Nahschuss
| Film | |
| Titel | Nahschuss |
|---|---|
| Produktionsland | Deutschland |
| Originalsprache | Deutsch |
| Erscheinungsjahr | 2021 |
| LĂ€nge | 116Â Minuten |
| Altersfreigabe | |
| Stab | |
| Regie | Franziska StĂŒnkel |
| Drehbuch | Franziska StĂŒnkel |
| Produktion | Bettina Wente, Wolfgang Cimera[2] |
| Musik | Karim Sebastian Elias |
| Kamera | Nikolai von Graevenitz |
| Schnitt | Andrea Mertens |
| Besetzung | |
| |
Nahschuss ist ein Filmdrama von Franziska StĂŒnkel, das am 12. August 2021 in die deutschen Kinos kam. Der Film ist von der Lebensgeschichte des Werner Teske inspiriert, des letzten Hinrichtungsopfers in der DDR.
Handlung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Dem jungen Wissenschaftler Franz Walter, der glĂ€nzend an der Humboldt-UniversitĂ€t zu Berlin promoviert hat, wird eine Professur in Aussicht gestellt. AuĂerdem wird ihm und seiner frisch angetrauten Frau Corina eine luxuriös ausgestattete Wohnung in Ost-Berliner Innenstadtlage ĂŒberlassen. Als Gegenleistung wird von ihm erwartet, dass er ein Jahr lang fĂŒr die Hauptverwaltung A (HVA) des Auslandsnachrichtendienstes der DDR arbeitet. Sein FĂŒhrungsoffizier Dirk Hartmann informiert ihn, dass er auf den prominenten FuĂballspieler Horst Langfeld angesetzt werden soll, der in den Westen geflohen ist und beim Hamburger SV seine Karriere fortsetzt. Ziel ist die prestigetrĂ€chtige RĂŒckfĂŒhrung des Spielers in die DDR. Der fuĂballbegeisterte Franz Walter, der in Berlin im selben Verein wie Langfeld spielte, nimmt das Angebot an, verpflichtet sich zu strenger Geheimhaltung und reist mit Hartmann nach Hamburg.
Dort setzt der DDR-Nachrichtendienst den FuĂballspieler Bodo Renner, einen Teamkameraden Langfelds, mittels einer Sexfalle so sehr unter Druck, dass er Informationen ĂŒber das Privatleben Langfelds liefert. Gleichzeitig wird der noch in der DDR verbliebenen Ehefrau Langfelds suggeriert, sie sei an Brustkrebs erkrankt und mĂŒsse eine Chemotherapie beginnen. Diese fingierte Krankheit soll ihren Mann bewegen, in die DDR zurĂŒckzukehren. Franz Walter fĂŒhlt sich in seiner Rolle immer unwohler und versteht, dass er allmĂ€hlich zum TĂ€ter wird. Seine Skrupel werden noch gröĂer, als Langfeld in der Badewanne seiner Wohnung tot aufgefunden wird. Offizielle Todesursache ist Suizid. Renner verbreitet in den westdeutschen Medien, vom DDR-Geheimdienst instruiert, Langfeld habe sich im Westen nie wohlgefĂŒhlt.
Franz Walter möchte seine TĂ€tigkeit bei der HVA beenden, doch der Geheimdienst lĂ€sst ihn nicht gehen und erpresst ihn. Eine AugenÂoperation der Mutter Walters droht verschoben zu werden; erst als Walter seine Kooperation fortsetzt und sich weiteren Verstrickungen aussetzt, erfolgt die Behandlung. Walter beginnt zu trinken und entfremdet sich von Corina. Er verfĂ€llt physisch und psychisch immer mehr und sieht einen Ausweg bald nur noch in der Flucht. Aus dem Tresor seines BĂŒros entwendet er geheimdienstliche Unterlagen und schmuggelt sie nach Hause. Dies bleibt der Geheimdienstzentrale jedoch nicht verborgen. Als sich der MfS-Offizier Schulte aus dem Umfeld Walters in den Westen absetzt, reagiert der Geheimdienst nervös. Am Ende soll an Walter ein Exempel statuiert werden. Er wird festgenommen, wegen âvorbereiteter und vollendeter Spionageâ zum Tode verurteilt und durch einen unerwarteten Nahschuss hingerichtet und eingeĂ€schert.
