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Rohfell

aus Wikipedia, der freien EnzyklopÀdie
Salzen eines Schaf-Rohfelles beim Rauchwarenzurichter (Rötha, 2009)

Als Rohfell wird die einem Pelztier abgezogene, noch unzugerichtete oder ungegerbte Haut bezeichnet. Die fĂŒr die Pelzverarbeitung geeigneten Felle werden auch differenzierter als Pelzrohfelle bezeichnet.[1] Die grob entfleischte Haut befindet sich entweder noch im nassen Zustand oder ist getrocknet und vielleicht vorgespannt. GrĂ¶ĂŸere Posten Rohfelle werden im Rauchwarenhandel Rohware genannt.[2]

Soweit die jeweilige Gesetzgebung es zulĂ€sst, werden die anfallenden Felle entsprechend ihrer Eignung wirtschaftlich genutzt. Je nach Beschaffenheit der Behaarung, des Leders (StĂ€rke und Zustand der Haut), der GrĂ¶ĂŸe der FellflĂ€che, teils auch nach dem Grad der FĂ€rbung werden sie verschiedenen Industrien als Rohprodukt zugefĂŒhrt. Dies ist neben anderen Zwecken die Rauchwarenwirtschaft, die Haarschneide-Industrie, die Gerberei-Industrie und die Leimfabrikation. Bei entsprechender Eignung lĂ€sst sich der höchste Nutzen in der Regel bei der ZufĂŒhrung fĂŒr Pelzzwecke erzielen. Die bei der Haarverwertung abfallenden HĂ€ute lassen sich zusammen mit den nicht fĂŒr Pelz geeigneten Fellen zu Leder gerben.

Rohfellkonservierung

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Trocken konserviertes Swakarafell in Namibia

Je nach Fellart und Brauch kommen die Felle aufgeschnitten (offen) oder geschlossen (rund abgezogen), Haar innen oder außen, in den Handel. Nur voll ausgereifte, unbeschĂ€digte und gut getrocknete Rohfelle erzielen höchste Tagespreise. Diese Felle in ihrer besten QualitĂ€t sind auch von der Lederseite aus zu erkennen. Sie haben ein helles Leder („weißledrig“), im Gegensatz zu nicht ausgereiften, grĂŒnlichledrigen Fellen („grĂŒnledrig“).[3]

Die Gewinnung der Rohfelle geschieht in den Stufen: Töten des Tieres, Abziehen, Reinigen, Spannen und Trocknen des Felles und einer Nachbehandlung.

Die Rohfelle sind nach dem Abbalgen mit Aas- und Fettresten behaftet. In diesem feuchten Zustand beginnen sie sehr schnell zu faulen und werden von Insekten befallen. Alle Konservierungsverfahren beruhen darauf, den Wassergehalt der Haut auf ein solches Minimum zu senken, dass die Lebensbedingungen fĂŒr Bakterien und andere Mikroorganismen, die den Zersetzungsprozess hervorrufen, unterschritten werden. Um das Faulen zu verhindern, mĂŒssen die Felle sofort getrocknet, durch Einsalzen, Trockensalzen oder Pickeln haltbar gemacht werden. Unter Trockensalzen wird eine Behandlung des Rohfells in gesĂ€ttigter Kochsalzlösung mit anschließender Trocknung oder Salzen mit zusĂ€tzlicher nachfolgender Trocknung verstanden. Eine SĂ€ure-Salz-Lösung, als Pickel bezeichnet, wirkt ebenfalls entwĂ€ssernd und konservierend.[4] Eventuell vor dem Trocknen eingesalzen werden unter anderem Seehundfelle und die auch gelegentlich als Salzfelle bezeichneten Bagdadlammfelle. SachgemĂ€ĂŸ getrocknete Rohfelle können bei weiterer richtiger Behandlung jahrelang in rohem Zustand gelagert werden.[2]

