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Tutchone

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Siedlungsgebiet der SĂŒdlichen Tutchone (dunkleres violett im SĂŒdwesten) und Nördlichen Tutchone (helleres violett) u. a. First Nations im Yukon-Territorium vor Ankunft der EuropĂ€er. Karte (russisch) des Linguarium-Projektes der Lomonossow-UniversitĂ€t.

Die Tutchone oder (je nach Dialekt) Dan bzw. DĂ€n (beides: "Volk") (frĂŒher: Tutchonekutchin) sind eine Gruppe der kanadischen First Nations im SĂŒdwesten des Yukon-Territoriums und im Nordwesten von British Columbia, die sich kulturell sowie sprachlich in zwei regionale Stammesgruppen unterteilen, wobei der Lake Laberge (TĂ a'an Mǟn) als Grenze dienen kann:

  • den Nördlichen (Northern) Tutchone (vier First Nations reprĂ€sentiert durch den Northern Tutchone Tribal Council) und
  • den SĂŒdlichen (Southern) Tutchone (drei First Nations reprĂ€sentiert durch den Southern Tutchone Tribal Council).

Ihr traditionelles Wohngebiet umfasste das von den OberlĂ€ufen des Alsek (Chu NĂŹikwĂ€n) und Yukon River (Southern Tutchone: TĂĄgĂ  ShĂ€w, Northern Tutchone: TagĂ© Cho; beides: „großer Fluss“) geprĂ€gte Plateau sowie das Flussgebiet des Tatshenshini Rivers (ShĂ€wshe ChĂč), im SĂŒdwesten begrenzt vom KĂŒstengebirge und den Saint Elias Mountains und im Nordosten von der Selwyn Range.

Die Tutchone zĂ€hlen sowohl sprachlich als auch kulturell zu den Nördlichen Athabasken und ihre Sprache – die mehr als Dialektkontinuum zu betrachten ist (die gegenseitige VerstĂ€ndlichkeit nimmt mit zunehmender geographischer Distanz der Gruppen erheblich ab) – gehört zum nördlichen Zweig der Athapaskischen Sprachen, wobei eine nördliche regionale Dialektgruppe und eine sĂŒdliche regionale Dialektgruppe unterschieden wird. Mit Hilfe des Yukon Native Language Centre haben sie eine eigene Schrift entwickelt und einen Teil ihrer ErzĂ€hlungen publiziert.

Trotz der vormals gebrĂ€uchlichen Stammesbezeichnung als Tutchonekutchin gehören sie nicht der indigenen Ethnie der Gwich'in (Kutchin) an. Die heute allgemein ĂŒbliche Stammesbezeichnung leitet sich von Dechan to hot'yan („Volk, das in den WĂ€ldern lebt“) ab, der Tutchone-Bezeichnung fĂŒr eine Band der Nördlichen Tutchone im Stewart River Valley, spĂ€ter wurde dies als „Tutchone“ bzw. Wood Indians oder Stick Indians als Sammelbezeichnung fĂŒr alle Gruppen ĂŒbernommen.[1]

Sie stehen sprachlich-kulturell den benachbarten und ebenfalls zu den Nördlichen Athabasken zĂ€hlenden Gwich'in, Han (HĂ€n HwĂ«ch'in) und Upper Tanana (KohtÊŒiin) sehr nahe, wobei die "SĂŒdlichen (Southern) Tutchone Bands" von den Tlingit manche Kulturtechniken – und teilweise deren Sprache – ĂŒbernommen haben.

FrĂŒhgeschichte

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FrĂŒheste Lebensgrundlage dĂŒrften die Karibuherden gewesen sein, aber auch Elch, Schaf und Murmeltier, dazu Hase und ground squirrels, die mit Erdhörnchen verwandt sind. Dazu kamen Vögel und, vor allem entlang der FlĂŒsse, Fisch – in erster Linie Lachs.[2]

Das raue Klima erzwang ein halbnomadisches Leben, bei dem Familien in FrĂŒhjahrs- und Sommerlagern zusammenkamen, um zu fischen, aber auch im kurzen Herbst, um zu jagen. Fischseen und Lager fĂŒr Winterproviant boten Siedlungsmittelpunkte fĂŒr die kalte Jahreszeit. Bereits zum Winterende begann die Jagd erneut.

