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Quengeln

aus Wikipedia, der freien EnzyklopÀdie
Dynamische Quengelorthesen fĂŒr Handgelenk, Ellbogengelenk und Sprunggelenk
Darstellung des Prinzips eines Quengelverbandes zur Nachbehandlung einer operativ versorgten Beugesehnenverletzung. Proximal ist die Zugvorrichtung (Haushaltsgummi) an einer Unterarmschiene und distal am Fingernagel befestigt. Die Fingergelenke werden also in Beugerichtung „gequengelt“ und damit in Beugerichtung die Sehne entlastet.

Quengeln bezeichnet in der Medizin eine Behandlung von bewegungseingeschrĂ€nkten Gelenken mittels geeigneter Hilfsmittel wie VerbĂ€nde, Spanner und Schrauben.[1] Dabei ĂŒbt die Quengelvorrichtung andauernd eine Kraft auf das betroffene Gelenk in bestimmter Richtung aus. Auf diese Weise kann einer Kontraktur entgegengewirkt werden, wobei die Kraft so dosiert wird, dass der Patient keinen Schmerz empfindet.

Einem Quengelverband Ă€hnliche VerbĂ€nde, die durch elastischen Zug in Bewegungsrichtung vorĂŒbergehend unterstĂŒtzend Spannungen in Gegenrichtung dĂ€mpfen, werden in der Nachbehandlung von Sehnenverletzungen eingesetzt.

Das Grundprinzip dieser Hilfsmittel besteht darin, dass auf das Gelenk eine der Richtung der Kontraktur entgegenwirkende Spannung ausgeĂŒbt wird. Das Anlegen von QuengelverbĂ€nden ist eine Ă€rztliche Leistung.[2] Der Ausdruck Quengelverband findet sich in der Literatur auch als Synonym fĂŒr das dynamische Schienen bei der Nachbehandlung von Sehnenverletzungen. In diesen FĂ€llen ist der Zweck der Zugvorrichtung jedoch nicht die Behandlung einer Gelenkkontraktur, sondern die vorĂŒbergehende Entlastung der operativ (wieder-)adaptierten Sehne.[3]

GrundsĂ€tzlich lassen sich ein dynamisches und ein statisches Quengeln unterscheiden. Dynamisches Quengeln bedeutet die Verwendung eines elastischen Widerstandes, statisches Quengeln eine starre Fixation wie sie beispielsweise bei der Klumpfußbehandlung eingesetzt wird, hierbei auch als Redression bezeichnet.

Ein Quengelverband besteht aus zwei proximal und distal des behandlungsbedĂŒrftigen Gelenks angelegten Befestigungsmöglichkeiten fĂŒr eine geeignete Zugvorrichtung. Als Befestigungsmöglichkeiten eignen sich mittels Scharnier verbundene VerbandhĂŒlsen (zirkulĂ€re GipsverbĂ€nde, Schienen oder auch LederhĂŒlsen) oder, beispielsweise fĂŒr die Fingergelenke, eine Unterarmschiene (Quengelschiene), ergĂ€nzt durch eine Halterung am Fingernagel, und als Zugvorrichtung Federn[4] oder auch einfache Haushaltsgummis. Abnehmbare Vorrichtungen mit den gleichen Eigenschaften werden auch als Quengelapparat bezeichnet.[5]

Bei Quengelschienen unterscheidet man zwischen statischen und dynamischen Quengelschienen.

Im Vergleich zur statischen Quengelung haben dynamische Quengelgelenke den Vorteil des gleichmĂ€ĂŸigen Kraftverlaufs. Es lĂ€sst sich mit deutlich weniger Kraftaufwand schneller das gewĂŒnschte Ziel erreichen. Hierdurch wird das Risiko zur Entstehung von Druckstellen erheblich verringert. Dynamische Quengelschienen weisen gewöhnlich eine nahezu lineare Kraftentwicklung auf. Diese Eigenschaft trĂ€gt besonders zur Verbesserung der Beweglichkeit der Gelenke bei; somit wird auch die bessere Mobilisierung spastischer Muskulatur unterstĂŒtzt. Eine besondere Anwendung finden diese Quengelschienen bei auftretenden Spasmen. Hier wirken sie anforderungsgemĂ€ĂŸ gegen auftretende Kontrakturen. Bei einem einsetzenden Spasmus arbeiten die Orthesen jedoch antagonistisch, da sie im entsprechenden Moment nachgeben und nicht gegenhalten. Somit steigert sich der Patient nicht in den Krampf hinein, sondern kann seinen Spasmus ausleben. Nach Abklingen des Krampfes wird das Gelenk wieder in seine Ursprungsposition zurĂŒckgefĂŒhrt.

Historisch gesehen ist das Quengeln eine seit Jahrhunderten bekannte Behandlungsform. Die erste Quengelschiene wurde um 1530 von Hans von Gersdorff beschrieben.[6]

Einzelnachweise

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  1. ↑ W. Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. de Gruyter, 1977, ISBN 3-11-007018-9.
  2. ↑ Text der Anlage GebĂŒhrenverzeichnis fĂŒr Ă€rztliche Leistungen
  3. ↑ K.-D. Thomann (Hrsg.): OrthopĂ€disch-unfallchirurgische Begutachtung: Praxis der klinischen Begutachtung. Urban & Fischer, 2008, ISBN 978-3-437-24860-3, S. 218. (Google Books)
  4. ↑ Dietrich Hohmann, Ralf Uhlig: OrthopĂ€dische Technik. Thieme, 2005, ISBN 3-13-135929-3, S. 397. (Google Books), mit Darstellung einer Quengelschiene bei KnopflochdeformitĂ€t
  5. ↑ Hans-Peter Bischof, JĂŒrgen Heisel, Hermann Locher: Praxis der konservativen OrthopĂ€die. Thieme, 2007, ISBN 978-3-13-142461-7, S. 115. (Google Books)
  6. ↑ Hans U. Debrunner, Wolfgang RĂŒdiger Hepp: OrthopĂ€disches Diagnostikum. Thieme, 2004, ISBN 3-13-324007-2, S. 4. (Google Books)