RohfellschÀden

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Wertminderungen an Rohfellen entstehen vor allem durch falsche Behandlung, abgesehen von bereits beim lebenden Tier entstandenen Fehlern, wie Kahlstellen, Nachwuchsstellen, Bisswunden oder sonstigen Hautverletzungen. Beim Abziehen und beim Entfleischen dĂŒrfen die Felle nicht eingerissen oder durch das Messer beschĂ€digt werden. Fleisch und Fettteile sind FĂ€ulnisherde und mĂŒssen möglichst entfernt werden. Insbesondere Felle aus warmen LĂ€ndern weisen hĂ€ufiger glasige, harte, als „rohverbrannt“ bezeichnete Stellen auf, die bei der Zurichtung nicht mehr weich und zĂŒgig gemacht werden können. Der Fehler entsteht meist, wenn Felle in zu heißer Sonne oder am Ofen getrocknet werden. Betroffen ist das Kollagen, dem GerĂŒsteiweiß des Bindegewebes, aus dem die Haut fast ausschließlich besteht; das sich in heißem Wasser zu Glutinleim auflöst.[4] Bei nicht sachgemĂ€ĂŸer Konservierung gefĂ€hrden bei lĂ€ngerer, ungekĂŒhlter Lagerung PelzschĂ€dlinge das Fell (Motten, SpeckkĂ€fer und andere).

Eine der ersten Sortiermaschinen fĂŒr Nerz-Rohfelle (2009)

Die Staaten, die aufgrund ihres natĂŒrlichen Vorkommens im besonderen Maß zum Fellaufkommen beitragen, bezeichnet der Handel als Rohfelllieferanten. Das sind neben anderen vor allem Kanada, insbesondere mit Alaska die Vereinigten Staaten, Russland, China und Australien. Die Exporte der Felle können als Rohfelle oder zugerichtet erfolgen. Verschiedene LĂ€nder schrĂ€nken oder schrĂ€nkten in der Vergangenheit den Export von Rohfellen ein, um die eigene Fellverarbeitungsindustrie zu schĂŒtzen, beispielsweise Argentinien.

Als Rohfellsaison bezeichnet der Handel den Zeitraum, in der aus der Natur entnommene Felle in ihrer besten QualitĂ€t anfallen. In nördlichen Gegenden ist das die Zeit von Anfang November bis Ende Februar. SĂŒdlich des Äquators sind das die Monate, in denen in Mitteleuropa Sommer ist. Vorzeitig anfallende Felle gelten als Herbstanfall („Falls“), der SpĂ€t- oder FrĂŒhjahrsanfall („Springs“) ist ebenfalls wesentlich geringer in der QualitĂ€t. Die Rohfellsaison kann zudem durch gesetzliche Schonzeiten eingeschrĂ€nkt sein.[2]

Der Rohfellhandel der vor Ort gesammelten oder aus Zucht stammender Felle findet hauptsĂ€chlich ĂŒber Auktionsgesellschaften statt. Die erste Fellauktion wurde 1671 von der Hudson’s Bay Company in London veranstaltet. Auf den Auktionen werden fast ausschließlich rohe, noch nicht zugerichtete Felle angeboten.[5] Die Auktionsgesellschaften haben ihren Sitz in den UrsprungslĂ€ndern der Felle, einige versteigern und handeln im Freihandverkauf auch auslĂ€ndische Ware. Die KĂ€ufer hatten wegen Kosten- und Zeitaufwand immer schon ein Interesse daran, möglichst wenig AuktionsplĂ€tze aufsuchen zu mĂŒssen. Die Möglichkeit des Online-Bietens verringert kĂŒnftig wahrscheinlich zunehmend das persönliche Einkaufen im Auktionssaal. Die mit Abstand grĂ¶ĂŸte Auktionsgesellschaft war bis 2024 Kopenhagen Fur, eine GrĂŒndung der dĂ€nischen PelztierzĂŒchter. Das Unternehmen handelt nicht nur weltweit den grĂ¶ĂŸten Anteil der anfallenden Nerzfelle, sondern unter anderem auch die „Swakara“ genannten Lammfelle aus Namibia. Hier werden die rohen Felle ein letztes Mal sortiert, um dem KĂ€ufer eine zusammenpassende Ware anzubieten und um einen der jeweiligen QualitĂ€t angepassten unterschiedlichen Preis zu ermöglichen. Sie werden nach Sorten getrennt und in fĂŒr die erwarteten KĂ€ufer geeignete LosgrĂ¶ĂŸen aufgeteilt.