Biografisches
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Der Film ist laut Abspann von der Lebensgeschichte des Werner Teske inspiriert, der im Juni 1981 in der DDR zum Tode verurteilt und wenig spÀter hingerichtet wurde, weicht aber in einigen Aspekten von den tatsÀchlichen Geschehnissen ab und erhebt keinen Anspruch auf historische AuthentizitÀt. Teske gilt als das letzte Hinrichtungsopfer der DDR von 166 bislang bekannt vollstreckten; bei 231 ausgesprochenen Todesurteilen.[3][4][5]
Werner Teske hatte wie die fiktive Figur Franz Walter an der Humboldt-UniversitĂ€t zu Berlin studiert und war dort anschlieĂend als wissenschaftlicher Assistent tĂ€tig. Nachdem er vom MfS angeworben worden war, arbeitete er ab 1969 hauptamtlich fĂŒr dessen Hauptverwaltung AufklĂ€rung in der WissenschaftsÂspionage im westlichen Ausland. Bereits seit Mitte der 1970er Jahre hatte er Operativgelder (jeweils mehr als 20.000 Ost- und D-Mark) veruntreut. Hinzu kamen Zweifel am politischen System der DDR und seiner Aufgabe darin. So spielte er mit dem Gedanken, in die Bundesrepublik zu fliehen. Wegen mehrerer Dienstvergehen wurde er im August 1980 beurlaubt und unter einem Vorwand am Abend des 4. September 1980 in ein konspiratives Objekt der HVA verbracht. Bei den vorerst HVA-intern durchgefĂŒhrten ĂberprĂŒfungen stellte sich heraus, dass er eine Vielzahl geheimer Dokumente in seinem Wohnhaus versteckt hielt. Unter dem zunehmenden Ermittlungsdruck gestand er in der Nacht zum 11. September 1980, seit einigen Jahren ĂŒber eine Flucht in die Bundesrepublik nachgedacht zu haben. Er wurde vor dem 1. MilitĂ€rstrafsenat des Obersten Gerichtes der DDR wegen vollendeter Spionage in einem besonders schweren Fall in Tateinheit mit Fahnenflucht und âungesetzlichem GrenzĂŒbertrittâ angeklagt und am 12. Juni 1981 zum Tode verurteilt. Er wurde am 26. Juni durch unerwarteten Genickschuss exekutiert.
Der ĂberlĂ€ufer Schulte im Film ist dem MfS-Offizier Werner Stiller nachgebildet, dem 1979 mit zahlreichen geheimen Dokumenten die spektakulĂ€re Flucht aus der DDR gelang. Stillers Ăbertritt hatte die Enttarnung zahlreicher Ostagenten zur Folge. Aufgrund Stillers Flucht wurden innerhalb des MfS die SicherheitsmaĂnahmen deutlich erhöht; auch die immer intensivere ĂberprĂŒfung Teskes war darauf zurĂŒckzufĂŒhren.[6]
Im Jahr 1998 verurteilte das Landgericht Berlin einen beisitzenden MilitĂ€rrichter wegen Totschlags in Tateinheit mit Rechtsbeugung und den MilitĂ€rstaatsanwalt, der in der Hauptverhandlung die Todesstrafe beantragt hatte, wegen Beihilfe zu jeweils vier Jahren Freiheitsstrafe. BegrĂŒndet wurden die Urteile damit, dass Teske (und MfS-Major Gert Trebeljahr im Jahre 1979) selbst nach dem gĂ€ngigen DDR-Recht zu Unrecht zum Tode verurteilt und hingerichtet worden waren. Am 26. Juli 1999 bestĂ€tigte der Bundesgerichtshof (BGH) die Urteile.[7][8]
