Zum Inhalt springen

Ralf Richter

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Ralf Richter (2014)

Ralf Richter (* 17. August 1957 in Essen; † Nacht zum 15. September 2026 in Köln) war ein deutscher Schauspieler, Hörspiel- sowie Synchronsprecher und Musiker. Seinen Durchbruch als Filmschauspieler hatte er 1981 als Zentralemaat Frenssen in Wolfgang Petersens Das Boot. Weitere Bekanntheit erlangte er 1999 als Karlheinz „Kalle“ Grabowski in der Filmkomödie Bang Boom Bang – Ein todsicheres Ding. Sein Repertoire reichte von harten, düsteren Charakteren bis hin zum klassischen Kohlenpott-Proleten.

Leben und Wirken

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ralf Richter wuchs als zweitältestes von acht Kindern des Architekten Otto Richter und seiner Frau Hannelore in einer katholisch geprägten Familie in einem Bochumer Arbeiterviertel auf.[1] Sein Vater realisierte als Architekt große Wohnbauprojekte und malte und zeichnete in seiner Freizeit.[2] Richters jüngerer Bruder Frank-Martin Strauß ist der Künstler und Musiker FM Einheit.

Ausbildung und Theater

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Besuch verschiedener Schulen absolvierte Richter von 1973 bis 1975 eine Schreinerlehre, ab 1977 besuchte er zwei Jahre die Westfälische Schauspielschule Bochum. Daneben arbeitete er für das Bauunternehmen seines Vaters. Nach eigenen Angaben startete Richter seine schauspielerische Laufbahn eher ungeplant, da er zum Termin der Aufnahmeprüfungen an der Schauspielschule gerade zufällig in Bochum war.[2] Nach zwei Jahren wurde Richter als „nicht ausbildungsfähig“ von der Bochumer Schauspielschule verwiesen. Trotzdem war er zu Beginn an verschiedenen Theaterbühnen zu sehen, wie an der Freien Volksbühne in Berlin, am Deutschen Schauspielhaus Hamburg und am Theater Bonn.[3]

Film und Fernsehen

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erste Kurzauftritte übernahm Richter in den Tatort-Folgen Herzjagd (1980) und Duisburg-Ruhrort (1981), im selben Jahr folgte eine feste Serienrolle als Wölfchen in der sechsteiligen Fernsehserie Tour de Ruhr. Sein Filmdebüt gab er unter Wolfgang Petersen in der Rolle des Zentralemaats Frenssen in dem Spielfilm Das Boot, durch den er erstmals einem breiten Publikum bekannt wurde.[2]

Richter wirkte in über 160 Film- und Fernsehproduktionen mit.[4] Im Laufe seiner Karriere arbeitete er mit einer Vielzahl an renommierten Regisseuren des deutschen Films, darunter Dominik Graf (Die Katze), Oskar Roehler (Suck My Dick) oder Til Schweiger (Der Eisbär), zusammen.[5]

Oftmals spielte er die harten oder „bösen“ Charaktere oder auch einen Ruhrpott-Proleten. In der TV-Bergarbeiter-Saga Rote Erde von Klaus Emmerich verkörperte er den Bergmann „Otto Schablowski“. Im Film Superstau von 1991 spielte er einen gestressten Gelsenkirchener Bergmann, der in seinem Audi 100 mit Frau und Sohn auf dem Weg in den Urlaub nach Korsika ist. Richter gab an, dass er eine Vorliebe für die Rolle des Proleten habe, seit er in der Kindheit eine Familie in seiner Siedlung erlebt habe, die er als „extrem asi“ empfunden habe.[2] Kultstatus erreichte er vor allem 1999 als „Kalle Grabowski“ im Film Bang Boom Bang – Ein todsicheres Ding.[6]

Neben seinen zahlreichen Filmrollen übernahm er wiederholt Gastrollen in verschiedenen Fernsehserien- und reihen, unter anderem in Auf Achse, Ein Fall für zwei, Der Alte, Bella Block, Alarm für Cobra 11, Großstadtrevier und Notruf Hafenkante.[7][8][9]

Richter spielte zudem in einigen Kinder- und Jugendproduktionen, wie 2009 als Polizist in Christian Ditters Buchverfilmung Vorstadtkrokodile nach Max von der Grün und zwischen 2006 und 2012 wiederholt in der ProSieben-Märchenstunde.

2014 initiierte er das Projekt Grabowski – Alles für die Familie. Aufgrund des Kultstatus seiner Rollenfiguren Karl-Heinz (Kalle) und Harry Grabowski in der Unna-Trilogie von Peter Thorwarth initiierte sein Sohn Maxwell dieses Projekt, in dem Richter in einer Dreifachrolle noch einmal seine Kultfiguren spielen sollte. Das Drehbuch schrieben Vater und Sohn gemeinsam.[2] Um den Film produzieren zu können, starteten die beiden eine Crowdfunding-Kampagne, die mit mehr als 1200 Unterstützern eine Summe von 127.000 € einbrachte. Das Projekt wurde mehrfach verschoben und nicht mehr umgesetzt.

In den letzten Jahren wirkte Ralf Richter regelmäßig in den Einspielclips der RTL-Sendung Die ultimative Chartshow mit und gab den miesepetrigen Kommentator, dem kaum ein Lied im Ranking zusagte.[10] 2024 übernahm er die Rolle des Häftlings Barabbas in der Live-Show Die Passion.[11]

Sprechertätigkeit und Musik

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ralf Richter betätigte sich zudem als Hörspiel- und Synchronsprecher. So lieh er unter anderem Danny Trejo und Steve Coogan seine Stimme.[12] 2015 übernahm er eine der Hauptrollen im Hörspiel Abwärts, nachdem er bereits 1984 eine Nebenrolle in dem gleichnamigen Thriller gespielt hatte.

