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Regionen und Orte in Tolkiens Welt

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Tolkiens Welt

Der englische Schriftsteller J. R. R. Tolkien stattete die Bücher, die er in der von ihm selbst erdachten Mythologie spielen ließ, mit detaillierten Informationen über Regionen und Orte aus. Er zeichnete Karten und berechnete Entfernungen, sodass sich ein recht detailliertes Bild der Geographie dieser Welt zeichnen lässt.

Die von J. R. R. Tolkien in mehreren Romanen beschriebene Welt Arda gehört zu den komplexesten Weltenschöpfungen der phantastischen Literatur. Einige der Orte auf Arda – insbesondere auf dem Kontinent Mittelerde – sind so bekannt, dass sie zum Allgemeingut der Populärkultur gehören. In den verschiedenen Sprachen und Schriften in Tolkiens Welt existieren für viele Örtlichkeiten unterschiedliche Namen und Bezeichnungen.

Die folgende Aufzählung bezieht sich ausschließlich auf die Romane und Schriften Tolkiens, welche die Geschichte Ardas umschreiben. Die wichtigsten Quellen sind dabei der Roman Der Herr der Ringe (1954/55) und die Erzählungen aus dem Silmarillion, von denen die meisten auf dem Kontinent Mittelerde spielen. Die dreiteilige Verfilmung des Romans Der Herr der Ringe stellt manche Zusammenhänge anders dar.

Die Schreibweise der Eigennamen und einiger anderer Zusammenhänge richtet sich bei Abweichungen zwischen den beiden deutschen Übersetzungen des Herrn der Ringe nach der älteren von Margaret Carroux, da diese noch in Zusammenarbeit mit Tolkien entstand. Die Unterschiede zur Übersetzung Wolfgang Kreges sind in manchen Fällen mit angegeben.

Im weiteren Verlauf des Artikels werden für die Zeitalterangaben nach den Jahreszahlen folgende Abkürzungen verwendet: E.Z. für Erstes Zeitalter, Z.Z. für Zweites Zeitalter, D.Z. für Drittes Zeitalter, V.Z. für Viertes Zeitalter und A.Z. für Auenland-Zeitrechnung.

Die Wortherkunft für die Orte und Gebiete von Tolkiens Welt geht auf die von ihm entwickelten Elbensprachen Sindarin und Quenya zurück. Bezeichnungen in den Bereichen Arda, Aman und Númenor entstammen dem Quenya, die in Mittelerde überwiegend dem Sindarin. Für zahlreiche Begriffe sind Entsprechungen oder Übersetzungen in Sprachen anderer Völker Mittelerdes angegeben. Bei einigen Orten und Regionen wechselt die Bezeichnung auch im Laufe der Zeitalter in Mittelerde.

Arda („das Reich“) ist der elbische Name für die Erde. Oftmals wird es auch als „Königreich Arda“, das Reich Manwes, des mächtigsten der Valar, bezeichnet. Zunächst ist Arda nur ein Gesicht, eine Idee im Geiste Ilúvatars. Erst die Musik der Ainur schafft Arda in der Wirklichkeit, allerdings nur als dunkle „Rohform“.

„[…] und sie sahen eine neue Welt, und sie wölbte sich in der Leere und wurde von der Leere getragen, doch war sie nicht gleich ihr. […] und sie schien zu leben und zu wachsen.“

– J. R. R. Tolkien: Das Silmarillion[1]

Einige der Ainur bitten Ilúvatar, in die Welt hinabsteigen zu dürfen, um sie so zu formen, wie sie es in Ilúvatars Vision gesehen haben. Diese Ainur werden Valar „die Mächtigen“ und Maiar „die Schönen“ genannt.

Die Valar beziehen ihren Wohnsitz auf der Insel Almaren inmitten einer riesigen Landmasse, ähnlich unserem Urkontinent Pangaea. Das erste Licht für Arda spenden die zwei Lampen Illuin und Ormal, welche die Valar im Norden und Süden auf großen Pfeilern aufstellen. Sie werden jedoch bald von Melkor, der sich von den übrigen Ainur abgewandt und seine eigene Festung Utumno in die gewaltigen Eisenberge geschlagen hat, zerstört. Die Pfeiler stürzen um und zerschlagen das Land in mehrere Kontinente, darunter Aman und Mittelerde. Während Aman später durch das Licht der beiden Bäume Telperion und Laurelin von Valinor aus erhellt wird, bleiben Mittelerde und die übrigen Kontinente bis zur Erschaffung von Sonne und Mond dunkel. Melkor aber vernichtet auch die Bäume. Es gelingt den Valar jedoch, aus deren letzten beiden Früchten die Sonne und den Mond zu erschaffen.

