschen Öffentlichkeit zu sprechen.[154.2] Wenngleich das Feindbild Islam ein allgemeines gesellschaftliches PhĂ€nomen sei, so seien seine Funktionen zum Teil auch an das bestehende Rechts-Links-Schema gebunden.[154.1] Ähnlich Ă€ußerte sich spĂ€ter der Islamwissenschaftler Stefan Weidner. Er gab zu bedenken, dass sich hinter dem gemeinsamen Feindbild Islam der Islamkritiker viele, oft sehr gegensĂ€tzliche gesellschaftliche Visionen verbĂ€rgen.[179]

Rolle bei der christlichen Rechten

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Logo der Evangelischen Nachrichtenagentur IDEA

Thomas Schirrmacher veröffentlichte 2003 eine Studie ĂŒber das Feindbild Islam bei der Partei Christliche Mitte und ihrer Vorsitzenden Adelgunde Mertensacker. Die Argumente, die Mertensacker vorbrachte, waren ihm zufolge weitgehend dieselben, die bei evangelikalen Vertretern dieses Feindbildes vorherrschen.[180] Nach Ulrich Dehn folgt auch die Evangelische Nachrichtenagentur IDEA dem Islam-Feindbild, und zwar zum Einen durch Selektion von Nachrichten, die zu bestimmten Pauschalurteilen ĂŒber Muslime passen (Gewaltbereitschaft, aggressive Mission, die Absicht, Westeuropa zu majorisieren, UnterdrĂŒckung der Frauen, Demokratiefeindlichkeit und das Anliegen, ein theokratisches Schariaregime zu errichten) und zum Anderen durch unzensierte Wiedergabe von Leserbriefen, die islamfeindliche Argumente aus dem Repertoire der Kleinparteien Christliche Mitte oder Partei Bibeltreuer Christen rezipieren.[181] Lucius Teidelbaum stellte fest, dass bei der christlichen Rechten mit dem Feindbild Islam hĂ€ufig eine Form von christlicher Menschenrechtsarbeit verbunden ist, womit er Engagement fĂŒr „verfolgte Christen“ meint.[182] Nach EinschĂ€tzung von Farha Khaled, die fĂŒr die Zeit nach dem 11. September 2001 in den USA eine Islamophobia Industry postuliert, fand die Propagierung eines islamisch-arabischen Feindbilds besonders „unter den Millionen christlicher Zionisten“ ein dankbares Publikum.[183]

Rolle im Rechtspopulismus und Rechtsradikalismus

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Demonstration der Pro-Bewegung 2013 in Rheydt

Einer kollektiv verfassten Studie von 2025 zufolge hat der Rechtspopulismus spĂ€testens seit den 2000er-Jahren in westeuropĂ€ischen Demokratien den Islam als Bedrohung der westlichen Zivilisation zu einem neuen Feindbild aufgebaut.[184] Nach Christoph Busch ĂŒbernahm dabei die Pro-Bewegung mit der Ablösung des Feindbildes AuslĂ€nder durch das Feindbild Islam im rechtsradikalen Parteienspektrum eine Vorreiterrolle.[185]

Alexander HĂ€usler und Hans-Peter Killguss konstatierten 2008, dass das Feindbild Islam „als ideologisches Bindeglied zwischen der extremen Rechten in Europa“ fungiert,[6.4] und stellten die Vermutung an, dass sich pro Köln mit ihrer propagandistischen Fokussierung auf dieses Feindbild als neue Kraft fĂŒr andere europĂ€ische Parteien attraktiv zu machen versuchte.[6.5] HĂ€usler beschrieb das Feindbild Islam 2011 als „Erfolgsschlager in der europĂ€ischen Rechten“.[186]

Die EinschĂ€tzung, dass das Feindbild Islam vor allem bei rechten Gruppen verbreitet ist, verstĂ€rkte sich um die Mitte der 2010er Jahre. Dies hatte auch damit zu tun, dass die AfD im April 2016 ihre anti-islamische Rhetorik verschĂ€rfte und in ihr Grundsatzprogramm die Aussage aufnahm, dass der Islam nicht zu Deutschland gehöre.[187] Heribert Prantl mutmaßte daraufhin auf der Titelseite der SĂŒddeutschen Zeitung, dass die AfD „angesichts der stark zurĂŒckgegangenen FlĂŒchtlingszahlen das Feindbild FlĂŒchtlinge durch ein Feindbild Islam ergĂ€nzen“ wolle.[188] Der katholische Theologe Werner Höbsch, Referatsleiter fĂŒr den interreligiösen Dialog beim Erzbistum Köln, stellte schon Mitte April 2016 die Vermutung an, dass die AfD den Aufbau des Islam-Feindbilds als Mittel zum Stimmenfang betreibe und mit der Behauptung, der Islam wolle die Demokratie zerstören und sei nicht mit dem Grundgesetz vereinbar, dieses Feindbild bewusst schĂŒre. FĂŒr die weitaus grĂ¶ĂŸte Mehrheit der Muslime in Deutschland treffe diese Behauptung jedoch nicht zu.[189]

Logo der Zeitschrift Compact

Außerdem spitzte in diesem Jahr die rechtsextreme Zeitschrift Compact, die als Sprachrohr der Neuen Rechten gilt, in einem Spezialheft „Islam. Gefahr fĂŒr Europa“ das in den Medien verbreitete Feindbild Islam noch einmal zu, indem sie zum „Widerstand“ und zur Bildung einer „Abwehrfront“ gegen die angebliche Islamisierung der deutschen Gesellschaft aufrief.[8.10] Als am 26. Oktober 2016 in Köln die mit exzessiver Gewalt verbundene Kundgebung der Gruppe Hooligans gegen Salafisten stattfand, interpretierte die Berliner Zeitung diese als schlagartig sichtbar gewordene AnnĂ€herung zwischen Neonazis und Neuen Rechten, die ideologisch und im Internet schon seit einigen Jahren stattfinde. „Verbunden durch das gemeinsame Feindbild des Islam“ wĂŒrden sich „neonazistische Kameradschaften seit einigen Jahren an Online-Projekten der Neuen Rechten“ beteiligen, „etwa in sozialen Netzwerken oder am Online-Pranger ‚NĂŒrnberg 2.0‘, der angebliche Islamfreunde als Angeklagte fĂŒr einen neuen Kriegsverbrecherprozess auflistet“.[190]

Der Journalist Daniel Bax konstatierte im selben Jahr, dass das Feindbild Islam „heute Rechtspopulisten in ganz Europa“ verbinde und es „ihr kleinster gemeinsamer Nenner“ sei, neben ihrer Ablehnung der EuropĂ€ischen Union und der von FlĂŒchtlingen.[191] Ähnlich Ă€ußerte Filiz Polat in der Bundestagsdebatte ĂŒber den AfD-Antrag zu Islam und Scharia am 11. Oktober 2018, dass das Feindbild „Islam und Muslime“ seit geraumer Zeit zur Bindekraft rechtsradikaler und rechtspopulistischer KrĂ€fte in ganz Europa geworden sei.[192]

