Palazzo Colonna
Der Palazzo Colonna ist ein Adelspalast an der Piazza SS. Apostoli in Rom. Er ist seit 23 Generationen im Besitz der Familie Colonna und ist teilweise der Ăffentlichkeit zugĂ€nglich. Die Galleria Colonna beherbergt eine bedeutende Kunstsammlung.
Geschichte
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In den heutigen GĂ€rten des Palastes befand sich im antiken Rom der Tempel des Serapis (Quirinal). Aus seinen Ruinen errichteten sich vor dem Jahr 1000 die Grafen von Tusculum eine Festung. Dazu gehörte ein Stadtteil mit zahlreichen WohnhĂ€usern, der vom Quirinal bis zur Piazza Montecitorio reichte, samt der im vierten Jahrhundert begrĂŒndeten Kirche Santi XII Apostoli. Die von den Tuskulanern abstammenden FĂŒrsten Colonna erbten das GelĂ€nde und errichteten sich anstelle der Festung um 1300 eine neue Burg und spĂ€ter einen Palast, der sich ĂŒber ein Gebiet von etwa drei Hektar erstreckt und damit der gröĂte Adelspalast Roms ist. Als der Volkstribun Cola di Rienzo, vor dem die Colonna aus Rom geflohen waren, 1354 ermordet war, wurde sein Leichnam vor dem Palazzo zwei Tage lang aufgehĂ€ngt.
1417 endete mit der Papstwahl Oddo di Colonnas das AbendlĂ€ndische Schisma und die PĂ€pste kehrten endgĂŒltig aus Avignon zurĂŒck. Als Martin V. regierte er bis 1431 und in dieser Zeit begannen die Arbeiten am alten Palazzo Colonna, den dann sein Bruder bewohnte. In den PalĂ€sten der römischen Papstfamilien gehörte stets ein Thronsaal zur reprĂ€sentativen Ausstattung, so hĂ€ngt auch hier in einem barocken Saal unter dem Baldachin ein PortrĂ€t Martins V., wobei der Thron dem GemĂ€lde zugewandt ist.
Unter den KardinĂ€len Bessarion, Pietro Riario und Giuliano della Rovere, dem spĂ€teren Papst Julius II., waren Teile des GebĂ€udekomplexes der Familie Colonna entzogen worden und als Residenz des jeweiligen Titelkardinals von SS. Apostoli genutzt. In dieser Zeit, von etwa 1445 bis 1490, erfolgten bedeutende Erweiterungs- und Ausstattungsarbeiten, unter anderem die Fresken im Brunnensaal von Pinturicchio. Insgesamt blieb das Projekt des Kardinalspalastes jedoch unvollendet, da Giuliano della Rovere wĂ€hrend des Pontifikats des feindlich gesinnten Papstes Alexander VI. (1492â1503) Rom verlieĂ und nach seiner eigenen Wahl zum Papst Julius II. im Jahr 1503 kein Interesse mehr an dem Palast hatte, wĂ€hrend nachfolgende TitelkardinĂ€le sich auf WohnrĂ€ume im nördlich der Kirche anschlieĂenden Franziskanerkonvent beschrĂ€nkten. Im Lauf des 16. Jahrhunderts erhielt die Familie Colonna sĂ€mtliche Bestandteile des Komplexes sĂŒdlich der Kirche zurĂŒck.[1]
Das eher burgartige GebĂ€ude des 15. Jahrhunderts erhielt erst mit den neuen FlĂŒgeln entlang der Piazza dei SS. Apostoli und der Via della Pilotta im 17. Jahrhundert sein heutiges Aussehen. Unter Girolamo Colonna I. begannen 1650 die Arbeiten an der Galleria Colonna, um fĂŒr die wachsende Kunstsammlung der Familie einen passenden Rahmen zu schaffen. Ab 1666 setzte sein Neffe Lorenzo Onofrio dieses Projekt fort. ZunĂ€chst erhielt der Architekt Antonio Del Grande den Auftrag fĂŒr diese Arbeiten, bevor er ab 1693 von Girolamo Fontana abgelöst wurde, der die Arbeiten an der Galerie im Jahr 1703 vollendete.
