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Purpur (Farbe)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Purpur (purple)
(Webfarbe)
Bestandteile
RGB (r, g, b) (128, 0, 128)
Hexadezimal-Triplet 800080
HSL (h, s, l) (300°, 100%, 50%)
Kräftige Purpurtöne
Kühle bläuliche Purpurtöne

Purpur ist die allgemeine Bezeichnung für Nuancen zwischen Rot und Blau,[1] physikalisch gesehen zwischen Rot und Violett.

Die Farbe Purpur entspricht mithin einem Farbreiz, der sowohl die L- als auch die S-Zapfen erregt. Die farbstärksten Purpurtöne liegen auf der Purpurlinie der CIE-Normfarbtafel, auf der alle für das menschliche Auge wahrnehmbaren Farbtöne (mit einer normierten Helligkeit) repräsentiert sind.

Im engeren Sinne bezeichnet man mit Purpur oder Purpurrot einen sehr gesättigten rotvioletten oder violettroten Farbton von „prächtiger“ Wirkung, der lange vor der Antike, schon um 1600 v. Chr. aus dem sehr kostbaren purpurnen Farbstoff der Purpurschnecke gewonnen wurde.[2] Der kaiserliche Purpur im antiken Rom und in Byzanz wurde innerhalb der römisch-katholischen Kirche tradiert, man spricht bis heute von Kardinälen als „Purpurträger“. Ab der frühen Neuzeit wurde dieser Naturfarbstoff zunehmend durch billigere, farblich ähnliche Farbstoffe ersetzt.

Der Farbbegriff „purpur“ ist eng verbunden mit dem Farbstoff der Purpurschnecke, kann jedoch im geschichtlichen Bezug auch andere Färbungen bezeichnen. Die Ursache dafür liegt in unvollendeten Färbeverfahren oder auch Fälschungen des Färbemittels. „Als reine Farb(ton)bezeichnung ist es seit etwa 1535 bezeugt.“ Schriftsprachlich ist um 1900 das Verhältnis von „purpur(n)“ zu „violett(en)“ mit 61 : 42 belegt. Im 20. Jahrhundert kommt die Wortfamilie Purpur ins „Gehoben-Poetische“. „Purpur [ist] ein Wort der Hochsprache und der Schriftsprache, ein Wort feierlicher Rede und der Poesie, [das] in den Bereich von rot weist, ohne eine ganz bestimmte Farbvorstellung zu wecken“.[3]

Um die blauroten Farbtöne einzudeutschen, wurde – beispielsweise von Wilhelm Ostwald, aber auch von Goethe – die Farbeigenschaft „Veil“, abgeleitet von Veilchen, genutzt. Im Mittelalter stand auch das Adjektiv phellelvar[4] für ‚purpurfarbig‘.

Der englische Begriff purple ist nicht deckungsgleich mit dem deutschen Wort Purpur. Im engeren Sinne steht das englische purple meist für ein Violett, während man mit dem deutschen Purpur oder Purpurrot im engeren Sinne rot-violette oder violett-rote Nuancen meint. Das entspricht im Englischen ungefähr dem Begriff red-violet. So findet man „ein Muster des Purpurstoffs, der 1952 in Deutschland für die Krönungsgewänder der Königin Elisabeth II. hergestellt wurde: Es handelt sich um ein ‚ins Violette spielendes warmes Dunkelrot‘, die im Deutschen typischerweise als purpurrot beschrieben wird, im Englischen aber coronation-red benannt wurde. Aber auch im Englischen sind die Grenzen zwischen purpur […] violet, mauve, lilac fließend. Französisch pourpre bleibt nach wie vor interpretationsabhängig.“[3]

Die Purpurlinie zwischen (Ultra-)Violett und (Infra-)Rot im Chromatizitätsdiagramm

Purpur ist definitionsgemäß der Farbbereich aller Farbtöne der Purpurlinie zwischen den Farbreizen des langwelligsten sichtbaren spektralen Rot (L-Zapfen) und des kurzwelligsten sichtbaren spektralen Violett (S-Zapfen). Die Spektralfarbe Violett wird bei Emission von 380 bis etwa 420 Nanometer wahrgenommen. Im Chromatizitätsdiagramm findet sich Violett am blauen Ende des Kurvenzuges bei (x;y) = (0,17; 0).

Eine Spektralfarbe Purpur gibt es definitionsgemäß nicht, jenseits des Blau schließt sich Violett an, das zum Ultraviolett überleitet. Es besteht Uneinigkeit über die Zuordnung zu den Purpurtönen. Das kann seine Ursache in individuellen Varianten bei der Wahrnehmung haben, insbesondere dadurch, dass sich hier Farbreize am Rande des Sichtbaren auswirken.

Die Bezeichnung verschiedener Nuancen zwischen blauem Rot und rotem Blau ist nur unscharf festgelegt, insbesondere da die Spektralfarbe Violett empfindungsgemäß ähnlich ist. Die Abgrenzung der „blauroten Farbtöne“, also auch des Purpurs, ist schwierig und unterliegt individuellen und kulturgeschichtlichen Bewertungen.[5] Dem Purpur verwandt sind die Farbtöne:

Im allgemeinen Sprachgebrauch werden oft Violett und Lila anstatt von Purpur benutzt, gehoben eher Violett als Lila, wobei letzteres durch die Benutzung in der Fibel bekannt wurde und so aus der Hochsprache versetzt wurde.

Eine Abgrenzung der Farbnamen ist uneingeschränkt mit Farbsystemen möglich, wie den Webfarben, dem RAL-System[6] oder Farbkatalogen, wie dem NCS oder dem Pantone-Farbfächer.