Mellowbag
| Mellowbag | |
|---|---|
| Allgemeine Informationen | |
| Herkunft | Berlin, Deutschland |
| Genre(s) | Hip-Hop, Soul, Funk, R&B |
| Aktive Jahre | 1994 |
| GrĂŒndungsmitglieder | |
DJ, Produktion | DJ B.Side |
Produktion, Instrumente | Coldfingha |
Gesang | Astrid North |
Rap | J-Bo |
| Ehemalige Mitglieder | |
Gesang | Astrid North |
Rap | J-Bo |
Rap | Tyron Ricketts |
Rap | Akanni |
Gesang | Cecile |
Rap | Metaphysics |
Mellowbag war eine 1994 in Berlin gegrĂŒndete Hip-Hop-Band. GegrĂŒndet wurde sie von DJ B.Side und Coldfingha; zur ersten Besetzung gehörten auĂerdem die SĂ€ngerin Astrid North und der französische Rapper J-Bo.[1] Musikalisch verband die Gruppe Hip-Hop mit Soul, Funk, R&B und Jazz. Neben englischsprachigem Rap gehörten in der ersten Phase auch französische Texte zum Repertoire.[2]
Mellowbag veröffentlichte mit Around the Clock in a Day (1997) und Bipolar Opposites (1999) zwei Studioalben. Den gröĂten Charterfolg hatte die Band 1998 mit Tabula Rasa, einer gemeinsamen Veröffentlichung mit Freundeskreis und Gentleman. Die Single erreichte Platz 13 in Deutschland, Platz 18 in Ăsterreich und Platz 6 in der Schweiz.[3]
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]GrĂŒndung und Around the Clock in a Day
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DJ B.Side und Coldfingha grĂŒndeten Mellowbag 1994 in Berlin. Zur ursprĂŒnglichen Besetzung gehörten Astrid North, die spĂ€ter als SĂ€ngerin der Cultured Pearls bekannt wurde, und der französische Rapper J-Bo. Die Zusammensetzung Ă€nderte sich bereits in den ersten Jahren: Tyron Ricketts kam zur Band und brachte die SĂ€ngerin Cecile mit. Nachdem J-Bo die Gruppe verlassen hatte, kam der US-amerikanische Rapper und Breakdancer Akanni hinzu.[1]
Ein wichtiger Ort fĂŒr die frĂŒhe Geschichte der Band war der Berliner Club Boogaloo. DJ B.Side war dort nicht nur als DJ tĂ€tig, sondern nach eigener Aussage auch am Betrieb des Clubs beteiligt. RĂŒckblickend schrieb er, dass er das Boogaloo 1994 bereits seit einiger Zeit gemeinsam mit Freunden betrieben habe. Musikalisch war der Club auf Hip-Hop, Funk, Soul und Jazz ausgerichtet.[4] Auch das DebĂŒtalbum ist mit dem Boogaloo verbunden. Die taz schrieb 1997, Mellowbag hĂ€tten dort ârund um die Uhrâ an Around the Clock in a Day gearbeitet.[2]
Die erste Veröffentlichung von Mellowbag war 1995 die Single Droits de lâHomme. 1997 folgten Illusion und das DebĂŒtalbum Around the Clock in a Day. Obwohl Astrid North zu diesem Zeitpunkt nicht mehr zur regulĂ€ren Besetzung gehörte, wirkte sie auf dem Album noch als GastsĂ€ngerin mit.
Die taz beschrieb Around the Clock in a Day als entspanntes, von Soul und Funk beeinflusstes Hip-Hop-Album und hob neben den französischsprachigen Passagen insbesondere die Basslinien und die tanzbare Produktion hervor.[2]
Tabula Rasa und Freundeskreis
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]1998 veröffentlichten Mellowbag gemeinsam mit der Stuttgarter Hip-Hop-Gruppe Freundeskreis und Gentleman die Single Tabula Rasa. Dabei handelte es sich nicht nur um einen Gastauftritt. Musiker aus dem Umfeld beider Gruppen waren an Komposition und Produktion beteiligt. Als Autoren werden auf der Veröffentlichung unter anderem Tyron Ricketts, DJ B.Side und Coldfinger sowie Max Herre, Don Philippe, Sékou und DJ Friction genannt.
