k.k. Polytechnisches Institut

Das k.k. Polytechnische Institut in Wien wurde 1815 von Kaiser Franz I. von Ăsterreich gegrĂŒndet. Aus diesem Institut ist spĂ€ter die heutige Technische UniversitĂ€t Wien hervorgegangen. Das GebĂ€ude steht unter Denkmalschutz. Von 1847 bis 1857 diente es auch als Sitz der Ăsterreichischen Akademie der Wissenschaften.
Geschichte
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Im April 1805 beauftragte Kaiser Franz I. von Ăsterreich die Studienhofkommission mit der Erstellung eines Gutachtens zur Errichtung eines Wiener Polytechnischen Institutes. Johann Joseph von Prechtl wurde im MĂ€rz 1810 die Anfertigung eines Organisations- und Studienplanes ĂŒbertragen. 1815 wurde Prechtl zum Direktor des geplanten Instituts bestellt.
Als Vorbild fĂŒr das Institut gilt die 1795 in Paris errichtete Ăcole polytechnique.[1] Das Institut wurde seinerseits zum Vorbild fĂŒr die GrĂŒndung der polytechnischen Schulen in Karlsruhe (1825) und Hannover (1831).
Bei der Eröffnung am 6. November 1815 war das Institut noch in den bestehenden RĂ€umen auf dem Baugrund des geplanten Neubaus untergebracht. Drei der ursprĂŒnglich geplanten acht Professoren unterrichteten 47 Studierende. Die Ăbersiedlung in das neue Haus erfolgte im Herbst 1818. Das GrundstĂŒck, auf dem das Polytechnikum errichtet wurde, war ein barockes Gartenpalais im Besitz der Adelsfamilie Losy von Losymthal. Dessen spĂ€terer EigentĂŒmer Georg Simon von Sina verkaufte das Anwesen zum Selbstkostenpreis an den Staat, um seinerseits die staatliche Einrichtung des neu gegrĂŒndeten Polytechnikums zu fördern.[2]
Die auf Prechtls VorschlĂ€gen beruhende Verfassung des polytechnischen Institutes umfasste neben der technischen Lehranstalt mit wissenschaftlichem Anspruch ein Konservatorium fĂŒr Wissenschaft und KĂŒnste (Schausammlung) und als dritten Aspekt einen Verein zur Förderung der Nationalindustrie. Den Grundstock fĂŒr das k. k. National-Fabriks-Produktenkabinett bildete die dem Institut 1815 geschenkte Fabriksproduktensammlung von Kaiser Franz I. Ein groĂer Teil dieser Sammlung wurde 1912 als Dauerleihgabe an das Technische Museum ĂŒbergeben.
Das Institut war auch in die Ereignisse der Revolutionsjahre 1848/49 involviert. Hörer und Professoren bildeten ein Techniker-Corps in der Akademischen Legion. Im MÀrz 1848 wurde der Vorlesungsbetrieb eingestellt und im Oktober 1849 wieder aufgenommen. Nach der Anklage und Verurteilung von Studenten und Assistenten wegen Hochverrats galt das Institut als politisch unzuverlÀssig und erhielt von 1852 bis 1858 eine militÀrische Leitung.
Im Oktober 1865 wurde von Kaiser Franz Joseph I. ein neues Organisationsstatut festgelegt. Es wurde ab sofort nicht mehr von der Regierung ein Direktor ernannt, sondern von den Professoren ein Rektor aus ihren Reihen gewĂ€hlt. Erster gewĂ€hlter Rektor wurde 1866 Josef Philipp Herr. Die Matura wurde als Voraussetzung fĂŒr das Studium eingefĂŒhrt und gleichzeitig eine zunĂ€chst noch freiwillige AbschlussprĂŒfung etabliert.