Nach den Auktionen werden die erzielten Preise der verschiedenen Fellarten, Fellsorten, FellgrĂ¶ĂŸen und QualitĂ€ten als Marktnotierungen veröffentlicht und mit den Ergebnissen der vorangegangenen Auktion derselben Gesellschaft verglichen. Verschiedene LĂ€nder erstellen Handelsstatistiken, in denen Angaben ĂŒber den Wert und die Menge der jĂ€hrlichen Ein- und Ausfuhr von Rohfellen aufgefĂŒhrt sind. Die Rohfellposition gibt die jeweilige Stellung, beziehungsweise Notierung an, in der die Felle gegenĂŒber anderen ZollgĂŒtern aufgefĂŒhrt werden. Innerhalb des Zollverfahrens oder in der Ein- und Ausfuhrstatistik wird das Pelzwerk aufgeteilt in Rohfelle, zugerichtete Felle, gefĂ€rbte Felle, Pelzhalbfabrikate, Fertigfabrikate usw.[2]

Bereits in den 1920er Jahren kaufte der endverarbeitende KĂŒrschner nicht mehr „nur rohe FĂŒchse, Marder, Iltisse, Wiesel, Eichhörnchen, MaulwĂŒrfe, Kanine und Katzen, er zieht es ab und zu vor, einen Versuch mit rohen Skunks, amerikanischen oder australischen Opossums und anderen zu machen. Silber-, Kreuz-, Polar-, Blau- und AlaskafĂŒchse kommen ebenso oft im rohen Zustand zum KĂŒrschner, wie obgenannte heimische Sorten.“[6]

Hauptabnehmer der Rohfelle ist jedoch zuerst der Rauchwarengroßhandel, der die Felle entweder direkt vor Ort oder auf den Auktionen erwirbt. Auf den Auktionen kaufen außerdem große Konfektions- und KĂŒrschnerbetriebe. Die Rohfelle gehen in deren Auftrag meist direkt zu den fĂŒr die Ware am besten geeigneten Pelzveredlungsfirmen. Die Aufgabe des Zwischenhandels ist es außerdem, die Felle noch einmal zu sortieren, zu kĂŒrschnergerechten Mantel-, Jacken- und Besatzsortimenten, und sie am Lager bereitzuhalten. Er trĂ€gt damit unter anderem einen Teil des Risikos bei der Auswahl der marktgerechten Ware, von Konjunkturschwankungen und, vor allem bei Wildware, das Risiko von AusfĂ€llen durch versteckte MĂ€ngel.[7]

Bundesrepublik Deutschland

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Im Jahr 1963 wurden aus der Bundesrepublik Rohfelle
im Wert von 11,5 Millionen DM ausgefĂŒhrt.
Die Importe von Pelzrohfellen betrugen:[8]
ausin Mill.
DM
ausin Mill.
DM
USA40,7Volksrepublik China26,7
DĂ€nemark22,5Schweden19,1
Norwegen15,4Kanada12,7
Brasilien12,2Großbritannien5,6

Bis vor dem Zweiten Weltkrieg war die Gegend um den Leipziger BrĂŒhl der Hauptumschlagplatz fĂŒr Pelzrohfelle, bis zur MachtĂŒbernahme der Nationalsozialisten und gleichzeitiger Vertreibung der zumeist jĂŒdischen FellhĂ€ndler im Jahr 1933 einer der drei weltgrĂ¶ĂŸten RauchwarenhandelsplĂ€tze ĂŒberhaupt. Diesen Platz nahm nach dem Krieg sehr schnell das Viertel um die Frankfurter Niddastraße ein, hauptsĂ€chlich mit ehemals Leipziger RauchwarenhĂ€ndlern. Bereits zehn Jahre nach Kriegsende expandierte die Pelzbranche in ungewöhnlichem Ausmaß. Im Frankfurter Pelzviertel gab es immer mehr PelzkonfektionĂ€re und ihnen zuarbeitende KĂŒrschnereien. Anders als in Leipzig waren die Pelzzurichtereien nicht mehr um die Stadt herum angesiedelt, sondern verteilten sich, bevorzugt im SĂŒden der Bundesrepublik. Aber alle wesentlich ĂŒberregional tĂ€tigen Pelzveredler unterhielten GeschĂ€ftsstellen im Pelzviertel Niddastraße, in der Branche Frankfurter „BrĂŒhl“ genannt.