Am Ende des Zweiten Zeitalters in der Geschichte von Arda ändert sich die Beschaffenheit der Welt erneut grundlegend: bis dahin eine Scheibe, wandelt sie sich jetzt mit dem Untergang Númenors und der Entrückung Amans zu einer Kugel. Darum sind im Dritten Zeitalter alle Wege „krumm“, außer dem „geraden Weg“, der nach Valinor in den „Westen“ führt.

Da zu Arda auch Sonne und Mond gezählt werden, wird sie in den späteren Schriften mit dem Sonnensystem gleichgesetzt, der Planet Erde indessen als Ambar bezeichnet. Ambar ist in diesen Schriften von Anfang an rund, eine entsprechende Neufassung des Silmarillions wurde jedoch nicht vollendet.

Aman („Segensreich“) ist der westlichste aller Kontinente Ardas und Wohnort der Valar und der meisten Maiar. Auf Aman befindet sich Valinor („Heimatland der Valar“), welches häufig fälschlich mit dem ganzen Kontinent gleichgesetzt wird.

Der Kontinent wird durch verschiedene Zauber und geographische Begrenzungen (überwiegend im Osten), beispielsweise die steile Bergkette der Pelóri („Umkreishöhen“) und die Schattenmeere, vor Melkor geschützt. Die Pelóri werden in späteren Zeitaltern weiter aufgetürmt, zudem legen die Valar die sogenannten „Verwunschenen Inseln“ vor der Ostküste Amans an. Nach dem Untergang Beleriands im Krieg des Zorns am Ende des Ersten Zeitalters wird Belegaer („das Große Meer“) breiter, die Helcaraxe („Eisabbruch“), eine aus Malm-Eis bestehende Verbindung zwischen Aman und Mittelerde, verschwindet. Durch die Umformung Ardas von einer Scheibe zu einer Kugel am Ende des Zweiten Zeitalters wird Aman der Welt entrückt und ist nur noch über den „Geraden Weg“ durch die Schwanenschiffe der Elben erreichbar.

Der höchste Berg Amans ist der Taniquetil („hoher weißer Gipfel“), etwa auf halber Länge der Pelóri von Nord nach Süd gelegen. Von seinem Gipfel aus überblicken Manwe und Varda ganz Arda. Der höchste Berg südlich des Taniquetil ist der Hyarmentir („Südausschau“). In dessen Nähe lebt die dunkle Spinne Ungoliant in einer Schlucht. Der Hyarmentir dient dazu die Gebiete südlich von Valinor zu überwachen, denn diese werden durch die Pelóri vom Licht der zwei Bäume abgeschirmt und liegen folglich in völliger Finsternis.

Allein den Valar, Maiar und Elben ist es gestattet, Aman zu betreten. Als die Númenórer unter Ar-Pharazôn („der Strahlende“) gegen Ende des Zweiten Zeitalters versuchen, Valinor um der Unsterblichkeit willen anzugreifen und es betreten, werden sie während der Umformung der Welt unter Steinen begraben, ihre Insel Númenor versinkt wieder im Meer und wird fortan von den Überlebenden dieses Untergangs nur noch Atalante („die Gefallene“) genannt.

Valinor ist ein Teilgebiet Amans, welches an den westlichen Grenzen der Welt liegt. Zur Zeit der Gründung der neuen Heimat der Valar hat diese Welt analog dem dem Mittelalter zugeschriebenen Weltbild noch die Form einer Scheibe. Valinor wird nach Osten hin durch eine Bergkette begrenzt, die Pelóri („Pfahlberge“ oder „Umkreishöhen“) genannt werden.

Innerhalb dieser Grenzen gründen die Valar ihre einzige Stadt Valmar oder Valimar („Valarheim“). Sie ist riesig und prunkvoll. Vor den Toren der Stadt liegt der Hügel Ezellohar, auf dem durch Yavannas Gesang die zwei Bäume des Lichts wachsen, die Laurelin („Goldwasser“) und Telperion („der Silberschimmernde“) genannt werden. In Kübeln fängt Varda ihre Früchte auf und formt daraus die Sterne. In der Nähe des Hügels befindet sich der Máhanaxar, der Ring des Schicksals, der den Valar als Versammlungsort und Gerichtshof dient, ähnlich den Thingstätten der Germanen.

