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TĂ€tort

aus Wikipedia, der freien EnzyklopÀdie
(Weitergeleitet von Taajama)
Schwedisches Schild am Ortseingang

Mit den Begriffen tĂ€tort (schwedisch kurz fĂŒr tĂ€tbebyggd ort, sinngemĂ€ĂŸ „dichtbebauter Ort“), taajama (finnisch), tettsted (norwegisch BokmĂ„l), tettstad (norwegisch Nynorsk) und byomrĂ„de (dĂ€nisch) wird in den nordischen LĂ€ndern eine Siedlung oder Ansammlung von HĂ€usern bezeichnet, die fĂŒr statistische Auswertungen gemeinsam als Stadt bzw. Ortschaft erfasst werden. Die schwedischen, finnischen und norwegischen Begriffe bedeuten etwa „dicht bebauter Ort“ oder „Ortschaft“, die dĂ€nische Entsprechung bedeutet etwa „Stadtgebiet“ oder „Stadtumgebung“. Die Einteilung in tĂ€torter ist von der Einteilung der politischen Gemeinden unabhĂ€ngig: Gemeinden können mehrere tĂ€torter umfassen, ebenso können tĂ€torter ĂŒber Gemeindegrenzen hinweg bestehen.

1960 einigten sich die nordischen LĂ€nder auf folgende Definition:[1]

Als dichtbebautes Gebiet (schwedisch tĂ€tbebyggt omrĂ„de) werden alle HĂ€useransammlungen mit mindestens 200 Einwohnern bezeichnet, wenn der Abstand zwischen den einzelnen HĂ€usern normalerweise 200 Meter nicht ĂŒbersteigt. Der Abstand darf jedoch 200 Meter ĂŒberschreiten, wenn die HĂ€useransammlung zum Einflussbereich eines grĂ¶ĂŸeren Ortes gehört. [
]

Bei der Abgrenzung von dichtbebauten Gebieten werden auch unbewohnte HĂ€user berĂŒcksichtigt und solche HĂ€user, die ausschließlich als Arbeitsplatz genutzt werden. Hiervon ausgeschlossen sind jedoch landwirtschaftliche WirtschaftsgebĂ€ude, sofern diese freistehend im VerhĂ€ltnis zum Haupteigentum sind. [
] Anstalten, wie KrankenhĂ€user oder GefĂ€ngnisse, die außerhalb des dichtbebauten Gebietes liegen, werden als tĂ€tort betrachtet, wenn das Personal mit Familienmitgliedern auf dem GelĂ€nde wohnt und diese Gruppe mindestens 200 Personen umfasst. [
]

Die Aufteilung in dichtbebaute und dĂŒnnbebaute Gebiete wird unabhĂ€ngig von der administrativen Einteilung vorgenommen. HĂ€useransammlungen, die eine direkte Fortsetzung eines dichtbebauten Gebietes in einer Nachbargemeinde sind, werden diesem Gebiet zugerechnet.

Auf der Grundlage dieser Definition des dichtbebauten Gebiets werden in Schweden vom Statistiska centralbyrĂ„n (Statistisches Zentralamt Schweden, SCB) alle fĂŒnf Jahre die tĂ€torter („Stadtgebiete“) abgegrenzt, wobei die Abgrenzung der tĂ€torter von der politischen Gliederung in Gemeinden (kommuner) völlig unabhĂ€ngig ist. Manche tĂ€torter erstrecken sich ĂŒber Teile mehrerer Gemeinden. 2010 betraf dies 44 tĂ€torter. Darunter erstrecken sich ĂŒber mehr als zwei Gemeinden die vier tĂ€torter Stockholm (zwölf Gemeinden), Göteborg (fĂŒnf Gemeinden: Göteborg, Mölndal, Partille, Ale und HĂ€rryda), TĂ€by (drei Gemeinden: TĂ€by, Danderyd und Sollentuna) sowie Gundal och HögĂ„s (Kungsbacka, Göteborg, Mölndal). Acht tĂ€torter ĂŒberschreiten nicht nur Gemeinde-, sondern auch Provinzgrenzen:

ProvinzgrenzĂŒberschreitende tĂ€torter (2010)
TÀtort Gemeinde (kommun) Provinz (lÀn) FlÀche (ha) Einwohner
BilldalKungsbackaHallands lÀn7166745
GöteborgVÀstra Götalands lÀn2973544
GnestaGnestaSödermanlands lÀn3645485
SödertÀljeStockholms lÀn2277
Gundal och HögÄsKungsbackaHallands lÀn55252
GöteborgVÀstra Götalands lÀn1266
MölndalVÀstra Götalands lÀn1266
KÀrsta och BredsdalVÀsterÄsVÀstmanlands lÀn20230
EnköpingUppsala lÀn731
KvicksundVÀsterÄsVÀstmanlands lÀn212995
EskilstunaSödermanlands lÀn99773
KvillsforsVetlandaJönköpings lÀn87500
HultsfredKalmar lĂ€n8–
SkutskĂ€rÄlvkarlebyUppsala lĂ€n6915807
GÀvleGÀvleborgs lÀn36329
ValjeBromöllaSkÄne lÀn77757
SölvesborgBlekinge lÀn1266