Nicht nur fĂŒr AfD, sondern auch fĂŒr den französischen Front National und Donald Trump war 2017 das Feindbild Islam „ein zentrales Element“.[193] Der Rechtspopulismus, so Kai Hafez 2020, habe das Feindbild Islam „als politische Ressource erkannt und abgeholt“. Dieses Feindbild sei virulent vorhanden gewesen und sei nun absolut zentral auch fĂŒr soziale Bewegungen wie Pegida.[194] Über die Bedeutung des Feindbildes Islams bei Pegida gibt es allerdings unterschiedliche Auffassungen. So meinte Naime Çakır-Mattner, dass ein nicht unerheblicher Teil derjenigen, die bei Pegida mitlaufen, Menschen seien, die Ängsten und Vorurteilen aufsĂ€ĂŸen, aber „wohl mehrheitlich (noch) nicht [
] von einem geschlossenen Feindbild gegenĂŒber dem Islam durchdrungen“ seien.[195] Christian Bangel beobachtete sogar bei der zweiten Legida-Demonstration in Leipzig am 21. Januar 2015 eine fast vollstĂ€ndige „Abwesenheit des Feindbildes Islam“.[196]

Ein rechtes PlĂ€doyer fĂŒr eine Abwendung vom Islam-Feindbild

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Die in den frĂŒhen 1990er Jahren bei Rechtsextremen beobachtete Auffassung, dass der Islam potentieller BĂŒndnispartner fĂŒr sie sein könnte, ist in ihren Kreisen nie völlig verschwunden. Susanne Schröter wies 2025 in einem Zeitungsartikel darauf hin, dass das Feindbild des AfD-Politikers Maximilian Krah „nicht der islamische Extremismus, sondern der Liberalismus“ ist und diese Haltung von Vordenkern der Neuen Rechten geteilt wird, zu denen Philip Stein, der Initiator des Jungeuropa-Verlags gehört. In diesem Medienunternehmen erschien im Jahre 2023 das Buch Feindbild Islam als Sackgasse. PlĂ€doyer fĂŒr einen rechten Kurswechsel des rechtsextremen Bodybuilder Frederic Höfer, das, wie Schröter schrieb, „die Schönheit des koranischen Wertekanons und die Standhaftigkeit konservativer Muslime gegen die Versuchungen westlicher Freiheiten besingt.“[197] Höfer wirbt in seinem Buch fĂŒr eine Allianz zwischen Rechten und glĂ€ubigen Muslimen gegen die vermeintliche Dekadenz des Westens, gegen Feminismus und „Gender-Ideologie“.[198] Hauptthese seines Essays ist, dass das Islam-Feindbild „die außersystemische Oppostion – somit auch die AfD – in eine politische und strategische Sackgasse“ fĂŒhre, nĂ€mlich in diejenige einer „latenten BĂŒrgerkriegsposition“.[199.1] Das „außersystemisch-oppositionelle Islamfeindbild“, so versuchte er zu zeigen, habe seine UrsprĂŒnge in einer speziellen Negativrezeption des Islams, die mit dem 11. September 2001 an PrĂ€gnanz gewonnen und sich „fĂŒr Teile der außersystemischen Opposition zum Negativfixpunkt mit SchlĂŒsselcharakter“ entwickelt habe.[199.2] FĂŒr die marginalisierte „außersystemische Opposition der Vor-AfD-Ära“ sei das Feindbild des „bösartigen Islam“ ein Vehikel gewesen, „um Kritik an Masseneinwanderung und WidersprĂŒchen der MultikultirealitĂ€t im Rahmen der systemimmanenten Diskursregeln zu artikulieren.“[199.3]

Höfers Kritik am Islam-Feindbild der Rechten gleicht zum Teil der allgemeinen Kritik an diesem Feindbild. Wenngleich, so schreibt er, es bei den Rechten auch ernstzunehmende kritische Auseinandersetzungen mit dem Islam geben möge, habe „das vulgĂ€re und gehĂ€ssige Islamfeindbild doch den grĂ¶ĂŸeren Fußabdruck hinterlassen“. Entsprechend der im Westen verbreiteten Neigung, dem HĂ€sslichen mehr RealitĂ€t als dem Schönen zuzugestehen, essentialisiere ihr Islam-Feindbild die Schattenseiten des Islams (Intoleranz, Fanatismus und politischen Missbrauch) zum „wahren Islam“.[199.4] Die „Islamkritik der Nullerjahre“ samt ihren „diskurslogischen Implikationen“ sei ĂŒber den Themenkomplex Migration in die AfD eingeflossen und habe in ihr programmatische Gestalt angenommen. WĂ€hrend andere Grundsatzfragen wie Rentenkonzept, Sozialpolititik, EU, NATO usw. manchmal zu Zerreißproben zwischen den Parteiströmungen fĂŒhrten, habe das Islam-Feindbild eine zunehmend konsensstiftende Funktion gewonnen.[199.5] Aus dem Feindbild Islam lasse sich aber nur kurzfristig Kapital schlagen, und dies nur um den Preis sachlicher Richtigkeit und der theoretisch-strategischen Konsistenz des eigenen Ansatzes.[199.6] Deswegen solle die Rechte das Feindbild Islam hinter sich lassen.

Einige Autoren, die sich mit dem Feindbild Islam auseinandersetzten, haben auch ĂŒber Gegenmittel gesprochen. Ulrike Bechmann empfahl 1991 „Realismus und einen Blick fĂŒr kulturelle Unterschiede, die als Bereicherung der Welt begriffen werden sollten“ als Gegenmittel gegen den Aufbau des Feindbildes Islam.[18] Muhammad Salim Abdullah mutmaßte 1993, dass sich das Feindbild Islam sehr schnell verflĂŒchtigen wĂŒrde, wenn es einmal vor der Geschichte der eigenen „christlichen Unchristlichkeit“, der europĂ€ischen EroberungszĂŒge, ausgelotet wĂŒrde, und wenn man die Gemeinsamkeiten der beiden Systeme Islam und Christentum betrachten wĂŒrde, die Trennendes zwar nicht beseitigen könnten, aber „durchsichtiger und damit berechenbarer machen“ wĂŒrden.[133.2] Nach Auffassung von Thomas Hartmann ist eine differenzierende Wahrnehmung der verschiedenen Strömungen des Islam das beste Gegengift gegen die Konstruktion eines Feindbildes Islam.[57] Udo Marquardt gab 1996 zu bedenken, dass derjenige, der der Vorstellung von einer Bedrohung durch den Islam und dem Aufbau neuer Feindbilder entgegentreten wolle, sich auch mit sozialen Strukturproblemen auseinandersetzen mĂŒsse; rechtliche und theologische BemĂŒhungen wĂŒrden dafĂŒr kaum ausreichen.[77.3]

Petra Weyland empfahl 2004 die Dekonstruktion des Feindbildes Islam als eine Maßnahme der KonfliktprĂ€vention. Zentral dafĂŒr sei es, den Fokus der Aufmerksamkeit vom Islam abzuziehen und Pauschalisierungen zu vermeiden.[131.3] Zwar hĂ€tten al-Qaida, Hisbollah, die Kaplan-Gemeinde und das irakische Regime von Saddam Hussein ohne Zweifel im Namen des Islams terroristische Aktionen ausgefĂŒhrt, doch sei es ihnen dabei jeweils um sehr unterschiedliche Ziele gegangen. Saddam Hussein zum Beispiel sei es um Machterhalt gegangen und Hamas um nationale Befreiung.[131.4] Eine prĂ€zise Analyse des Einzelfalls und eine Abkehr von der Obsession mit dem Islam seien ein wichtiger Beitrag zum Abbau des Feindbildes Islam und damit zur KonfliktprĂ€vention.[131.5] Dies stimmt mit der EinschĂ€tzung des Islamwissenschaftlers Ludwig Ammann ĂŒberein. Ihm zufolge ist das zentrale Dogma des Feindbilds Islam „die irrige Annahme, es mĂŒsse schlechterdings alles, was Muslime tun und lassen, von ihrer Religion, also vom Islam bestimmt oder doch dominant geprĂ€gt sein“. Als Beispiel nennt er die BegrĂŒndung des schlechten Abschneidens von DeutschtĂŒrken im deutschen Schulsystem mit dem Islam und nicht ihrer Herkunft aus bildungsfernen Bauerndörfern durch Thilo Sarrazin und Necla Kelek. Als Gegenmaßnahme empfiehlt auch er, das Handeln muslimischer Akteure nicht grundsĂ€tzlich ĂŒber die Religionszugehörigkeit zu erklĂ€ren.[200]