Die Pelóri ragen zum Meer hin steil auf, haben aber nach Westen hin sanft abfallende Hänge, die bis an die fruchtbaren Wiesen und Ebenen Valinors grenzen. Östlich liegt die Küste öde und trocken im Schatten dieses Gebirges. Diese Küste wird nach Süden hin immer schmaler. Der Norden, dort wo das Land an die Gletscher der Helcaraxe („Eisachse“) stößt, ist von dichten Nebelschwaden bedeckt und wird Oiomúre („Ewige Finsternis“) oder Araman (das Land „neben Aman“) genannt. Die Pelóri haben ursprünglich keinen Durchlass, aber als die Elben nach Valinor kommen und Osse Tol Eressea („Einsame Insel“) in der Bucht von Eldamar („Elbenheim“) verankert, öffnen die Valar einen Durchlass, die Calacirya („Lichtspalte“), durch die das Licht der Zwei Bäume bis zu dieser Insel scheint. Südlich und nördlich dieser Spalte liegt das Land im Dunkeln. Eruman („Einsame Ebene“) liegt südlich der Pelóri und ist finster und gefährlich, dort haust Ungoliant (die „Schattenspinne“) und Melkor (Morgoth) sucht dort Zuflucht und ihre Unterstützung.[2]

Die Valar legen in Valinor Gärten an und leben in großen Gebieten, wo sie sich Paläste errichten. Valmar ist nicht der einzige Wohnort der Valar, sondern dient ihnen als Hauptstadt. Ganz im Westen, am Rande von Ekkaia („Außenmeer“; auch Néni Erúmear, „das umschließende Meer“), vor den Toren der Nacht sind die Hallen von Mandos. Dorthin gelangen die fear (Seelen) der Elben und Menschen nach dem Tod der hroa (Körper). Während die Elben dort auf ihre Wiedergeburt warten, verlassen die fear der Menschen nach einiger Zeit die materielle Welt. Ganz in der Nähe von Mandos befinden sich auch Niennas Hallen. Die Wälder Oromes liegen südlich der Stadt Valmar, westlich davon die Wiesen Yavannas. In den Gärten von Lórien („Traumland“) auf einer Insel im See Lórellin („Traumwasser“) leben Irmo und Este sowie der Maia Olórin, der später als Gandalf nach Mittelerde gesandt wird. Tolkien schreibt im Silmarillion über das Land Valinor:

„[E]s war gesegnet, denn die Unsterblichen wohnten dort, und nichts welkte oder verdorrte, und Blumen und Blätter hatten keine Flecken in diesem Lande, noch verdarb oder erkrankte irgendetwas, das lebte; denn sogar die Steine und die Wasser waren heilig.“

– J. R. R. Tolkien: Das Silmarillion.[3]

Valinor wurde von Tolkien mit dem irdischen Paradies verglichen, allerdings erwachen nicht hier, sondern im Osten Mittelerdes (Cuiviénen bzw. Hildórien), die ersten Elben und Menschen.

Allein den Elben ist es vorbehalten, neben den Valar in Aman zu wohnen. Sie siedeln vor allem östlich von Valinor, in Eldamar (Elbenheim). Die Teleri errichten bereits im Zeitalter der Bäume den Schwanenhafen Alqualonde an der Küste der Bucht von Eldamar, am östlichen Ende des Calacirya. Der Calacirya ist die einzige Lücke in den Pelóri und damit der einzige Weg ins Landesinnere. Durch den Pass scheint bis zu ihrer Vernichtung das Licht der Zwei Bäume bis nach Alqualonde. Genau in der Mitte des Calacirya liegt die Noldorstadt Tirion („die Schauende“) auf dem Hügel Túna, die älteste Stadt der Elben in Aman. In ihrem Zentrum befindet sich der Turm Mindon Eldaliéva („Turm der Elben“), das höchste Bauwerk der Elben in Aman.

Am Ende des Ersten Zeitalters, nach dem Untergang Beleriands, erbauen elbische Flüchtlinge, die von dort kamen, auf der Insel Tol Eressea die Stadt Avallóne („die nahe bei Valinor liegt“), eine Anspielung auf Avalon. Tol Eressea ist die Insel, auf der die ersten Elben nach Aman verschifft wurden, und die von Osse in der Bucht von Eldamar befestigt wurde.

Númenor („West-Land“), von den Menschen Westernis genannt, ist eine große, sternförmige Insel. Die Valar schenken diese Insel den