Zum Inhalt springen

Rudolf Lennert

aus Wikipedia, der freien EnzyklopÀdie

Rudolf Lennert (* 5. Dezember 1904 in MĂŒnchen; † 19. Mai 1988 in Tutzing) war ein deutscher Theologe, Lehrer, PĂ€dagoge und Hochschullehrer.

GrabstÀtte auf dem Waldfriedhof Zehlendorf

Rudolf Lennert wuchs in einer gutbĂŒrgerlichen Familie in Pirna (Sachsen) auf, wo er 1911–1915 die Volksschule und 1915–1919 das Realgymnasium besuchte[1]. Nach dem Besuch der FĂŒrsten- und Landesschule St. Afra in Meißen 1919–1923, wo er 1923 Abitur machte, studierte er 1923–1927 Theologie und Philosophie in Leipzig und 1927/28 in Berlin. In Leipzig studierte er bei den Theologen Heinrich Böhmer, Johannes Leipoldt, Albrecht Alt, Emil Balla, Horst Stephan, Paul Tillich, Joachim Wach, dem Historiker Johannes KĂŒhn, dem Soziologen Hans Freyer und dem Biologen Hans Driesch, in Berlin bei den Theologen Erich Seeberg und Romano Guardini[2]. 1927 legte er das 1. theologische Examen ab. Der Assistentenzeit 1928 bis 1931 an der Theologischen FakultĂ€t der UniversitĂ€t Leipzig folgte 1931 die Promotion ĂŒber die Religionstheorie Max Webers an der UniversitĂ€t Leipzig (Referenten waren Joachim Wach und Theodor Litt) (die Dissertation erschien als Buch 1935). 1931 bis 1934 arbeitete Lennert als Lehrer an den Landerziehungsheimen Marquartstein im Chiemgau und Burg Nordeck in Hessen. 1933 absolvierte er das Examen zum Mittelschullehrer, der Eintritt in den staatlichen Schuldienst blieb ihm jedoch als „Nichtarier“ („Mischling 2. Grades“)[3] verwehrt. 1935 war Lennert Privatlehrer bei dem Schriftsteller Albrecht Schaeffer in Rimsting am Chiemsee. 1936 bis 1938 fand er ein Auskommen fĂŒr sich und seine Familie (er hatte 1937 geheiratet) als Gehilfe eines Wirtschaftsberaters, 1938 bis 1940 konnte er als Wirtschaftlicher Leiter eines Krankenhauses in Stettin arbeiten. Nach der Kriegsteilnahme 1940–1945 als Dolmetscher in einem pommerschen „Mannschaftsstammlager“[4] lebte er 1945 zunĂ€chst von einer wirtschaftlichen BeratungstĂ€tigkeit in Rotenburg (WĂŒmme), um dann 1946–1947 kommissarischer Leiter der Heimvolkshochschule Göhrde zu werden. Nach dem 2. Examen fĂŒr das Lehramt an höheren Schulen im Jahre 1947 war er 1947–1954 Studienrat am Gymnasium Johanneum in LĂŒneburg. 1955 wechselte er nach Berlin: 1955–1960 war stellvertretender Direktor des dortigen Wissenschaftlichen LandesprĂŒfungsamtes und lehrte 1960–1963 als ao. Professor, 1963–1971 schließlich als o. Professor fĂŒr SchulpĂ€dagogik und allgemeine Erziehungswissenschaft an der FU Berlin bis zur Emeritierung 1971. Lennert blieb in einer Zeit, in der die positivistische Erziehungswissenschaft unter amerikanischem Einfluss in Deutschland an Boden gewann, ein entschiedener Vertreter der geisteswissenschaftlichen PĂ€dagogik. Er war weit ĂŒber seine Emeritierung hinaus Mitglied der 1964 gegrĂŒndeten Deutschen Gesellschaft fĂŒr Erziehungswissenschaft – sie ernannte ihn auch zum Ehrenmitglied[5] – und gehörte mehr als ein Jahrzehnt dem Auswahlausschuss der Studienstiftung des deutschen Volkes an. Lennert war befreundet mit dem deutsch-jĂŒdischen Essayisten und Dichter Werner Kraft (1896–1991)[6] und mit dem Jerusalemer PĂ€dagogen Ernst Simon[7]. Lennert trat vor allem als Autor der pĂ€dagogischen Zeitschriften „Denkendes Volk. BlĂ€tter fĂŒr Selbstbildung“ (Hrsg.: Adolf Grimme), „Die Sammlung“ (1945–1960) und „Neue Sammlung“ (1961–1986) hervor[8]. Rudolf Lennert lebte zuletzt in Tutzing am Starnberger See.

Seine letzte RuhestÀtte fand Rudolf Lennert auf dem Berliner Waldfriedhof Zehlendorf (Feld 022-361).