Die Hamburger Orientalistin Karin Hörner Ă€ußerte sich 2009 skeptisch gegenĂŒber Informationsveranstaltungen ĂŒber „den“ Islam oder ĂŒber „die Frau im Islam“. Sie seien zwar begrĂŒĂŸenswert, hĂŒlfen aber definitiv nicht beim AbschwĂ€chen von Feindbildern, weil diejenigen, die ein Feindbild hegten, die Informationsangebote entsprechend filterten und zu solchen Veranstaltungen erst gar nicht hingingen.[7.10] Hörner empfahl gute Geschichten ĂŒber Muslime in Form von Filmen und Rollenspielen. Allerdings dĂŒrfe man sich nicht zu viel davon erhoffen, weil Feindbilder nur abgeschwĂ€cht, nicht aber völlig beseitigt werden könnten.[7.11]

Der Rechtsanwalt Hans-Eberhard Schultz forderte 2018 die kritische Aufarbeitung des Feindbildes Islam zusammen mit den Feindbild-Mechanismen und -konstrukten; dazu bedĂŒrfe es einer Dokumentationsstelle fĂŒr antimuslimischen Rassismus, die unabhĂ€ngig, kritisch und nach wissenschaftlichen MaßstĂ€ben arbeite.[144.1] Sabine Schiffer Ă€ußerte, dass ein Ziel fĂŒr die Aufarbeitung des Feindbildes Islam „die Entkoppelung des diskriminierenden Mehrheitsdiskurses von den Quellen des Islam sein“ mĂŒsse, „deren Auslegungspraxis oft gar nicht ernsthaft zur Debatte steh[e] und die in den Jahrhunderten zuvor auch kaum eine Rolle spielten, obwohl ebenso existent“. Sie begrĂŒndete diesen Vorschlag damit, dass der Antisemitismus im 19. Jahrhundert seine Berechtigung mit Stellen aus Torah und Halacha zu belegen versucht habe, man heute aber erfreulicherweise nicht mehr darĂŒber diskutiere, obwohl diese Stellen alle noch da seien. Eine analoge Entwicklung mĂŒsse man beim Islam vorantreiben.[152.2]

