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Las Agnas

aus Wikipedia, der freien EnzyklopÀdie
Bei Las Agnas, Blick talaufwÀrts
Las Agnas auf einem Aquarell von 1844

Las Agnas ([lɐsˈaÉČɐs]ⓘ/?, rĂ€toromanisch im Idiom Puter fĂŒr «die Erlen» und sodann, weil diese im Oberengadin nur auf dem Talboden in NĂ€he des Inns wachsen, «der Auenwald») ist eine ehemalige Siedlung zwischen Bever und La Punt.

Der Ort lag unmittelbar bei der Funtauna Merla, der alten felsförmigen Grenzmarkierung der beiden Oberengadiner Gerichtsgemeinden.

1462 ersturkundlich als allas Agnas (dt. «die Au») als landwirtschaftliches Gut mit Wirtschaft (hostaria) erwĂ€hnt, gefĂŒhrt von einem Petrus de Las Aignias.

Ulrich Campell schreibt in seiner Topographischen Beschreibung von 1573 zu Las Agnas: «Wer das Engadin bereist, stösst nicht weit jenseits von Bever an der Landstrasse auf ein Gasthaus, wo die Durchreisenden, insbesondere jene mit Saumtieren, ihre GĂŒter – vor allem Salz aus Hall in Tirol und ĂŒber den Bernina gefĂŒhrten Wein aus dem Veltlin – einlagern. Hier, an einem Ort, der fĂŒr alle gleichermassen gĂŒnstig gelegen ist, versammeln sich aus all ihren Wohnorten immer wieder auch die vornehmsten MĂ€nner oder Abgeordneten des gesamten Oberengadins oder des hiesigen Hochgerichts (
) um nach altem Brauch ĂŒber den Staa zu verhandeln und öffentliche BeschlĂŒsse zu fassen. Dieser Ort mit zwei weiteren nicht weit auseinanderliegenden HĂ€usern wird a las Agnas und sĂŒn PalĂŒds, das heisst bei den Erlen und in den SĂŒmpfen genannt.»[1]

Das Wirtshaus der Siedlung diente als Sust, Ort militĂ€rischer Musterung und mit seinem Vorplatz vor allem als VersammlungsstĂ€tte der alle zwei Jahre stattfindenden Landsgemeinde des Oberengadins. Las Agnas war Gerichtsort fĂŒr die Deputierten der Gemeinden des Hochgerichts. Das Wirtshaus bildete das eigentliche Zentrum des Oberengadin und wurde zum Ort, wo man sich traf. 1726 brannte es ab, wurde aber neu aufgebaut und diente als VergnĂŒgungslokal mit Billard und Tanzsaal. Von 1816 an traf sich hier die L’intimitĂ© parfaite, die erste Freimaurerloge im Kanton GraubĂŒnden.

In Las Agnas bestand bis zum Ausbau der Albulastrasse 1865 eine Postablagestelle. Jeweils am Donnerstag brachte der Bote (il Pot) die Post von Chur und nahm die Sendungen aus dem Engadin mit. Wer Post erwartete oder abschicken wollte, musste also selbst nach Las Agnas fahren oder jemanden hinschicken, was zu einem regen Personenverkehr fĂŒhrte und Las Agnas zum Ort der Politik, der GeschĂ€fte und des gesellschaftlichen Austausches machte.[2]

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts fand der Ort mit einem grösseren Bauernbetrieb als Marktplatz noch einmal Verwendung. 1929 wurden die GebÀude abgebrochen und die Siedlung aufgelöst.[3]

An Epiphanias (Dreikönigstag) trafen sich die Burschen und junge Frauen zum Bleigiessen und zum Tanz in Las Agnas.[4]

Von 1996 bis 2006 erschien in Bever die zweisprachige kleine Zeitung Las Agnas, die mit redaktionellen BeitrĂ€gen ĂŒber das Geschehen in der Gemeinde informierte und die Freude an der Zweisprachigkeit wecken wollte. Von Anfang an dabei war der langjĂ€hrige Beverser Sekundarlehrer Pol Clo Nicolay.[5]

Die vom 1. Januar 2012 bis 31. Dezember 2016 bestehende fusionierte Kirchgemeinde Bever - La Punt Chamues-ch trug den einheitsstiftenden Namen Las Agnas.

Einzelnachweise

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  1. ↑ Ulrich Campell: Das alpine RĂ€tien – Topographische Beschreibung von 1573. Hrsg.: Institut fĂŒr Kulturforschung GraubĂŒnden. Band 1. Chronos Verlag, ZĂŒrich 2021, ISBN 978-3-0340-1469-4, S. 205.
  2. ↑ Silke Redolfi: Bever - Die Geschichte eines Engadiner Dorfes. Hrsg.: BĂŒrgergemeinde Bever. Gammeter Druck, St. Moritz 2007, S. 86.
  3. ↑ Ottavio Clavuot: Agnas, Las. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  4. ↑ Silke Redolfi: Bever – Geschichte eines Engadiner Dorfes. Hrsg.: BĂŒrgergemeinde Bever. Gammeter Druck, St. Moritz 2007, S. 194.
  5. ↑ Silke Redolfi: Bever – Die Geschichte eines Engadiner Dorfes. Hrsg.: BĂŒrgergemeinde Bever. Gammeter Druck, St. Moritz 2007, S. 328.

Koordinaten: 46° 34â€Č 8″ N, 9° 54â€Č 42,8″ O; CH1903: 789588 / 160501