Stammnetz

Als Stammnetz bezeichnet die RhĂ€tische Bahn (RhB) im Schweizer Kanton GraubĂŒnden den Teil ihres Schienennetzes, der mit 11'000 Volt Einphasenwechselstrom 16,7 Hertz betrieben wird.
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der grösste Teil des Stammnetzes entstand in der Zeit von 1889 bis 1913. Die Engadinerlinie wird seit Betriebseröffnung im Jahr 1913 elektrisch betrieben, der Rest des Stammnetzes wurde von 1919 bis 1922 elektrifiziert. 1999 wurde das Stammnetz mit der Vereinalinie erweitert.
Als 1942 die ChurâArosa-Bahn und die BellinzonaâMesocco-Bahn sowie ein Jahr spĂ€ter die Berninabahn in die RhB integriert wurden, bekam deren Streckennetz zusĂ€tzlich drei verschiedene Gleichstromsysteme. Dabei kamen oder kommen folgende Spannungen zum Einsatz:
- ChurâArosa-Bahn: ursprĂŒnglich 2200 Volt, spĂ€ter 2400 Volt
- BellinzonaâMesocco-Bahn: 1500 Volt
- Berninabahn: 1908â1935 750 Volt, seither 1000 Volt
Bereits 1945/46 prĂŒfte die RhB den Umbau der Arosabahn auf 11'000 Volt Einphasenwechselstrom, verblieb aber wegen der damals ungenĂŒgenden LeistungsfĂ€higkeit des Bahnstromnetzes im Raum Chur beim Gleichstrombetrieb. 1997 wurde dann die Strecke nach Arosa auf Wechselstrombetrieb umgestellt und kam damit zum Stammnetz. Auf der vom Stammnetz isolierten Strecke BellinzonaâMesocco stellte die RhB Ende 2003 ihren Betrieb ein. Somit ist die Berninastrecke die letzte nicht zum Stammnetz gehörende RhB-Linie.
Ăbergang auf Gleichstromstrecken
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Die verschiedenen Stromsysteme erschweren oder verunmöglichen der RhĂ€tischen Bahn den freizĂŒgigen Einsatz ihrer Triebfahrzeuge und Reisezugwagen. Auch in anderen technischen Normen unterscheiden sich die Gleichstromstrecken vom Stammnetz. Auf der Berninastrecke ist die WagenlĂ€nge wegen den geringeren Kurvenradien und dem kleineren Lichtraumprofil auf 16,5 Meter begrenzt. Auf der Arosalinie ist die maximale WagenlĂ€nge der RhB von 18,5 Metern gerade noch zulĂ€ssig.
Weil die Strecke BellinzonaâMesocco mit Druckluft- statt Vakuumbremse ein abweichendes Bremssystem benutzte, waren Rollmaterialverschiebungen nur nach Umbau möglich. 1942 musste die RhB mehrere Personen- und GĂŒterwagen vom Stammnetz auf die Misoxerstrecke verschieben.
Die starken saisonalen Verkehrsspitzen â im Sommer am Bernina, im Winter nach Arosa â bewĂ€ltigt die RhB mit Stammnetz-Personenwagen. Die Heizung und heute die Klimaanlagen der ĂŒbergangsfĂ€higen Wagen mĂŒssen fĂŒr unterschiedliche Heizleitungsspannungen ausgelegt sein. Auf dem Stammnetz wird die Heizleitung mit 300 Volt Wechselstrom gespiesen, auf den Gleichstromstrecken mit der Fahrleitungsspannung. Die nach Arosa einsetzbaren Wagen mussten bis zur Spannungsumstellung mit Dachruten ausgestattet sein, da die Versorgung der Heizung ĂŒber eine Dachleitung erfolgte.
Mit den Allegra-TriebzĂŒgen ABe 8/12 stehen der RhB seit 2010 erstmals elektrische Triebfahrzeuge zur VerfĂŒgung, die auf dem ganzen Netz verkehren können.
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Abschnitt Das Netz der RhÀtischen Bahn im Artikel RhÀtische Bahn
- Abschnitt Stromversorgung im Artikel RhÀtische Bahn
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Peter Willen: Lokomotiven der Schweiz, Schmalspur Triebfahrzeuge. Orell FĂŒssli, ZĂŒrich 1972.
- Hans G. WĂ€gli: Schienennetz Schweiz und Bahnprofil Schweiz CH+ (in Schuber). AS Verlag, ZĂŒrich 2010, ISBN 978-3-909111-74-9.
- Franz Skvor: Chur â Arosa-Bahn â Entstehung und Gleichstrom-Epoche. In: Schweizer Eisenbahn-Revue, Nr. 12/1998. Minirex, ISSN 1022-7113, S. 534â550