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Elsi Borg

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Elsi Borg

Elsi Naemi Borg (* 3. Oktober 1893 in Nastola; † 30. Dezember 1958 in Helsinki) war eine finnische Architektin, Grafikerin und Designerin.

Die Finnlandschwedin Elsi Borg war die Tochter von Elin Fanny Calonius und Probst Nathanael Borg und hatte drei Geschwister. Sie wollte ursprĂŒnglich Bildhauerin werden, die Familie sah jedoch den Beruf der Architektin als geeigneter fĂŒr Frauen an.[1] Sie studierte an der damaligen Technischen Hochschule Helsingfors (heute Aalto-UniversitĂ€t) Architektur.

Sie unternahm zusammen mit Elsa Arokallio und Eva Kuhlefelt-Ekelund Reisestudien nach Karelien und besichtigte historische GĂ€rten und traditionellen GebĂ€ude.[2] Gemeinsam fertigten sie Aufmaße von karelischen GebĂ€uden sowie von Schlossparks und GĂ€rten in SĂŒdfinnland und SkĂ„ne an. Die Zeichnungen wurden 1930 als Buch veröffentlicht.[3] Sie unternahm auch weitere Reisen in Skandinavien sowie in Frankreich, Spanien und Marokko.

Borg interessierte sich fĂŒr Architektur und Landschaftsplanung. Sie fertigte Grafiken und Buchillustrationen an und nahm an Wettbewerben fĂŒr die Gestaltung von Markensignets, BĂŒhnenbildern, Möbeln und Glas teil. Neben ihrer TĂ€tigkeit als Architektin war sie Dozentin fĂŒr Darstellende Geometrie, perspektivisches Zeichnen und Freihandzeichnen an der Zeichenschule von Viborgs konstvĂ€nner in Wiborg und spĂ€ter Zeichenlehrerin an der schwedischsprachigen Reformschule Tölö svenska samskola i Helsinki.

Elsi Borg war ab 1930 mit dem KĂŒnstler Anton Lindforss (1890–1943) verheiratet. Ihr Bruder war der Architekt Kaarlo Borg (1888–1939), und ihre Schwestern waren die Kunstgrafikerin und Zeichenlehrerin Ester Borg (1899–1964) sowie die Politikerin Margit Borg-Sundman (1902–1992). Sie starb mit 65 Jahren.

Kirche in TaulumÀki, gebaut 1928 (Foto 2019)
Kirche in TaulumÀki, gebaut 1928 (Foto 2019)
Kinderkrankenhaus „Kinderburg“ in Helsinki (Foto 2008)
Kirche in Simpele (Foto 2012)
Kirche in Simpele (Foto 2012)

Bereits im Jahr 1919, nach Abschluss des Architekturstudiums grĂŒndeten Elsi Borg mit weiteren Studentinnen den schwedischsprachigen Club Tumstocken („Der Zollstock“) als Gegengewicht zum nationalen Architektenverband und dem von MĂ€nnern dominierten Polytechnischen Studentenclub. Zwanzig Jahre spĂ€ter wurde auf der Geburtstagsfeier zum 70. Geburtstag der Architektin Wivi Lönn im Haus von Elsi Borg die Initiative zur GrĂŒndung von Architecta ergriffen, einer bis heute aktiven Vereinigung der Architektinnen in Finnland.[1] Die Studienfreundin Aili-Salli Ahde-KjĂ€ldman war die erste Vorsitzende.

In den 1920er Jahren war Borg in Architektur- und LandschaftsplanungsbĂŒros tĂ€tig. Sie grĂŒndete 1927 ein eigenes BĂŒro. Von 1929 bis 1956 arbeitete sie gleichzeitig im Bauamt des Verteidigungsministeriums, wo sie unter anderem in Zusammenarbeit mit Olavi Sortta ein MilitĂ€rkrankenhaus fĂŒr Wiborg (heute amtlich Wyborg in Russland) entwarf.

Elsi Borg nahm an mehreren Wettbewerben fĂŒr Architektur und Industriedesign teil. Ihr erstes realisiertes Bauvorhaben war die Kirche in TaulumĂ€ki (heute ein Stadtteil von JyvĂ€skylĂ€). Den Auftrag zur Planung erhielt sie nach einem Wettbewerbsgewinn. Zu den weiteren Teilnehmern dieses Wettbewerbs gehörten Alvar Aalto und Erik Bryggman.

