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Marghera

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Wappen von Venedig
Wappen von Venedig
Marghera
Stadtteil von Venedig
Blick ĂŒber das Industriegebiet und die Hafenanlagen von Marghera
Blick ĂŒber das Industriegebiet und die Hafenanlagen von Marghera
Koordinaten 45° 27â€Č 50″ N, 12° 13â€Č 28″ OKoordinaten: 45° 27â€Č 50″ N, 12° 13â€Č 28″ O
Höhe 4 m s.l.m.
Einwohner 16.922 (31. Dez. 2024)
Eingemeindung 7. Aug. 1917 (Venedig)
CAP 30175
Vorwahl 041
MunicipalitĂ  Marghera
Eisenbahn mit GleisanschlĂŒssen im Industriehafen Porto Marghera (2007)

Marghera ist ein auf dem Festland gelegener Stadtteil der Stadt Venedig mit 16.922 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2024).[1] Marghera und das benachbarte Mestre werden wegen ihrer industriellen PrĂ€gung als die „hĂ€sslichen Schwestern“ von Venedig bezeichnet. Marghera bildet mit anderen Vororten auf der Terraferma den gleichnamigen Stadtbezirk Marghera[2] und gilt als das grĂ¶ĂŸte Industriegebiet Italiens.[3]

Ende des 19. Jahrhunderts war es fĂŒr Venedig aufgrund seiner geografischen Lage nicht möglich, ein industrielles Zentrum mit einem geeigneten Hafen aufzubauen, daher fasste man ein Gebiet auf dem benachbarten Festland ins Auge. 1917 wurde die Fraktion Marghera der Gemeinde Mestre nach Venedig eingemeindet[4] und der SocietĂ  Porto Industriale ĂŒbergeben. Die Ziele der Gesellschaft waren der Bau eines Handelshafens, eines Industriehafens und eines neuen Stadtviertels im Hinterland. Bald schon ĂŒbersiedelten viele Einwohner Venedigs und des Umlandes in das wirtschaftlich florierende Gebiet. Im Hafen Marghera siedelten sich Unternehmen der Metallverarbeitung, der Großchemie und des Schiffbaus an. Zwischen der Stazione Marittima und dem Hafen entstand 1922 der Canale Vittorio Emanuele II., im folgenden Jahr der Canale Nord und der Ölhafen, schließlich der Canale Brentello.

Das Wohngebiet wurde ursprĂŒnglich als Gartenstadt gedacht, laut den Konzepten von Ebenezer Howard. Aus Mangel an finanziellen Mitteln konnten die PlĂ€ne vom italienischen Ingenieur Pietro Emilio Emmer nicht umgesetzt werden[5]. Im Zweiten Weltkrieg war Marghera ein Ziel amerikanischer Bombenangriffe, was jedoch in den folgenden Jahren die Entwicklung der Industrie und des Hafens nicht behinderte.

Der einstmals „graue“ und durch die Chemieindustrie stark belastete Stadtteil bemĂŒht sich in den letzten Jahren, die LebensqualitĂ€t seiner Bewohner zu verbessern. Die misslungene Gartenstadt besitzt trotz alledem manche GrĂŒnanlagen und Alleen.

Das Hafen- und Industriegebiet ist 14,47 Quadratkilometer groß, hinzu kommen 6,62 Quadratkilometer Verkehrswege wie KanĂ€le, Straßen und Gleisanlagen. Die UferlĂ€nge der Kaianlagen betrĂ€gt 12 Kilometer. Es gibt LiegeplĂ€tze fĂŒr Schiffe mit einem Tiefgang von bis zu 11,5 Meter. Der GĂŒterumschlag betrug im Jahr 2016 rund 25 Millionen Tonnen.

Das Kreuzfahrtterminal Venedigs befindet sich nicht in Marghera, sondern bei der Altstadt Venedigs, unweit des Bahnhofs Santa Lucia. Bei Bedarf steuerten Kreuzfahrtschiffe auch Marghera an, insbesondere das Terminal bei Fusina, an dem hauptsĂ€chlich der FĂ€hrverkehr abgewickelt wird. Seit dem 1. August 2021 ist dies bei großen Kreuzfahrtschiffen (ĂŒber 25.000 BRT oder mit einer LĂ€nge ĂŒber 180 m und einer Höhe ĂŒber 35 m) die Regel, da diesen die Einfahrt in die Lagune seither verboten ist.

