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Überzeichnung (Kunst)

aus Wikipedia, der freien EnzyklopÀdie
(Weitergeleitet von Outrieren)

Durch Überzeichnung bzw. Chargieren (französisch charger = beladen; vulgĂ€rlateinisch carricare von lateinisch carrus = Karre) wird eine Figur in Theater, Film, Literatur oder der bildenden Kunst nicht individuell, sondern stark (stereo-)typisiert gestaltet, meist im Hinblick entweder auf eine Verdeutlichung oder auf eine komische Wirkung.

Durch Verdeutlichung wird die Erkennbarkeit vergrĂ¶ĂŸert (etwa Weiß fĂŒr die Unschuld, Schwarz fĂŒr den Bösewicht im Melodram). Ebenso wird durch Verdeutlichung etwas feierlich gemacht, ĂŒberhöht, aus dem AlltĂ€glichen herausgehoben. Wenn dieses Deutliche hingegen ĂŒberdeutlich wird, kippt die Darstellung um in eine Karikatur. Wo die Grenze liegt, hĂ€ngt weitgehend vom Betrachter ab.

Die Mimik einer Figur ebenso wie die Betonung des Gesprochenen können ĂŒberzeichnet und damit realitĂ€tsfern erscheinen. Überzeichnung kann ebenfalls durch einen Text vorgegeben sein, der den Figuren SĂ€tze in den Mund legt, die sie im wirklichen Leben niemals sagen wĂŒrden.

Dieses Kunstgriffes bedienen sich etwa Comedyserien, die oft nicht den Anspruch erheben, realitĂ€tsnah zu sein, sondern lediglich unterhalten wollen und mit der Überzeichnung ihre Harmlosigkeit signalisieren. Mit ihnen wird eine deutliche Unterscheidung zwischen „Fiction“- und „Non-Fiction“-Anteilen eines Fernsehprogramms erzeugt (als einfach zu bewĂ€ltigende Spiel/Ernst-Unterscheidung).

„Chargieren“ in der Schauspielkunst

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In der europĂ€ischen Schauspielkunst wurde die Überzeichnung zunehmend vermieden. Bis zum Ersten Weltkrieg waren Schauspieler noch fĂŒr RollenfĂ€cher engagiert, die sie beherrschten, wie den „jugendlichen Liebhaber“ oder die „komische Alte“. Im Zuge des Naturalismus seit etwa 1900 wurde es allerdings ĂŒblich, die Rollen nicht mehr nach diesen traditionellen Schablonen, sondern möglichst persönlich und einmalig zu gestalten. Die hergebrachten „Chargen“ (frz. „Rollenfach“), die es in der Oper oder in der Posse nach wie vor gab und gibt, wirkten seither veraltet und wurden oft geringgeschĂ€tzt. Oft wird der Begriff Chargenrolle mit einer unbedeutenden Nebenrolle gleichgesetzt, fĂŒr die keine differenzierte Figur, sondern ein leicht erkennbarer Typ gefragt ist.

Von dieser negativen Bedeutung abgeleitet ist der Begriff „Chargieren“ (auch „Outrieren“), der eine ĂŒbertriebene, unnatĂŒrliche, unrealistische, effekthascherische Spielweise bezeichnet. Beim naturalistischen Theater wird hingegen angenommen, dass die Figuren real existieren könnten. Durch Vermeidung des Chargierens versucht sich das professionelle Schauspiel oft vom unprofessionellen zu unterscheiden. Chargen werden allerdings auch als Kunstmittel eingesetzt, Ă€hnlich wie Masken. Zum Beispiel können „Verfremdungseffekte“ durch stellenweise typisiertes oder ĂŒbertriebenes Spiel erzielt werden.

  • Manfred Brauneck, GĂ©rard Schnellin (Hg.): Theaterlexikon, Rowohlt, Hamburg 1986, Bd. 1, S. 244, 766.