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Chikita

aus Wikipedia, der freien EnzyklopÀdie
Film
Titel Wenn MĂ€nner Schlange stehen
Originaltitel Chikita
Produktionsland Schweiz
Originalsprache Schweizerdeutsch, Deutsch
Erscheinungsjahr 1961
LÀnge 103 Minuten
Altersfreigabe
Stab
Regie Karl Suter
Drehbuch Karl Suter
Hans GmĂŒr
Produktion René Groebli
Karl Suter
Hans GmĂŒr
Musik Hans Moeckel
Kamera Hans-Peter Roth
Schnitt Karl Suter
Besetzung

und Alice BrĂŒngger, Gretl Mathis, Sonja Buess, Kurt Brunner, Ulrich Beck

Chikita (in Deutschland: Wenn MĂ€nner Schlange stehen bzw. Chikita ihr klein HĂ€uschen) ist ein Schweizer Spielfilm aus dem Jahre 1961 von Karl Suter mit der deutschen Diseuse Hanne Wieder in der Titelrolle.

Die Schweizerin und Bordellbesitzerin Chikita Hausmann muss in einem fiktiven sĂŒdamerikanischen Land ihr Etablissement schließen, als es dort zu einer Revolution kommt, die sich die Wiederherstellung angeblicher Moral auf ihre Fahnen geschrieben hat. Daraufhin kehrt sie in ihre alte Heimat zurĂŒck, wo sie eine Ă€hnlich gelagerte LokalitĂ€t in einer verschlafenen Kleinstadt hochzieht. WĂ€hrend die weibliche Bevölkerung sich ganz ihrer moralischen EntrĂŒstung hingibt, zeigen sich die MĂ€nner, allen voran die Kleinstadt-Honoratioren mittleren Alters, durchaus positiv gestimmt und legen ein ganz persönliches Interesse fĂŒr diese neue Einrichtung an den Tag. Dabei erweist sich Chikita, vor deren Freudenhaus (wie der deutsche Titel verrĂ€t) die MĂ€nner bald Schlange stehen, als Ă€ußerst geschĂ€ftstĂŒchtig und clever. Sie versteht es sogar, die besorgten Ehefrauen mit einer Namensschöpfung fĂŒr ihr Bordell zu beruhigen, in dem sie ihre Liebeslaube „Kreis zur Erweiterung kultureller Beziehungen“ nennt. Bald pfeifen es die Spatzen von den DĂ€chern, welche „kulturelle“ Interaktion dort stattfindet, lediglich Philip SprĂŒngli, ein ebenso gutmĂŒtiger wie etwas weltfremd-naiver Angestellter einer Immobilienfirma, der diese Einrichtung verwaltet, ist vollkommen arglos. SprĂŒngli, dieser harmlose SchmetterlingsjĂ€ger mit dem GemĂŒt eines „reinen Toren“, findet sogar die Zuneigung der Chefin des Hauses, da sie seine NaivitĂ€t einfach nur niedlich findet.

In der Nachbarschaft zu Chikitas Haus der LĂŒste haben musikbegeisterte Jugendliche derweil einen Jazzkeller eingerichtet. Dies stĂ¶ĂŸt bei den Kommunalbeamten auf einigen Widerstand. Nicht etwa, weil sie diese Musik als „jugendverderblich“ geißeln wĂŒrden (wie man von offizieller Seite postuliert). Vielmehr haben die Honoratioren, die allesamt 50 Jahre bereits deutlich ĂŒberschritten haben und bei Madame Chikita gern gesehene GĂ€ste sind, betrĂ€chtliche Sorge, dass der eine oder andere Zögling seinen eigenen Vater beim Betreten oder Verlassen des Bordells sehen und erkennen könnte. Es bleibt trotz der vorsorglichen Schließung des Jazzschuppens nicht aus, dass sich eines Tages vor Ort die Generationen ĂŒber den Weg laufen. Der Skandal wĂ€re da 
, wenn die geschĂ€ftstĂŒchtige Chikita nicht auch hierfĂŒr eine Lösung parat hĂ€tte: Um zukĂŒnftigen Ärger zu vermeiden, bietet sie der Stadtverwaltung an, ihre LokalitĂ€t fĂŒr ein ordentliches SĂŒmmchen abzukaufen. Und so geschieht es: „Sitte und Anstand“ kehren wieder zurĂŒck, und Chikitas ehemaliger Puff wird in einen Jugendtreffpunkt umgewandelt. Chikita selbst aber greift sich ihren SprĂŒngli und geht mit ihm auf Schmetterlingsjagd zurĂŒck nach SĂŒdamerika. Dort hat gerade eine neuerliche Revolution die alten ZustĂ€nde wiederhergestellt.

Produktionsnotizen

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Chikita wurde im August und September 1961 gedreht und am 15. Dezember 1961 im ZĂŒrcher Urban-Kino uraufgefĂŒhrt. Die Atelieraufnahmen entstanden im Filmstudio Salmen in Schlieren, die Außenaufnahmen wurden in Locarno, ZĂŒrich, Zug, Luzern und KĂŒsnacht abgedreht. Die deutsche ErstauffĂŒhrung fand am 27. April 1962 statt, die österreichische bereits am 16. Februar desselben Jahres.

FĂŒr die Filmbauten zeichnete Nino Borghi verantwortlich, die KostĂŒme entwarf Mimi Grelling. Bruno Ganz, hier in seiner zweiten Filmrolle, hat einen nur sekundenkurzen Auftritt als Jazzbegeisterter.

Aufgrund seiner als „amoralisch“ gegeißelten Kernaussage wurde der Film 1962 im Kanton Schwyz verboten.

„Antispiessertum fĂŒr Spiesser.“

– Volksrecht, Basel, Ausgabe vom 13. Januar 1962

Paimann’s Filmlisten resĂŒmierte: „Ein auf der Schneide der Dezenz Ă€quilibrierender Stoff, der trotz gelegentlicher Turbulenz (Liebesszenen im Tricktempo) gemĂ€chlich inszeniert, nicht ohne Selbstironie dargestellt 
 und aufgemacht [ist].“[1]

„Auch wenn diese Sittenkomödie, die sich als Satire gibt, nicht in die Klamotte abgleitet, so ĂŒbersteigt sie andererseits auch nicht das Niveau der einfachen Persiflage und bleibt ohne wirkliche Überzeugungskraft. Die Karikaturen sind zu dick aufgetragen, um wirklich unter die Haut zu gehen, und die Sottisen auf die Frömmler rennen nach dem Siegeszug von La dolce vita offene TĂŒren ein. Die Autoren hĂŒten sich wohl, die unĂŒbersehbaren SchwĂ€chen ihrer MitbĂŒrger wirklich zu geisseln.“

– HervĂ© Dumont: Geschichte des Schweizer Films. Spielfilme 1896–1965, Lausanne 1987, Film Nr. 541

Im Lexikon des internationalen Films heißt es: „GeglĂŒckt an dem dialogreichen SpottstĂŒck auf die bĂŒrgerliche Doppelmoral sind seine ironischen Pointen bei der Persiflage der Schweizer Lebensart.“[2]

Einzelnachweise

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  1. ↑ Chikita in Paimann’s Filmlisten (Memento vom 4. Juni 2016 im Internet Archive), abgerufen am 8. April 2024.
  2. ↑ Chikita. In: Lexikon des internationalen Films. Filmdienst, abgerufen am 2. MĂ€rz 2017.