Möglicherweise beeinflusst von ihren Handelspartnern, den kĂŒstennahen Tlingit, bauten einige Tutchone ebenfalls PlankenhĂ€user. Doch die meisten lebten wohl in flĂŒchtigen UnterkĂŒnften aus Zweigen, GeĂ€st und Fellen. Das unwegsame GelĂ€nde und fehlende Transportmittel – Hundeschlitten kamen erst im 19. Jahrhundert auf – erlaubten nur leicht transportables Eigentum. Dazu wurden Birkenholzkisten gebaut. Auch die Kleidung war dem Klima und der Lebensweise angepasst. Im Gegenzug wurde das Wissen um die PlĂ€tze von Ressourcen Ă€ußerst wichtig, denn der effiziente Werkzeugbau war ohne diese PlĂ€tze kaum denkbar, ebenso wenig die Versorgung mit Heilpflanzen. So kannten einige Familien KupferstĂ€tten, um daraus Messer oder Pfeilspitzen zu fertigen, die ĂŒbrigen mussten sich auf Knochen und Geweih oder Stein verlassen.

Die Verwandtschaft gliedert sich in zwei exogame Moieties, d. h. innerhalb dieser ĂŒber die weibliche Linie verwandten Gruppen des KrĂ€hen- und des Wolfsclans, durfte nicht geheiratet werden. Bis ins 19. Jahrhundert hinein war es individuelles Prestige oder das einer Familie, das HĂ€uptlinge oder FamilienoberhĂ€upter hervorbrachte.

Im Lauf des 19. Jahrhunderts kam als weiterer Faktor Reichtum hinzu, der durch Handel mit den Tlingit oder durch Eheschließungen zustande kam. Dabei wurden vor allem die kĂŒstennahen Tutchone in Tlingit-Clans aufgenommen.

Schamanen taten sich als Heiler hervor und waren zustĂ€ndig fĂŒr die Beeinflussung und Kontaktaufnahme mit spirituellen MĂ€chten. Diese halfen bei der Auffindung von Jagdbeute oder bei der BekĂ€mpfung von Krankheiten.

Einfluss der EuropÀer

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Jim Boss (1871–1950) traditioneller HĂ€uptling der zu den Southern Tutchone zĂ€hlenden Ta'an Kwach'an aus Lake Lebarge, 1950 in vollem Ornat fotografiert. Mit Feuerholz, Fisch und Pelzen handelte er bereits zur Zeit des Klondike-Goldrausches. Die Fotografie ist ein Geschenk von Fred Boss an Rolf Hougen

Der Pelzhandel der Hudson’s Bay Company, aber auch der Tlingit, ermutigte die winterliche Jagd, so dass die Phasen des Zusammensiedelns kĂŒrzer wurden. Dies förderte wiederum die Zerstreuung der Familien in dem riesigen Gebiet.

Dazu kamen Konflikte im Zusammenhang mit dem Goldrausch am Klondike (1896–1898). Doch viel dramatischer Ă€nderte der Bau des Alaska Highway die Lebensweise der Tutchone ab 1942. Ihre ökonomische Basis liegt seitdem zunehmend auf Lohnarbeit, doch immer noch ernĂ€hren sie sich partiell durch Jagd und Sammeln.

LandansprĂŒche

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Wie viele IndianerstĂ€mme, so haben auch die Tutchone nie einen Vertrag unterschrieben. StammesfĂŒhrer wie Elijah Smith (gest. 1991), Paul Birckel und Harry Allen haben daher den Council of Yukon First Nations mitgegrĂŒndet. Er ist aus dem als Verhandlungsorgan fĂŒr LandansprĂŒche entstandenen Council for Yukon Indians hervorgegangen. 1980 verband er sich mit der Yukon Native Brotherhood und der Yukon Association of Non-Status Indians zum Council for Yukon Indians. Dieser fordert die Selbstregierung (self government).

Mit der Annahme einer neuen Konstitution Ă€nderte er seinen Namen in Council of Yukon First Nations (CYFN). Zu ihm gehören 11 First Nations aus dem Yukon-Gebiet. Neun Mitglieder-StĂ€mme haben inzwischen VertrĂ€ge ĂŒber LandansprĂŒche und Selbstregierung abschließen können.

1995 wurde die Tutchone Judy Gingell Commissioner of Yukon.

Heutige Tutchone First Nations

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Heute werden seitens der kanadischen Regierung insgesamt acht First Nations der Tutchone offiziell als StÀmme anerkannt, laut Crown-Indigenous Relations and Northern Affairs Canada zÀhlen diese First Nations aktuell (Juli 2020) insgesamt 4.400 Stammesangehörige. Zumeist stellen die Tutchone jeweils die Mehrheit, nur bei der "White River First Nation (WRFN)" sind die Upper Tanana Athabasken die bestimmende indigene Ethnie.