In Marghera befindet sich eine Werft des Schiffbauunternehmens Fincantieri, das dort Kreuzfahrtschiffe baut.

Umweltbelastung

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Das Industrie- und HafengelĂ€nde von Marghera gehört wegen seinen hohen Umweltbelastungen zu den Arealen in Italien, deren Umweltsanierung von nationalem Interesse (it. Siti di interesse nazionale (SIN)) ist.[6] Das davon betroffene Areal hat eine GrĂ¶ĂŸe von 1618 Hektar, auf dem sich petrochemische und metallverarbeitende Anlagen, wie Raffinerien und Stahlwerke befinden. Der Boden des Areals ist mit Schwermetallen und Polycyclischen aromatischen Kohlenwasserstoffen belastet, die auch das Grundwasser verschmutzen. Letzteres ist zusĂ€tzlich durch Chlorkohlenwasserstoffverbindungen belastet.[7]

Bis 2013 war das Areal des „SIN“ noch ĂŒber 5000 Hektar groß, wovon 2200 Hektar in der Lagune lagen. Durch eine entsprechende GesetzesĂ€nderung wurde es auf die aktuelle GrĂ¶ĂŸe reduziert. Nach Aussagen von Legambiente wurde bis in die 1970er Jahre jĂ€hrlich etwa 22.000 Tonnen GiftmĂŒll in die Lagune geschĂŒttet und spĂ€ter auf dem Land in illegalen MĂŒlldeponien vergraben. Noch bis Ende der 1990er Jahre wurden jĂ€hrlich 53.000 Tonnen Giftstoffe aus den fast 1500 Schornsteinen in die Luft geblasen. Das GelĂ€nde ist mit Arsen, Cadmium, Selen, aber auch mit Dioxinen belastet.[8] Verschiedene VerbĂ€nde kritisierten im Januar 2025, dass die seit 1998 laufende Sanierung des GelĂ€ndes hinausgeschleppt wurde und erst 21 % der belastenden Böden und sogar nur 0,1 % des Grundwassers saniert worden seien.[9]

  • Gilda Zazzara: I cento anni di Porto Marghera (1917-2017), in: Italia contemporanea 284 (2017) 210–236. (online)
Commons: Marghera – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

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  1. ↑ Serie storica popolazione residenziale per quartiere – dal 1871 al 2024. (Excel) In: comune.venezia.it. Abgerufen am 28. Februar 2025 (italienisch).
  2. ↑ Municipalità di Marghera. In: comune.venezia.it. Abgerufen am 28. Februar 2025 (italienisch).
  3. ↑ Marghera. In: Enciclopedia on line. Istituto della Enciclopedia Italiana, Rom.
  4. ↑ Circoscrizioni amministrative. In: comune.venezia.it. 6. MĂ€rz 2024, abgerufen am 28. Februar 2025 (italienisch).
  5. ↑ Giorgio Coratelli: I luoghi di Marghera. Appunti per una geologia urbana. www.researchgate.net, Januar 2012, abgerufen am 24. Juli 2023 (italienisch).
  6. ↑ Siti di interesse nazionale (SIN). In: isprambiente.gov.it. Abgerufen am 28. Februar 2025 (italienisch).
  7. ↑ Venezia – Porto Marghera. In: bonifichesiticontaminati.mite.gov.it. Ministerium fĂŒr Umwelt und Energiesicherheit, abgerufen am 28. Februar 2025 (italienisch).
  8. ↑ Ecogiustizia subito. In nome del popolo inquinato: Porto Marghera (VE). S. 2–3 (PDF).
  9. ↑ Ecogiustizia subito per il Sin di Venezia-Porto Marghera. In: legambiente.it. 22. Januar 2025, abgerufen am 28. Februar 2025 (italienisch).