Schichtstruktur

Von einer Schichtstruktur kann gesprochen werden, wenn bei einer Kristallstruktur die Wechselwirkungen zwischen den Bausteinen innerhalb einer Ebene (Schicht) gröĂer sind als die Wechselwirkungen zwischen den Ebenen.
Innerhalb der Schichten sind meistens polare, kovalente Bindungen vorhanden, was in eine zweidimensionale VerknĂŒpfung resultiert. Zwischen den Schichten herrschen relativ schwache Van-der-Waals-KrĂ€fte. Dies zeigt sich in unterschiedlichen AtomabstĂ€nden und fĂŒhrt zu einer guten Spaltbarkeit parallel zu den Schichten.
Bekannte Beispiele fĂŒr Verbindungen mit Schichtstruktur sind Glimmer, Graphit und Montmorillonit.[1][2]
Beispiele fĂŒr Verbindungen mit Schichtstruktur
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Graphit
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Graphit besteht aus Schichten von Kohlenstoff-Atomen und kann als das einfachste Beispiel fĂŒr eine Schichtstruktur genannt werden. Der Abstand zwischen den Kohlenstoff-Atomen innerhalb einer Schicht betrĂ€gt 142 pm, der Abstand zwischen den Schichten ist mit 335 pm deutlich gröĂer. Die Schichten werden durch schwache Van-der-Waals-KrĂ€fte zusammengehalten. Mit der Schichtstruktur lĂ€sst sich die LeitfĂ€higkeit von Graphit erklĂ€ren, die parallel zu den Schichtebenen etwa 5000-mal gröĂer ist als senkrecht zu den Ebenen.[3][4]
Ăbergangsmetallhalogenide
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Cadmiumiodid-Struktur (CdI2)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Cadmiumiodid kristallisiert in einer Schichtstruktur im hexagonalen Kristallsystem und ist namensgebend fĂŒr den CdI2-Strukturtyp. Die Struktur ist aus ĂŒbereinander gestapeltem Schichtsystemen aufgebaut. Innerhalb dieser Schichten liegen kovalente Bindungen mit Ionenbildungsanteilen vor, wobei die Cadmium-Atome oktaedrisch koordiniert sind. Die Iodidionen bilden eine hexagonal-dichteste Kugelpackung, in der nur jede zweite OktaederlĂŒckenschicht mit Cadmiumionen besetzt ist. Die Anionenschichten treten in der Schichtenfolge ABAB auf.[2][5]
Beispiele fĂŒr Verbindungen, die in der Cadmiumiodid-Struktur kristallisieren, sind Titan(II)-chlorid, Titan(II)-iodid und Magnesiumbromid.
Cadmiumchlorid-Struktur (CdCl2)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Bei der Cadmiumchlorid-Struktur handelt es sich ebenfalls um eine Schichtstruktur. Die Cadmiumionen besetzen OktaederlĂŒcken jeder zweiten Schicht und die Chloratome sind kubisch dichtest gepackt. WĂ€hrend in der Cadmiumiodid-Struktur die Schichten genau ĂŒbereinander liegen, sind sie in der Cadmiumchlorid-Struktur gegeneinander verschoben (Schichtenfolge ABCABC).[2][6]
Vertreter der Cadmiumchlorid-Struktur sind beispielsweise Magnesiumchlorid, Nickel(II)-bromid und Zinkiodid.
Metalldisulfide
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Viele Metalldisulfide kristallisieren in der CdI2-Struktur und sind aus einer Sulfidschicht, einer Metallschicht und wieder einer Sulfidschicht aufgebaut (SâMâS). Die Metallatome besetzen jede zweite OktaederlĂŒckenschicht der hexagonal dichtesten Anionenpackung. Dies trifft beispielsweise auf die Verbindungen Titan(IV)-sulfid, Zirkonium(IV)-sulfid und Platin(IV)-sulfid zu.
Einige Metalldisulfide kristallisieren auch in der MoS2-Struktur, wo die Metallatome trigonal-prismatische LĂŒcken zwischen paarweise gestapelten Anionenschichten (AA, BB oder CC) besetzen. Beispiele hierfĂŒr sind Niob(IV)-sulfid und Wolfram(IV)-sulfid.