Der Fall des FuĂballspielers Horst Langfeld, der im Film erzĂ€hlt wird, erinnerte einige Kritiker an das Schicksal von Lutz Eigendorf, einem DDR-NationalÂspieler, der sich 1979 nach einem Freundschaftsspiel seines Klubs BFC Dynamo in Kaiserslautern in den Westen absetzte.[9][10] Eigendorf kam einige Jahre spĂ€ter bei einem Verkehrsunfall ums Leben. Nicht restlos geklĂ€rte UmstĂ€nde des Unfalls nĂ€hrten den Verdacht, Eigendorf sei vom Ministerium fĂŒr Staatssicherheit ermordet worden.[11]
Produktion
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Stab, Entwicklung und Filmförderung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]âBei Nahschuss geht es nicht um Schuldzuweisung, sondern darum, zur Sichtbarkeit eines historischen Fakts beizutragen, ein Puzzleteil mehr zur Aufarbeitung der Geschichte zu liefern. DarĂŒber hinaus ist das Thema nicht nur historisch zu betrachten - es gibt noch immer ĂŒber 50 Staaten, die die Todesstrafe im Strafgesetz haben. Das Thema ist global leider nicht am Ende.â
Regie fĂŒhrte Franziska StĂŒnkel, die auch das Drehbuch schrieb. Sie erzĂ€hlt chronologisch, unterbricht den Verlauf der Geschichte aber immer wieder, um Franz Walters Prozess zu zeigen, an dessen Ende der titelgebende âunerwartete Nahschussâ steht.[13]

Ausgangspunkt fĂŒr das Drehbuch war ein Zeitungsartikel, durch den StĂŒnkel erfuhr, dass es die Todesstrafe in der ehemaligen DDR gab. Sieben Jahre lang arbeitete sie an Stoff und Drehbuch. Sie recherchierte lange, um die Geschichte mit KomplexitĂ€t und MehrdimensionalitĂ€t zu erzĂ€hlen und nicht nur dem Thema, sondern auch der Geschichte des Menschen, der dahinter steht, gerecht zu werden. Es gehe in Nahschuss nicht um Schuldzuweisung, sondern darum, zur Sichtbarkeit eines historischen Fakts und zur Aufarbeitung der Geschichte beizutragen, so StĂŒnkel: âNahschuss erzĂ€hlt ein StĂŒck DDR-Geschichte, aber auch ein universelles Thema, das mir sehr am Herzen liegt.â Auch heute noch gebe es viele Staaten, die die Todesstrafe im Strafgesetz haben, und die Verfolgung Andersdenkender und Oppositioneller finde auch in totalitĂ€ren Systemen der Gegenwart statt.[12]
Der Film erhielt Förderungen von der Beauftragten der Bundesregierung fĂŒr Kultur und Medien, der Film- und Medien Stiftung NRW, der nordmedia Fonds GmbH Niedersachsen und Bremen, der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein GmbH und vom Deutschen Filmförderfonds.
Besetzung, Dreharbeiten und Filmschnitt
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Lars Eidinger spielt in der Hauptrolle den Ingenieur Franz Walter, Luise Heyer seine Ehefrau Corina Walter. Devid Striesow spielt Dirk Hartmann.[5] In weiteren Rollen sind Moritz Jahn als Renner, Peter Benedict als Rechtsanwalt Schreiber, Hendrik Heutmann als Bernd und Inka Löwendorf als Anja Hartmann zu sehen.