ZusĂ€tzliches Kriterium fĂŒr die Einstufung als tĂ€tort neben der Mindesteinwohnerzahl von 200 ist ein Anteil stĂ€ndig bewohnter HĂ€user von mindestens 50 Prozent. Dies ist oft nicht der Fall in Ortschaften mit höherem Anteil an FerienhĂ€usern, die seit 2005 als Ferienhausgebiete (schwedisch fritidshusomrĂ„de) ausgewiesen werden und den SmĂ„ortern gleichgestellt sind. 2005 gab es 39 solcher Ortschaften, oft im Einzugsbereich der GroßstĂ€dte. Die grĂ¶ĂŸten (2010) waren Älgö in der Gemeinde Nacka mit 751 Einwohnern und Saltarö in der Gemeinde VĂ€rmdö mit 735 Einwohnern, beide bei Stockholm. Falls der Anteil stĂ€ndig bewohnter HĂ€user 50 Prozent unterschreitet, gilt ein Ort dennoch als TĂ€tort, wenn die „Tagesbevölkerung“ (schwedisch dagbefolkningen) die „Nachtbevölkerung“ (nattbefolkningen) um mindestens 10 Prozent ĂŒbersteigt.

Im Jahre 2010 gab es in Schweden 1956 tĂ€torter. Besonders bei der Ermittlung der Einwohnerzahlen wird zwischen kommun und tĂ€tort streng unterschieden. So hatte beispielsweise LuleĂ„ kommun am 31. Dezember 2010 74.178 Einwohner, LuleĂ„ tĂ€tort als zusammenhĂ€ngendes Stadtgebiet und Hauptort der Gemeinde (schwedisch centralort) aber nur 46.607. Hauptorte einiger Gemeinden sind keine tĂ€torter, sondern selbst Ortsteile grĂ¶ĂŸerer tĂ€torter, beispielsweise Mölndal, das Stadtteil (tĂ€tortsdel) von Göteborg, aber zugleich Hauptort der Gemeinde Mölndal ist.

Ortschaften, die nicht die GrĂ¶ĂŸe eines tĂ€tort erreichen, werden vom Statistiska centralbyrĂ„n als smĂ„orter (etwa „Kleinorte“) bezeichnet. Der Begriff beschreibt eine Ansammlung von GebĂ€uden mit 50 bis 199 Einwohnern und einer maximalen Entfernung von 150 Metern zwischen den HĂ€usern. Gleichgestellt sind Ferienhausgebiete (fritidshusomrĂ„de), auch wenn sie ĂŒber 199 Einwohner haben, aber der Anteil an nicht stĂ€ndig bewohnten HĂ€usern (FerienhĂ€usern, fritidshus) mindestens 50 Prozent betrĂ€gt.

2010 gab es insgesamt 2920 smĂ„orter, 43 mehr als 2005. Neue smĂ„orter entstehen aus frĂŒheren tĂ€torter durch BevölkerungsrĂŒckgang oder, seltener, VerĂ€nderung der Einwohnerstruktur (siehe oben unter „TĂ€tort“), andererseits durch Steigen der Bevölkerungszahl auf mindestens 50. Nicht mehr als smĂ„orter ausgewiesen werden Ortschaften infolge eines BevölkerungsrĂŒckgangs unter 50 oder durch ZusammenschlĂŒsse mehrerer smĂ„orter, manchmal zu einem neuen tĂ€tort, oder durch Zusammenwachsen mit einem bestehenden tĂ€tort oder Erreichen dieses Status durch Bevölkerungswachstum.

Entwicklung der Anzahl der smĂ„orter 2000–2010
Jahr Anzahl VerÀnderung Neue smÄorter Keine smÄorter mehr
Zuvor tĂ€torter Wachstum auf ≄ 50 Nun tĂ€torter RĂŒckgang auf < 50
20002690





20052876+ 1864235559152
20102920+ 433425078163

Den höchsten Bevölkerungsanteil in smĂ„ortern weist (2010) Gotlands lĂ€n mit gut 8,5 % auf, wĂ€hrend es in Stockholms lĂ€n nur 1,7 % sind. Die grĂ¶ĂŸte Anzahl von smĂ„ortern (427) und die grĂ¶ĂŸte absolute Einwohnerzahl in diesen Orten weist VĂ€stra Götalands lĂ€n auf. Gotlands lĂ€n und Stockholms lĂ€n nehmen zudem die erste und die letzte Position nach Bevölkerungsanteil außerhalb jeglicher tĂ€t- und smĂ„orter mit entsprechend 33,0 % und 2,7 % ein. Dabei war der Anteil in allen Provinzen gegenĂŒber 2005 rĂŒcklĂ€ufig.

