Scheinlot

Mit Scheinlot wird der resultierende Vektor aus Schwerkraft und Fliehkraft bei Bewegung bezeichnet. Das Scheinlot lÀsst sich graphisch durch ein KrÀfteparallelogramm darstellen.
Durch die Schwerkraft, auch Gravitation genannt, erfĂ€hrt jeder Körper auf der Erde eine nach unten, zum Erdmittelpunkt, gerichtete Beschleunigung. Die GröĂe dieser Beschleunigung betrĂ€gt in Mitteleuropa ca. 9,81 m/sÂČ und wird als 1 g bezeichnet. Im Ruhezustand ist die Richtung des Scheinlots mit der Richtung der Schwerkraft (Gewichtskraft) identisch und weist dann zum Erdmittelpunkt.
Anders verhĂ€lt es sich bei der Kurvenbeschleunigung. Ein Motorradfahrer muss sich, um im Gleichgewicht zu bleiben, beim Durchfahren der Kurve entsprechend dem Scheinlot "in die Kurve legen". Ăhnliches gilt fĂŒr ein Flugzeug, das eine koordinierte Kurve fliegen soll. Das Messinstrument im Flugzeug ist hierfĂŒr die Kugellibelle. Bei einer koordiniert geflogenen Kurve verspĂŒrt man im Flugzeug auĂer eventuell einem erhöhten Anpressdruck nichts. Daher muss der Pilot unter Instrumentenflugbedingungen die Instrumente zur Hilfe nehmen.
Neben der Fliehkraft bewirken auch Beschleunigungs- und BremskrÀfte eine Differenz zwischen Scheinlot und "richtigem" Lot (auch Ruhelot). Beispielsweise steht ein Sprinter wÀhrend der Beschleunigungsphase kurz nach dem Schuss schrÀg und richtet sich mehr und mehr auf, wenn die Geschwindigkeit nicht mehr zunimmt. Die WirbelsÀule reprÀsentiert das Scheinlot.