Melodic Death Doom
| Melodic Death Doom | |
|---|---|
| Entstehungsphase: | ab 1993 |
| Herkunftsort: | Schweden · Finnland · Dänemark |
| Stilistische Vorläufer | |
| Death Doom · Gothic Metal · Extreme Metal | |
| Pioniere | |
| Katatonia · Amorphis · October Tide · Saturnus | |
| Genretypische Instrumente | |
| E-Gitarre · E-Bass · Schlagzeug · Keyboard | |
| Wichtige lokale Szenen | |
| Finnland | |
Melodic Death Doom ist ein Subgenre des Death Doom und des Melodic Death Metal, das durch die Verbindung des langsamen, schweren Riffings des Death Doom mit melodischer Gitarrenarbeit des Melodic Death Metal gekennzeichnet ist. Im Mittelpunkt stehen häufig melancholische Harmonien, ausgedehnte Gitarrenmelodien und ein Wechselspiel zwischen schleppenden und dynamischeren Passagen. Die Stilrichtung entwickelte sich in den frühen 1990er Jahren aus dem europäischen Death Doom und dem Extreme Metal. Sie steht historisch sowohl mit der Entstehung des Gothic Metal als auch mit der Entwicklung des Melodic Death Metal in Verbindung.
Musikalische Einordnung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Melodic Death Doom verbindet die langsame und schwere Spielweise des Death Doom mit der melodischen Gitarrenarbeit des Melodic Death Metal. Kennzeichnend sind insbesondere ausgeprägte Gitarrenmelodien und melancholische Leadgitarren über einem vom Doom Metal und Death Metal geprägten rhythmischen Fundament. Der Gesang ist überwiegend durch tiefe Growls und andere extreme Gesangsformen geprägt. Klarer Gesang wird gelegentlich ergänzend eingesetzt. Ebenso werden Keyboards häufig zur atmosphärischen Ausgestaltung genutzt. Die Stilrichtung wird nicht zwingend durchgehend langsam gespielt. Neben schleppenden Passagen stehen gelegentlich schnellere und dynamischere Abschnitte. Insbesondere die Verbindung von Elementen des Death Doom mit melodischer Gitarren- oder Keyboardarbeit wird als charakteristisch beschrieben. Eine eindeutige und trennscharfe taxonomische Abgrenzung zum frühen Gothic Metal und zum Melodic Death Metal ist daher nicht immer möglich.[1]
Der Begriff etablierte sich erst Jahre nachdem Interpreten wie Amorphis und Katatonia die stilistische Entwicklung maßgeblich geprägt hatten.
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Vorgeschichte Ursprünge bis zur Mitte der 1990er Jahre
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Ursprünge des Melodic Death Doom liegen in der Entwicklung des europäischen Death Doom Ende der 1980er und Anfang der 1990er Jahre. Insbesondere die zunehmende Verwendung melodischer Gitarren, Keyboards und atmosphärischer Elemente erweiterte die auf Schwere und Langsamkeit ausgerichtete Stilistik. Alben wie The Astral Sleep von Tiamat, Gothic von Paradise Lost, Always … von The Gathering oder Turn Loose the Swans von My Dying Bride markierten die Schnittstelle zwischen dem Death Doom des Debüts von Paradise Lost und Gothic Metal.[2]
Eine Entwicklung hin zum Melodic Death Doom setzte Anfang der 1990er Jahre ein. Als frühes Schlüsselwerke gelten Dance of December Souls der schwedischen Band Katatonia aus dem Jahr 1993 und Tales from the Thousand Lakes von Amorphis aus dem Jahr 1994. Während Katatonia die langsame und schwere Spielweise des Death Doom mit musikalischen Einflüssen aus dem Black Metal und einer für die weitere Entwicklung des Genres prägenden melodischen Gitarrenarbeit verband,[3] spielte Amorphis mit ausgeprägten Melodien, Keyboards sowie Elementen des Progressive und Folk Metal.[4] Beide Alben wurden zu wichtigen Bezugspunkten der Entwicklung des Melodic Death Doom. Das Debüt von Katatonia wurde dabei zeitweise dem Gothic Metal zugerechnet.[3]
Etablierung und Verbreitung in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Mit den Veröffentlichungen aus den Jahren 1996 und 1997 Brave Murder Day von Katatonia, Paradise Belongs to You von Saturnus und Rain Without End des Katatonia-Nebenprojektes October Tide festigte sich die Spielweise. Seit den 2000er Jahren wurde die Stilistik durch Bands wie Swallow the Sun, Draconian und weitere insbesondere finnische Bands und internationale Vertreter weiterentwickelt. Dabei verstärkten sich die Überschneidungen mit Gothic Metal, Funeral Doom, Progressive Metal und Atmospheric Doom. Gleichzeitig blieb die Verbindung aus Doom-Rhythmik, Death-Metal-Gesang und melodischer Gitarrenarbeit das zentrale gemeinsame Merkmal. Bereits zum Ende der 1990er Jahre verbreitete sich der Stil zunehmend international. Mit Interpreten wie den amerikanischen Bands Thorns of the Carrion[5] und Morgion,[6] der schwedischen Gruppe October Tide,[1] dem französischen Projekt Despond,[7] der niederländischen Bands Morphia[8] und Officium Triste,[9] der portugiesischen Gruppe Desire,[10] der Entwicklung der griechischen Band On Thorns I Lay[11] sowie dem belgischen Projekt In Somnis[12] verbreitete sich das Genre noch vor der Jahrtausendwende international. Eine eigenständige Betitelung für das sich mit Death Doom und Gothic Metal überlagernde Genre blieb allerdings vorerst aus.