Im Jahr 1980 lag der Wert der in diesem Jahr in die Bundesrepublik Deutschland eingefĂŒhrten Felle, bei einem Zuwachs von 12 Prozent, erstmals ĂŒber einer Milliarde DM. Den Hauptanteil an der Gesamteinfuhr im Wert von 1.057,4 Mill. hatten Nerzrohfelle, 4,5 Mio. StĂŒck im Gesamtwert von 402 Mill. DM. Die Einfuhr von Karakulfellen war dagegen leicht rĂŒcklĂ€ufig, entsprechend dem anhaltenden Modetrend mit einem Wechsel vom Persianer zum Nerz.[9]

In der Nachkriegszeit wurden die anfallenden Wildfelle in beiden Teilen Deutschlands noch fast ausnahmslos genutzt.[10] Im amerikanisch besetzten Baden-WĂŒrttemberg musste laut einer Anordnung des Landwirtschaftsamtes sogar jedes fĂŒr die Verarbeitung geeignete Fell innerhalb von 30 Tagen bei den zustĂ€ndigen Sammelstellen abgeliefert werden.[11] In der Bundesrepublik geschieht dies inzwischen nur noch in sehr geringem Umfang. Insbesondere werden die wegen der Deich- und UferschĂ€digung unerwĂŒnschten Neobiota Bisamratte und Nutria auf behördliche Anweisung bejagt und deren Felle kaum verwertet. Auch die erlegten RotfĂŒchse wurden in der Vergangenheit nur zu einem kleinen Teil ĂŒber verschiedene gewerbliche HĂ€ndler oder als Eigenbedarf einer Verwertung zugefĂŒhrt. AufkĂ€ufer sind in der Regel Rauchwarenhandlungen oder Pelzzurichter. Um der immer weiter zurĂŒck gegangenen Nutzung von Wildfellen entgegenzuwirken, hat der deutsche Jagdverband Ende 2016, gemeinsam mit dem Landesjagdverband Baden-WĂŒrttemberg, die Fellwechsel GmbH gegrĂŒndet, ein Unternehmen, das Felle verarbeiten lĂ€sst und vermarktet.[12]

Deutsche Demokratische Republik

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Der einzige jĂŒdische FellhĂ€ndler vom BrĂŒhl, von dem bekannt ist, dass er das Konzentrationslager ĂŒberlebte und nach Leipzig zurĂŒckkam, war Albert Hirschfeld (* 1891; † 1961), im Fachverzeichnis von 1938 noch mit der Adresse BrĂŒhl 46/48 aufgefĂŒhrt.[13][14]

Im Jahr 1976 erschien von Horst Keil, basierend auf seiner Dissertation, ein grundlegendes Werk ĂŒber den Handel mit Rohfellen in der damaligen DDR. Er definierte als Pelzrohfelle „alle Rohfelle (vom Tierkörper abgezogene Haut mit Haarkleid) [
], die entsprechend der Schönheit und Dichte des Haarkleides sowie dem entsprechenden Zustand des Leders in der Rauchwarenindustrie zugerichtet, veredelt und, wenn erforderlich, gefĂ€rbt und dann zu PelzbekleidungsstĂŒcken fĂŒr den KĂ€lteschutz und zu Schmuckzwecken verarbeitet werden können. Rohe Felle, die fĂŒr diesen Verwendungszweck in der Rauchwarenindustrie genutzt werden können, sind Rauchwaren. [
] Als Pelzfelle sind nur zugerichtete und veredelte Felle zu bezeichnen, die kĂŒrschnermĂ€ĂŸig zu Pelzwerk verarbeitet werden können. [
] Diese eindeutige Definition der Begriffe Pelzrohfell, Pelzfell, Rauchwaren ist notwendig, weil in der Rauchwarenbranche fĂŒr gleiche Begriffe verschiedene Bezeichnungen verwendet werden. Diese Erscheinung zeigt sich auch in der Literatur. Der Begriff Fell wird fĂŒr die vom Tierkörper abgezogene Haut mit Haarkleid im rohen oder veredelten, zugerichteten Zustand und der Begriff Pelz fĂŒr das in einem BekleidungsstĂŒck verarbeitete Fell gebraucht. Auch werden als Rohfell die abgezogenen, unzugerichteten, ungegerbten TierbĂ€lge und als Pelzfell die zugerichteten und (sofern erforderlich) gefĂ€rbten Felle, die bereits zur Herstellung von PelzbekleidungsstĂŒcken bestimmt sind, bezeichnet.“[1]

In der Rohfellsaison 1961/62 betrug die Produktion, nach Erzeugerpreisen, in der DDR 21,7 Millionen Mark, bei einem Weltaufkommen von schĂ€tzungsweise 350 Millionen US-Dollar. HauptsĂ€chlich fielen in der DDR KĂŒrschnerkanin an, mit einem Anteil am Gesamtvolumen von 65,3 %, Hamsterfelle 24,91 %, Nerzfelle 1,39 %, sowie sonstige Wildfelle 1,39 %, der Rest waren Nebenprodukte der Fleischproduktion einschließlich Nutria, bei der das Fleisch ein Nebenprodukt war.[1]