Nördlichen Tutchone

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Northern Tutchone Tribal Council

  • First Nation of Nacho Nyak Dun (Eigenbezeichnung: Nacho NyĂ€k Dun – "Volk am großen Fluss, d. h. des Stewart River", andere Tutchone bezeichneten diese als Dechan to Hot’yan – "Volk, das in den WĂ€ldern lebt"; Verwaltungssitz: Mayo; Population Juli 2020: 547) (Northern Tutchone, Kaska, Tahltan, Tagish und Gwich'in)
  • Little Salmon/Carmacks First Nation (Eigenbezeichnung: TagĂ© Cho HudĂ€n – "Volk am Großen Fluss"; Verwaltungssitz: Carmacks; Population Juli 2020: 680)
  • Selkirk First Nation (Eigenbezeichnung: Hućha HudĂ€n – "Volk der Ebenen", da die Landschaft um Fort Selkirk entlang beider Flussufer flach ist; Verwaltungssitz: Pelly Crossing; Population Juli 2020: 661)

Independent First Nations

  • White River First Nation (WRFN) (Verwaltungssitz: Beaver Creek; Population Juli 2020: 159) (Scottie Creek Band und Beaver Creek Band der Upper Tanana Athabasken, DzĂ€ntuchʌǟn ("Snag Band") der Northern Tutchone, Southern Tutchone)

SĂŒdlichen Tutchone

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Southern Tutchone Tribal Council

  • Champagne and Aishihik First Nations (CAFN) (Eigenbezeichnung: ShadhĂ€la yĂš ÄshĂšyi KwĂ€dĂ€n; Verwaltungssitz: Haines Junction (DakwĂ€kĂ€da); Population Juli 2020: 735 (Champagne) + 191 (Aishihik) – Gesamt: 926) (bestehend aus zwei First Nations: den KwĂ€chĂ€Ì€l KwĂ€chʌǟn ("Champagne First Nation") und ÄshĂšyi KwĂ€chʌǟn ("Aishihik First Nation") – sowie mehreren nicht offiziell anerkannten Bands: Chu ÊŒEna kwĂ€chʌǟn/Chu Yena kwĂ€chʌǟn ("Hutchi/Hutshi Lakes Volk"), Ɓughą KwĂ€chʌǟn ("Klukshu Volk"), Ɓuchʌǟn oder ShĂ€wshe ("Dalton Post Volk") und der TitlÊŒĂ t kwĂ€chʌǟn ("Dezadeash River Volk"))
  • Kluane First Nation (Eigenbezeichnung: LĂč’àn MĂ€n Ku DĂ€n oder LĂč’àn Mun Ku DĂ€n – "Kluane Lake Volk"; Verwaltungssitz: Burwash Landing; Population Juli 2020: 176) (Southern Tutchone, Upper Tanana, Northern Tutchone, Tlingit)
  • Ta’an KwĂ€ch’Àn Council (Eigenbezeichnung: Ta'an KwĂ€ch’Àn – "Lake Laberge Volk"; Verwaltungssitz: Whitehorse (KwĂ€nlin); Population Juli 2020: 280) (Southern Tutchone, Tagish und Tlingit)

Independent First Nations

  • Dominique Legros: Tommy McGinty's Northern Tutchone Story of Crow. A First Nation Elder Recounts the Creation of the World (= Mercury Series. Paper, 133), Canadian Museum of Civilization/Musee Canadie, Hull 1999, ISBN 0-660-17506-1.
  • Catharine McClellan: Tutchone, in: William C. Sturtevant (Hrsg.): Handbook of North American Indians, Band 6, June Helm (Hrsg.): Subarctic, Smithsonian Institution, Washington 1981, S. 493–505.
  • Rachel Tom Tom: Northern Tutchone Language Lessons. Pelly Crossing Dialect, Yukon Native Language Center, Whitehorse 1995, ISBN 1-896382-16-9.
  1. ↑ Northern Tutchone Dictionary – Introduction (Memento des Originals vom 5. April 2018 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprĂŒft. Bitte prĂŒfe Original- und Archivlink gemĂ€ĂŸ Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  2. ↑ Lutthi MĂ€n & TachĂ€n MĂ€n HudĂ© HudĂ€n: Frenchman and Tatchun Lakes: Long Ago People