Im Februar 2006 veröffentlichte Richter als Musiker das Pop-Rock-Album One Heart.[13] Er wirkte zudem in zahlreichen Musikvideos mit, wie von den Rappern Eko Fresh, Sinan-G und Pillath sowie den Bands Tanzwut und Sondaschule.

Soziales Engagement

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Richter engagierte sich für die Alphabetisierung. Er wirkte bei dem Hörspiel Mit einem blauen Auge! des Projektes „iCHANCE“ vom Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung mit.[14][15] Mehrere Jahre setzte sich Richter für ein Obdachlosenhotel in Köln ein.[2]

Richter war zweifacher Vater und hatte sechs Enkelkinder.[1] Sein Sohn Maxwell ergriff ebenfalls den Schauspielberuf. Seine Tochter Aline hatte einen Kurzauftritt in Was nicht passt, wird passend gemacht als Tochter seiner Filmfigur Kalle Grabowski.[16] In Abspannen erscheint sein Vorname gelegentlich auch in der Schreibweise Ralph. Er lebte im Pantaleonsviertel der Kölner Innenstadt[17] und betrieb neben der Schauspielerei mehrere Restaurants.[18]

In den 1990er Jahren saß Richter eine mehrmonatige Haftstrafe wegen Drogenhandels ab.[19][20]

Richter litt an einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung und an einer Herzschwäche.[21] Er starb in der Nacht zum 15. September 2026 im Alter von 69 Jahren in Köln.[18]

Commons: Ralf Richter – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  1. 1 2 „Noch richtiger Fußball“: Liebeserklärung: Kult-Schauspieler outet sich als Fortuna-Fan. In: Express. 1. Juni 2019, abgerufen am 12. November 2020.
  2. 1 2 3 4 5 6 "Der Proll brüllt gleich los", Tagesspiegel vom 19. Mai 2017. Abgerufen am 12. November 2020.
  3. ↑ Ralf Richter im Munzinger-Archiv, abgerufen am 25. Juli 2023 (Artikelanfang frei abrufbar)
  4. ↑ Ralf Richter. In: filmportal.de. Abgerufen am 15. September 2026.
  5. ↑ OFDb – Ralf Richter (Darsteller). Abgerufen am 15. September 2026.
  6. ↑ Schauspieler Ralf Richter fährt standesgemäß mit goldenem Benz vor. Schwäbische Zeitung, 6. Mai 2010.
  7. ↑ etalenta. Abgerufen am 15. September 2026.
  8. ↑ Filmografie Ralf Richter. imfernsehen GmbH & Co KG, 20. Juni 2025, abgerufen am 15. September 2026.
  9. ↑ Ralf Richter. In: TV Wunschliste. Abgerufen am 15. September 2026.
  10. ↑ Glenn Riedmeier: Ralf Richter ist tot: „Das Boot“- und „Bang Boom Bang“-Star wurde 69 Jahre alt. In: fernsehserien.de. 15. September 2026, abgerufen am 15. September 2026.
  11. ↑ Medien: Ralf Richter spielt Häftling Barabbas in „Passion“. In: Die Zeit. 26. März 2024, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 26. März 2024]).
  12. ↑ Ralf Richter. In: Deutsche Synchronkartei. Abgerufen am 15. September 2026.
  13. ↑ Ralf Richter wird Gastronom in Bochum (Memento vom 10. Oktober 2011 im Internet Archive), Der Westen, 14. April 2009
  14. ↑ iCHANCE Profi Portal – Hörspiel. 5. September 2008, abgerufen am 2. August 2011.
  15. ↑ Making Of Hörspiel
  16. ↑ Max und Aline Richter auf IMDB
  17. ↑ Espresso für den Kult-Asi. In: Kölner Stadt-Anzeiger. 11. August 2014, abgerufen am 15. September 2026.
  18. 1 2 Bekannt aus „Das Boot“ – Schauspieler Ralf Richter ist tot. In: Die Welt. 15. September 2026, abgerufen am 15. September 2026.
  19. ↑ Bernd Imgrund: Interview mit Ralf Richter: „Mich hat der Knast geduldiger gemacht“. 12. Juni 2022, abgerufen am 18. September 2026.
  20. ↑ Ralf Richter aus Köln ist tot: Festnahme wird zu seinem Karriere-Tiefpunkt. 16. September 2026, abgerufen am 18. September 2026.
  21. ↑ Ralf Richter (69): „Das Boot“-Darsteller ist tot – WELT. Abgerufen am 15. September 2026.
  22. ↑ SINAN G – BADEMEISTER (OFFICIAL HD VERSION AGGROTV). Abgerufen am 18. Oktober 2023 (deutsch).
  23. ↑ Ruhrgebietskult Schauspieler Ralf Richter dreht in Lünen. Abgerufen am 19. Juni 2019.
  24. ↑ ARD Hörspieldatenbank: Das Erntefest. Abgerufen am 15. September 2026.
  25. 1 2 3 Jooce, Carl & Bondi: Die Sprecher & Co.-Kartei der Hörspielforscher. Abgerufen am 15. September 2026.
  26. ↑ Katsche, Kopp und Ko – Detektive wider Willen. Abgerufen am 17. Juni 2023.