Als Aufkommen an Arten von Pelzrohfellen in der DDR wurden 1976 genannt:

Aus der Edelpelztierzucht der DDR
NerzfelleEdelfuchsfelle (Silber-, Platin-, Blaufuchs)
WaschbÀrfelleKarakulfelle (Persianer)
Nutriafellegeplant: Chinchilla
Aus der Schlachtung zur Fleischgewinnung
KalbfelleSchaffelle, Lammfelle, Schmaschenfelle,
Forschenfelle (Alter zwischen Lamm und Schmaschen)
Ziegenfelle, ZickelfelleKaninfelle (Zahmkanin)
Sonstige aus Haustierhaltung
KatzenfelleMeerschweinchenfelle
Aufkommen aus Jagd und Fang
EichhörnchenfelleOtterfelle
HamsterfelleWieselfelle
IltisfelleMaulwurffelle
BaummarderfelleWildkaninfelle
SteinmarderfelleBisamfelle
RotfuchsfelleHasenfelle

Die Beschaffung und der Vertrieb der Rohfelle der DDR unterlag der VEAB – Volkseigener Erfassungs- und Aufkaufbetrieb fĂŒr tierische Rohstoffe. Um 1965 gab es ĂŒber das Land verteilt 91 Erfassungsstellen fĂŒr tierische Rohstoffe und 119 Erfassungslager oder -lĂ€den, in denen die Einzelanlieferungen aufgekauft und gesammelt wurden. Soweit die Rohfelle nicht konserviert angeliefert wurden, ĂŒbernahmen dies die Vertriebsorganisationen. Die Leipziger Auktionen dienten zur Devisenbeschaffung, KĂ€ufer waren dort ausschließlich Firmen aus „kapitalistischen“ LĂ€ndern, insbesondere den USA, Großbritannien, Italien, Schweiz und der Bundesrepublik.[1]

Nicht nur in Österreich haben seit etwa nach 2000 zahlreiche Pelzzurichtereien geschlossen. Auf einer Firmenhomepage eines Betriebs in der Steiermark war 2020 zu lesen, dass keine Pelzgerbung von Raubwild, Schwarzwild, Hochwild und Gamswild mehr angeboten wird, weil die AuftrĂ€ge durch den Wegfall der Mitbewerber nicht mehr zu bewĂ€ltigen waren und am regionalen Markt keine ArbeitskrĂ€fte zu bekommen waren. Stattdessen wolle man sich auf das Gerben von SĂ€mischleder fokussieren.[15]

Historische Verpackung der Rohfelle

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Bis die Rohfelle bei den Veredlern in den weiterverarbeitenden LĂ€ndern eintrafen, hatten sie großteils einen weiten Weg hinter sich, auf dem sie oft vielfĂ€ltigen BeeintrĂ€chtigungen und Gefahren ausgesetzt waren. Schon in Anbetracht des hohen Wertes war es angebracht, dass sie angemessen geschĂŒtzt transportiert wurden. Die Kisten- und die Fassverpackung wurde gewĂ€hlt, wenn die Ware besonders wertvoll war und vermieden werden sollte, dass die Rohfelle durch Pressen oder SchnĂŒren in der QualitĂ€t leiden. Sie schĂŒtzte die Felle auch vor der BeschĂ€digung durch die beim Verladen oft verwendeten Ballenhaken. Besonders handelsĂŒblich waren Kiste, Fass, Ballen, Korb, Paket und PĂ€ckchen. Waren die Überseetransporte ganz besonders wertvoll, wurden eine seetĂŒchtige Kistenverpackung gewĂ€hlt. Diese war aus solidem Holz gefertigt, wasserdichtes Ölpapier bot einen guten Schutz vor NĂ€sse. Um einen Diebstahl zu verhindern, wurden manchmal zwei ineinander gelegte Kisten verwendet. Oft wurden die Kisten auch mit einer ZinkhĂŒlle ausgeschlagen, die am Kopfende zugelötet wurde.[16]

HÀufig benutzt wurden Bastkörbe und Weidenholzgeflechte. HauptsÀchlich im Pelzhandel in China und Russland wurde dieses, dort reichlich vorhandene Material verwendet, das durch sein geringes Gewicht die Frachtkosten bei langen Transportwegen nicht wesentlich erhöhte.[16]

