Zum Inhalt springen

Nat Burton

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Nat Burton (eigentlich: Nat Schwartz, * 20. November 1901 in New York;[1] † 21. März 1945 in Hollywood) war ein US-amerikanischer Songschreiber.

Burtons eigentlicher Nachname war Schwartz. Da dieser ihm aber während der Zeit des Dritten Reichs zu deutsch klang, änderte der jüdische Künstler ihn in Burton.

Burton schrieb Texte zu Liedern für Bühne und Film. Unter seinen Erfolgstiteln waren When the Roses Bloom Again und (There'll Be Bluebirds Over) The White Cliffs of Dover, ein Lied, das 1941 erschien und in zahlreichen Filmen verwendet wurde. Darunter waren der Kurzfilm Tune Time aus dem Jahr 1942, eine Folge von Coronation Street aus dem Jahr 1964, eine Folge von The Morecambe & Wise Show von 1969, Ein Jahr in der Hölle von 1982, Hope and Glory - der Krieg der Kinder von 1987, Der seltsame Fall des Benjamin Button von 2008, eine Folge von Ten Percent aus dem Jahr 2024 und viele andere Filme.

Bereits 1938 wurde Burtons Song I Love You in Technicolor in dem Kurzfilm Jimmy Dorsey and His Orchestra verwendet, ohne dass allerdings der Urheber genannt worden wäre, wie auch When The Roses Bloom Again ohne Nennung des Texters oder des Komponisten in den Film Stardust on the Sage von 1942 integriert wurde. Ebenso wurde Nat Burton nicht als Texter des Liedes You're The Dream, I'm The Dreamer in dem Film Swing in the Saddle von 1944 erwähnt.[2]

The White Cliffs of Dover war von Walter Kent komponiert worden und sollte als Durchhaltesong für die britischen Truppen während des Zweiten Weltkriegs populär werden, vor allem in der von Vera Lynn gesungenen Version. Burton und Kent hatten einander in Los Angeles getroffen, wo Kent für die Paramount-Studios Western-Musik komponiert hatte, ehe man ihn im Zuge des Krieges für die Arbeit an Propagandafilmen engagiert hatte.[3]

Der Amerikaner Burton hatte die Klippen von Dover nie in natura gesehen und einen biologischen Irrtum begangen: Bluebirds (Blaukehlchen oder Hüttensänger) sind in Großbritannien nicht heimisch. Allerdings konnte man sich durch das Wort Bluebirds auch an navy-blaue Schwalben erinnert fühlen, die im englischen Sprachraum als Symbol für Loyalität und Liebe galten, und Burtons Bluebirds wurden offenbar zudem zu einem Symbol für die Flugzeuge der RAF (Royal Air Force) und deren regelmäßige Rückkehr in die Heimat nach den Kämpfen.[4] Die Worte „though I'm far away“ in einem selten gesungenen Vers des ursprünglichen Liedtextes deuten auf den Ursprung des Songs weit entfernt vom Kriegsgeschehen in Europa hin, doch für den größten Teil der amerikanischen Zuhörer klang das Lied ausgesprochen britisch.

Burtons Text sei zugleich einfach, bildhaft und im besten Sinne des Wortes ein wenig sentimental. Das Bild des heimgekehrten Jimmy, der wieder in seinem eigenen kleinen Zimmer schlafen werde, sei ambivalent, da es sowohl auf einen jungen Soldaten bezogen werden könne, der nach dem Ende des Krieges wieder in seine Rolle als Sohn der Familie zurückschlüpfe, als auch auf ein Kind, das aus der Evakuierung zu seinen Eltern nach London zurückgekehrt sei, ist in der Untersuchung The Songs that Fought the War zu lesen.[5]