Auch die Produktion wurde zwischen Musikern aus beiden Gruppen aufgeteilt. Die Rebel Troop Original Version wurde von Tommy W., Don Philippe und Sékou produziert; Max Herre, DJ B.Side und Coldfinger waren als Co-Produzenten beteiligt. Den Mellow Mix produzierten Max Herre, DJ B.Side und Coldfinger; weitere Produktionsarbeiten von B.Side und Coldfinger fanden im Mellowbase Studio statt.[5]
Tabula Rasa erschien im MĂ€rz 1998 bei Downbeat/WEA.[3] Die Single erreichte Platz 13 in Deutschland und blieb dort 16 Wochen in den Charts. In Ăsterreich kam sie auf Platz 18, in der Schweiz auf Platz 6 und hielt sich dort 18 Wochen.[3]
Die Zusammenarbeit machte Mellowbag auch ĂŒber die Berliner Szene hinaus bekannter. Billboard berichtete 1998 ĂŒber die Kooperation.[6] Die taz stellte im folgenden Jahr rĂŒckblickend fest, dass Mellowbag durch die Zusammenarbeit mit Freundeskreis keine Unbekannten mehr seien.[7]
Bipolar Opposites
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1999 erschien zunÀchst die Single Props. Sie erreichte Platz 89 der deutschen Singlecharts. Im selben Jahr folgte das zweite Album Bipolar Opposites.[1]
Zu dieser Zeit bestand die Band aus den Rappern Tyron Ricketts und Akanni, der SĂ€ngerin Cecile sowie DJ B.Side und Coldfingha.[1] B.Side und Coldfingha ĂŒbernahmen einen groĂen Teil der Komposition, Arrangements und Produktion des Albums.
Anders als viele deutsche Hip-Hop-Gruppen dieser Zeit rappte Mellowbag ĂŒberwiegend auf Englisch. Ricketts verwies in einem zeitgenössischen Interview darauf, dass Englisch Teil seiner eigenen sprachlichen und kulturellen Herkunft sei. Gleichzeitig wurde Ceciles Soul-Gesang stĂ€rker in die Musik eingebunden.[1]
Auch live verband Mellowbag die Arbeit eines DJs mit Instrumenten. Bei einem Konzert 1999 beschrieb die taz den Sound als Mischung aus R&B, Jazz-Samples und Funk-Basslinien. Neben Ricketts und Akanni als Rappern und Cecile als SĂ€ngerin hob der Bericht die Scratch-Passagen von DJ B.Side und das Schlagzeugspiel der Liveband hervor.[7]
Bipolar Opposites erreichte Platz 75 der deutschen Albumcharts und blieb dort drei Wochen.[8]
SpÀte Phase
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Jahr 2000 kam der simbabwische Rapper Metaphysics zu Mellowbag. Gemeinsam mit Tyron Ricketts arbeitete er an Day to Day, das im Zusammenhang mit dem Film Kanak Attack veröffentlicht wurde. Metaphysics verlieĂ die Gruppe 2001 wieder und grĂŒndete anschlieĂend mit George Phiri und DJ Iron Ive die Gruppe Migrant Souls.[9]
Neben Day to Day erschien 2000 mit The Life ein StĂŒck aus Bipolar Opposites als 12âł-Veröffentlichung. Danach sind keine weiteren regulĂ€ren Veröffentlichungen von Mellowbag bekannt. Ein formales Datum fĂŒr die Auflösung der Band ist nicht belegt.