Nach der Jahrtausendwende
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Nach der Jahrtausendwende festigten sich zunehmend die Wahrnehmung als eigenständiges finnisch verwurzeltes Genre innerhalb des Death Doom. Interpreten wie Marianas Rest,[13] Ablaze in Hatred,[14] Yearning,[15] Hanging Garden,[16] Insomnium,[17] Arche,[18] Rapture,[1] Red Moon Architect,[19] Swallow the Sun,[20] Counting Hours,[21] Hallatar,[22] Saattue,[23] Black Sun Aeon,[24] Kuolemanlaakso,[25] Obscurant,[26] Kaunis Kuolematon,[27] Lucidity,[28] Vuolla,[29] Shades of Deep Water,[30] In Depths of Winter[31] oder Wolfheart[32] gelten als typisch finnische Vertreter des Genres. Besonders erfolgreich und als Vergleichsgröße für viele weitere Interpreten wurden dabei Rapture, Insomnium und Swallow the Sun wahrgenommen.
Das Genre etablierte sich derweil International als eine der verbreitetsten Spielweisen des Death Doom. So wurden unter anderem Interpreten bekannt aus Australien (Illimitable Dolor,[33] The Maledict[34] The Slow Death[35] Subterranean Disposition[36]), Belarus (Woe Unto Me[37]), Chile (Aura Hiemis[38]), Deutschland (Décembre Noir[39] Nailed to Obscurity,[40] Doomed,[41] Voidhaven[42]), Färöer (Hamferð[43]), Frankreich (Darken,[44] Monolithe,[45]), Großbritannien (Imindain), Griechenland (Immensity, Oceans of Grief,[46] Shattered Hope[47]), Italien (Plateau Sigma[48] Shores of Null,[49] Solautumn,[50]), Neuseeland (Enter the Soil[51] und Bleed This Earth,[52]), Niederlande (Angmodnes[53]), Portugal (Before the Rain[54]), Russland (Ekklesiast[55] The Extinct Dreams,[56] Gust in Grief, A Young Man’s Funeral[57]), Schweden (Draconian[58] October Tide,[1] Vanha,[59] Forest of Shadows), Spanien (In Loving Memory), Ukraine (Luna[60] Mental Torment,[61] Torrens Conscientium[62]) und den USA (Cathartes Aura[63] Chalice of Suffering,[64] Daylight Dies,[65] Hinayana,[66] Fire in the Distance[67] Vacant Eyes[68]). Unter der Bandbreite der Projekte entstanden hinzukommend mehrere internationale Kooperation wie Forever Falling und MMXX[69] Towards Atlantis Lights,[70] oder die Projekte des rumänischen Musikers Daniel Neagoe (Eye of Solitude,[71] Clouds,[72] Mourners[73]).
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 3 4 Stefan Nordström: Melodic Death Doom Metal. death-doom.com, abgerufen am 13. August 2026.
- ↑ Stefan Gnad: Gothic Metal. In: Alexander Nym (Hrsg.): Schillerndes Dunkel. Geschichte, Entwicklung und Themen der Gothic-Szene. 1. Auflage. Plöttner Verlag, Leipzig 2010, ISBN 978-3-86211-006-3, S. 189–199, 196 f..
- 1 2
gußeisen: Katatonia: Dance of December Souls. Bloodchamber, abgerufen am 13. August 2026.
Dustin: October Tide: Winged Waltz. Nine Circles, abgerufen am 13. August 2026.
Dr. Wvrm: Raise the Black: Portrait. Angry Metal Guy, abgerufen am 13. August 2026.
Stefan Nordström: Katatonia: Dance of December Souls. deathdoom.com, abgerufen am 13. August 2026.
