Walpode
Walpode oder Walpod ist eine vor allem am Mittelrhein verbreitete historische Amtsbezeichnung.
Walpode wird als Gewaltbote (im Sinne eines bevollmĂ€chtigten Gewalthabers, also jemand mit Herrschafts- und Vollzugsbefugnis, beispielsweise ein Ministeriale) gedeutet, was so viel bedeutet, dass der Bote auch Polizeigewalt besaĂ. Vor allem ĂŒbernahmen Walpoden gerichtliche Funktionen.
Ein bekannter NamenstrĂ€ger ist der GrĂŒnder des Rheinischen StĂ€dtebundes von 1254, der Mainzer BĂŒrger Arnold Walpod.
Ein frĂŒhes Beispiel fĂŒr die Ernennung zum Walpot ist Hartwig I. von Bayern aus der Familie der Aribonen, er wurde um 952 von König Otto I. zum Walpot fĂŒr Karantanien (KĂ€rnten) ernannt.[1]
Das Weistum von Oberursel 1401 illustriert die Verwendung im Sinne einer Herrschaftsbefugnis.[2]
Als ein Beispiel kann die Region Rheingau dienen, wo die Existenz des landesherrlichen Amtes seit dem Jahr 1131 historisch belegt ist.[3] Im 17. Jahrhundert gehörten Polizeiangelegenheiten â darunter die Ăberwachung der Einwanderungsbestimmungen â und der Strafvollzug zum Aufgabenbereich eines Walpoden.
Wie andere Amtsbezeichnungen von Ministerialen (wie Truchsess und Mundschenk) wurde auch Walpode zum Bestandteil von niederadligen Familiennamen. In einem Stammtafelregister stellt man fest, dass vor allem mittelrheinische Adelsfamilien im Rheingau und im GroĂraum Koblenz die Bezeichnung aufnahmen. Die berĂŒhmteste Familie fĂŒhrt heute eine leicht abweichende Namensform: die noch blĂŒhenden Grafen Waldbott von Bassenheim aus Bassenheim bei Koblenz (ursprĂŒnglich Walpot von Waldmannshausen, seit etwa 1300 von Bassenheim, 1720 zu Reichsgrafen erhoben). Mit ihnen wappen- und stammesgleich waren die Walpoden von Andernach (1337), die Walpoden von Ulmen (1321â1472, frĂŒhe Abzweigung der Walpoden von Waltmannshausen) und die Waltpot von Pfaffendorf (1370â1621). Urkundlich bekannt sind ferner die Walpoden von Koblenz 1294, die Walpoden von Braubach 1300, die Walpoden von MĂŒnstermaifeld 1305, die Walpoden von Lahnstein 1305, die Walpoden von Polch 1337, die Walpoden von Vallendar 1344 und die Walpoden von Girsenach 1381. Wappenverschiedene mittelrheinische Walpoden-Familien sind die Walpoden von Mainz (um 1550 erloschen), die Walpoden von der Neunburg, Erbwalpoden der Grafschaft Wied, und die Walpoden von der Neuerburg.[4]
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- WalpodenstraĂe in Mainz
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- â Charles R. Bowlus: The Battle of Lechfeld and its Aftermath, August 955; the end of the age of migration in the latin west. Hants/Burlington 2006, S. 146 (deutsch: Herbst 2012)
- â Wetterau. Weisthum von Oberursel. In: WeisthĂŒmer / gesammelt von Jacob Grimm. Mithrsg. von Ernst Dronke [u. a.].Dieterich, Göttingen 1842, Band 3, S. 488, Faksimile.
- â Valentin Ferdinand von Gudenus (Hrsg.): Codex diplomaticus: exhibens anecdota ab anno DCCCLXXXI ad MCCC Moguntiaca, ius Germanicum et S. R. I. historiam illustrantia. Band 1. Regia Officina Librar. Academ., Göttingen 1743, S. 100 (digitale-sammlungen.de).
- â Bernhard Peter: Die Walpoden und die Waldbott von Bassenheim