Wie unter den tĂ€tortern gibt es auch unter smĂ„ortern einige, die sich ĂŒber mehrere Gemeinden erstrecken. 2010 waren es 30, die alle auf dem Territorium von zwei Gemeinden liegen (2005 noch 32, davon einer auf dem Territorium von drei Gemeinden). Drei smĂ„orter ĂŒberschritten 2010 außerdem Provinzgrenzen:

ProvinzgrenzĂŒberschreitende smĂ„orter (2010)
SmÄort Gemeinde (kommun) Provinz (lÀn) FlÀche (ha) Einwohner
BjörkshultHögsbyKalmar lÀn1266
UppvidingeKronobergs lÀn31
GustavsforsBengtsforsVÀstra Götalands lÀn58111
ÅrjĂ€ngVĂ€rmlands lĂ€n54
LindshammarUppvidingeKronobergs lÀn2450
VetlandaJönköpings lÀn818

Auch in Finnland ist die Gliederung in Ortschaften (taajamat/tĂ€torter) unabhĂ€ngig von der Gemeindegliederung. Die Daten dazu werden vom Amt fĂŒr Statistik (Tilastokeskus/Statistikcentralen) erhoben. Im Jahr 2010 gab es in Finnland 735 Ortschaften. Die meisten von ihnen waren recht klein, mehr als die HĂ€lfte hatte weniger als 1000 Einwohner. Wegen der fortschreitenden Konzentrierung der Bevölkerung auf weniger, dafĂŒr aber grĂ¶ĂŸere Ortschaften ist deren Anzahl seit Jahrzehnten rĂŒcklĂ€ufig. Vier FĂŒnftel der Bevölkerung Finnlands lebt in Ortschaften, die zusammen nur knapp 2 % der GesamtflĂ€che des Landes einnehmen. Die sowohl einwohner- als auch flĂ€chenmĂ€ĂŸig mit Abstand grĂ¶ĂŸte Ortschaft des Landes ist der Ballungsraum der Region Helsinki, die im Jahr 2010 mehr als 1,1 Millionen Einwohner zĂ€hlte und sich ĂŒber 638 kmÂČ auf dem Gebiet von 11 Gemeinden erstreckte. Andererseits gibt es Gemeinden mit mehreren Ortschaften und auch 11 Gemeinden ohne Ortschaft.[2]

Danmarks Statistik veröffentlicht jĂ€hrlich zum ersten Januar die Bevölkerungszahlen der dort so genannten byer (dt.: „StĂ€dte“), deren Definition[3] derer des tĂ€torts bzw. dĂ€nisch byomrĂ„de[4] entspricht. Deren grĂ¶ĂŸte ist HovedstadsomrĂ„det (dt.: „Hauptstadtgebiet“) mit 1.408.575 Einwohnern am 1. Januar 2026.[5]

Die norwegische Statistikbehörde Statistisk sentralbyrĂ„ (SSB) veröffentlicht jĂ€hrlich aktuelle Zahlen zu Einwohnerzahlen, FlĂ€che und Bevölkerungsdichte der tettsteder, wie tĂ€torter im Norwegischen heißen.

Einzelnachweise

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  1. ↑ Statistiska CentralbyrĂ„n: TĂ€torter 1960–2005 (PDF; 590 kB). SCB-Artikelnummer MI38SM0703, S. 83 (schwedisch)
  2. ↑ Tilastokeskus: Suomessa vĂ€ki keskittyy taajamiin (finnisch)
  3. ↑ 1.2 Statistiske begreber: Definition „by“ bei Danmarks Statistik, abgerufen am 22. Mai 2012 (dĂ€nisch), Zitat: „Definitionen bygger pĂ„ FN's retningslinier for afgrĂŠnsning af byomrĂ„der.“
  4. ↑ 1.2 Statistiske begreber: Definition „byomrĂ„de“ bei Danmarks Statistik, abgerufen am 22. Mai 2012 (dĂ€nisch)
  5. ↑ Statistikbanken â€ș BY1: Befolkningen 1. januar efter byomrĂ„der, landdistrikter, alder og kĂžn (dĂ€nisch).
  • TĂ€torter 2010 (PDF; 3,0 MB), Informationsschrift des schwedischen Statistikamts SCB (schwedisch)
  • SmĂ„orter 2005 (PDF; 687 kB), Informationsschrift des schwedischen Statistikamts SCB (schwedisch)