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Revolte

aus Wikipedia, der freien EnzyklopÀdie

Unter einer Revolte versteht man ein Aufbegehren, einen Aufruhr oder einen Aufstand von Menschen.

Begriffsbestimmung

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Im Gegensatz zur Revolution steht der Begriff der Revolte meist fĂŒr das Sich-Auflehnen einer kleineren Gruppe von Personen mit lokaler Begrenzung. Typische Beispiele sind Gefangenen-, Sklaven-, Bauern-, Armeen- oder Arbeiterrevolten, wobei der Begriff hier synonym zu Aufstand gebraucht wird. Eine Revolte von Truppenteilen oder Schiffsbesatzungen wie auch Strafgefangenen wird in der Rechtssprache als Meuterei bezeichnet.

Eine Revolution dagegen ist ein Aufstand von weitaus grĂ¶ĂŸerer Tragweite, z. B. die Französische Revolution von 1789, die zu einem Umsturz der VerhĂ€ltnisse in ganz Frankreich fĂŒhrte und auch die NachbarlĂ€nder in Mitleidenschaft zog. Oft spricht man auch von Revolten, wenn ein Revolutionsversuch gescheitert ist. Manchmal werden gescheiterte Revolutionen jedoch als Revolution bezeichnet, wie etwa die MĂ€rzrevolution 1848/49.

Revolte kann auch in einem eher individuellen Sinn verstanden werden. Der Begriff bedeutet dann die Auflehnung eines Individuums gegen von außen auferlegte oder verinnerlichte ZwĂ€nge und Erwartungen, etwa gegen die Familie oder die sozialen Normen der Gesellschaft.

„Revolten kennen im allgemeinen nur das Scheitern, sonst wĂ€ren sie Revolutionen. Die gescheiterte Revolte indessen greift in die Geschichte ein, sie setzt Zeichen, die teils verschwinden, um spĂ€ter wieder aufzutauchen, sie verĂ€ndern doch die Welt.“

– Johannes Agnoli[1]

Überlieferter Dialog zwischen dem Herzog von Liancourt und dem König Ludwig XVI.; Liancourt ĂŒberbrachte die Nachricht, dass die Bastille von den aufstĂ€ndischen Parisern erobert worden sei:

Liancourt: Sire, ils ont pris la Bastille!
König: C’est une rĂ©volte?
Liancourt: Non, Sire, c’est une rĂ©volution![2]

BĂŒcher

  • Jean AmĂ©ry: Über das Altern. Revolte und Resignation. (= Cottas Bibliothek der Moderne. Band 62). 6. Auflage. Klett-Cotta, Stuttgart 1987, ISBN 3-608-95494-5.
  • Clive Bloom: Violent London. 2000 years of riots, rebels and revolts. Sidgwick & Jackson, London u. a. 2003, ISBN 0-283-07310-1.
  • Der große Bruch. Revolte 81 (= Kursbuch (Zeitschrift)|Kursbuch. 65). Rowohlt Berlin, Berlin 1981.
  • Paul Burgard: Tagebuch einer Revolte. Ein stĂ€dtischer Aufstand wĂ€hrend des Bauernkrieges 1525 (= Historische Studien. Band 20). Campus-Verlag, Frankfurt am Main u. a. 1998, ISBN 3-593-35850-6 (Zugleich: SaarbrĂŒcken, UniversitĂ€t, Dissertation, 1996).
  • Fritz Brupbacher: Michael Bakunin. Der Satan der Revolte. Neuer Deutscher Verlag, ZĂŒrich 1929 (Nachdruck: Libertad-Verlag, Berlin 1979, ISBN 3-922226-00-0).
  • Albert Camus: Der Mensch in der Revolte. Essays. Rowohlt, Hamburg 1953.
  • Claude Dufresne: Les rĂ©voltes de Paris. 1358–1968. Bartillat, Paris 1998, ISBN 2-84100-130-X.
  • Werner Giesselmann: „Die Manie der Revolte“. Protest unter der französischen Julimonarchie (1830–1848) (= Ancien RĂ©gime, AufklĂ€rung und Revolution. Band 25). Oldenbourg, MĂŒnchen 1993, ISBN 3-486-55955-9 (Zugleich: Heidelberg, UniversitĂ€t, Habilitations-Schrift, 1984).
  • Paul A. Gilje: Rioting in America. Indiana University Press, Bloomington IN 1996, ISBN 0-253-32988-4.
  • Ursula GĂŒnther: Die Frau in der Revolte. Fatima Mernissis feministische Gesellschaftskritik (= Mitteilungen des Deutschen Orient-Instituts im Verbund der Stiftung Deutsches Übersee-Institut. 46). Deutsches Orient-Institut, Hamburg 1993, ISBN 3-89173-031-4 (Zugleich: Hamburg, UniversitĂ€t, Magisterarbeit, 1993).
  • Eric J. Hobsbawm: Revolution und Revolte. AufsĂ€tze zum Kommunismus, Anarchismus und Umsturz im 20. Jahrhundert. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1977, ISBN 3-518-07433-4.
  • Christina von Hodenberg: Aufstand der Weber. Die Revolte von 1844 und ihr Aufstieg zum Mythos (= Dietz-Taschenbuch. 73). Dietz, Bonn 1997, ISBN 3-8012-3073-2.
  • Johann Mader: Philosophie in der Revolte. Das Ende des Idealismus im 19. Jahrhundert. WUV-UniversitĂ€t-Verlag, Wien 1993, ISBN 3-85114-100-8.
  • Ahlrich Meyer: Die Logik der Revolten. Studien zur Sozialgeschichte 1789–1848. VLA u. a., Hamburg u. a. 1999, ISBN 3-924737-42-8.
  • Martin Raether: Der „Acte gratuit“, Revolte und Literatur. Hegel, Dostojewskij, Nietzsche, Gide, Sartre, Camus, Beckett (= Studia Romanica. H. 37). Winter, Heidelberg 1980, ISBN 3-533-02922-0 (Zugleich: Heidelberg, UniversitĂ€t, Habilitations-Schrift, 1980; ausfĂŒhrliche Zusammenfassung des Autors hier, insbes. Dostojewski).
  • Catherine Salles: Spartacus et la revolte des Gladiateurs (= MĂ©moire des SiĂšcles. 217). Éditions Complexe, BrĂŒssel 1990, ISBN 2-87027-354-1.
  • Hilde Schmölzer: Revolte der Frauen: PortrĂ€ts aus 200 Jahren Emanzipation. Wien: Ueberreuter, 1999.
  • Jean-François Steiner: Treblinka. Die Revolte eines Vernichtungslagers. Vorwort von Simone de Beauvoir. Stalling, Oldenburg u. a. 1966.
  • Subrealistische Bewegung: Des Kaisers neue Kleider. Über die orientalische Revolution. Edition Nautilus, Hamburg 1979, ISBN 3-921523-48-6.

Zeitschriften

Wiktionary: Revolte – BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

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  1. ↑ Johannes Agnoli: Gesammelte Schriften. Band 5: 1968 und die Folgen. Ça ira, Freiburg (Breisgau) 1998, ISBN 3-924627-59-2 (Vorbemerkung in Teils polemischer Absicht (Memento vom 8. Januar 2007 im Internet Archive)).
  2. ↑ Guy Chaussinand-Nogaret: 1789, la Bastille est prise. la rĂ©volution française commence (= La MĂ©moire du SiĂšcle. 207). Éditions Complexe, BrĂŒssel 1988, ISBN 2-87027-249-9, S. 102.