Muhammad Salim Abdullah
Muhammad[1] Salim Abdullah (* 1931[2] in Bad Salzuflen; â 26. Oktober 2016[3]) war ein deutsch-bosnischer Journalist und Seniordirektor des 1927 in Berlin gegrĂŒndeten Zentralinstituts Islam-Archiv-Deutschland, der somit Ă€ltesten islamischen Einrichtung in Deutschland, auf dessen Initiative 1986 in Berlin der Islamrat fĂŒr die Bundesrepublik Deutschland gegrĂŒndet wurde. Er war sowohl deutscher als auch bosnisch-herzegowinischer StaatsbĂŒrger.
Leben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Abdullah war Muslim und arbeitete als Journalist und Fachreferent fĂŒr den Islam im interreligiösen Bereich. Unter anderem wirkte er bei der Entstehung des Lehrplans fĂŒr islamischen Religionsunterricht in Nordrhein-Westfalen mit und war mitverantwortlich fĂŒr die theologische Ausbildung tĂŒrkischer Lehrer/Moderatoren am nordrhein-westfĂ€lischen Landesinstitut fĂŒr Schule und Weiterbildung. Zudem war er Leiter der arabischsprachigen Redaktion und Fachbereichsleiter âIslamâ der Deutschen Welle sowie verantwortlicher Redakteur der âMoslemischen Revueâ, des Nachrichtendienstes âIslam-Echoâ und der historischen Studienreihe âZeitZeichenâ.
Abdullah war 1982 MitbegrĂŒnder der Christlich-Islamischen Gesellschaft e. V. Unter dem Titel âBrĂŒckenbauer â Genese des Dialogs der Abrahamserben in Deutschlandâ erschien aus Anlass seines 75. Geburtstages eine Arbeitsbiographie.
Abdullah war Mitglied des Islamischen Weltkongresses, gehörte lange Jahre dem Exekutivrat des Kongresses an, vertrat den Kongress bei den Vereinten Nationen in New York und Genf und bekleidete zuletzt das Amt eines seiner VizeprÀsidenten.
Zusammen mit Adel Theodor Khoury war er Herausgeber einer deutschen KoranĂŒbersetzung, die heute bei der Zitation in deutschen Veröffentlichungen saudi-arabischer Institutionen gebraucht wird. Es ist die einzige KoranĂŒbersetzung, die sowohl vonseiten der sunnitischen Rechtsschulen in Mekka als auch der schiitischen in Teheran als beste Ăbersetzung in deutscher Sprache ausgezeichnet wurde (2009).[4]
Muhammad Salim Abdullah war zwar in bestimmten islamischen Organisationen in der Bundesrepublik umstritten. In der öffentlichen Wahrnehmung galt er jedoch lange Zeit als ein fĂŒhrender Vertreter des Islams und des christlich-muslimischen Dialogs in Deutschland. WĂ€hrend seiner Amtszeit im Islamischen Weltkongress wurden auf ihn zwei Attentate verĂŒbt. Nach einer Morddrohung des tĂŒrkischen Extremisten Metin Kaplan standen er und seine Familie jahrelang unter Polizeischutz.
Veröffentlichungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Jesus â Leben, Auftrag und Tod. Hrsg. von der Ahmadiyya Mission des Islams. Hamburg 1960. (32 Seiten.)
- Die PrÀsenz des Islams in der Bundesrepublik Deutschland, CIBEDO Dokumentation Nr. 1. Frankfurt am Main 1978.
- EinfĂŒhrung in den Islam. Evangelische Akademie Haus Ortlohn. Iserlohn, 2. Auflage 1979.
- Weshalb Koranschulen? CIBEDO Dokumentation Nr. 3. Frankfurt am Main 1979.
- Die Nurdschuluk-Bewegung. CIBEDO Texte Nr. 2. Frankfurt am Main 1980.
- Drei muslimische DachverbÀnde in der Bundesrepublik Deutschland. CIBEDO Texte Nr. 6. Frankfurt am Main 1980.
- Die PrÀsenz des Islam in der Bundesrepublik Deutschland II. CIBEDO Dokumentation Nr. 9. Frankfurt am Main 1980. (Zusammen mit Franz GIERINGER.)
- Geschichte des Islams in Deutschland. (Reihe: Islam und westliche Welt Bd. 5.) Graz-Wien-Köln 1981, ISBN 3-222-11352-1
- Halbmond unter dem PreuĂenadler. Die Geschichte der islamischen Gemeinde in PreuĂen (1731â1934). Altenberge 1984.
- (mit Adel Theodor Khoury) Mohammed fĂŒr Christen. Eine Herausforderung. Freiburg 1984.
- Islam â fĂŒr das GesprĂ€ch mit Christen. Altenberge 1984.
- ⊠Und gab ihnen sein Königswort. Berlin â PreuĂen â Bundesrepublik. Ein AbriĂ der Geschichte der islamischen Minderheit in Deutschland. Altenberge 1987
- Was will der Islam in Deutschland? GĂŒtersloh 1993.
- Jochen Klepper doch eine âechteâ Quelle, in: Moslemische Revue 1994, 1, S. 12â16.
- Muslimische IdentitĂ€t und Wege zum GesprĂ€ch. DĂŒsseldorf 2002.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- â Gelegentlich findet sich die unrichtige Schreibung Mohammed. Abdullah schrieb seinen ersten Vornamen in seinen Werken seit 1960 stets Muhammad.
- â M. S. Abdullah, Geschichte des Islams in Deutschland, Graz 1981, S. 6 (Kurzbiografie); M. S. Abdullah und Adel Theodor Khoury: Mohammed fĂŒr Christen. Eine Herausforderung, Freiburg 1984, S. 2 (Kurzbiografie).
- â Tarek BaĂ©: Muhammad Salim Abdullah verstorben: Der Islam in Deutschland verliert einen Pionier. In: Islamische Zeitung. 27. Oktober 2016, abgerufen am 28. Oktober 2016.
- â Iran ehrt deutschen Koran. KNA-Artikel auf der Website der Nordwest-Zeitung, 25. Februar 2009, abgerufen am 28. Oktober 2016.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Abdullah, Muhammad Salim |
| ALTERNATIVNAMEN | Abdullah, Mohammad Salim |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Muslim, Journalist, Fachreferent im interreligiösen Bereich |
| GEBURTSDATUM | 1931 |
| GEBURTSORT | Bad Salzuflen |
| STERBEDATUM | 26. Oktober 2016 |