Agrarrohstoff
Agrarrohstoffe sind Rohstoffe, die als unbearbeitete Agrarprodukte in der Natur vorkommen.
Allgemeines
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Agrarrohstoffe gehören zu den nachwachsenden Rohstoffen. Sie mĂŒssen wie andere Rohstoffe unbearbeitet sein, deshalb ist beispielsweise Rohkaffee ein Agrarrohstoff, Röstkaffee dagegen wegen seiner Verarbeitung durch Rösten nicht. Agrarrohstoffe sind als Naturprodukte die Grundlage fĂŒr die ErnĂ€hrung von Mensch (Nahrungsmittel) oder Tier (Futtermittel). Ein neues Verwendungsgebiet ist ihr Einsatz als Biomasse zur Energieerzeugung.[1] Agrarrohstoffe stammen aus der Landwirtschaft, die neben Bergbau, Fischerei und Forstwirtschaft zum Wirtschaftssektor der Urproduktion zĂ€hlt. Sie gehören zu den Commodities, genauer zu den âSoft commoditiesâ. Soweit sie standardisierbar sind, können sie als Handelsobjekt an Warenbörsen gehandelt werden.
Arten
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Agrarrohstoffe lassen sich folgende Gruppen einteilen:
- Nahrungsmittel und Futtermittel:
- Genussmittel: Kaffee, Kakao, Tabak, Tee;
- HackfrĂŒchte: unter anderen Kartoffeln, Maniok, Zuckerrohr und ZuckerrĂŒben;
- Obst: Obstarten wie Beerenobst, Kernobst, Schalenobst, Steinobst, klassische SĂŒdfrĂŒchte und TropenfrĂŒchte;
- Ălpflanzen: insbesondere Avocado, Hanf, Lein, Ălpalme, Raps, Sesam und Soja;
- technische Agrarrohstoffe: Baumwolle, Kautschuk oder Wolle.
Alle Arten werden nach ihrer Weiterverarbeitung durch die Agrarproduktion zu Agrarprodukten, die entweder als Nahrungsmittel, als Futtermittel oder als Biomasse dienen. In Deutschland entfallen 60 % der landwirtschaftlichen NutzflÀche auf Nahrungsmittelanbau und etwa 26 % auf Futtermittelanbau.
Einige Autoren zÀhlen noch die Industrie-Agrarrohstoffe hinzu wie Nutzholz und Zellstoff.[2]
Agrarrohstoffe als Anlageklasse
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Agrarrohstoffe stellen eine eigene Anlageklasse dar und gelten dabei als alternative Investments (Commodities). Aufgrund der hohen VolatilitĂ€t der Agrarpreise ist diese Anlageklasse hĂ€ufig auch Gegenstand spekulativer Investments, so dass sie nur fĂŒr risikofreudige Anleger geeignet ist. Die Kontrahenten sind meist nicht an der physischen Lieferung der Agrarrohstoffe interessiert, sondern an Kursgewinnen. Die Anlage standardisierter Agrarrohstoffe erfolgt deshalb nicht in BestĂ€nde, sondern in TermingeschĂ€ften auf oder LeerverkĂ€ufen von Rohstoffen oder börsengehandelte Exchange-traded Commodities (ETCs). Die Anlagen in Agrarrohstoffen sind von 9 Mrd. US $ im Jahre 2003 auf 99 Mrd. US $ (2011) gestiegen.[3]
Wirtschaftliche Aspekte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Angebot an Agrarrohstoffen ist sehr witterungsabhĂ€ngig und kann daher durch DĂŒrren oder Ăberschwemmungen zu Missernten fĂŒhren und zudem starken Saisonschwankungen unterworfen sein. Hierdurch können AngebotslĂŒcken oder auch AngebotsĂŒberhĂ€nge entstehen, die zu plötzlichen Angebots- oder Bedarfsverschiebungen fĂŒhren können. Entstehende LieferengpĂ€sse oder Ăberproduktion haben eine starke VolatilitĂ€t der Agrarpreise zur Folge. Weitere Charakteristik ist ihre teilweise begrenzte Haltbarkeit und LagerfĂ€higkeit. Die AngebotselastizitĂ€t ist aus diesen GrĂŒnden starr bis unelastisch bei konstantem Verbrauch. Deshalb spielt die Versorgungssicherheit eine groĂe Rolle, der Selbstversorgungsgrad von Agrarrohstoffen wird sensibel gemessen.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- â Dieter Eich/Ralf Leonhard, UmkĂ€mpfte Rohstoffe: MĂ€rkte, Opfer, Profiteure, 2013, S. 48
- â Uwe Bergold/Roland Eller, Investmentstrategien mit Rohstoffen, 2006, S. 29
- â Dieter Eich/Ralf Leonhard, UmkĂ€mpfte Rohstoffe: MĂ€rkte, Opfer, Profiteure, 2013, S. 129