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Philipp Baetzner

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Philipp Baetzner, PortrÀtfoto aus dem Reichstags-Handbuch 1934

Philipp Baetzner, auch Philipp BĂ€tzner (* 15. Mai 1897 in Walddorf; † 10. Januar 1961 in Nagold[1]), war ein deutscher Politiker (NSDAP). Er war von 1933 bis 1945 Mitglied des Reichstags.

Baetzner besuchte sieben Jahre lang die Volksschule und absolvierte anschließend eine Lehre zum Schreiner. Zeitgleich besuchte er eine Gewerbeschule. Nach der GesellenprĂŒfung wurde er im MĂ€rz 1916 zur Feldartillerie eingezogen und war von Juni 1916 bis November 1918 Soldat an der Westfront. Im Februar 1919 wurde er als Gefreiter aus der Armee entlassen. Im Herbst 1919 bestand er die MeisterprĂŒfung als Schreiner. 1920 eröffnete er zusammen mit seinem Bruder eine Schreinerei in Nagold, die 1927 in Konkurs ging. Baetzner war seit 1922 verheiratet; aus der Ehe gingen drei Kinder hervor.

Baetzner gehörte vermutlich zu den ersten Mitgliedern der im FrĂŒhsommer 1923 gegrĂŒndeten NSDAP-Ortsgruppe in Nagold. Nach dem NSDAP-Verbot trat er der Partei zum 8. August 1927 (Mitgliedsnummer 65.883) erneut bei.[2] Im gleichen Jahr grĂŒndete er die SA in Nagold. Ende der 1920er Jahre war Baetzner als NSDAP-Bezirksleiter fĂŒr die OberĂ€mter Freudenstadt, Herrenberg, Horb sowie Nagold zustĂ€ndig. 1928 wurde er in den Gemeinderat von Nagold gewĂ€hlt und war damit das erste wĂŒrttembergische NSDAP-Mitglied mit einem kommunalpolitischen Mandat. Am 24. April 1932 wurde Baetzner Mitglied des wĂŒrttembergischen Landtages.

Nach der MachtĂŒbertragung an die Nationalsozialisten beteiligte sich Baetzner 1933 als Unterkommissar an der Verfolgung von Regimegegnern in den OberĂ€mtern Calw, Freudenstadt, Nagold und NeuenbĂŒrg. Im November 1933 erhielt er fĂŒr den Wahlkreis 31 ein Mandat im nationalsozialistischen Reichstag, dem er bis 1945 angehörte. Zwischen 1933 und 1937 war Baetzner nebenamtlicher Kreisleiter der NSDAP in Nagold. Nach der Zusammenlegung der OberĂ€mter Calw und Nagold wechselte er im Juni 1937 in die Kreisleitung Horb[3] und ĂŒbernahm 1943 nach der Ablösung des Kreisleiters Wurster zusĂ€tzlich den Kreis Calw.[4] Am 1. Mai 1937 wurde er zum SA-StandartenfĂŒhrer befördert. Vom 1. April 1933 bis MĂ€rz 1939 war Baetzner PrĂ€sident der Handwerkskammer von Reutlingen.[5] Mitte der 1930er Jahre wurde er Landeshandwerksmeister fĂŒr WĂŒrttemberg. Am 18. Februar 1939 wurde er PrĂ€sident der Handwerkskammer Stuttgart, außerdem Leiter der Handwerkskammerabteilung der Wirtschaftskammer WĂŒrttemberg und Hohenzollern in Stuttgart. Von 1943 bis 1945 war er Gauhandwerksmeister fĂŒr den Gau WĂŒrttemberg-Hohenzollern.

Bei Kriegsende floh Baetzner ĂŒber das AllgĂ€u nach Vorarlberg. Dort wurde er von französischen Truppen gefangen genommen; bis Herbst 1948 befand sich Baetzner in Haft. Im Juni 1948 wurde er vom Landgericht Rottweil als RĂ€delsfĂŒhrer bei den Novemberpogromen 1938 zu 18 Monaten GefĂ€ngnis verurteilt. Nach Feststellungen des Gerichts hatte Baetzner die Befehle fĂŒr die SchĂ€ndung der Synagogen in Rexingen und MĂŒhringen erteilt. Zudem hatte er am 10. November mit einer Rede in Horb SA-Mitglieder zu weiteren Ausschreitungen angestachelt, die daraufhin die Synagoge in Baisingen verwĂŒsteten. In der Entnazifizierung wurde Baetzner im MĂ€rz 1950 in die Gruppe II („Belasteter“) eingestuft. Nach der Haftentlassung zog er nach Nagold. Dort ging Baetzner, der seit Sommer 1945 verwitwet war, eine zweite Ehe ein.

Einzelnachweise

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  1. ↑ Wolfgang Proske: Lexikon der kleinen Hitler! Die NS-Kreisleiter in Baden, WĂŒrttemberg-Hohenzollern und im besetzten Elsass, ca. 1928–1945. Kugelberg-Verlag Gerstetten 2024, ISBN 978-3-945893-29-6, S. 35.
  2. ↑ Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/1150874
  3. ↑ Große BĂŒrgerversammlung. In: Der Gesellschafter - Amts- und Anzeigeblatt fĂŒr den Oberamtsbezirk Nagold. 111. Jahrgang, Nr. 142, 23. Juni 1937, S. 3, Sp. 2 und 3, Mitte, urn:nbn:de:bsz:2316-1232 (Digitalisat im Kreisarchiv Calw [abgerufen am 20. Juni 2020]).
  4. ↑ Der Kreisleiter sprach zur Jugend von Nagold u. Umgebung – „Alles fĂŒr Deutschland und den geliebten FĂŒhrer“. In: Der Gesellschafter - Amts- und Anzeigeblatt fĂŒr den Oberamtsbezirk Nagold. 117. Jahrgang, Nr. 38, 15. Februar 1943, S. 4, links oben, urn:nbn:de:bsz:2316-1232 (Digitalisat im Kreisarchiv Calw [abgerufen am 20. Juni 2020]).
  5. ↑ 1900 – 2000. 100 Jahre Handwerkskammer Reutlingen. (PDF; 3,6 MB) Handwerkskammer Reutlingen, 2001, S. 64–65, abgerufen am 2. MĂ€rz 2013.