Russland versandte die Rohfelle hauptsĂ€chlich in Ballenform. Eine kunstgerechte Ballenstricklegung oder ein BallenknĂŒppel ermöglichten es, die Stricke sehr fest anzuziehen. DafĂŒr mussten die Felle geschickt gelegt werden, „das heißt kreuzweise und oft verbindend mit den Fellköpfen“, um eine haltbare Masse zu schaffen. Das Ganze wurde anschließend in Bastmatten eingenĂ€ht. SeetĂŒchtig verpackte Ballen wurden mit einer Ballenpresse komprimiert: „Die rohen Felle werden dabei in Schichten in eine aus einem HolzgerĂŒst bestehende Presse gelegt. Darauf liegen Taue, die ĂŒber eine Welle gehen. Das Zusammenpressen erfolgt ruckweise ĂŒber ein Zahnrad, das durch einen starken KnĂŒppel weitergewunden wird. Die Fellmasse wird, soweit die Kraft der Arme des Packers reichen, zu einer Ballenmasse zusammengepreßt.“ Es gab jedoch 1937, in dem hier zitierten Jahr, bereits „Spezialpressen mit hydraulischem Druck, die viele Tausende von Rohfellen in enorme BallengrĂ¶ĂŸen verstauen“. Zusammengehalten und geschĂŒtzt wurden sie durch StahlbĂ€nder („Bandeisen“). Rohfelle in solchen Ballen können leicht ins „Schwitzen“ oder „Heißwerden“ geraten, besonders wenn sie beim Einpacken feucht und fettig waren. Waren sie dann nicht ausreichend gepresst und es geriet Luft an die Felle, kam es hĂ€ufig zu einem Anschimmeln der Felle. „Gewissenhafte Verpacker“ verhĂŒteten Wurmfraß durch das Einstreuen von Kampfer oder Naphthalin. Nicht nur die inzwischen als Swakara bezeichneten Persianer aus SĂŒdwestafrika, dem heutigen Namibia, wurden auf der Lederseite mit einer giftigen Lösung eingestrichen, die ebenfalls Insektenfraß verhindern sollte.[16]

FĂŒr schnelle Transporte und leichte Fellgewichte wurden, wie noch heute, Pakete oder PĂ€ckchen verwendet. In den 1930er Jahren wurde jedoch noch berichtet, dass die Felle nach vorherigem EinschnĂŒren in eine Art weiße Leinwand oder in die gröbere graue Sackleinwand eingenĂ€ht wurden. Diese Pakete oder PĂ€ckchen wurden dann in kurzen AbstĂ€nden gut mit Schellack versiegelt, um damit auf dem Weg die Diebstahlsgefahr zu vermindern. Ein Pappkarton als UmhĂŒllung wurde weniger verwendet, da die LeinwandumhĂŒllung nicht so empfindlich gegen das Werfen wĂ€hrend des Umladens war.[16]