Peaceville Records: Katatonia: Dance of December Souls. Bandcamp, abgerufen am 13. August 2026. - ↑
Amorphis. Doom-Metal.com, abgerufen am 13. August 2026.
Amorphis. WDR.de, abgerufen am 13. August 2026.
Jason Anderson: Amorphis: Tales from a Thousand Lakes. Allmusic, abgerufen am 13. August 2026.
Stellarium, Nathan, Jack: Amorphis: Tales from a Thousand Lakes. Metalbite, abgerufen am 13. August 2026.
Amorphis: Tales from a Thousand Lakes. dcheavymetal, abgerufen am 13. August 2026.
Steel Druhm: Amorphis: Tales from a Thousand Lakes. Angry Metal Guy, abgerufen am 13. August 2026. - ↑ Thorns of the Carrion. Doom-Metal.com, abgerufen am 14. August 2026.
- ↑ Morgion. Doom-Metal.com, abgerufen am 14. August 2026.
- ↑ Stefano Cavanna: Il suono del Dolore. Trent’anni di Funeral Doom. Tsunami Edizioni, Mailand 2023, ISBN 978-88-94859-69-0, S. 112 f. (italienisch).
Aleksey Evdokimov: Doom Metal Lexicanum II. Cult Never Dies, London 2021, ISBN 978-1-915148-03-2, Despond, S. 97 f. (englisch). - ↑ Morphia. Doom-Metal.com, abgerufen am 14. August 2026.
- ↑ Officium Triste. Doom-Metal.com, abgerufen am 14. August 2026.
- ↑ Desire. Doom-Metal.com, abgerufen am 13. August 2026.
- ↑ On Thorns I Lay. Doom-Metal.com, abgerufen am 14. August 2026.
- ↑ Ian Morrissey: In Somnis: The Memory You’ve Become. Doom-Metal.com, abgerufen am 14. August 2026.
- ↑ Marianas Rest: Auer. Dead Rhetoric, abgerufen am 14. August 2026.
- ↑ DemonDust: Ablaze In Hatred: The Quietude Plains. metalrage.com, abgerufen am 13. August 2026.
- ↑ Yearning. Doom-Metal.com, abgerufen am 14. August 2026.
- ↑ Hanging Garden: Isele of Bliss. Time for Metal, abgerufen am 13. August 2026.
- ↑ Insomnium: One for Sorrow. Teeth of the Divine, abgerufen am 14. August 2026.
- ↑ Paul Quinn: Arche: Undercurrents. Ghost Cult Magazine, abgerufen am 13. August 2026.
- ↑ Red Moon Architect: October Decay. Metal.de, abgerufen am 14. August 2026.
- ↑ Swallow the Sun: Ghosts of Loss. DeathDoom.com, abgerufen am 14. August 2026.
- ↑ Steel Druhm: Counting Hours: The Will. Angry Metal Guy, abgerufen am 13. August 2026.
- ↑ Hallatar: No Stars Upon The Bridge. Your Last Rites, abgerufen am 14. August 2026.
- ↑ Saattue. Doom-Metal.com, abgerufen am 14. August 2026.
- ↑ Black Sun Aeon: Routa. Angry Metal Guy, abgerufen am 14. August 2026.
- ↑ Kuolemanlaakso: Tulijoutsen. Dead Rhetoric, abgerufen am 14. August 2026.
- ↑ Obscurant: First Degree Suicide. Sea of Tranqility, abgerufen am 14. August 2026.
- ↑ Kaunis Kuolematon: Kun Valo Minussa Kuoli. Bleeding 4 Metal, abgerufen am 14. August 2026.
- ↑ Album of the Year 23019. Deathdoom.com, abgerufen am 14. August 2026.
- ↑ Vuolla. Doom-Metal.com, abgerufen am 14. August 2026.
- ↑ Saattue. Doom-Metal.com, abgerufen am 14. August 2026.
- ↑ In Depths of Winter: In Depths of Winter. Doomed 4 Metal, abgerufen am 13. August 2026.
- ↑ Wolfheart: Tyhjyys. Angry Metal Guy, abgerufen am 14. August 2026.
- ↑ Illimitable Dolor. Doom-Metal.com, abgerufen am 14. August 2026.
- ↑ The Maledict: Remembrance. Metal Epidemic, abgerufen am 14. August 2026.
- ↑ The Slow Death. Doom-Metal.com, abgerufen am 14. August 2026.
- ↑ Subterranean Disposition. Doom-Metal.com, abgerufen am 14. August 2026.
- ↑ Woe Unto Me. Doom-Metal.com, abgerufen am 14. August 2026.
- ↑ Aura Hiemis. Doom-Metal.com, abgerufen am 13. August 2026.