  • Georg Auernheimer: „Feindbild in petto – unser Bild vom Islam“ in Hans-JĂŒrgen HĂ€ĂŸler, Christian von Heusinger: Frieden, Tradition und Zukunft als Kulturaufgabe. Wie gestalten wir die Zukunft des Planeten Erde? Königshausen & Neumann, WĂŒrzburg 1993. S. 162–169.
  • Phillip Becher: „Der Islam als Feindbild in neurechter (sic!) Periodika. Blaupausen extrem rechter Islamfeindlichkeit in â€șEuropa vornâ€č und â€șSignalâ€č“ In: Jahrbuch fĂŒr Islamophobieforschung 2011. Deutschland, Österreich, Schweiz. Hrsg. Farid Hafez. Innsbruck: StudienVerlag, 2011. S. 99–115.
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  • Wolfgang Benz: „Vorurteile gegen Muslime – Feindbild Islam“ in Anton Pelinka (Hrsg.): Vorurteile: UrsprĂŒnge, Formen, Bedeutung. De Gruyter, Berlin 2012. S. 205–220. https://doi.org/10.1515/9783110267198.205
  • Heinz Halm: „Die Panikmacher: wie im Westen der Islam zum neuen Feindbild aufgebaut wird“ in SĂŒddeutsche Zeitung 16./17. Februar 1991, Feuilleton-Beilage (Seite ROM 1). – Wiederabdruck in Norbert Mattes (Hrsg.): „Wir sind die Herren und ihr unsere Schuhputzer!“ der Nahe Osten vor und nach dem Golfkrieg. Dağyeli, Frankfurt am Main 1991. S. 196–206.
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  18. 1 2 3 4 Ulrike Bechmann: „Feindbild Islam?“ in Bibel und Kirche 46/2 (1991) 77–78. Digitalisat
  19. Gernot Rotter: Allahs Plagiator. Die publizistischen RaubzĂŒge des „Nahostexperten“ Gerhard Konzelmann. Palmyra, Heidelberg 1992.
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  22. ↑ Heinz Halm: „Vorwort. Der innere und der Ă€ußere Feind“ in Verena Klemm, Karin Hörner (Hrsg.): Das Schwert des „Experten“. Peter Scholl-Latours verzerrtes Araber- und Islambild. Palmyra-Verlag, Heidelberg 1993. S. 9–12. Hier S. 12.
  23. ↑ Gernot Rotter: „Europa und Orient. Geschichte und Wiedergeburt eines alten Feindbildes“ in Verena Klemm, Karin Hörner (Hrsg.): Das Schwert des „Experten“. Peter Scholl-Latours verzerrtes Araber- und Islambild 1993. S. 58.
  24. ↑ Klaus F. Geiger: „Deutsch-europĂ€ische Festungsgeschichten und die (Re-)Konstruktion des Feindes Islam“ in Andreas Foitzik (Hrsg.): „Ein Herrenvolk von Untertanen“ Rassismus, Nationalismus, Sexismus. DISS, Duisburg 1992. S. 163–184. Hier S. 180.
  25. ↑ Jutta Bernard, Karl-Peter Gietz, Hubert Mohr: „Einleitung“ in Medienprojekt TĂŒbinger Religionswissenschaft: Der Islam in den Medien. GĂŒtersloher Verlagshaus. GĂŒtersloh 1994. S. 11–14. Hier S. 11.
  26. ↑ Edgar J. Bauer: „Der Islam und seine Feindbilder in der Industriegesellschaft“ in Medienprojekt TĂŒbinger Religionswissenschaft: Der Islam in den Medien. GĂŒtersloher Verlagshaus. GĂŒtersloh 1994. S. 87–94. Hier S. 87.
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  33. ↑ Volker Matthies: „Neues Feindbild Dritte Welt: VerschĂ€rft sich der Nord-SĂŒd-Konflikt?“ in Aus Politik und Zeitgeschichte 25–26 (1991) S. 3–11.
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  52. Petra Weyland: „Der 'Clash of Civilizations'. Reflexionen zur diskursiven Produktion des Feindbildes Islam.“ In: Österreichisches Studienzentrum fĂŒr Frieden und Konfliktlösung, Stadtschlaining, Schweizerische Friedensstiftung, Bern (Hrsg.): Friedensbericht 1995: Tod durch Bomben. Wider den Mythos vom ethnischen Konflikt. RĂŒegger, Chur ZĂŒrich 1995. S. 177–191.
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  57. 1 2 3 4 Thomas Hartmann: Doppelmoral und Vexierbilder taz 7. Mai 1995.
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  63. Munir D. Ahmed und Kai Hafez: „Das Orient- und Islambild in Deutschland. Überlegungen zum Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und ein GesprĂ€ch mit Annemarie Schimmel“ in Orient 36 (1995) 411–428.
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    2. ↑ S. 417.
  64. ↑ „Der Fundamentalismus ist vor allem politisch motiviert. Ein GesprĂ€ch mit Annemarie Schimmel ĂŒber religiöse Reformen, das Islambild des Westens, Salman Rushdie und die Meinungsfreiheit“ in Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.09.1995, Nr. 212, S. 44.
  65. 1 2 Kai Hafez: „Hoffnung auf einen Dialog. Das Orient- und Islambild in Deutschland“ in SĂŒddeutsche Zeitung 1. Oktober 1995. S. 13.
  66. ↑ Hans Maier: „Wider die Erneuerung alter Feindbilder. Ein PlĂ€doyer fĂŒr Annemarie Schimmel“ in SĂŒddeutsche Zeitung 14. September 1995. S. 13.
  67. 1 2 Michael LĂŒders: „Der Fundamentalismus ist nicht der Islam“ in Die Zeit 22. September 1995.
  68. ↑ Albrecht Metzger: „Ist Rushdie ein Muslim?“ in SĂŒddeutsche Zeitung 19. Oktober 1995. S. 15.
  69. ↑ „Die Talkshows: Themen und Teilnehmer“ in Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung 17.09.1995, Nr. 37, S. 32.
  70. ↑ Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels 1995 an Professor Dr. Dr. Annemarie Schimmel - Laudatio des BundesprĂ€sidenten in Frankfurt am Main in Bulletin der Bundesregierung 84–95 24. Oktober 1995.
  71. ↑ Bassam Tibi: „Schon Mill klagte ĂŒber Tyrannei herrschender Gesinnungen“ in Frankfurter Allgemeine Zeitung 17.01.1995, Nr. 14, S. 9.
  72. ↑ Wolfgang GĂŒnter Lerch: „'GefĂ€hrlicher als Salman Rushdies Dolchstiche'. Heftige Angriffe gegen AutoritĂ€ten der westlichen Islamforschung“ in Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.02.1996, Nr. 44, S. 12.
  73. ↑ Richard Herzinger: „Antwort auf Roman Herzog: Wer Menschenrechte relativiert, geht Diktatoren in die Falle. Moral als SahnehĂ€ubchen“ in Die Zeit 27. September 1996.
  74. Siegfried Kohlhammer: „Die Feinde und die Freunde des Islam“ in Merkur 49 (1995) 9/10, S. 804–824.
    1. ↑ S. 806.
    2. ↑ S. 807.
    3. ↑ S. 807–808.
    4. 1 2 S. 808.
    5. ↑ S. 812.
  75. Siegfried Kohlhammer: Die Feinde und die Freunde des Islam. Steidl Verlag, Göttingen 1996.
    1. 1 2 3 S. 27.
    2. ↑ S. 24.
  76. 1 2 Eberhard Seidel-Pielen: „Die MĂ€r vom Feindbild Islam“ in Die Tageszeitung 24. Dezember 1996. Digitalisat
  77. Udo Marquardt: Bedrohung Islam? Christen und Muslime in der Bundesrepublik Deutschland. 3. Auflage. Justitia et Pax, Bonn 1997. Digitalisat
    1. ↑ S. 11.
    2. ↑ S. 95.
    3. ↑ S. 9.
