Altruppiner Hand

Die Altruppiner Hand ist eine passive, linke Handprothese aus dem frĂŒhen 16. Jahrhundert.[1] Theodor Fontane bezeichnete die Prothese in seinem Buch Wanderungen durch die Mark Brandenburg als âGötz-Handâ.[2] Sie ist als Exponat im Museum Neuruppin ausgestellt.[3]
Fund und Datierung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Altruppiner Hand wurde bei der Schiffbarmachung des Flusses Rhin im August 1834[4] (laut Theodor Fontane im Februar 1836)[2] in der NĂ€he einer BrĂŒcke in Alt Ruppin gefunden. Ebenso gefunden wurden Sporen, SteigbĂŒgel und ein Schwert, nach denen Hermann Fritze 1842 die Kunsthand in das 15. Jahrhundert datierte.[1][4]
Nach Vergleichen mit anderen Eisernen HĂ€nden stammt die Prothese aber eher aus dem frĂŒhen 16. Jahrhundert, genauer aus der Zeit vor 1528.[5.1] Sie wĂ€re damit im selben Zeitraum entstanden wie die weniger bekannte âErsthandâ des Götz von Berlichingen.
Konstruktion
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Bei der Handprothese aus Alt Ruppin handelt es sich um eine typische Eiserne Hand aus der Zeit der Renaissance. Die Prothese besteht aus Eisenblech und verfĂŒgt wie die Eiserne Hand im Hessischen Landesmuseum Darmstadt ĂŒber einen langen, zur Gewichtserleichterung gefensterten Armstulp,[6.1] dennoch betrĂ€gt das Gewicht der Prothese rund 1,4 kg.[4] Die Finger sind kunstvoll ausgefĂŒhrt, sie zeigen ausgeformte FingernĂ€gel und FĂ€ltchen. Vermutlich war die Hand ursprĂŒnglich fleischfarben bemalt.
Der Mechanismus der Kunsthand Ă€hnelt der ersten Götzhand.[5][6.2] Je zwei Finger sind, wie bei den meisten anderen KunsthĂ€nden jener Zeit, zu einem Block zusammengefasst, die auf einer gemeinsamen Achse angeordnet sind.[4] Die beiden Blöcke können einzeln mit der gesunden Hand oder durch AufstĂŒtzen einwĂ€rts gebogen werden, die Arretierung erfolgt durch Sperrklinken, Ă€hnlich einem Batterieschloss. Durch Druck auf einen der innen an der Handwurzel angebrachten Knöpfe springt der entsprechende Fingerblock durch Federkraft wieder in die offene Ausgangslage (Extension) â im Gegensatz zu vielen anderen Eisernen HĂ€nden können bei der Altruppiner Hand beide Fingerblöcke einzeln gestreckt werden.[5] Der Daumen ist im Grundgelenk beweglich und kann unabhĂ€ngig von den Fingerblöcken betĂ€tigt werden.[5]
Fontane berichtet, der Mechanismus sei durch Rostfraà teilweise freigelegt, aber noch funktionsfÀhig gewesen.[2]
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Hermann Eduard Fritze, Carl Alexander Ferdinand Kluge: Arthroplastik. Die sĂ€mmtlichen, bisher bekannt gewordenen kĂŒnstlichen HĂ€nde und FĂŒsse, zum Ersatz dieser verloren gegangenen Gliedmassen. Meyer, Lemgo 1842 in der Google-Buchsuche.
- Theodor Fontane: âCivibus aevi futuriâ. In: Wanderungen durch die Mark Brandenburg. Band 1: Die Grafschaft Ruppin, âAm Ruppiner Seeâ â Neuruppin 12 (Digitalisat. zeno.org).
- Liebhard Löffler: Der Ersatz fĂŒr die obere ExtremitĂ€t. Die Entwicklung von den ersten Zeugnissen bis heute. Enke, Stuttgart 1984, ISBN 3-432-94591-4.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Museum Neuruppin (mit Foto der Altruppiner Hand)
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 Martin Friedrich Karpa: Die Geschichte der Armprothese unter besonderer BerĂŒcksichtigung der Leistung von Ferdinand Sauerbruch (1875-1951). (PDF; 4,3 MB) Med. Dissertation. Ruhr-UniversitĂ€t Bochum 2004, S. 19 f.
- 1 2 3 Theodor Fontane: âCivibus aevi futuriâ. In: Wanderungen durch die Mark Brandenburg. Band 1: Die Grafschaft Ruppin, âAm Ruppiner Seeâ â Neuruppin 12 (Digitalisat. zeno.org).
- â Museum Neuruppin abgerufen am 7. Juni 2020.
- 1 2 3 4 Hermann Fritze: Arthroplastik. S. 123 ff.
- 1 2 3 Liebhard Löffler: Der Ersatz fĂŒr die obere ExtremitĂ€t. S. 27 ff.
- â S. 28
- GĂŒnter Quasigroch: Die Handprothesen des frĂ€nkischen Reichsritters Götz von Berlichingen. 1. Fortsetzung: Die Ersthand. In: Waffen- und KostĂŒmkunde. 1982, Band 24, S. 17â33.