Iod
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Wie bereits aus der Schuppengestalt des festen Iods erkennbar, bildet Iod im festen Zustand ein Schichtstruktur aus. Die Iod-MokelĂŒle liegen innerhalb der Schichten alle in einer Ebene. Dabei ist der Abstand zweier Iod-Atome von benachbarten Iod-MolekĂŒlen innerhalb einer Schicht um 20 bis 80 pm kleiner als der Abstand zwischen den Schichten. Innerhalb der Schichten kommen sich die Iod-MolekĂŒle viel nĂ€her (bis zu 349,6 pm) als der doppelte Van-der-Waals-Radius (430 pm), jedoch nicht so nahe wie bei normalen kovalenten Bindungen. Zwischen den Iod-MolekĂŒlen liegen daher erhebliche elektronische Wechselwirkungen, welche die Halbleitereigenschaft und den Metallglanz festen Iods bedingen. Festes Brom und Chlor sind entsprechend festem Iod aufgebaut, jedoch mit weniger drastisch verkĂŒrztem Abstand zwischen den HalogenmolekĂŒlen.[7][8]
- Festes, kristallines Iod
- Struktur einer Schicht im festen Iod
- Dreidimensionale Struktur von festem Iod
Schichtsilikate
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Bei den Schichtsilikaten ist jedes SiO4-Tetraeder in einer Ebene ĂŒber drei Ecken mit Nachbartetraedern verknĂŒpft. Dadurch bilden sich zweidimensionale Schichten des Anions [Si4O10]4â aus. Wenn zwischen den Schichten lediglich Van-der-Waals-KrĂ€fte auftreten (z. B. bei Talk und Kaolinit), ergeben sich weiche Minerale mit Schichten, die leicht gegeneinander verschiebbar sind. Werden die Schichten durch Kationen zusammengehalten, fĂŒhrt dies zu einer gröĂeren HĂ€rte bei gleichzeitiger guter Spaltbarkeit parallel zu den Schichten. Dies ist beispielsweise bei der Struktur der Glimmer der Fall.[9][10]
- Biotit (Glimmergruppe)
- Talk
- Kaolinit
Anwendungen
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Feststoffe mit Schichtstruktur wie Graphit oder MolybdÀn(IV)-sulfid werden hÀufig als Schmiermittel verwendet. Dabei können sich die Kohlenstoff- oder Sulfidschichten blÀtterartig parallel zu den Schichten verschieben.[11]
Ein weiterer Anwendungsschwerpunkt liegt in der Möglichkeit, zwischen den Schichten Substanzen einzulagern (Interkalation). Solche Interkalationsverbindungen finden eine wichtige praktische Anwendung in vielen Bereichen, z. B. der Lithium-Ionen-Batterie, wo Lithium-Atome zwischen die Graphitschichten interkaliert werden. Als elektrische Leiter werden zudem Kalium- und Polybromid-Graphit-Einlagerungsverbindungen genutzt. Neben anorganischen Stoffen lassen sich auch eine Reihe an organischen Verbindungen in Substanzen mit Schichtstrukturen einlagern. Ein Anwendungsbeispiel hierfĂŒr ist die Adsorption von Ferrocen an einzelne molekulare MolybdĂ€n(IV)-sulfidschichten. Das Adsorbat kann anschlieĂend als elektrisch leitender Film auf eine Glasunterlage gezogen werden.[3][4]
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- â Eintrag zu Schichtstrukturen. In: Römpp Online. Georg Thieme Verlag, abgerufen am 15. November 2018.
- 1 2 3 Erwin Riedel, Christoph Janiak: Anorganische Chemie. 8. Auflage. De Gruyter, Berlin 2011, ISBN 978-3-11-022567-9, S. 138â139.
- 1 2 James E. Huheey, Ellen A. Keiter, Richard L. Keiter: Anorganische Chemie : Prinzipien von Struktur und ReaktivitĂ€t. 3. Auflage. De Gruyter, Berlin 2003, ISBN 3-11-017903-2, S. 879â880.
- 1 2 Michael Binnewies, Maik Finze, Manfred JĂ€ckel, Peer Schmidt, Helge Willner: Allgemeine und Anorganische Chemie. 3. Auflage. Springer Spektrum, Berlin 2016, S. 485â486, doi:10.1007/978-3-662-45067-3.
- â Michael Binnewies, Maik Finze, Manfred JĂ€ckel, Peer Schmidt, Helge Willner: Allgemeine und Anorganische Chemie. 3. Auflage. Springer Spektrum, Berlin 2016, S. 90â91, doi:10.1007/978-3-662-45067-3.
- â James E. Huheey, Ellen A. Keiter, Richard L. Keiter: Anorganische Chemie: Prinzipien von Struktur und ReaktivitĂ€t. 3. Auflage. De Gruyter, Berlin 2003, ISBN 3-11-017903-2, S. 296â298.
- â James E. Huheey, Ellen A. Keiter, Richard L. Keiter: Anorganische Chemie: Prinzipien von Struktur und ReaktivitĂ€t. 3. Auflage. De Gruyter, Berlin 2003, ISBN 3-11-017903-2, S. 980â981.
- â A. F. Holleman, Egon Wiberg: Lehrbuch der anorganischen Chemie. 101. Auflage. De Gruyter, Berlin 1995, ISBN 3-11-012641-9, S. 447â448.
- â Eintrag zu Silikate. In: Römpp Online. Georg Thieme Verlag, abgerufen am 16. November 2018.
- â Erwin Riedel, Christoph Janiak: Anorganische Chemie. 8. Auflage. De Gruyter, Berlin 2011, ISBN 978-3-11-022567-9, S. 540.
- â Marc-Denis Weitze, Christina Berger: Werkstoffe fĂŒr MobilitĂ€t. In: Technik im Fokus. Springer, Berlin, Heidelberg 2013, ISBN 978-3-642-29540-9, S. 119â135, doi:10.1007/978-3-642-29541-6_5.