  78. Eberhard Seidel, Claudia Dantschke, Ali Yıldırım: Politik im Namen Allahs: der Islamismus - eine Herausforderung fĂŒr Europa. 2. Aufl. Die GrĂŒnen im EuropĂ€ischen Parlament, BrĂŒssel 2001. Link zum Digitalisat
    1. 1 2 S. 12–13.
    2. ↑ S. 32.
    3. 1 2 S. 13.
    4. ↑ S. 10.
    5. ↑ S. 12.
  79. ↑ Tilman Hannemann, Peter Meier-HĂŒsing (Hrsg.): Deutscher Islam – Islam in Deutschland: BeitrĂ€ge und Ergebnisse der 1. Bremer Islam-Woche. Diagonal-Verlag, Marburg 2000. S. 15.
  80. Lutz Hoffmann: „Feindbild Islam: warum man hierzulande den Islam erfinden wĂŒrde, wenn es ihn nicht schon gĂ€be“ in: Tilman Hannemann, Peter Meier-HĂŒsing (Hrsg.): Deutscher Islam – Islam in Deutschland: BeitrĂ€ge und Ergebnisse der 1. Bremer Islam-Woche. Diagonal-Verlag, Marburg 2000. S. 63–81.
    1. ↑ S. 63, 77.
    2. ↑ S. 63.
    3. ↑ S. 64.
    4. ↑ S. 65.
    5. ↑ S. 65–67.
    6. ↑ S. 69.
    7. ↑ S. 70.
    8. 1 2 S. 72.
    9. ↑ S. 71.
    10. ↑ S. 73.
    11. ↑ S. 73–74.
    12. ↑ S. 75–76.
    13. ↑ S. 76–77.
    14. ↑ S. 77–78.
    15. ↑ S. 79.
    16. ↑ S. 68–69.
  81. ↑ Lutz Hoffmann: Feindbild Islam: warum man hierzulande den Islam erfinden wĂŒrde, wenn es ihn nicht schon gĂ€be. Bremen: AuslĂ€nderbeauftragte des Landes, 1997.
  82. ↑ Marieluise Beck: „Vom Feindbild Islam zum gegenseitigen Respekt“ in Tilman Hannemann, Peter Meier-HĂŒsing (Hrsg.): Deutscher Islam – Islam in Deutschland: BeitrĂ€ge und Ergebnisse der 1. Bremer Islam-Woche. Diagonal-Verlag, Marburg 2000. S. 7–8. Hier S. 7.
  83. Kai Hafez: „Mediengesellschaft – Wissensgesellschaft? Gesellschaftliche Entstehungsbedingungen des Islambildes deutscher Medien“ in Thorsten Gerald Schneiders (Hrsg.): Islamfeindlichkeit. Wenn die Grenzen der Kritik verschwimmen. 2. Aktualisierte und erweiterte Auflage. VS-Verlag, Wiesbaden 2010. S. 101–119.
    1. ↑ S. 105.
    2. 1 2 S. 115–116.
    3. ↑ S. 100.
    4. ↑ S. 103.
  84. ↑ Martin Zips: „Interview mit Sumaya Farhat-Naser, der TrĂ€gerin des Augsburger Friedenspreises: 'Totale Erniedrigung schaffte erst totale BrutalitĂ€t'. Die palĂ€stinensische Christin fordert statt Gewalt ein Nachdenken ĂŒber den Umgang des Westens mit dem Islam“ in SĂŒddeutsche Zeitung 18. September 2001. S. 52.
  85. Jochen Hippler, Andrea Lueg (Hrsg.): Feindbild Islam oder Dialog der Kulturen. Aktualisierte und erweiterte Neuauflage. Konkret-Literatur-Verl., Hamburg 2002.
    1. ↑ S. 10.
    2. ↑ S. 11–12.
  86. ↑ Antwort der Bundesregierung auf die Große Anfrage der Abgeordneten Dr. JĂŒrgen RĂŒttgers, Erwin Marschewski (Recklinghausen), Wolfgang Zeitlmann, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der CDU/CSU – Drucksache 14/2301 – Islam in Deutschland 8. November 2000. S. 3.
  87. ↑ „Feindbild Islam“ in Marxistische BlĂ€tter 43/4 (2005) S. 26.
  88. Karin RĂŒhrdanz: „Wandlungen des Feindbildes Islam vom europĂ€ischen Mittelalter bis zum «American Empire»“ in Marxistische BlĂ€tter 43/4 (2005) 27–33. Memento einer Online-Version
    1. 1 2 S. 31.
    2. 1 2 S. 27.
    3. ↑ S. 32.
  89. ↑ Wolfgang GĂŒnter Lerch: „Vom Feindbild“ in Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.10.2001, Nr. 239, S. 1.
  90. ↑ Siegfried Kohlhammer: „Die Feinde und die Freunde des Islam“ in Merkur 55 (2001) H. 11, H. 631, 958–978.
  91. ↑ Jens Bisky: „Pardon wird nicht gegeben. Der „Merkur“ streitet fĂŒr den Krieg und gegen die alte Republik“ in SĂŒddeutsche Zeitung 30. Oktober 2001. S. 17.
  92. Johannes Kandel: „Buchrezension: Feindbild Islam oder Dialog der Kulturen, Hamburg 2002“. Friedrich-Ebert-Stiftung, Online-Akademie, Bonn 2006.
    1. 1 2 S. 1.
    2. 1 2 S. 4.
    3. ↑ S. 7.
  93. ↑ Rainer Hermann: „Die Ich-ErzĂ€hlung Gottes. HĂŒrden und Sackgassen im Dialog mit dem Islam“ in Frankfurter Allgemeine Zeitung 28.12.2001, Nr. 301, S. 12.
  94. ↑ Bassam Tibi: „Wem der Islam gehört“ in SĂŒddeutsche Zeitung 1. Dezember 2003, S. 2.
  95. Sabine Schiffer: Die Darstellung des Islams in der Presse Sprache, Bilder, Suggestionen ; eine Auswahl von Techniken und Beispielen. Inaugural-Dissertation Friedrich-Alexander-UniversitĂ€t Erlangen-NĂŒrnberg 2004.
    1. 1 2 S. 7.
  96. ↑ Bassam Tibi: „Selig sind die Betrogenen. Christlich-islamischer Dialog – TĂ€uschungen und westliches Wunschdenken“ in Die Zeit 29. Mai 2002. – Wiederabdruck in Ursula Spuler-Stegemann (Hrsg.): Feindbild Christentum im Islam. Eine Bestandsaufnahme. Herder, Freiburg u. a. 2004. S. 54–61. Hier S. 57.
  97. ↑ Johannes Kandel: „"Lieber blauĂ€ugig als blind"?: Anmerkungen zum "Dialog" mit dem Islam“. In Integrieren statt ignorieren BroschĂŒre zur Woche der auslĂ€ndischen MitbĂŒrger. Interkulturelle Woche 2003. Frankfurt/Main 2003. S. 27–30. Hier S. 29. Digitalisat
  98. Andreas Jacobs: „Dialogue en vogue: Vom Sinn und Unsinn des Dialogs mit dem Islam“ in Die Politische Meinung 408 (November 2003), pp.27–32. Digitalisat
    1. ↑ S. 28b.
    2. 1 2 S. 28b–29a.
    3. ↑ S. 30.
    4. ↑ S. 29.
  99. Eberhard Seidel: „Die schwierige Balance zwischen Islamkritik und Islamphobie“ in Wilhelm Heitmeyer (Hrsg.): Deutsche ZustĂ€nde. Folge 2. Frankfurt a. M.: Suhrkamp 2003, S. 261–282.
    1. ↑ S. 265.
    2. ↑ S. 268.
    3. ↑ S. 278.
  100. ↑ JĂŒrgen Leibold, Steffen KĂŒhnel: „Islamophobie. Sensible Aufmerksamkeit fĂŒr spannungsreiche Anzeichen“ in: Wilhelm Heitmeyer (Hrsg.): Deutsche ZustĂ€nde. Folge 2. Suhrkamp, Frankfurt/M., S. 100–119. Hier S. 113.
  101. ↑ Ursula Spuler-Stegemann: Feindbild Christentum im Islam. Eine Bestandsaufnahme. Herder, Freiburg u. a. 2004. S. 7.
  102. ↑ Wolfgang GĂŒnter Lerch: „Der andere Islam“ in Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 25.12.2004, Nr. 52, S. 8.
  103. ↑ Renate Nimtz-Köster: „Streit um das Feindbild Islam. Internet-Attacken gegen Zentrum fĂŒr Antisemitismusforschung“ in SĂŒddeutsche Zeitung 4. Dezember 2008. S. 11.
  104. ↑ Martin Eich: „Das doppelte Erbe des Wolfgang Benz“ in Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.09.2010, Nr. 226, S. N5.
  105. 1 2 3 Wolfgang Benz: „Der Feind in der Wiege. Was die Antisemiten des 19. Jahrhunderts und manche „Islamkritiker“ des 21. Jahrhunderts eint“ in SĂŒddeutsche Zeitung 4. Januar 2010. S. 2.
