Sichte


Die Sichte, auch Hausichte, Siget oder Kniesense genannt, ist zusammen mit dem zugehörigen Mahdhaken ein Handwerkzeug zum MÀhen von Getreide.
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Zusammen mit dem fĂŒr die Arbeit mit ihr notwendigen Mahdhaken sind Sichten bereits auf spĂ€tmittelalterlichen Miniaturen abgebildet. Offen ist aber, ob es eine Ăbergangsform zwischen der Sichel und der Sichte gab. Es finden sich Abbildungen unklarer Abbildungstreue sowohl von Sicheln mit einem aufrecht stehenden, kurzen Stiel als auch von regelrechten Sichten, die aber nicht ĂŒber das sensenartige, nur leicht geschwungene Blatt der modernen AusfĂŒhrungen der Sichte, sondern ein halbmondförmiges Blatt Ă€hnlich dem einer Sichel verfĂŒgen.[1] Aufgrund der Mechanisierung der Getreideernte, insbesondere seit EinfĂŒhrung des MĂ€hbinders und der spĂ€ter erscheinenden MĂ€hdrescher, ist die Sichte in der landwirtschaftlichen Praxis bedeutungslos geworden.
AusfĂŒhrung und Arbeitstechnik
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das verhĂ€ltnismĂ€Ăig kurze Blatt der Sichte Ă€hnelt dem einer Sense, besitzt aber einen anderen Winkel zwischen Blatt und Hamme. Der Stiel der Sichte ist lediglich armlang mit nur einem kurzen Griff am oberen Ende. Das SchĂ€rfen des Sichtenblattes erfolgt wie bei der Sense durch Dengeln und Wetzen.
Die Sichte wird mit der rechten Hand am Griff gehalten, das MĂ€hen erfolgt in leicht gebĂŒckter Haltung durch eine schwingende Bewegung in das MĂ€hgut. Hierbei werden mit dem zur Sichte zugehörigen Mahdhaken, einem geschmiedeten Haken an einem eisernen oder hölzernen Stiel, die zu mĂ€henden Getreidehalme abgeteilt und gegen das vorerst noch stehenbleibende Getreide gedrĂŒckt. Der Mahdhaken dient ferner nach dem einzelnen Schnittvorgang dazu, das gemĂ€hte Getreide zusammenzuraffen und beiseite zu ziehen. Im Mahdhakenstiel ist teilweise eine Aussparung eingearbeitet, in dem die Sichte durchgesteckt werden kann, um sie entweder auf dem Feld abzustellen oder zum Transport zu schultern. Bei den Mahdhaken gibt es gröĂere Unterschiede in der Bauart als bei der Sichte selbst. Im Wesentlichen lassen sich drei verschiedenen Grundbauformen feststellen: den geraden, rechtwinklig zum Stiel abstehenden Haken sowie den konvex oder konkav gebogenen Haken.[1]
Vergleich zu anderen Handwerkzeugen fĂŒr die Getreideernte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Vorteil der Getreidemahd mit der Sichte gegenĂŒber der Sense ist, dass die Halme und Ăhren gleichmĂ€Ăiger und unverwirrter nebeneinander zu liegen kommen und damit das Ausdreschen erleichtert wird; im Vergleich zur insoweit noch vorteilhafteren Sichel ist der Strohertrag durch die geringere Stoppelhöhe höher. Mit der Sichte erzielt man eine geringere FlĂ€chenleistung als beim MĂ€hen des Getreides mit der Sense. Andererseits lĂ€uft der Arbeitsvorgang krĂ€fteschonender ab. Im Gegensatz zum Vorgang bei Sense und Sichel erfolgt die reine Schnittbewegung durch den eigenen Schwung des ArbeitsgerĂ€tes, das vom Arbeiter lediglich aktiv zurĂŒck bewegt werden muss.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- August Gottfried Schweitzer: KurzgefaĂtes Lehrbuch der Landwirtschaft zum Gebrauche bei Vorlesungen ĂŒber diesselbe. Arnoldsche Buchhandlung, Leipzig 1834, S. 75
- William Löbl: Handbuch des Ackerbaues. Arnoldsche Buchhandlung, Dresden - Leipzig 1849, S. 195 f.
- Adam MĂŒller: Lehrbuch der Landwirtschaft. Kunze, Mainz 1862, S. 177
- Meyers GroĂes Konversationslexikon, 6. Auflage 1905â1909, Artikel: Sichte
- Heinz-Peter Mielke: Niederrheinisches Freilichtmuseum Grefrath (MuseumsfĂŒhrer). Eigenverlag des Museumsvereins Dorenburg e. V., Grefrath 1997, ISBN 3-932793-00-5
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 Charles de Mooij, Renate van de Weijer (Hrsg.): Rijke oogst van schrale Grond. Een overzicht van de Zuitnederlandse materielle volkscultuur ca. 1760-1900. Wanders Uitgevers, Zwolle 1991, ISBN 90-6630-277-1, S. 44
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Video: Dengeln und Wetzen der Sichte
- Video: MĂ€hen mit der Sichte
- Website des österreichischen Sensenvereins