- Garten (1761)
- Garten (2016)
- Blick ĂŒber den Garten
- Eckturm
Galleria Colonna
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Die Galleria Colonna gehört â neben dem Palazzo Doria-Pamphilj â zu den bedeutendsten privaten Kunstsammlungen in Rom. Die erst nach der Renaissancezeit entstandene Sammlung stellt ein barockes Gesamtkunstwerk aus GemĂ€lden, Skulpturen, Möbeln, Spiegeln und Raumdekorationen dar. Das DeckengemĂ€lde im eigentlichen Galerieraum ist Marcantonio Colonna als Sieger der Schlacht von Lepanto 1571 gewidmet. Giovanni Coli und Filippo Gherardi haben in diesem Raum das Thema zwischen 1675 und 1678 in einem Deckenfresko dargestellt. Im Saal der Landschaften schuf zwanzig Jahre spĂ€ter zum gleichen Thema Sebastiano Ricci ein DeckengemĂ€lde und im Jahr 1700 entstand im Schlachtensaal das Fresko mit der Apotheose des Marcantonio Colonna.
Die Sammlung umfasst Meisterwerke vom 15. bis 18. Jahrhundert. Zu den im Palazzo Colonna vertretenden KĂŒnstlern gehören Lorenzo Monaco, Agnolo Bronzino, Domenico Ghirlandaio, Paolo Veronese, Palma il Vecchio, Jacopo und Domenico Tintoretto, Pietro da Cortona, Annibale Carracci, Francesco Albani, Guercino, Guido Reni, Carlo Maratta, Gaspard Poussin, und Pompeo Batoni.
Goethe besichtigte die Galerie 1787 in Begleitung des Malers Jakob Philipp Hackert und berichtet darĂŒber in seinem Buch Italienische Reise.[2]
Appartamento Principessa Isabelle
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Diese RĂ€ume wurden bis Mitte der 1980er Jahre von der Prinzessin Isabelle Sursock Colonna (1889â1984) bewohnt und stehen seitdem ebenfalls dem Publikum zur Besichtigung offen. Hier sind vorwiegend niederlĂ€ndische Maler zu sehen. Neben kleineren auf Kupfer gearbeiteten Bildern von Jan Brueghel dem Ălteren gibt es einige Arbeiten von Gaspar van Wittel und Gaspard Poussin.
RĂ€ume
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Galleria Colonna
- Saal der Landschaften
- Saal der Primitiven
- Saal der Stickereien im indischen Stil
- Saal des Papstthrons
- Hauskapelle
- Hutablage fĂŒr KardinalshĂŒte
- Saal mit Fresken
GemÀlde (Auswahl)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- PortrĂ€t des Papstes Martin V. (Oddo Colonna, 1368â1431) im Thronsaal
- Sebastiano Ricci: Allegorie auf die Seeschlacht von Lepanto
- Guercino: Der heilige Paulus
- Bronzino: Venus, Cupido und Satyr
- Paolo Veronese: PortrÀt eines Edelmannes
- Annibale Carracci: Der Bohnenesser
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Eduard A. Safarik: Collezione dei dipinti Colonna: inventari 1611â1795. K. G, Saur, MĂŒnchen 1996, ISBN 3-598-21693-9.
- Christina Strunck: Berninis unbekanntes Meisterwerk. die Galleria Colonna in Rom und die Kunstpatronage des römischen Uradels (= Römische Studien der Bibliotheca Hertziana, Veröffentlichungen der Bibliotheca Hertziana, Max-Planck-Institut fĂŒr Kunstgeschichte), MĂŒnchen 2007
- Christina Strunck: Galleria Colonna. In: Christina Strunck (Hrsg.): Rom : Meisterwerke der Baukunst von der Antike bis heute; Festgabe fĂŒr Elisabeth Kieven, Petersberg 2007, S. 420â423 online (PDF)
- Georg Schelbert: Der Palast von SS. Apostoli und die Kardinalsresidenzen des 15. Jahrhunderts in Rom. BoD, Norderstedt 2007, ISBN 978-3-837002898 (Digitalisat).
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- â Schelbert, Der Palast von SS. Apostoli und die Kardinalsresidenzen des 15. Jahrhunderts in Rom, Norderstedt 2007, S. 134â183.
- â Goethe, Italienische Reise, Eintrag vom 27. Juni 1787
Koordinaten: 41° 53âČ 51,5âłÂ N, 12° 29âČ 3,2âłÂ O