  • Anhand der Verpackung konnten Fachleute in den 1930er Jahren bereits die Art des Inhalts erkennen:
In handgeschnĂŒrten Ballen mit BasthĂŒlle kamen aus Russland, Sibirien und China weiße, allerdings bereits gegerbte, Hasenfelle, die nach Gewicht verkauft wurden, die Verpackung mit eingerechnet. Murmelfelle, ebenfalls ein wichtiger Exportartikel Russlands, wurden kunstgerecht gelegt und in den Lagen mit Naphthalin bestreut. Chinesische Mufflons waren ebenfalls gegerbt und ließen sich daher besser als Ballen verpacken. Um Frachtkosten zu sparen, schickten HĂ€ndler aus Nordamerika sowie Australien, Bisam-, Opossum-, Wallaby- und Bisamfelle, aus SĂŒdamerika Nutria-, Opossum- und Fuchsfelle in besonders großen Ballen verpackt, aber auch in seetĂŒchtigen Kisten. Auch die Steppenfuchsfelle aus Kleinasien kamen in Ballen, „die aber oft eine sorgfĂ€ltige Verpackung vermissen lassen“. Die rohen Persianer aus Russland, die schon mit einer Kleiebeize vorbehandelt waren, wurden mit farbigen WollfĂ€den gebĂŒndelt, in eine weiße HĂ€utehĂŒlle verschnĂŒrt, ĂŒber die eine weitere Leinwand als AußenumhĂŒllung kam. Indiens Hauptpelzartikel, Indisch Lammfelle und Indisch Breitschwanz, erst seit Ende der 1920er Jahre im Handel, kamen meist ebenfalls als LeinwandpĂ€ckchen.[16][17]
Hermelin-, Marder- und Kolinskyfelle wurden bei grĂ¶ĂŸeren Anlieferungen immer in den widerstandsfĂ€higeren Bastkörben verpackt.[16]
Rohe Seehund- und Robbenfelle wurden in der Regel in FĂ€ssern eingepökelt angeliefert. Die Seehundfelle wurden zuvor gewaschen, um Tranflecken zu entfernen, die bei lĂ€ngerer Lagerung zu einem nur schwer wieder zu beseitigen Vergilben fĂŒhren.[18] In Finnland wurden, insbesondere fĂŒr den Versand von Edelfuchsfellen, gern FĂ€sser verwendet. Das langhaarige Fell von Blau-, Silber-, Weiß und RotfĂŒchsen leidet beim Zusammenpressen oder SchnĂŒren.[16]
Die bereits vorgegerbten Tibetlammfelle aus China kamen in rechteckigen Kisten aus besonders hartem Holz, innen mit orangefarbigem Ölpapier ausgeschlagen.[16] In noch frĂŒherer Zeit galt das auch fĂŒr die VogelbĂ€lge zum Garnieren von HĂŒten, von Grebes und anderen, die aus Russland und Kleinasien kamen.[16] Über die Felle des Afrikanischen Strauß, dem grĂ¶ĂŸten noch lebenden Vogel, vermerkte ein Handbuch fĂŒr den HĂ€utehandel im Jahr 1956:
Gesalzen konservierte Felle haben eine GrĂ¶ĂŸe von 6 bis 9 Quadratfuß, Felle der 2. QualitĂ€t sind etwas kleiner (5 bis 8 Quadratfuß). Die Ware kommt in SĂ€cken zur Verladung.
Die GrĂ¶ĂŸe trockener Felle liegt zwischen 5 und 8 Quadratfuß. Die QualitĂ€t der trockenen Felle ist schlechter als der gesalzenen. Die Ware kommt in Ballen zur Verladung. Die afrikanische Ware ist stĂ€rker fehlerhaft (schnittig, durch Schnitte beschĂ€digt), schon weil es sich nicht um Schlachthausware handelt.[19]

Bei der Zurichtung wird das Leder der Rohfelle in einen dauerhaften, fĂŒr die Verarbeitung geeigneten Zustand ĂŒberfĂŒhrt. Im Gegensatz zum Gerben bleibt das Haarkleid hierbei erhalten. Rund, nicht der LĂ€nge nach aufgeschnittene Felle werden wenn nötig oder fĂŒr die Weiterverarbeitung sinnvoll, vor dem Zurichten flach gelegt. Maschinell geschieht das Aufschneiden mit der Rohfellaufschneidemaschine.[4]

Im Jahr 1951 erwĂ€hnt, wurde wohl noch zu dieser Zeit von der Firma Roebuck & Co. in Chicago alljĂ€hrlich ein Rohfellwettbewerb ausgetragen. Die QualitĂ€t oder GrĂ¶ĂŸe der Felle blieb hierbei unberĂŒcksichtigt, es wurde nur der Zustand des Rohbalges bewertet. Damit sollten die Trapper angespornt werden, die Felle sachgemĂ€ĂŸ zu behandeln und damit wertmĂ€ĂŸig zu verbessern: „So erhielt 1934 der Trapper Joseph E. Fischer in Merryweather [Merriweather?] im Staate Michigan (U. S. A.) den ersten Preis in Anbetracht der hervorragend guten und sachgemĂ€ĂŸen Behandlung der von ihm aufgebrachten Rohfelle. Der Fallensteller hatte sich an dem Wettbewerb mit vier Bisamfellen, drei Skunks, fĂŒnf Nerzen, zwei Wieseln, drei Wildkatzen und einem Wolfsfell beteiligt.“[2]

