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Allagen

aus Wikipedia, der freien EnzyklopÀdie
Allagen
Stadt Warstein
Wappen von Allagen
Koordinaten: 51° 29â€Č N, 8° 15â€Č OKoordinaten: 51° 28â€Č 44″ N, 8° 15â€Č 11″ O
Höhe: 271 (224–504,2) m
FlĂ€che: 41,32 kmÂČmit Niederbergheim
Einwohner: 2408 (31. Dez. 2025)[1]
Bevölkerungsdichte: 58 Einwohner/kmÂČ
Eingemeindung: 1. Januar 1975
Postleitzahl: 59581
Vorwahl: 02925
KarteWaldhausenMĂŒlheimBeleckeRĂŒthenOlsbergBestwigSuttropMeschedeWarsteinAnröchteBad SassendorfSichtigvorHirschbergArnsbergAllagenNiederbergheimMöhnesee
Karte
Lage des Ortsteils in Warstein
Luftaufnahme (2014)
Luftaufnahme (2014)
Haus Dassel
St. Johannes

Allagen ist seit 1975 ein Ortsteil der sauerlÀndischen Stadt Warstein im Kreis Soest, Nordrhein-Westfalen. Zum 31. Dezember 2025 hatte er rund 2400 Einwohner.[1] Ortsvorsteher ist Gerald Wege (CDU).

Die Siedlung Allagen wurde wohl um das Jahr 800 gegrĂŒndet, urkundlich erwĂ€hnt wurde der Ortsname erstmals im 12. Jahrhundert. Die GrĂŒndungsurkunde des Klosters Grafschaft im Sauerland fĂŒr das Jahr 1072, die frĂŒher als urkundliche ErsterwĂ€hnung Allagens angesehen wurde, ist seit Anfang des 20. Jahrhunderts als spĂ€tere FĂ€lschung erkannt. An diese gefĂ€lschte Urkunde wurde um das Jahr 1200 noch einmal ein Nachtrag angefĂŒgt; und erst in diesem spĂ€ten Nachtrag erscheint der Ortsnamen Allagen. Die urkundliche ErwĂ€hnung hĂ€ngt mit Streitigkeiten um ZehnteinkĂŒnfte zusammen, die sich in die grĂ¶ĂŸere Auseinandersetzung zwischen den Grafen von Arnsberg und den Erzbischöfen von Köln einordnen lassen.

Diese Siedlung lag am SĂŒdhang der Haar, bis sie wegen Wassermangels im 12. Jahrhundert an das Möhneufer verlegt wurde. Wirtschaftlich bedeutend waren um diese Zeit die Land- und Forstwirtschaft.

In Allagen fanden Hexenverfolgungen statt: 1617 wurden mehrere MĂ€nner und Frauen wegen angeblicher Hexerei hingerichtet,[2] als die berĂŒchtigten Hexenrichter Heinrich von Schultheiß und Lic. Höxter die Hexenprozesse leiteten. DarĂŒber informiert ein Buch des Pfarrers in Hirschberg, Michael Stapirius. Dieser verurteilte scharf die unmenschlichen Praktiken der Kommissare und zitiert den Angeklagten Steffen von Niederbergheim, der 1617 kurz vor seiner Hinrichtung in Allagen ihm als Geistlichen gegenĂŒber geĂ€ußert hatte:

„Herr Michel, 
 ich bin kein Zauberer, die Richter und Scheffen wie auch der Commissarius haben bey mir gethan als Schelmen und Diebe: dan sie haben mich durch unerleidliche Pein und Marter gezwungen dinge zu sagen, welche ich niemahlen gedacht, geschweige zu thun
 Sage ich die Wahrheit und revocire (widerrufe), so peinigen sie mich wiederumb, und welcher Mensch kann solch folteren, marteren und peinigen ander mahl außstehen.“[3]

Nach der preußischen Landgemeindeordnung fĂŒr die Provinz Westfalen von 1841 wurden die umliegenden Dörfer Westendorf, Oberbergheim, Niederbergheim, Haarhöfe und Allagen zur Gemeinde Allagen zusammengefasst. Die Gemeinde Allagen bestand bis zum 1. Januar 1975, als die Ortschaft in die neue Stadt Warstein eingemeindet wurde.[4] Niederbergheim wurde 1989 wieder von Allagen getrennt und ist seither ein eigenstĂ€ndiger Stadtteil von Warstein.

