Tubaengel

Tubaengel oder Tuba-Engel, auch Posaunenengel, ist in der christlichen Ikonografie ein Musikengel, der ein gebogenes Horn oder ein anderes gerades Blechblasinstrument blÀst. Tubaengel sind eine sehr alte Engelsdarstellung.
Ursprung Bibel
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Der Instrumentenname tuba, von Latein tubus (âRöhreâ), bezeichnete als erstes Blasinstrument die römische Tuba mit einer langen geraden Röhre. Davon abgeleitet sind die byzantinische touba und das moderne BĂŒgelhorn Tuba mit Ventilen. In der Vulgata steht tuba allgemein fĂŒr ein lautes Blasinstrument und wird oft fĂ€lschlich anstelle des hebrĂ€ischen schofar, ein als Signal- und Ritualinstrument verwendetes Widderhorn, ĂŒbersetzt, wie es etwa in Ps 47,6 EU heiĂt: âAscendit Deus in iubilo, et Dominus in voce tubaeâ. Die dem lateinischen tuba entsprechende griechische Ăbersetzung in der Septuaginta fĂŒr eine gerade Trompete ist salpinx und in der hebrĂ€ischen Bibel chazozra fĂŒr eine gerade Trompete aus Silber.
In der LutherĂŒbersetzung des Neuen Testaments wird die Stimme Gottes als ein Posaunenton beschrieben (z. B. Off 1,10 LT), wobei auch hier der Name Tuba fĂŒr ein Blasinstrument von hoher LautstĂ€rke steht.
UrsprĂŒnglich wird der Tubaengel oft dargestellt mit einem Heerhorn aus Metall, dem Olifant Ă€hnlich, ab dem 11. Jahrhundert mit der Busine (von lateinisch bucina), einer geraden Naturtrompete. Stand der Typus des Tubaengels zunĂ€chst im Zusammenhang mit dem himmlischen Lobgesang (Utrechter Psalter, 1. Drittel 9. Jahrhundert), tritt er spĂ€ter als Engel des Gerichts in Darstellungen der Apokalypse in Erscheinung, wie dem Perikopenbuch Heinrichs II. vom Beginn des 11. Jahrhunderts, wo die Toten durch den Posaunenschall der Engel vom Todesschlaf erschreckt aus den GrĂ€bern steigen.
Die hÀufige Vierzahl der Engel entstammt einer auf die vier Himmelsrichtungen reduzierten Anzahl der in der Offenbarung (Off 8,2 EU) erwÀhnten Siebenzahl. Manchmal werden auch nur zwei Tubaengel dargestellt.
Kirchen-Bauschmuck
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Mit Tuba ausgestattete Engelsherolde und -wĂ€chter finden sich vielfach an Kapitellen oder als AuĂenfiguren an Kirchen. Die Funktion der Instrumente geht dann ĂŒber die Funktion des himmlischen Lobpreises bzw. des Blasens in vier Richtungen gemÀà dem Gericht hinaus und markiert die WĂ€chter- und Signalfunktion; so z. B. am Turm des Freiburger MĂŒnsters, wo sie in etwa 70 m Höhe den Abschluss der vier der Kaschierung des Ăbergangs vom Viereck der Turmbasis ins Achteck des Turmhelms dienenden Pfeiler bilden; vom MĂŒnsterplatz aus erscheinen sie in natĂŒrlicher GröĂe, sind aber tatsĂ€chlich nur 1,2 m hoch.
Geusen-Daniel
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Eine Besonderheit der Posaunenengel ist der als Wetterfahne dienende Engel auf den Dachreitern und TĂŒrmen evangelischer GotteshĂ€user insbesondere in der Diaspora des ehemaligen Herzogtums JĂŒlich am Niederrhein. Die oft versteckten kleinen Kirchen dienten auch den aus den Niederlanden geflohenen Geusen, die sich den im verborgenen wirkenden Protestanten anschlossen, als GotteshĂ€user. Ihr Name ging dann auf die JĂŒlicher Protestanten ĂŒber. Der Geusendaniel war wohl eine Modeerscheinung zu der Zeit, als diese Kirchen dann erstmals einen Glocken-Dachreiter oder Kirchturm auf oder an ihren Kirchen und BethĂ€usern anbringen durften.[1]

Malerei
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die meisten Posaunenengel finden sich im Zusammenhang mit Auferstehungs- oder Weltgerichtsszenerien, doch manchmal tauchen sie auch in der Renaissance- oder Barockmalerei in allegorischen ZusammenhĂ€ngen auf â so z. B. in Giottos Fresko der Vanagloria.
Musik
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im musikalischen Werk Dies irae erschallen die Posaunen des Gerichts im Passus:
âTuba mirum spargens sonum per sepulchra regionum, coget omnes ante thronum.â
âLaut wird die Posaune klingen, durch der Erde GrĂ€ber dringen, alle hin zum Throne zwingen.â
- Facundus-Beatus: Posaunenengel der Apokalypse
- Hans Memling Das jĂŒngste Gericht
- Spruchband statt Posaunendarstellung: Erhebe deine Stimme wie eine Posaune (Jes 58,1Â LUT). Posaunenengel Stadtkirche Geising
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Michael Walter, Andreas Jaschinski: Engelsmusik â Teufelsmusik. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, 2. Auflage, 1995, Sp. 8â27.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- â Der Geusendaniel an der Hauskirche Kirchherten ( vom 23. September 2013 im Internet Archive)