  106. Wolfgang Benz: "Vorurteile gegen Muslime – Feindbild Islam". In Anton Pelinka (Hrsg.): Vorurteile: UrsprĂŒnge, Formen, Bedeutung. De Gruyter, Berlin, Boston 2012. S. 205–220.
    1. ↑ S. 211
    2. ↑ S. 205
    3. ↑ S. 209
  107. ↑ Der rechte Rand: das antifaschistische Magazin 123 (2010) 8–18.
  108. ↑ Inamo Jahrgang 17, Heft 68 (Dezember 2012) S. 8–41.
  109. ↑ Lamya Kaddor: „Warum es mich nicht geben darf. Jung und weiblich, muslimisch, fromm und aufgeklĂ€rt – das passt nicht in Thilo Sarrazins islamfeindliche Thesen“ in SĂŒddeutsche Zeitung 28./29. August 2010, S. 2.
  110. Petra Klug: Feindbild Islam? Der Diskurs ĂŒber Muslime in Bundestagsdebatten vor und nach dem 11. September. Tectum Verlag, Marburg 2010.
    1. ↑ S. 155.
    2. ↑ S. 23.
  111. ↑ Conny Axel Meier: „Feindbild Islam kontra Wunschbild Islam“. In: Hartmut Krauss (Hrsg.): Feindbild Islamkritik. Wenn die Grenzen zur Verzerrung und Diffamierung ĂŒberschritten werden. Hintergrund-Verlag, OsnabrĂŒck 2010. S. 131–136.
  112. ↑ JĂŒrgen Todenhöfer: Feindbild Islam. Zehn Thesen gegen den Hass. C. Bertelsmann, MĂŒnchen 2011.
  113. ↑ Erhard Eppler: „JĂŒrgen Todenhöfers zehn Thesen gegen den Hass“ in Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.09.2011, Nr. 204, S. 32.
  114. ↑ Michael Blume: Zehn Thesen zum Feindbild Islam von JĂŒrgen Todenhöfer SciLogs 8. September 2012.
  115. ↑ JĂŒrgen Todenhöfer: „Völker in Aufruhr“ in SĂŒddeutsche Zeitung Magazin 5. Januar 2012. S. 21.
  116. Gernot Rotter: „Islam und der Westen. Die verlorene NĂ€he“ in du. Zeitschrift der Kultur 54/7–8 (Juli/August 1994) 46–48.
    1. ↑ S. 47.
    2. 1 2 3 4 5 S. 48.
    3. 1 2 S. 46.
  117. Gernot Rotter: „Feindbildproduktion: Der Islam und sein Zerrbild in den Medien“. In: Jahrbuch Frieden 1993. Konflikte, AbrĂŒstung, Friedensarbeit. Beck, MĂŒnchen 1992. S. 70–80.
    1. 1 2 S. 70.
    2. 1 2 S. 77.
    3. ↑ S. 78–79.
  118. Silvia Kuske: „Von Tausendundeiner Nacht zu Tausendundeiner Angst: der Islam in den Medien.“ in: Chr. Jahr, U. Mai, K. Roller (Hrsg.): Feindbilder in der deutschen Geschichte. Metropol, Berlin 1994. S. 251–279.
    1. ↑ S. 271.
    2. ↑ S. 274–275.
    3. ↑ S. 274.
  119. ↑ Susanne Lang: „Zur Konstruktion des Feindbildes 'Islam' in der Bielefelder Studie 'Verlockender Fundamentalismus'“. In: Wolf-Dietrich Bukow, Markus Ottersbach (Hrsg.): Fundamentalismusverdacht: PlĂ€doyer fĂŒr eine Neuorientierung der Forschung im Umgang mit allochthonen Jugendlichen. VS Verlag fĂŒr Sozialwissenschaften, Wiesbaden 1999. S. 134–158. Hier S. 138–139.
  120. Till Bastian: Selbstbesinnung gegen neue Feindbilder: Europa und der Islam. VAS, Frankfurt/Main 1992.
    1. ↑ S. 32.
    2. 1 2 S. 40.
  121. ↑ Siegfried Kohlhammer: Die Feinde und die Freunde des Islam. Steidl Verlag, Göttingen 1996. S. 8.
  122. 1 2 3 Gerhard Höpp: „Feindbild "Westen". Zur Rolle historischer ZĂ€suren beim Wandel muslimischer Europabilder seit dem 19. Jahrhundert“ in Henner FĂŒrtig und Gerhard Höpp (Hrsg.): Wessen Geschichte? Muslimische Erfahrungen historischer ZĂ€suren im 20. Jahrhundert. Verl. Das Arabische Buch, Berlin 1998. S. 11–26. Hier S. 19.
  123. ↑ Murad W. Hofmann: Reise nach Mekka – Ein Deutscher lebt den Islam. Diederichs, MĂŒnchen 1996. S. 191.
  124. Werner Ruf: „Islam, Gewalt und westliche Ängste“; in: PROKLA. Zeitschrift fĂŒr kritische Sozialwissenschaft 143 (Juni 2006) 265–280. Digitalisat
    1. 1 2 3 S. 272.
    2. 1 2 S. 269.
  125. ↑ Andrew Marshall: Transatlantic rift haunts Nato The Independent 8. Februar 1995.
  126. Werner Ruf: Der Islam - Schrecken des Abendlands – Wie sich der Westen sein Feindbild konstruiert. Köln: PapyRossa, 2012.
    1. ↑ S. 49.
    2. 1 2 3 S. 8.
    3. 1 2 S. 53.
    4. ↑ S. 45.
    5. ↑ S. 74.
    6. ↑ S. 118–119.
    7. ↑ S. 117.
    8. ↑ S. 124–125.
  127. ↑ Werner Ruf: „Die NATO und das Feindbild Islam“ in inamo Jahrgang 17, Heft 68 (Dezember 2012) 9–12, hier S. 9–10. Online-Version
  128. ↑ RĂ©publique Française: Livre Blanc sur la DĂ©fense. S. 18. Digitalisat
  129. ↑ Karin Hörner: „Der Begriff Feindbild: Ursachen und Abwehr“ in Verena Klemm, Karin Hörner (Hrsg.): Das Schwert des „Experten“. Peter Scholl-Latours verzerrtes Araber- und Islambild 1993. S. 34–43. Hier S. 41.
  130. Claudia Ott, Hubert Mohr: „Zwischen Autopsie und Elfenbeinturm“ in Medienprojekt TĂŒbinger Religionswissenschaft: Der Islam in den Medien. GĂŒtersloher Verlagshaus. GĂŒtersloh 1994. S. 221–224.
    1. ↑ S. 222.
    2. ↑ S. 221.
  131. Petra Weyland: „Zur Konstruktion eines Feindes: Der Fall Islam“ in Christine Schweitzer, Björn Aust, Peter Schlotter: Demokratien im Krieg. Baden-Baden, Nomos 2004. S. 145–160.
    1. ↑ S. 148.
    2. ↑ S. 145
    3. ↑ S. 156.
    4. ↑ S. 157.
    5. ↑ S. 158.
  132. ↑ Iman Attia: „Die postkoloniale und postnationalsozialistische Kontextualisierung des Islamdiskurses in Deutschland und ihre pĂ€dagogischen Konsequenzen“ in Stephan Bundschuh, Birgit Jagusch, Hanna Mai (Hrsg.): Holzwege, Umwege, Auswege — Perspektiven auf Rassismus, Antisemitismus und Islamfeindlichkeit. IDA e. V., DĂŒsseldorf 2009 S. 41–45. Hier S. 41.
  133. Muhammad Salim Abdullah: Was will der Islam in Deutschland? GĂŒtersloher Verlagshaus, GĂŒtersloh 1993.
    1. ↑ S. 120–121.
    2. ↑ S. 121.
  134. Christoph Burgmer: Der Islam in der Diskussion: Interviews. Kinzelbach, Mainz 1996. S. 102.
    1. 1 2 S. 102.
    2. ↑ S. 103.
  135. ↑ Bernard Lewis: "The Roots of Muslim Rage" in The Atlantic Monthly September 1990. S. 47–60. Hier S. 57, 60. Digitalisat
  136. ↑ “FPRI’s Crusade for an American Empire” in Executive Intelligence Review 15. Februar 2002. S. 32.
  137. ↑ Mario Peucker: „Islamfeindlichkeit – die empirischen Grundlagen“ in Thorsten Gerald Schneiders (Hrsg.): Islamfeindlichkeit. Wenn die Grenzen der Kritik verschwimmen. 2. Aktualisierte und erweiterte Auflage. VS-Verlag, Wiesbaden 2010. S. 159–171. Hier S. 165.
  138. ↑ Siegfried JĂ€ger: „Pressefreiheit und Rassismus. Der Karikaturenstreit in der deutschen Presse. Ergebnisse einer Diskursanalyse“ in Thorsten Gerald Schneiders (Hrsg.): Islamfeindlichkeit. Wenn die Grenzen der Kritik verschwimmen. 2. Aktualisierte und erweiterte Auflage. VS-Verlag, Wiesbaden 2010. S. 319–336. Hier S. 335.