  • Die Religionstheorie Max Webers. Versuch einer Analyse seines religionsgeschichtlichen Verstehens. Kohlhammer, Stuttgart 1935 (Dissertation UniversitĂ€t Leipzig, 1931).
  • Dolmetscher im Gefangenenlager. In: Die Sammlung. Jg. 14 (1959), S. 75–88.
  • Verschlossenheit und Verborgenheit. Über einige PhĂ€nomene der inneren Erfahrung. Kohlhammer, Stuttgart 1965 (Mit der gedruckten Widmung: „Werner Kraft / dankbar gewidmet“). – Das Buch enthĂ€lt zahlreiche AufsĂ€tze und Essays, die vorher in den Zeitschriften Denkendes Volk, Die Sammlung und Neue Sammlung erschienen sind.
  • Über das Leben der deutschen Sprache in Jerusalem. In: Neue Sammlung. Jg. 6 (1966), S. 617–627 (ĂŒber Ludwig Strauss, Ernst Simon und Werner Kraft).
  • Wer war Martin Buber? In: Neue Sammlung. Jg. 8 (1968), S. 473–484.
  • Das Problem der gymnasialen Oberstufe. Hrsg. von Rudolf Lennert. Bad Heilbrunn/Obb.: Klinkhardt 1971 (Klinkhardts pĂ€dagogische Quellentexte). ISBN 3-7815-0137-X
  • „Bildung“ I. Zur Begriffs- und Geistesgeschichte. In: Theologische Real-EnzyklopĂ€die. In Gemeinschaft mit Horst Balz (u. a.). hrsg. von Gerhard Krause und Gerhard MĂŒller Bd. 6. Berlin, de Gruyter, New York 1980, S. 569–582, ISBN 3-11-008115-6.
  • Rudolf Lennert. * 5.12.1904. In: PĂ€dagogik in Selbstdarstellungen. Hrsg. von Ludwig J. Pongratz. Bd. 3. Hamburg: Meiner 1978, S. 150–193. ISBN 3-7873-0445-2.
  • Rudolf Lennert: Zugehörigkeit, Selbstbewußtsein, Fremdheit. Erinnerung an eine dunkle Zeit. In: Neue Sammlung. Jg. 26 (1986) S. 381–395.
  • Bernhard Schwenk: Ansprache auf der Trauerfeier fĂŒr Rudolf Lennert am 31. Mai 1988. In: Neue Sammlung. Jg. 28 (1988) S. 433–435.
  • Theresia Vennebusch-Beaugrand: Die Sammlung – Zeitschrift fĂŒr Kultur und Erziehung. Ein Beitrag zur deutschen NachkriegspĂ€dagogik. Köln: Böhlau 1993 (Studien und Dokumentationen zur deutschen Bildungsgeschichte. 50), S. 75 (die Mitarbeiter der „Sammlung“) und 196 (Lennerts BeitrĂ€ge in der „Sammlung“). ISBN 3-412-10092-7
  • Klaus-Peter Horn: Erziehungswissenschaft in Deutschland im 20. Jahrhundert. Zur Entwicklung der sozialen und fachlichen Struktur der Disziplin von der Erstinstitutionalisierung bis zur Expansion. Bad Heilbrunn/Obb.: Klinkhardt 2003. (Darin ĂŒber Rudolf Lennert: S. 134–135 und 278–279.) ISBN 3-7815-1271-1.

Einzelnachweise

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  1. ↑ Alle Angaben nach dem Lebenslauf in Lennerts Leipziger Dissertationsdruck „Die Religionstheorie Max Webers. Versuch einer Analyse seines religionsgeschichtlichen Verstehens“ (Druck: Kohlhammer 1935), S. 59, nach Lennerts Autobiographie: Rudolf Lennert. * 5.12.1904. In: PĂ€dagogik in Selbstdarstellungen. Hrsg. von Ludwig J. Pongratz. Bd. 3. Hamburg 1978, S. 150–193 und nach den Angaben in dem Aufsatz, der v. a. sein Leben als sog. „Mischling 2. Grades“ in der NS-Zeit behandelt: Rudolf Lennert: Zugehörigkeit, Selbstbewußtsein, Fremdheit. Erinnerung an eine dunkle Zeit. In: Neue Sammlung. Jg. 26 (1986) S. 381–395.
  2. ↑ Lebenslauf in Lennerts Leipziger Dissertation „Die Religionstheorie Max Webers. Versuch einer Analyse seines religionsgeschichtlichen Verstehens“ (1935), S. 59.
  3. ↑ Raul Hilberg: Die Vernichtung der europĂ€ischen Juden. Die Gesamtgeschichte des Holocaust. Aus dem Amerikan. von Christian Seeger (u. a.). Berlin: Olle & Wolter 1982, S. 53–63 („Definition“), hier S. 58.
  4. ↑ Lennert: Dolmetscher im Gefangenenlager. In: Die Sammlung. 14 (1959), S. 75–88.
  5. ↑ DGfE: Ehrenmitglieder (Memento des Originals vom 3. Dezember 2013 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprĂŒft. Bitte prĂŒfe Original- und Archivlink gemĂ€ĂŸ Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  6. ↑ Kraft widmete ihm das Gedicht Auf dem Sinai. In: Neue Sammlung. Jg. 9 (1969) S. 510f.
  7. ↑ Vgl. Rudolf Lennert: Gruß an Ernst Simon. In: Neue Sammlung. Jg. 9 (1969) S. 195.
  8. ↑ Hartmut von Hentig: Nachdenken und Nach-Denken. In: Neue Sammlung. Jg. 6 (1969), S. 487–492 (S. 491f.: Rudolf Lennert als Autor der 'Sammlung' und der 'Neuen Sammlung').