Commons: Rohfelle – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Commons: Pelzfelle nach Arten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. 1 2 3 4 Horst Keil: Der Handel mit Pelzrohfellen der DDR. Zentrale Leitstelle fĂŒr Information und Dokumentation des Instituts fĂŒr Erfassung und Aufkauf landwirtschaftlicher Erzeugnisse, Berlin (Hrsg.), 1967, S. 9. → Inhaltsverzeichnis. GekĂŒrzte und ĂŒberarbeitete Fassung einer Dissertation ĂŒber das Thema: Die Organisation und Leitung des Beschaffungshandels mit Pelzrohfellen in der DDR. FakultĂ€t der Karl-Marx-UniversitĂ€t Leipzig, S. 9, 11, 15, 16, 49, 53, 68.
  2. 1 2 3 4 5 Alexander Tuma: Pelz-Lexikon. Pelz- und Rauhwarenkunde, Band XXI. Alexander Tuma, Wien 1951, S. 44–46, Stichworte „Rohfell“, „Rohfellimporte“, „Rohfellieferanten“, „Rohfellmarkt“, „Rohfellposition“, „Rohfellsaison“, „Rohfell-Wettbewerb“, „Rohpersianer“, „Rohrauchware“, „Rohverbrannte Felle“.
  3. ↑ R. Fritzsche, Friedrich Joppich, Curt Kniesche, Walter Krauße, Paul Schöps, W. Spöttel: Rohfell-Gewinnung und Verwertung, Arbeit Nr. 30. Deutsche Gesellschaft fĂŒr Kleintier- und Pelztierzucht, Leipzig 1933, S. 3.
  4. 1 2 3 Autorenkollektiv: Rauchwarenherstellung und Pelzkonfektion. VEB Fachbuchverlag Leipzig 1970, S. 46, 57–59, 129 (→ Inhaltsverzeichnis).
  5. ↑ Ulf D. Wenzel: Das Pelztierbuch. Verlag Eugen Ulmer, Köln 1990, S. 22.
  6. ↑ Alexander Tuma jun.: Die Praxis des KĂŒrschners. Julius Springer, Wien 1928, S. 50. (→ Inhaltsverzeichnis).
  7. ↑ Arthur Hermsdorf, Gerd Kursawe, Peter Tonert: Der Fellgroßhandel nach 1945 - Eine RĂŒckschau. In: Rauchwarenmarkt Br. 11–12, Dezember 1985, S. 6.
  8. ↑ Klothar J. MĂŒller: Die Bundesrepublik wichtiges Zentrum des europĂ€ischen Pelzhandels. In: Rund um den Pelz Nr. 6, Juni 1965, S. 42.
  9. ↑ Pelzein- und Ausfuhr 1980: Rohfelleinfuhr erstmals ĂŒber eine Million. In: Winckelmann Pelzmarkt Nr. 583, Winckelmann Verlag, Frankfurt am Main, S. 1–2. PrimĂ€rquelle: Statistisches Bundesamt Wiesbaden.
  10. ↑ Peter Melchers: Die Großhandelsbetriebe in der Rauchwarenwirtschaft. Westkulturverlag Anton Hain, Meisenheim, Wien, 1953, S. 32.
  11. ↑ Anordnung 3/46 des Wirtschaftsministeriums WĂŒrttemberg/Baden - Landwirtschaftsamt - zur DurchfĂŒhrung der Anordnung III/46 vom 16. Dezember 1946. 16. Dezember 1945.
  12. ↑ Homepage Fellwechsel. Zuletzt abgerufen am 18. Januar 2019.
  13. ↑ Walter Fellmann: Der Leipziger BrĂŒhl. VEB Fachbuchverlag, Leipzig 1989, S. 209.
  14. ↑ FĂŒhrer durch den BrĂŒhl und die Berliner Pelzbranche, Werner Kuhwald Verlag, Leipzig 1938, S. 48.
  15. ↑ Homepage der Gerberei SchlĂŒĂŸlmayr, Gröbming. Zuletzt abgerufen am 28. Januar 2020.
  16. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 Ohne Autorenangabe: HandelsĂŒbliche Verpackung der Rohfelle. In: Der Rauchwarenmarkt, 18. Juni 1937, S. 3.
  17. ↑ „Ch.“: Die Entwicklung des Rohfellmarktes in Indien. In: Der Rauchwarenmarkt, 1. Dezember 1939, S. 8.
  18. ↑ Christian Franke, Johanna Kroll: Jury FrĂ€nkel’s Rauchwaren-Handbuch 1988/89. 10. ĂŒberarbeitete und ergĂ€nzte Auflage. Rifra-Verlag, Murrhardt 1988, S. 322–323, 330, 361.
  19. ↑ John Lahs, Georg von Stering-Krugheim: Handbuch ĂŒber WildhĂ€ute und Felle. Von der Firma Allgemeine Land- und Seetransportgesellschaft Hermann Ludwig, Hamburg (Hrsg.), Hamburg 1956, S. 237.