  139. ↑ Jochen Hippler: „Der interkulturelle Dialog zwischen dem Westen und dem Nahen und Mittleren Osten“ in Jochen Hippler, Andrea Lueg (Hrsg.): Feindbild Islam oder Dialog der Kulturen. Konkret-Literatur-Verlag, Hamburg 2002. S. 196–214. Hier S. 206.
  140. 1 2 Claudia Polzer: „Feindbild“ in Chr. Auffarth, J. Bernard, H. Mohr: Metzler Lexikon Religion. J.B. Metzler, Stuttgart/Weimar 1999. Bd. I, S. 359–362. S. 361.
  141. ↑ Matthias Pees: „Roberto Ciulli holt tĂŒrkisches Theater“ in SĂŒddeutsche Zeitung 29. Oktober 1993. S. 18.
  142. ↑ Faruk ƞen: „Nicht wie arabisch-persischer Islam“ in Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.07.1996, Nr. 156, S. 10.
  143. Angelika Königseder: „Feindbild Islam“. In: Benz, Wolfgang (Hrsg.): Jahrbuch fĂŒr Antisemitismusforschung 17. Metropol Verlag, Berlin 2008. S. 17–44. Digitalisat
    1. ↑ S. 17–18.
    2. ↑ S. 35.
  144. Hans-Eberhard Schultz: Feindbild Islam und institutioneller Rassismus: Menschenrechtsarbeit in Zeiten von Migration und Anti-Terrorismus. VSA: Hamburg 2018. Digitalisat
    1. 1 2 S. 140.
    2. ↑ S. 21.
    3. ↑ S. 71–72.
    4. ↑ S. 78.
    5. 1 2 S. 106.
    6. ↑ S. 86.
  145. ↑ Navid Kermani: „Von wegen göttliche Ruhe. Wird man in Europa wegen des Terrors Muslime ausgrenzen?“ in SĂŒddeutsche Zeitung 16. MĂ€rz 2004. S. 15.
  146. Navid Kermani: „Feindbild Islam oder Islam, der sich als Feind geriert?“ Transkript seines Vortrags bei der Tagung Medial vermittelter Islam und islamische Medien der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Stuttgart-Hohenheim, 11.–12.11.2005.
    1. 1 2 S. 1.
    2. 1 2 S. 5.
    3. ↑ S. 6.
  147. ↑ Christoph Heinlein: „Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor: 'Islamfeindlichkeit hat alle sozialen Schichten erfasst'“ in SĂŒddeutsche Zeitung 30. August 2011.
  148. Werner Ruf: „Muslime in den internationalen Beziehungen – das neue Feindbild“ in Thorsten Gerald Schneiders (Hrsg.): Islamfeindlichkeit. Wenn die Grenzen der Kritik verschwimmen. 2. Aktualisierte und erweiterte Auflage. VS-Verlag, Wiesbaden 2010. S. 121–129.
    1. ↑ S. 125.
    2. ↑ S. 127.
  149. ↑ Jochen Hippler: „Der Islam, der Westen und die politische Gewalt in internationalen Beziehungen“ in Jochen Hippler, Andrea Lueg (Hrsg.): Feindbild Islam oder Dialog der Kulturen. Konkret Literatur Verlag, Hamburg 2002. S. 159–195. Hier S. 194.
  150. Werner Ruf: „Feindbildproduktion nach dem Ende des Ost-West-Konflikts: Die islamische Bedrohung“ in Wolfgang R. Vogt (Hrsg.): Kultur des Friedens : Wege zu einer Welt ohne Krieg. Darmstadt 1997. S. 94–104.
    1. ↑ S. 100.
    2. ↑ S. 95.
  151. ↑ Deniz Baspinar: „Belgien: Burkaverbot, einig Vaterland“ in Die Zeit 1. Mai 2010.
  152. Sabine Schiffer: „Kommentar zum Vortrag von Angelika Königseder ,Feindbild Islam'.“ In: Wolfgang Benz (Hrsg.): Islamfeindschaft und ihr Kontext. Dokumentation der Konferenz „Feindbild Muslim – Feindbild Jude“ (= Reihe Positionen, Perspektiven, Diagnosen, Band 3). Metropol Verlag, Berlin 2009. S. 35–43.
    1. ↑ S. 37.
    2. ↑ S. 38.
  153. ↑ Karin Hörner: „Peter Scholl-Latours Buch Allah ist mit den Standhaften oder: Die Lage war noch nie so ernst“ in Verena Klemm, Karin Hörner (Hrsg.): Das Schwert des „Experten“. Peter Scholl-Latours verzerrtes Araber- und Islambild 1993. S. 59–106. Hier S. 73.
  154. Kai Hafez: „Das Islambild in der deutschen Öffentlichkeit“ in: Die neue Gesellschaft/Frankfurter Hefte 43/5 (1996) S. 426–432. Digitalisat
    1. 1 2 S. 432.
    2. 1 2 S. 431.
  155. ↑ Wolfgang Benz: „Deutschlands Muslime im Spiegel des Antisemitismus. Anmerkungen zur Entstehung und Tradition des Feindbildes Islam“. In: Thorsten Gerald Schneiders (Hrsg.): VerhĂ€rtete Fronten. Der schwere Weg zu einer vernĂŒnftigen Islamkritik. VS, Wiesbaden 2012. S. 15–23. Hier S. 22.
  156. ↑ Pascal Beucker: „Feindbild Islam“ in JĂŒdische Allgemeine 19. November 2009.
  157. Farid Hafez: Feindbild Islam: ĂŒber die SalonfĂ€higkeit von Rassismus. Böhlau Verlag, Wien u. a. 2019.
    1. ↑ S. 116.
    2. ↑ S. 85.
  158. ↑ Gernot Rotter: „Geleitwort“ in Nada Fahed u. a. (Hrsg.): Feindbilder: arabische und deutsche Karikaturen zum Zweiten Golfkrieg. Haag + Herchen, Frankfurt/M. 1992. S. 3.
    1. ↑ S. 3.
  159. ↑ Gernot Rotter: „Wurzeln der Angst – das Feindbild der anderen Seite“ in Ders. (Hrsg.): Die Welten des Islam. Neunundzwanzig VorschlĂ€ge, das Unvertraute zu verstehen. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 1993. S. 219–222. Hier S. 222.
  160. Khola Maryam HĂŒbsch: Der Islam in den Medien. Das Framing bei der Darstellung der muslimischen Frau. VDM Verlag, SaarbrĂŒcken 2008.
    1. ↑ S. 24.
    2. ↑ S. 103.
    3. ↑ S. 51–54.
  161. ↑ Henner FĂŒrtig und Gerhard Höpp (Hrsg.): Wessen Geschichte? Muslimische Erfahrungen historischer ZĂ€suren im 20. Jahrhundert. Verl. Das Arabische Buch, Berlin 1998. Hier S. 7.
  162. ↑ „Im Fundamentalismus Halt suchen. Experte sieht tĂŒrkische Jugendliche gefĂ€hrdet / Diskussionsveranstaltung in Mainz“ in Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.04.1997, Nr. 100, S. 62.
  163. ↑ „'Entweder-oder ist gefĂ€hrlich'. Die ReligionspĂ€dagogin Lamya Kaddor sagt, dass Islamismus und Islamhass einander bedingen“ in Frankfurter Allgemeine Woche, 23.06.2017, Nr. 26, S. 30.
  164. ↑ Mouhanad Khorchide: „Die Herausforderungen an den islamischen Religionsunterricht durch konstruierte Feindbilder entlang eines TĂ€ter*in-Opfer-Diskurses“ in Ders. (Hrsg.): Stereotype – Vorurteile – Ressentiments. Herausforderungen fĂŒr das interreligiöse Lernen. V&R unipress, Göttingen 2022, S. 189–206.
  165. ↑ Katajun Amirpur: Feindbild Islam in taz 5. Dezember 2005.
  166. Goltschehre Jung: „Iraner, ein Volk kulturloser Religionsfanatiker?“ in Gitti Baum (Hrsg.): Betty Mahmoody auf der Spur. Eine Auseinandersetzung mit dem Buch „Nicht ohne meine Tochter“. Ali Bokai Verlag, Köln April 1991. S. 77–89.
    1. ↑ S. 79–80.
    2. ↑ S. 83.
  167. Thomas Kliche: „Vom Feindbild zum Fluktuat. ‚Islam‘ als mediales Feld flexibler diskursiver Ausgrenzung.“ In: R. Hitzler und H. Peters (Hrsg.): Inszenierung: Innere Sicherheit. VS Verlag fĂŒr Sozialwissenschaften, Wiesbaden 1998. S. 25–38. https://doi.org/10.1007/978-3-663-10370-7_3