SehenswĂŒrdigkeiten

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Bereits das vierte Gotteshaus Allagens ist die heutige Kirche. Im 9. Jahrhundert wurde eine Pfarrei auf der Haar gegrĂŒndet, ĂŒber drei Jahrhunderte spĂ€ter, im Jahre 1144, wurde eine Kirche am Möhneufer eingeweiht. Bis auf den Turm wurde diese Kirche 1671 komplett ersetzt und dadurch vergrĂ¶ĂŸert. Aber schon bald wurde auch die dritte Allagener Kirche zu klein, durch die geringe Turmhöhe war zudem das Aussehen gestört. Am 11. Juni 1891 wurde die heutige St.-Johannes-Pfarrkirche geweiht.

Eine weitere SehenswĂŒrdigkeit ist das Haus Dassel, das der Fabrikant Viktor Röper 1841 als Wohn- und Kontorhaus errichtete. Nach einer Konkurs seines Eisen- und Kettenwerks wechselte das Haus mehrfach den Besitzer. 1887 dĂŒbernahm er Marmorfabrikant Georg Dassel aus einem Zweig der Familie von Dassel das Haus und ließ es reprĂ€sentativ erweitern und renovieren. Im Jahr 1900 errichtete man den Turm, schuf neue BĂŒrorĂ€ume und verzierte die Seiten mit Stufengiebeln.[5] 1972 erwarb die damals selbststĂ€ndige Gemeinde Allagen das Anwesen. Zwei Jahre spĂ€ter wurde das FabrikgebĂ€ude auf dem GelĂ€nde abgerissen und das GelĂ€nde zu einem Park umgestaltet. Die Villa wurde im Jahr 1984 unter Denkmalschutz gestellt. Heute nutzt man das GebĂ€ude als Vereinsheim und als Heimatmuseum. In den MuseumsrĂ€umen werden unter anderem handwerkliche und landwirtschaftliche Werkzeuge, GerĂ€te und Maschinen ausgestellt. Im Obergeschoss des Museums befindet sich eine Heimatstube.

Auf der Höhe der Lieth bei Oberbergheim, zwischen Niederbergheim und Allagen, wurde durch die Dorfinitiative Allagen-Niederbergheim im Rahmen des Leader-Projektes 3-Landschaftserlebnis-Wanderwelten der Skywalk Möhnetal errichtet.[6]

In Allagen befindet sich die Johannesschule, eine stÀdtische Grundschule. Bereits seit dem 18. Jahrhundert gibt es ein Schulwesen vor Ort, spÀtestens 1708 begann Johannes Mimberg mit der LehrertÀtigkeit.

In den 1950er Jahren wurde in Allagen eine Landesforstschule zur Ausbildung angehender Förster eingerichtet.[7] Infolge der Neuordnung der forstlichen Ausbildung in Nordrhein-Westfalen wurde die Forstschule Allagen in den 1970er Jahren geschlossen.

Commons: Allagen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. 1 2 Statistik. Stadt Warstein, abgerufen am 24. Februar 2026.
  2. ↑ Rainer Decker: Die Hexenverfolgungen im Herzogtum Westfalen. Forschungsstand, Quellenlage und Zielsetzung. In: Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL): WestfĂ€lische Geschichte. S. 383 (PDF; 28,7 MB), abgerufen am 28. April 2016 Onlineversion.
  3. ↑ Zitiert bei Hermann Löher, Hochnötige Unterthanige WemĂŒtige Klage Der Frommen UnschĂŒltigen, Amsterdam 1676, S. 269, 286.
  4. ↑ Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis fĂŒr die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und SchlĂŒsselnummernĂ€nderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart / Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 331 (Statistische Bibliothek des Bundes und der LĂ€nder [PDF; 41,1 MB]).
  5. ↑ Homepage Haus Dassel. Abgerufen am 19. MĂ€rz 2018.
  6. ↑ Skywalk Möhnetal, abgerufen am 27. November 2019.
  7. ↑ Bruno Oelmann: Meine allerschönste Wanderfahrt. Chronik des Haardwaldes. Verlag Rudolf Winkelmann, Recklinghausen 2000, ISBN 3-921052-75-0, S. 117.