Gedreht wurde ab November 2019 unter anderem in Berlin,[14][15] hier an historischen Orten wie dem ehemaligen GelĂ€nde des Ministeriums fĂŒr Staatssicherheit der DDR in der NormannenstraĂe und der frĂŒheren Untersuchungshaftanstalt Berlin-Hohenschönhausen.[12][5] Zuletzt fanden Aufnahmen in LĂŒnen statt, bevor die Dreharbeiten im Dezember 2019 nach 24 Drehtagen endeten.[16][17] Als Kameramann fungierte Nikolai von Graevenitz.[12]
Die Aufnahmen entstanden mit bewegter Kamera, einem Gimbal, der âquasi mit dem Protagonisten verschmilzt und teils zu seiner POV wirdâ, so StĂŒnkel und erklĂ€rt weiter: âIch arbeite gerne im Fluss, möchte die Konzentration nicht durchbrechen, der Rhythmus kommt beim Dreh. Nahschuss verschlieĂt sich auch immer mehr dem Licht, geht wie durch einen Tunnel in sich selbst, ins Schwarz hinein, findet keine Orientierung mehr.â Das beige-braune Farbkonzept verschĂ€rfe die klaustrophobische, schwer greifbare Situation, und der Zuschauer finde gemeinsam mit der Hauptfigur keinen Weg mehr hinaus. Ăber die Haftanstalt Hohenschönhausen weiĂ StĂŒnkel zu berichten, dass einige Gefangene dort in winzige ĂŒberheizte Zellen gesperrt wurden. Hitze und Enge erzeugten klaustrophobische ZustĂ€nde und schĂŒrten das GefĂŒhl des Ausgeliefertseins.[12] Die Szenenbildnerin Anke Osterloh gestaltete die DDR bei ihrer Arbeit visuell stylischer nach, als sie gewesen sei, so Matthias Dell im Tagesspiegel.[18] Der Evangelische Pressedienst hingegen spricht âvon einem perfekt ausgestatteten Filmâ.[19]
StĂŒnkel setzte auf lange Einstellungen, die dem Betrachter die Möglichkeit geben, das zu entdecken, was nicht gesagt wird. So gebe es auch nicht viele Schnitte im Film, lediglich 700 und damit die HĂ€lfte eines normalen Spielfilms.[12]
Einsatz von Musik, Sounddesign und Veröffentlichung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Film verzichtet fast gĂ€nzlich auf nicht-diegetische Musik. Lediglich am Ende, im Abspann, habe sie ein eigens komponiertes StĂŒck von Karim Sebastian Elias verwendet, als Franz gestorben ist, so StĂŒnkel. Ebenso verzichtet der Film auf ein Sounddesign, sondern verwendet nur natĂŒrliche Töne. Die Regisseurin wollte nach eigenen Aussagen die Zuschauer nicht zu sehr an die Hand nehmen und ihnen keine Emotionen ĂŒberstĂŒlpen.[12] Zudem sollte der Zuschauer dem Protagonisten nicht nur visuell nah sein, sondern auch akustisch, und Walters Atem sollte den Film tragen und rhythmisieren. Die Filmmusik von Elias setzt erst dann ein, als Walter aufhört zu atmen.[8]
Diegetische Musik, also Musik als Teil der filmischen RealitĂ€t, kommt in Nahschuss hĂ€ufiger zum Einsatz. So hören Corina und Franz Walter mehrmals laut den Song Am Fenster der Ost-Berliner Band City, teilweise um damit das Abhören ihrer GesprĂ€che in ihrer Wohnung zu erschweren. Weitere MusikstĂŒcke stammen von Karat und Ton Steine Scherben.
Der Film kam am 12. August 2021 in die deutschen Kinos.[20] Die Premiere erfolgte bereits im Juli 2021 beim Filmfest MĂŒnchen.[21] Im Oktober 2021 wurde der Film beim Chicago International Film Festival vorgestellt.[22]
Rezeption
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Kritiken
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Die Redaktion von Zukunft braucht Erinnerung schreibt, mit Nahschuss sei Franziska StĂŒnkel ein eindringlicher Film ĂŒber die Todesstrafe in der DDR gelungen, und sie erzĂ€hle in herausragenden Bildern und inszeniert mutig und radikal die bestĂŒrzende Geschichte eines Mannes, der in die MĂŒhlen eines Unrechtssystems gerĂ€t und daran zerbricht. Durch groĂe Ruhe erzeuge sie eine IntensitĂ€t und emotionale Dichte, die einem den Atem raube. Dabei stĂŒnden Lars Eidinger mit seinem starken Spiel und Luise Heyer mit ihrer nuancierten und ĂŒberzeugenden Darstellung genau wie Devid Striesow in nichts nach.[23] Bettina Peulecke vom NDR meint, Eidinger und Striesow als dessen Gegenpol lieferten eine schlicht geniale, buchstĂ€blich markerschĂŒtternde Performance.[24]