The White Cliffs of Dover war Burtons größter Erfolg.[5][6] Das Lied wurde 1942 sowohl im Vereinigten Königreich als auch in den USA zum Hit und landete in mehreren Versionen in den Top 20. Ursprünglich hatte der Bandleader Kay Kyser den Song aufgenommen, doch auch Glenn Miller, Sammy Kaye, Jimmy Dorsey und Kate Smith brachten noch 1942 ihre Interpretationen der White Cliffs of Dover heraus. Auch Vera Lynn produzierte schon in diesem Jahr ihre ersten Aufnahmen zu diesem Lied. Später wurde es auch von Künstlern wie Connie Francis, Jim Reeves, The Righteous Brothers und Bing Crosby gesungen. 1995 gelangte es in Gestalt eines Medleys mit Unchained Melody noch einmal in die Charts in Großbritannien. Diese Version stammte von Robson and Jerome.[7] Als die rechte British National Party im Jahr 2009 den Titel des Liedes für eine Sammlung britischen Liedgutes reklamierte, leitete Vera Lynn rechtliche Schritte dagegen ein.[8]

Mit seiner Frau Dorothy hatte Nat Burton den Sohn Jerome.[9]

Werke (Auswahl, Urheberschaft z. T. umstritten)

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Titel von Nat Burton[10]
DatumTitelKoproduzent(en)frühe Interpreten
7. November 1934Believe It, BelovedGeorge Whiting[11], J. C. Johnson[12]Fats Waller & His Rhythm
21. Juni 1934Don't Let Your Love Go WrongGeorge Whiting, J. C. JohnsonThe Boswell Sisters
7. August 1933That's How Rhythm Was BornGeorge Whiting, J. C. JohnsonGlen Gray und sein Casa Loma Orchestra
14. August 1935Rhythm And RomanceGeorge Whiting, J. C. JohnsonCalifornia Ramblers - Refrain von Ted Wallace
19. November 1935You Stayed Away Too LongRichard A. Whiting, J. C. JohnsonTed Wallace und Orchester - Refrain von Eddy Lloyd (Ed Kirkeby)
19. Mai 1941Isle of PinesWalter Kent, Jimmy DorseyJimmy Dorsey und Orchester - Chor von Bob Eberly
September 1941The White Cliffs of DoverWalter KentBunny Berigan und Orchester - Refrain von Lynne Richards[13]
8. Januar 1942When the Roses Bloom AgainWalter KentGlenn Miller und Orchester - Refrain von Ray Eberle
Our Waltz (Adaption)-Dick Haymes und Orchester unter Leitung von Victor Young

Einzelnachweise

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  1. ↑ Warren W. Vaché: The Unsung Songwriters. Bloomsbury Academic, 2000, ISBN 978-0-8108-3570-2 (google.de [abgerufen am 2. Oktober 2026]).
  2. ↑ Nat Burton (1901-1945). In: IMDb. IMDb, abgerufen am 5. Oktober 2026.
  3. ↑ Nicholas Milton: Birds in the Second World War: We Also Serve. Pen and Sword History, 2022, ISBN 978-1-5267-9417-8 (google.de [abgerufen am 2. Oktober 2026]).
  4. ↑ Kitten von Mew: WW2 Songs and their Origins. In: 1940's Pin-Up Entertainer Kitten von Mew. 10. September 2014, abgerufen am 2. Oktober 2026 (englisch).
  5. 1 2 John Bush Jones: The Songs that Fought the War: Popular Music and the Home Front, 1939-1945. UPNE, 2006, ISBN 978-1-58465-443-8 (google.de [abgerufen am 5. Oktober 2026]).
  6. ↑ Mark Cantor: The Soundies: A History and Catalog of Jukebox Film Shorts of the 1940s. McFarland, 2023, ISBN 978-1-4766-4642-8 (google.de [abgerufen am 5. Oktober 2026]).
  7. ↑ Nat Burton - The White Cliffs of Dover (1941). Abgerufen am 5. Oktober 2026.
  8. ↑ Ben Beaumont-Thomas: Dame Vera Lynn, singer and 'forces' sweetheart', dies aged 103. In: The Guardian. 18. Juni 2020, ISSN 0261-3077 (theguardian.com [abgerufen am 5. Oktober 2026]).
  9. ↑ Library of Congress Copyright Office: Catalog of Copyright Entries: Third series. 1970 (google.de [abgerufen am 2. Oktober 2026]).
  10. ↑ Artist: Nat Burton | SecondHandSongs. Abgerufen am 2. Oktober 2026.
  11. ↑ George Whiting bei Discogs
  12. ↑ J. C. Johnson bei Discogs
  13. ↑ Lynne Richards bei Discogs