Im April 1872 wurde das Institut zur Technischen Hochschule. Das 1875 eingefĂŒhrte Organisationsstatut blieb bis 1945 in Kraft. Als Abschluss des Studiums wurde 1878 die StaatsprĂŒfung festgelegt. Der Titel Dr. techn. durfte ab 1901 durch die Hochschule verliehen werden. Am 22. Februar 1902 fand die erste Promotion statt.
WÀhrend des Ersten Weltkrieges sank die Hörerzahl, und auch Lehrpersonal fehlte aufgrund von Dienstverpflichtungen. Im MÀrz 1917 wurde einem Wunsch der Professoren stattgegeben und der Ingenieurstitel gesetzlich unter Schutz gestellt. Nach Kriegsende verlor die Hochschule durch den Zerfall der Monarchie einen wesentlichen Teil ihres Einzugsbereiches.
Ab April 1919 wurde Frauen die Inskription in den technischen Studienrichtungen gestattet.[1]

Nach dem Einmarsch der Nationalsozialisten im MĂ€rz 1938 traten Rektor Karl Holey und Prorektor Friedrich Böck von ihren Ămtern zurĂŒck. Zwei Dekane, 13 Professoren und zwei Assistenten wurden durch Nationalsozialisten ersetzt. 11 Privatdozenten und 7 Honorardozenten wurde die Lehrbefugnis aberkannt, und drei Lektoren und Lehrer traten ebenfalls von ihren Ămtern zurĂŒck. Ebenso wurde jĂŒdischen Studenten die WeiterfĂŒhrung des Studiums und ab Oktober 1938 auch das Betreten des Hauses verboten. Der bisher verliehene Titel "Ing." wurde durch die EinfĂŒhrung der reichsdeutschen Studienvorschriften in "Dipl.-Ing." und "Dr. techn." in "Dr. Ing." geĂ€ndert.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurden 41 der 56 Professoren als politisch belastet entlassen und 55 Studierende des Wintersemesters 1945/46 aus demselben Grund vom Studium ausgeschlossen. Viele der Professoren kehrten allerdings spĂ€ter wieder an die Hochschule zurĂŒck.
Durch das im Oktober 1975 in Kraft getretene neue UniversitĂ€tsorganisationsgesetz wurde die Technische Hochschule in Technische UniversitĂ€t umbenannt. Mit dem Inkrafttreten des UniversitĂ€tsgesetzes 2002 erlangte die TU Wien ab JĂ€nner 2004 die VollrechtsfĂ€higkeit. Die UniversitĂ€t wird seither von einem Rektor oder einer Rektorin und vier Vizerektoren gemeinsam mit dem neu geschaffenen UniversitĂ€tsrat geleitet. Die Satzung der UniversitĂ€t und den Wahlvorschlag fĂŒr die Rektorin bzw. den Rektor erstellt der Senat.
GebÀude
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Der von Andreas Fischer und Joseph Schemerl von Leythenbach geplante klassizistische Bau der Hochschule am Karlsplatz hat eine langgestreckte Fassade mit vorgelagerten freistehenden SĂ€ulen zur Betonung des Mittelrisalits. Die im Giebel angeordneten allegorischen Darstellungen des Genius von Ăsterreich, Minervas mit den Symbolen von Handel und Industrie, der Geschichte sowie eines Vaters der seine Söhne dem Genius empfiehlt, wurden von Joseph Klieber in den Jahren 1816â1818 geschaffen. Der Festsaal wurde 1842 nach PlĂ€nen von Peter von Nobile fertiggestellt.[3]
WĂ€hrend der Revolutionsjahre 1848/49 wurde der Vorlesungsbetrieb eingestellt und vorĂŒbergehend Soldaten im GebĂ€ude einquartiert. Bis zum Abzug der Soldaten im Herbst 1849 entstanden groĂe SchĂ€den am GebĂ€ude, aber auch am Inventar.
Die Erweiterung des GebĂ€udes um ein drittes GeschoĂ erfolgte in den Jahren 1897/98. Der Anbau des Seitentraktes zur Karlsgasse entstand 1907â1909.