- ↑ Décembre Noir: Your Sunset My Sunrise. Time for Metal, abgerufen am 13. August 2026.
- ↑ Nailed to Obscurity. WDR, abgerufen am 14. August 2026.
- ↑ Doomed: 6 Anti-Odes to Life. mystificationzine.com, abgerufen am 14. August 2026.
- ↑ Patrick: Interview with Voidhaven. Winter Torment Webzine, 11. März 2018, abgerufen am 14. August 2026.
- ↑ Hamferð. Doom-Metal.com, abgerufen am 14. August 2026.
- ↑ Aleksey Evdokimov: Doom Metal Lexicanum II. Cult Never Dies, London 2021, ISBN 978-1-915148-03-2, S. 62 (englisch).
- ↑ Monolithe. Doom-Metal.com, abgerufen am 14. August 2026.
- ↑ Oceans of Grief: Pale Existence. Teeth of the Divine, abgerufen am 14. August 2026.
- ↑ Shattered Hope. Doom-Metal.com, abgerufen am 14. August 2026.
- ↑ Plateau Sigma: The True Shape of Eskastos. Vampster, abgerufen am 14. August 2026.
- ↑ Shores Of Null - Quiescence. metal.de, abgerufen am 14. August 2026.
- ↑ Solautumn. Silent Time Noise, archiviert vom am 21. Juli 2021; abgerufen am 14. August 2026.
- ↑ Enter the Soil. Doom-Metal.com, abgerufen am 13. August 2026.
Stefano Cavanna: Il suono del Dolore. Trent’anni di Funeral Doom. Tsunami Edizioni, Mailand 2023, ISBN 978-88-94859-69-0, S. 311 f. (italienisch). - ↑ About. Bleed This Earth, abgerufen am 7. März 2023.
- ↑ Oliver Schreyer: Angmodnes: The Weight of Eternity. Metal.de, abgerufen am 13. August 2026.
- ↑ Before the Rain. Doom-Metal.com, abgerufen am 13. August 2026.
- ↑
Ekklesiast. Doom-Metal.com, abgerufen am 13. August 2026.
Aleksey Evdokimov: Doom Metal Lexicanum II. Cult Never Dies, London 2021, ISBN 978-1-915148-03-2, S. 83 ff. (englisch). - ↑ Stefano Cavanna: Il suono del Dolore. Trent’anni di Funeral Doom. Tsunami Edizioni, Mailand 2023, ISBN 978-88-94859-69-0, S. 217 f. (italienisch).
- ↑ A Young Man’s Funeral. Doom-Metal.com, abgerufen am 14. August 2026.
- ↑ Draconian: Arcane Rain Fell. Metal Reviews, abgerufen am 13. August 2026.
Draconian. Doom-Metal.com, abgerufen am 13. August 2026. - ↑ Vanha. Doom-Metal.com, abgerufen am 14. August 2026.
- ↑ Luna: Ashes to Ashes. Metal.de, abgerufen am 14. August 2026.
- ↑ Mental Torment: Egogenesis. Metal Temple, abgerufen am 14. August 2026.
- ↑ Odium zitiert nach Solitude Productions: Torrens Conscientium: All Alone with the Thoughts. Forgotten Path, abgerufen am 24. März 2021.
- ↑ Stefano Cavanna: Il suono del Dolore. Trent’anni di Funeral Doom. Tsunami Edizioni, Mailand 2023, ISBN 978-88-94859-69-0, S. 267 f. (italienisch).
- ↑ Justin Wittenmeyer: Chalice of Suffering: Lost Eternally. Metal Temple, abgerufen am 13. August 2026.
- ↑ Daylight Dies. Doom-Metal.com, abgerufen am 13. August 2026.
- ↑ Hinayana: Death of the Cosmic. Teeth of the Divine, abgerufen am 14. August 2026.
- ↑ Fires In The Distance: Air Not Meant For Us. Teeth of the Divine, abgerufen am 14. August 2026.
- ↑ Vacant Eyes. Doom-Metal.com, abgerufen am 14. August 2026.
- ↑ MMXX: Sacred Cargo. Bertreutes Proggen, abgerufen am 14. August 2026.
- ↑ Towards Atlantis Lights. Doom-Metal.com, abgerufen am 14. August 2026.
- ↑ Eye of Solitude. Doom-Metal.com, abgerufen am 13. August 2026.
- ↑ Stefan Nordström: 25 Best Funeral Doom Metal Bands. Deathdoom.com, abgerufen am 13. August 2026.
- ↑ Whathaveyou: Mourners: Act I: Tragedies. The Obelisk, abgerufen am 14. August 2026.