Chikita
| Film | |
| Titel | Wenn MĂ€nner Schlange stehen |
|---|---|
| Originaltitel | Chikita |
| Produktionsland | Schweiz |
| Originalsprache | Schweizerdeutsch, Deutsch |
| Erscheinungsjahr | 1961 |
| LĂ€nge | 103Â Minuten |
| Altersfreigabe |
|
| Stab | |
| Regie | Karl Suter |
| Drehbuch | Karl Suter Hans GmĂŒr |
| Produktion | RenĂ© Groebli Karl Suter Hans GmĂŒr |
| Musik | Hans Moeckel |
| Kamera | Hans-Peter Roth |
| Schnitt | Karl Suter |
| Besetzung | |
und Alice BrĂŒngger, Gretl Mathis, Sonja Buess, Kurt Brunner, Ulrich Beck | |
Chikita (in Deutschland: Wenn MĂ€nner Schlange stehen bzw. Chikita ihr klein HĂ€uschen) ist ein Schweizer Spielfilm aus dem Jahre 1961 von Karl Suter mit der deutschen Diseuse Hanne Wieder in der Titelrolle.
Handlung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Schweizerin und Bordellbesitzerin Chikita Hausmann muss in einem fiktiven sĂŒdamerikanischen Land ihr Etablissement schlieĂen, als es dort zu einer Revolution kommt, die sich die Wiederherstellung angeblicher Moral auf ihre Fahnen geschrieben hat. Daraufhin kehrt sie in ihre alte Heimat zurĂŒck, wo sie eine Ă€hnlich gelagerte LokalitĂ€t in einer verschlafenen Kleinstadt hochzieht. WĂ€hrend die weibliche Bevölkerung sich ganz ihrer moralischen EntrĂŒstung hingibt, zeigen sich die MĂ€nner, allen voran die Kleinstadt-Honoratioren mittleren Alters, durchaus positiv gestimmt und legen ein ganz persönliches Interesse fĂŒr diese neue Einrichtung an den Tag. Dabei erweist sich Chikita, vor deren Freudenhaus (wie der deutsche Titel verrĂ€t) die MĂ€nner bald Schlange stehen, als Ă€uĂerst geschĂ€ftstĂŒchtig und clever. Sie versteht es sogar, die besorgten Ehefrauen mit einer Namensschöpfung fĂŒr ihr Bordell zu beruhigen, in dem sie ihre Liebeslaube âKreis zur Erweiterung kultureller Beziehungenâ nennt. Bald pfeifen es die Spatzen von den DĂ€chern, welche âkulturelleâ Interaktion dort stattfindet, lediglich Philip SprĂŒngli, ein ebenso gutmĂŒtiger wie etwas weltfremd-naiver Angestellter einer Immobilienfirma, der diese Einrichtung verwaltet, ist vollkommen arglos. SprĂŒngli, dieser harmlose SchmetterlingsjĂ€ger mit dem GemĂŒt eines âreinen Torenâ, findet sogar die Zuneigung der Chefin des Hauses, da sie seine NaivitĂ€t einfach nur niedlich findet.
In der Nachbarschaft zu Chikitas Haus der LĂŒste haben musikbegeisterte Jugendliche derweil einen Jazzkeller eingerichtet. Dies stöĂt bei den Kommunalbeamten auf einigen Widerstand. Nicht etwa, weil sie diese Musik als âjugendverderblichâ geiĂeln wĂŒrden (wie man von offizieller Seite postuliert). Vielmehr haben die Honoratioren, die allesamt 50 Jahre bereits deutlich ĂŒberschritten haben und bei Madame Chikita gern gesehene GĂ€ste sind, betrĂ€chtliche Sorge, dass der eine oder andere Zögling seinen eigenen Vater beim Betreten oder Verlassen des Bordells sehen und erkennen könnte. Es bleibt trotz der vorsorglichen SchlieĂung des Jazzschuppens nicht aus, dass sich eines Tages vor Ort die Generationen ĂŒber den Weg laufen. Der Skandal wĂ€re da âŠ, wenn die geschĂ€ftstĂŒchtige Chikita nicht auch hierfĂŒr eine Lösung parat hĂ€tte: Um zukĂŒnftigen Ărger zu vermeiden, bietet sie der Stadtverwaltung an, ihre LokalitĂ€t fĂŒr ein ordentliches SĂŒmmchen abzukaufen. Und so geschieht es: âSitte und Anstandâ kehren wieder zurĂŒck, und Chikitas ehemaliger Puff wird in einen Jugendtreffpunkt umgewandelt. Chikita selbst aber greift sich ihren SprĂŒngli und geht mit ihm auf Schmetterlingsjagd zurĂŒck nach SĂŒdamerika. Dort hat gerade eine neuerliche Revolution die alten ZustĂ€nde wiederhergestellt.
Produktionsnotizen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Chikita wurde im August und September 1961 gedreht und am 15. Dezember 1961 im ZĂŒrcher Urban-Kino uraufgefĂŒhrt. Die Atelieraufnahmen entstanden im Filmstudio Salmen in Schlieren, die AuĂenaufnahmen wurden in Locarno, ZĂŒrich, Zug, Luzern und KĂŒsnacht abgedreht. Die deutsche ErstauffĂŒhrung fand am 27. April 1962 statt, die österreichische bereits am 16. Februar desselben Jahres.
FĂŒr die Filmbauten zeichnete Nino Borghi verantwortlich, die KostĂŒme entwarf Mimi Grelling. Bruno Ganz, hier in seiner zweiten Filmrolle, hat einen nur sekundenkurzen Auftritt als Jazzbegeisterter.
Aufgrund seiner als âamoralischâ gegeiĂelten Kernaussage wurde der Film 1962 im Kanton Schwyz verboten.
Kritiken
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]âAntispiessertum fĂŒr Spiesser.â
Paimannâs Filmlisten resĂŒmierte: âEin auf der Schneide der Dezenz Ă€quilibrierender Stoff, der trotz gelegentlicher Turbulenz (Liebesszenen im Tricktempo) gemĂ€chlich inszeniert, nicht ohne Selbstironie dargestellt ⊠und aufgemacht [ist].â[1]
âAuch wenn diese Sittenkomödie, die sich als Satire gibt, nicht in die Klamotte abgleitet, so ĂŒbersteigt sie andererseits auch nicht das Niveau der einfachen Persiflage und bleibt ohne wirkliche Ăberzeugungskraft. Die Karikaturen sind zu dick aufgetragen, um wirklich unter die Haut zu gehen, und die Sottisen auf die Frömmler rennen nach dem Siegeszug von La dolce vita offene TĂŒren ein. Die Autoren hĂŒten sich wohl, die unĂŒbersehbaren SchwĂ€chen ihrer MitbĂŒrger wirklich zu geisseln.â
Im Lexikon des internationalen Films heiĂt es: âGeglĂŒckt an dem dialogreichen SpottstĂŒck auf die bĂŒrgerliche Doppelmoral sind seine ironischen Pointen bei der Persiflage der Schweizer Lebensart.â[2]
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Chikita bei IMDb
- Chikita bei filmportal.de
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- â Chikita in Paimannâs Filmlisten ( vom 4. Juni 2016 im Internet Archive), abgerufen am 8. April 2024.
- â Chikita. In: Lexikon des internationalen Films. Filmdienst, abgerufen am 2. MĂ€rz 2017.