WĂ€hrend des Ersten Weltkrieges wurde ein Teil der RĂ€umlichkeiten als Kriegshilfsspital genutzt. Auch viele der Labors wurden fĂŒr militĂ€rische Forschungen verwendet.
Der immer gröĂer werdende Raumbedarf fĂŒhrte 1934/35 zur weiteren Aufstockung des GebĂ€udes.

In den Jahren 2008 und 2009 wurden der Mittelrisalit renoviert und der Kuppelsaal als Hörsaal nutzbar gemacht. Die Aula im ErdgeschoĂ wurde durch Einbeziehung der beiden seitlichen, mit Gewölben gedeckten RĂ€ume vergröĂert. Im ersten Stock wurden gegenĂŒber dem Festsaal BĂŒrorĂ€ume zu einem offenen Foyerbereich umgebaut.
Im vierten Stock wurde der Kuppelsaal durch die Entfernung der Einbauten aus den 1950er Jahren zu einem 240 Personen fassenden Vortrags- und Veranstaltungsraum umgestaltet, mit einer GrundflĂ€che von 25 Ă 22 Metern und einer Höhe von 10 Metern (in der Mitte). Die Holzkonstruktion des Kuppelsaals aus De LâOrmschen Sichtbogenbindern mit aufgesetztem Mansardendach wurde freigelegt und gibt dem Raum jetzt wieder seine ursprĂŒngliche Wirkung.[4]
Im Sommer und Herbst 2014 wurden von der Bundesimmobiliengesellschaft in Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt die Fassade und die Fenster saniert. Die Arbeiten erstreckten sich auf den Haupttrakt und den Resseltrakt. An der Fassade wurden der Verputz und die Verblechungen der Simse und der FensterbĂ€nke ausgebessert bzw. erneuert. Die Fenstersanierung wurde aus GrĂŒnden des Denkmalschutzes baugleich mit dem Bestand ausgefĂŒhrt.[5]
Sonstiges
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Am Friedhof, der vor der Errichtung des GebÀudes an dieser Stelle war, wurde am 28. Juli 1741 Antonio Vivaldi begraben.
- In diesem GebĂ€ude wurde am 24. Oktober 1844 der spĂ€tere Wiener BĂŒrgermeister Karl Lueger geboren.
- Zu den Absolventen zÀhlt der spÀtere Komponist und Musiker Josef Strauss.
Bildergalerie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Seitentrakt zur Karlsgasse
- Fassadenbeleuchtung anlÀsslich der Langen Nacht der Forschung (2014)
- Gedenktafel fĂŒr Karl Lueger
- Gedenktafel fĂŒr Antonio Vivaldi
Statuen ĂŒber dem Zugang zum Karlstrakt:
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Joseph Neuwirth: Die K.K. Technische Hochschule in Wien 1815â1915. Gedenkschrift. Wien 1915.
- K.K. Polytechnisches Institut â Technische Hochschule â Technische UniversitĂ€t Wien. UniversitĂ€tsarchiv der TU Wien, Wien 1997.
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 UniversitĂ€tsarchiv der TU Wien ( des vom 18. Mai 2015 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprĂŒft. Bitte prĂŒfe Original- und Archivlink gemÀà Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. (zuletzt abgerufen am 10. Oktober 2014)
- â https://opac.geologie.ac.at/ais312/dokumente/hartmuth-et-al-2023-the-governance-of-style.pdf
- â Architekturzentrum Wien (zuletzt abgerufen am 10. Oktober 2014)
- â TU Univercity 2015 ( des vom 21. Oktober 2014 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprĂŒft. Bitte prĂŒfe Original- und Archivlink gemÀà Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. (zuletzt abgerufen am 10. Oktober 2014)
- â Fenster- & Fassadensanierung Karlsplatz 13 (zuletzt abgerufen am 22. Juni 2020)
Koordinaten: 48° 11âČ 56âłÂ N, 16° 22âČ 11,7âłÂ O