Laut der Schwester von Elsi Borg, Margit Borg-Sundman, gab es eine große Überraschung als sich herausstellte, dass sich hinter dem Entwurfsverfasser eine Frau verbarg. Es wurde geprĂŒft, ob es sich um einen Schreibfehler handelte. Dann wurde die Frage diskutiert, ob der Bau einer monumentalen Kirche einer Frau anvertraut werden konnte. Dennoch wurde Elsi Borg mit der Gestaltung der Kirche betraut. Vielleicht beauftragte man sie, weil ihr Vater Nathanael Borg und ihr Großvater Aron Gustaf Borg einflussreiche Dompröpste waren.[1] Schlussendlich gilt der umgesetzte Kirchenbau heute als „eines der herausragenden Bauwerke des finnischen Neoklassizismus der 20er Jahre“.[4]

In Zusammenarbeit mit Otto Flodin und Olavi Sortta realisierte sie das Kinderkrankenhaus „Kinderburg“ (Lastenlinna/Barnets borg) in Helsinki. Der Auftrag wurde ihnen nach dem Tod ihres Bruders, dem Architekten Kaarlo Borg ĂŒbertragen.

Die Sammlung von Elsi Borg im Finnischen Architekturmuseum ist nicht sehr umfangreich, aber sie zeigt das breite Spektrum ihres Schaffens: von Kirchen und Friedhöfen ĂŒber Grafiken und MöbelentwĂŒrfe zu Fabriken und Banken in ganz Finnland.

Stilistisch liegt ihr Werk zwischen dem Klassizismus der 1920er Jahre und dem Modernismus der 1950er Jahre. Bei ihren Bauten fĂŒr das Verteidigungsministerium finden sich Merkmale des Funktionalismus der 1930er Jahre. Das Kinderkrankenheus in Helsinki und die Kirche in TaulumĂ€ki erhielten den Denkmalstatus.

Elsi Borg – Skizze aus dem Magazin Arkkitehti (1921)

Elsi Borg war eine begabte Zeichnerin, die Oiva Kallio 1927 bei seiner Planung fĂŒr das Zentrum von Helsinki unterstĂŒtzte. Mit wenigen entschlossenen Strichen schuf sie lebendige, betriebsame Skizzen der Metropole. Borg zeichnete auch Karikaturen, die in der schwedischsprachigen Zeitschrift Arkitekten veröffentlicht wurden.[1]

Werke (Auswahl)

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  • Kirche TaulumĂ€ki, JyvĂ€skylĂ€ (1928–1929)
  • Kirche Simpele, RautjĂ€rvi (zusammen mit Elsa Arokallio, 1932–1933)
  • Kirche Teuva (1953)
  • BegrĂ€bniskapellen in PetĂ€jĂ€vesi, Kitee (Nordkarelien) und VehmasmĂ€ki, Kuopio
  • Kinderkrankenhaus „Kinderburg“, Helsinki (zusammen mit Elsa Arokallio, 1932–1933); Anbau (zusammen mit Otto Flodin, Olavi Sortta, 1938–1948)
  • MilitĂ€rkrankenhaus, Wiborg (zusammen mit Olavi Sortta, 1929–1932)
  • Maarit Henttonen: Elsi Borg (1893-1958) Arkkitehti, Museum of Finnish Architecture (Hrsg.), 1995. ISBN 951-9229-87-6
  • Allgemeines KĂŒnstlerlexikon XIII, 1996, S. 27.
  • Vollmer I, 1953, S. 268.
Commons: Elsi Borg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Elsi Borg Biografie, Museum of Finnish Architecture, online, zuletzt abgerufen am 2. Januar 2022.
  • Elsi Borg (1893–1958) bei Worldcat, zuletzt abgerufen am 2. Januar 2022.

Einzelnachweise

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  1. 1 2 3 4 Biografisches Lexikon fĂŒr Finnland in: Biografiskt lexikon för Finland 3, Republiken A–L (2011), online 2014, zuletzt abgerufen am 1. Januar 2022.
  2. ↑ De Ana Fernandez Garcia, Helena SeraĆŸin, Emilia Maria Garda, Caterina Franchini: MoMoWo – 100 projects in 100 years. European Women in Architecture and Design 1918 – 2018, Ljubljana and Turin, 2016, S. 82, 83.
  3. ↑ Eva Kuhlefelt-Ekelund, Museum of Finnish Architecture online, zuletzt abgerufen am 2. Januar 2022.
  4. ↑ Heinrichs, Ulrike. Borg, Elsi in: Allgemeines KĂŒnstlerlexikon - Internationale KĂŒnstlerdatenbank - Online: Andreas Beyer, BĂ©nĂ©dicte Savoy and Wolf Tegethoff (Hrsg.): Allgemeines KĂŒnstlerlexikon Online / Artists of the World Online, Berlin, New York: K. G. Saur, 2009, zuletzt abgerufen am 2. Januar 2022.