Stil
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Mellowbag verband Hip-Hop mit Soul, Funk, R&B und Jazz. Charakteristisch war die Verbindung von Rap und Soul-Gesang mit Samples, DJ-Techniken und live gespielten Instrumenten. Bereits Around the Clock in a Day wurde von der taz als Soul- und Funk-beeinflusst beschrieben.[2] Zwei Jahre spÀter beschrieb die Zeitung den Livesound der Gruppe als Mischung aus R&B, Jazz-Samples und Funk-Basslinien.[7]
WĂ€hrend auf den frĂŒhen Veröffentlichungen neben englischen auch französische Texte zu hören waren, prĂ€gten auf Bipolar Opposites vor allem die englischsprachigen Raps von Tyron Ricketts und Akanni sowie Ceciles Soul-Gesang den Stil der Gruppe.[1]
Mitglieder
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Besetzung von Mellowbag Ànderte sich im Laufe der Jahre mehrfach. DJ B.Side und Coldfingha bildeten dabei den musikalischen und produktionstechnischen Kern der Gruppe, wÀhrend sich die Besetzung an Rap und Gesang verÀnderte.[1]
DJ B.Side
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]DJ B.Side (bĂŒrgerlich Oliver Scheffer) grĂŒndete Mellowbag gemeinsam mit Coldfingha und war als DJ, Produzent, Komponist und Arrangeur an den Veröffentlichungen der Gruppe beteiligt. Bereits vor Mellowbag war er in der Berliner Clubszene aktiv. Anfang der 1990er Jahre betrieb er nach eigener Aussage gemeinsam mit Freunden den Club Boogaloo.[4]
Neben Mellowbag arbeitete B.Side als Club-, Tour- und Radio-DJ. Als Band-DJ tourte er unter anderem mit Guruâs Jazzmatazz und den New Yorker Bush Babees. Als Remixer arbeitete er unter anderem fĂŒr Cappadonna, die Brothers Keepers und Rockers HiFi.[10]
Im Radio moderierte B.Side verschiedene Musiksendungen. Dazu gehörte Coke DJ-Culture On Air, die auf JAM FM, bigFM und 89.0 RTL ausgestrahlt wurde.[10] Bei JAM FM moderierte er die Livesendung fast sechs Jahre lang gemeinsam mit der DJ Suzi Wong. Die freitagabends ausgestrahlte Sendung prÀsentierte unterschiedliche Spielarten der Clubmusik; zu den StudiogÀsten gehörten unter anderem Afrika Bambaataa, Carl Craig, DJ Premier und David Rodigan.[11]
Scheffer produzierte auĂerdem Musik fĂŒr Werbespots und Filmproduktionen. FĂŒr den 2004 uraufgefĂŒhrten Hip-Hop-Film Status Yo! von Till Hastreiter komponierte er nach eigener Darstellung den vollstĂ€ndigen Score und produzierte einen groĂen Teil des Soundtracks.[10] Im zeitgenössischen Programm des Internationalen Forums des Jungen Films wird DJ B.Side ebenfalls als einer der beteiligten Musiker genannt.[12]
SpÀter verwendete Scheffer auch die Namen Backyardloops und Finnley Bass. Unter dem Namen Backyardloops erschien 2009 Was feierst Du???.[13] Unter dem Namen Finnley Bass verband er Hip-Hop mit elektronischer Musik.[10]
Coldfingha
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Coldfingha (bĂŒrgerlich Robert Philipp; * 11. August 1971 in Berlin-Kreuzberg) grĂŒndete Mellowbag gemeinsam mit DJ B.Side und war als Produzent, Komponist und Multiinstrumentalist Teil der Gruppe. Auf Around the Clock in a Day verwendete er noch die Schreibweise Coldfinger. Im Booklet des Albums wird er als âRobert âFreebassâ Philipp aka Coldfingerâ gefĂŒhrt; dort werden Bass, Keyboards und Flöte als seine Instrumente genannt.[14]
Bereits vor Mellowbag spielte Philipp in verschiedenen Berliner Bands. 1987 war er SÀnger der Kreuzberger Band Hönkl Pur, spÀter spielte er bei TSST und Die Raketen.[15]
Auf Bipolar Opposites verwendete Philipp die Schreibweise Coldfingha. SpĂ€ter arbeitete er unter dem Namen Kaiserbase weiter. Bekannt wurde er damit insbesondere durch den Titel Berlin, du bist so wunderbar. Das StĂŒck entstand ursprĂŒnglich fĂŒr einen Werbespot von Berliner Pilsner und wurde etwa eineinhalb Jahre in der Werbung verwendet, bevor es 2003 als Single veröffentlicht wurde. Die B.Z. verwies in diesem Zusammenhang auch auf Philipps frĂŒhere Arbeit mit Mellowbag sowie auf Zusammenarbeiten mit Seeed und Freundeskreis.[16]
Tyron Ricketts
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Tyron Ricketts kam nach der GrĂŒndung zu Mellowbag und gehörte anschlieĂend zu den prĂ€genden Stimmen der Gruppe.[1] Gemeinsam mit Akanni bildete er auf Bipolar Opposites das Rap-Duo der Band. Parallel zu seiner Arbeit mit Mellowbag moderierte Ricketts von 1996 bis 2000 beim Musiksender VIVA das Hip-Hop- und Rap-Magazin Word Cup.