FĂŒr Annett Scheffel von der SĂŒddeutschen Zeitung hĂ€tte Franziska StĂŒnkel aus dem Stoff âeinen wendungsreichen deutsch-deutschen Spionage-Thriller machen könnenâ. Aber StĂŒnkel gehe es âin ihrem hervorragend ausgestatteten und in Braun-, Grau- und Sepia-Tönen dĂŒster glimmenden Film um das Psychogramm eines Mannes, der sich in einem erbarmungslosen System verstrickt â und in seiner eigenen Schuld.â Dabei gelinge der Regisseurin âeine spannende Differenzierungâ: âFranz ist keine so schmerzlich-melancholische Figur wie der Stasi-Hauptmann in Das Leben der Anderen. Aber er wirft Fragen auf. Weil er beides ist, Opfer und TĂ€ter. Sein Leben ein selbstgewĂ€hltes GefĂ€ngnis â und gleichzeitig ein aufgezwungenes. [...] Franz kommt aus den Bahnen, in die er sein Leben gelenkt hat, nicht mehr heraus. Vielleicht hatte er aber auch nie eine Wahl. Wollen oder MĂŒssen â dass sich das bis zum Ende kaum auseinanderhalten lĂ€sst, ist die groĂe StĂ€rke von Nahschuss.â[25]
Bert Rebhandl schreibt in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, Nahschuss sei sowohl als Thriller als auch als psychologisches Drama konzipiert, konzentriere sich dabei allerdings so stark auf die ZerrĂŒttung von Franz Walter, dass wesentliche Dimensionen seines Schicksals eher vorausgesetzt als erzĂ€hlt wĂŒrden. Walter sei hierbei eben keine historische Figur, sondern eine Attrappe, an der die DDR als Unrechtsstaat kenntlich gemacht wird. Das Wesen dieses Unrechts aber bleibe Ă€uĂerlich, und der Film werde somit zu einem weiteren Beispiel fĂŒr die Folklorisierung der DDR, die sich in vielen Filmen und Serien seit 1990 erkennen lĂ€sst, von Deutschland 83â89 bis Weissensee.[26]
Peter Osteried schreibt in seiner Funktion als Filmkorrespondent der Gilde deutscher Filmkunsttheater, Nahschuss sei ein beklemmender Film, weil StĂŒnkel es verstehe, den Kontrast und Konflikt von Systemtreue und einem eigenen Gewissen in den Fokus zu stellen und zeige, wie ein Mensch verfĂŒhrt wird. So erzĂ€hle der Film vom Leben in einem Unrechtssystem und davon, wie der Einzelne darin untergeht.[13]
Hanns-Georg Rodek sieht in der Welt Lars Eidinger âals Idealbesetzungâ fĂŒr den Wissenschaftler Franz Walter, der kein skrupelloser Typ und nicht mal ein Opportunist sei. Er sei intelligent und eloquent, auch labil und ein wenig naiv, ânicht so viel anders als die meisten von unsâ. Der Film entwickele sich zu einer âStudie der schleichenden Vereinnahmungâ, die âeinem (und den Protagonisten) Zentimeter um Zentimeterâ die Kehle zuschnĂŒre. Rodek sortiert dabei Nahschuss als Produktion ein, der man die westliche Perspektive auf das ostdeutsche Thema des Stasi-Unrechts anmerke.[9]
Im Tagesspiegel erkennt Matthias Dell ebenfalls eine âwestdeutsche Perspektiveâ des Films. Das Drehbuch sei zudem ungelenk. Zur Stasi komme Franz Walter âwie die Jungfrau zum Kindeâ. ErzĂ€hlerisch habe StĂŒnkel kein GespĂŒr fĂŒr Zeit und Entwicklung, so Dell, und sie reduziere das Drama auf SchlĂŒsselreize: âDass DDR aufgerufen wird, wenn jemand âBrettsegelnâ statt Surfen sagt. Oder dass Walter zum Stasi-Gegner mutiert, als geplant wird, Langfelds Frau eine falsche Krebsdiagnose zu geben, damit der FuĂballer in die DDR zurĂŒckkommt.â[18]
Einsatz im Unterricht
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