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  168. Kai Hafez: Die politische Dimension der Auslandsberichterstattung. 2. Das Nahost- und Islambild der deutschen ĂŒberregionalen Presse. Nomos-Verlag, Baden-Baden 2002.
    1. ↑ S. 296.
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  169. Kai Hafez: Das Medienbild des Islam in Deutschland. Vortrag anlĂ€sslich der Auftaktsitzung der Arbeitsgruppe 3 „Wirtschaft und Medien als BrĂŒcke“ der Deutschen Islam Konferenz. NĂŒrnberg, 09.11.2006.
    1. ↑ S. 1.
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  170. ↑ Kai Hafez: „Feindbild Islam“ in Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.05.1997, Nr. 108, S. 14
  171. ↑ Naika Foroutan: Kulturdialoge zwischen dem Westen und der islamischen Welt: eine Strategie zur Regulierung von Zivilisationskonflikten. Deutscher UniversitĂ€ts-Verlag, Wiesbaden 2004. S. 115.
  172. Eberhard Schultz: „Das Feindbild Islam und der Demokratieabbau“ in Nikolaus Brauns und Dimitri Tsalos (Hrsg.): Naher und mittlerer Osten. Krieg – Besatzung – Widerstand. Pahl-Rugenstein Nachfolge, Bonn 2007. S. 89–113.
    1. ↑ S. 90.
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    4. ↑ S. 108.
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    7. ↑ S. 94.
  173. ↑ Stephan Löwenstein: „Die Freiheit, die sie meinen“ in Frankfurter Allgemeine Zeitung 06.04.2018, Nr. 80, S. 5.
  174. ↑ Delna Antia: „'Der Körper von Frauen war schon immer eine Kampfzone.' Ein GesprĂ€ch mit der Politikwissenschaftlerin Birgit Sauer“ in SĂŒddeutsche Zeitung 15. Dezember 2023. S. 34.
  175. ↑ Ozan Zakariya Keskinkılıç: „Gruppe S: Muss ich erst getötet werden, damit ihr empört seid?“ in Die Zeit 18. Februar 2020.
  176. ↑ Tilman Hannemann und Peter Meier-HĂŒsing: Deutscher Islam – Islam in Deutschland: BeitrĂ€ge und Ergebnisse der 1. Bremer Islam-Woche. Diagonal-Verlag, Marburg 2000. S. 9.
  177. ↑ Anselm Neft: „Rechtspopulismus: Eigentlich waren wir religiös“ in Die Zeit 25. November 2017.
  178. Phillip Becher: „Der Islam als Feindbild in neurechter Periodika. Blaupausen extrem rechter Islamfeindlichkeit in â€șEuropa vornâ€č und â€șSignalâ€č“ In: Jahrbuch fĂŒr Islamophobieforschung 2011. Deutschland, Österreich, Schweiz. Hg. Farid Hafez. Innsbruck: StudienVerlag, 2011. S. 99–115.
    1. 1 2 S. 99.
    2. ↑ S. 105–106.
    3. ↑ S. 109.
  179. ↑ Stefan Weidner: „Die anderen sind wir selbst. Das Dilemma der Islam-Kritiker nach Oslo: Gute GrĂŒnde, sich den Feind genauer anzuschauen“ in SĂŒddeutsche Zeitung 29. Juli 2011. S. 9.
  180. ↑ Thomas Schirrmacher: Feindbild Islam: am Beispiel der Partei "Christliche Mitte". Verlag fĂŒr Theologie und Religionswissenschaft, NĂŒrnberg 2003. S. 76.
  181. ↑ Ulrich Dehn: „Feindbild im christlichen Konservativismus“ in BĂŒlent Ucar (Hrsg.): Die Rolle der Religion im Integrationsprozess. Die deutsche Islamdebatte. Peter Lang, Frankfurt/Main u. a. 2010. S. 145–159. Hier S. 146–147.
  182. ↑ Lucius Teidelbaum: Die christliche Rechte in Deutschland. Strukturen, Feindbilder, Allianzen. Unrast-Verlag, MĂŒnster 2018. S. 39.
  183. ↑ Farha Khaled: „Islamophobia Industry: Zionismus und der Nahe Osten“ in Inamo Jahrgang 17, Heft 68 (Dezember 2012) 40–41. Hier S. 41.
  184. ↑ Anna-Maria Meuth et al.: „Vom Rand in die Mitte? Rechtspopulistische Islamdeutungen und praxisorientierte Handlungsempfehlungen“ in S. Abdellah et al. (Hrsg.): Islamismus als gesellschaftliche Herausforderung. Ursachen, Wirkungen, Handlungsoptionen. Springer, Wiesbaden 2025. S. 129–165. Hier S. 132.
  185. ↑ Christoph Busch: „Politikherstellung und Politikdarstellung in der kommunalen Parlamentsarbeit von pro Köln“ in: Mok, Kathrin / Stahl, Michael (Hrsg.): Politische Kommunikation heute. BeitrĂ€ge des 5. DĂŒsseldorfer Forums Politische Kommunikation 11 Berlin 2010. S. 67–86. Hier S. 80.
  186. ↑ Alexander HĂ€usler: Die „PRO-Bewegung“ und der antimuslimische Kulturrassismus von Rechtsaußen. Friedrich-Ebert-Stiftung, Berlin 2011. S. 1.
  187. ↑ Tim Herden: „Feindbild Islam – und sonst?“ in Tagesschau 30. April 2016.
  188. ↑ Heribert Prantl: „Rechtsaußen oder Rechtsdraußen“ in SĂŒddeutsche Zeitung 30. April/1. Mai 2016. S. 1.
  189. ↑ Werner Höbsch: Experte fĂŒr interreligiösen Dialog bezeichnet Islam als grundgesetzkonform "Feindbildaufbau fĂŒr den Stimmenfang" domradio.de 26. April 2016.
  190. ↑ Feindbild Islam: Neue Rechte trifft Neonazis in Berliner Zeitung 28. Oktober 2016.
  191. ↑ Daniel Bax: „Feindbild Islam: Die rechten Retter des Abendlands.“ In: Nassehi, Armin; Felixberger, Peter (Hrsg.): Rechts. Ausgrabungen. Kursbuch 186 (2016) S. 27–42. Hier S. 27.
  192. ↑ Plenarprotokoll der 55. Sitzung des Deutschen Bundestages am 11. Oktober 2018. S. 5899 (Digitalisat).
  193. ↑ Kai Hafez: „Der Islam hat eine schlechte Presse“ in Die Zeit 21. Februar 2017.
  194. ↑ Kai Hafez: Wie die Medien zur Ausbreitung des Rechtsradikalismus beitragen und warum ein zweiter Medienhype unbedingt verhindert werden muss. In: Grimme Lab. 18. Mai 2020.
  195. ↑ Naime Çakır-Mattner: „Islamfeindlichkeit – vom Gastarbeiter zum Muslim“ in Kilis 7 Aralık Üniversitesi İlahiyat FakĂŒltesi Dergisi 8/2 (2021/2) S. 417–429. Hier S. 426.
  196. ↑ Christian Bangel: „Legida in Leipzig: 15.000 WĂŒtende, kein AnfĂŒhrer“ in Die Zeit 22. Januar 2015.
  197. ↑ Susanne Schröter: „Feinde des Liberalismus“ in Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 27.05.2025, S. 9.
  198. ↑ Florian Kappelsberger: „Das Spiel mit den GegensĂ€tzen“ in SĂŒddeutsche Zeitung 25. MĂ€rz 2024.
  199. Frederic Höfer: Feindbild Islam als Sackgasse. PlĂ€doyer fĂŒr einen rechten Kurswechsel. Jungeuropa Verlag, Dresden 2023.
    1. ↑ S. 19–20.
    2. ↑ S. 22.
    3. ↑ S. 24.
    4. ↑ S. 50–51.
    5. ↑ S. 65.
    6. ↑ S. 84.
  200. ↑ Ludwig Ammann: „Islamklischees im Kino. Intellektuelle KinogĂ€nger im Westen und ihr Islambild“ in Stefan Orth, Michael Staiger und Joachim Valentin (Hrsg.): Filmbilder des Islam. SchĂŒren Verlag, Marburg 2014. S. 68–79. Hier S. 69.