Ricketts hielt sich bereits ab 1995 regelmĂ€Ăig in Berlin auf, weil Mellowbag dort ihren Sitz hatte. In einem spĂ€teren Interview erinnerte er sich daran, dass sich das Studio der Band am Kollwitzplatz befunden habe.[17]
Astrid North
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Astrid North gehörte zur ursprĂŒnglichen Besetzung von Mellowbag.[1] SpĂ€ter wurde sie vor allem als SĂ€ngerin der Cultured Pearls bekannt. Auch nachdem sie nicht mehr zur regulĂ€ren Besetzung von Mellowbag gehörte, blieb die musikalische Verbindung zunĂ€chst bestehen; auf Around the Clock in a Day wirkte sie noch als GastsĂ€ngerin mit.
Cecile und Akanni
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die SĂ€ngerin Cecile kam ĂŒber Tyron Ricketts zu Mellowbag. Nachdem J-Bo die Gruppe verlassen hatte, stieĂ der US-amerikanische Rapper und Breakdancer Akanni hinzu. Mit Ricketts und Akanni als Rappern sowie Cecile als SĂ€ngerin entstand die Besetzung, in der Mellowbag Bipolar Opposites aufnahm.[1]
Metaphysics
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der simbabwische Rapper Metaphysics stieĂ 2000 zu Mellowbag. Er arbeitete gemeinsam mit Tyron Ricketts an Day to Day, das im Zusammenhang mit dem Film Kanak Attack veröffentlicht wurde. Bereits 2001 verlieĂ er die Band wieder und grĂŒndete mit George Phiri und DJ Iron Ive die Gruppe Migrant Souls.[9]
Diskografie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Studioalben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1997: Around the Clock in a Day (Downbeat/WEA)
- 1999: Bipolar Opposites (Downbeat/WEA)[8]
Singles
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1995: Droits de lâHomme (Downbeat)
- 1997: Illusion (Downbeat)
- 1998: Tabula Rasa (Mellowbag & Freundeskreis feat. Mr. Gentleman; Downbeat)[3]
- 1999: Props (Downbeat/WEA)
- 2000: The Life (Downbeat/WEA)
- 2000: Day to Day (Netrecord-Z)
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 Christian Lorenz: In the bag, and mellow with it. (PDF) In: Music & Media. 14. August 1999, abgerufen am 3. Oktober 2026 (englisch).
- 1 2 3 4 Gunnar LĂŒtzow: Kurt auf dem Klo. In: die tageszeitung. 25. September 1997, abgerufen am 3. Oktober 2026.
- 1 2 3 4 Mellowbag & Freundeskreis feat. Mr. Gentleman â Tabula Rasa. In: hitparade.ch. Abgerufen am 3. Oktober 2026.
- 1 2 Mixmasta B.Side: Auf dem Plattenspieler: The Roots. In: Der Sandwirt. 2024, abgerufen am 3. Oktober 2026.
- â Tabula Rasa, CD-Maxi, Downbeat/WEA, 3984 22299-2, 1998, Produktions- und Autorenangaben auf dem Cover.
- â Billboard. (PDF) In: Billboard. 8. August 1998, abgerufen am 3. Oktober 2026 (englisch).
- 1 2 3 Tim Schomacker: SpaĂguerilla ist in the House! In: die tageszeitung. 25. September 1999, abgerufen am 3. Oktober 2026.
- 1 2 Bipolar Opposites. In: Chartsurfer. Abgerufen am 3. Oktober 2026.
- 1 2 Metaphysics talks diamonds. In: Africanhiphop.com. Abgerufen am 3. Oktober 2026 (englisch).
- 1 2 3 4 DJ B.Side. In: Gigmit. Abgerufen am 3. Oktober 2026.
- â Suzi Wong â Biography. In: Resident Advisor. Abgerufen am 3. Oktober 2026 (englisch).
- â Status Yo! (PDF) In: Internationales Forum des Jungen Films. 2004, abgerufen am 3. Oktober 2026.
- â Backyardloops â Was feierst Du??? In: Faluma. 26. Mai 2009, abgerufen am 3. Oktober 2026.
- â Around the Clock in a Day, CD, Downbeat/WEA, 0630 18845-2, 1997, Booklet.
- â Kaiserbase. In: Mister Mixmania. Abgerufen am 3. Oktober 2026.
- â Wunderbar. In: B.Z. 15. August 2003, abgerufen am 3. Oktober 2026.
- â Tyron Ricketts: âIch versuche immer noch, den Ostteil Berlins zu meidenâ. In: Berliner Zeitung. Abgerufen am 3. Oktober 2026.