Langdrahtantenne
Eine Langdrahtantenne ist eine Antenne, die aus einem oder mehreren DrĂ€hten besteht, deren LĂ€nge groĂ gegenĂŒber der WellenlĂ€nge ist.[1] Diese Bauform wird hĂ€ufig im Kurzwellenbereich verwendet.[2]
Eine Langdrahtantenne im engeren Sinne ist definiert als ein in einem Abstand von einer halben bis einer WellenlĂ€nge ĂŒber dem Boden gespannter Draht, dessen LĂ€nge das doppelte bis das zehnfache der WellenlĂ€nge betrĂ€gt.[3] Im Amateurfunk ist es jedoch ĂŒblich, generell Drahtantennen, welche in eine Richtung gefĂŒhrt sind, als Langdraht, in CW als âLWâ, zu bezeichnen. Entsprechend werden im Folgenden auch endgespeiste Drahtantennen behandelt, die wesentlich kĂŒrzer als die doppelte WellenlĂ€nge sind.
Langdraht als Empfangsantenne
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Langdrahtantennen haben mit zunehmender AntennenlÀnge eine immer deutlicher werdende Richtwirkung entlang der Spannrichtung,[2] die mit einem passenden Abschlusswiderstand gegen Erde auch unsymmetrisch gemacht werden kann (Beverage-Antenne).
KĂŒrzere Langdrahtantennen haben empfangsseitig kaum Vorteile gegenĂŒber sehr viel kĂŒrzeren Antennenvarianten, denn im Kurzwellenbereich wird die EmpfĂ€ngerempfindlichkeit durch das atmosphĂ€rische Rauschen begrenzt und nicht durch das Rauschen des EmpfĂ€ngers. Der Vorzug ist fĂŒr Empfangszwecke daher solchen Antennen zu geben, die sich möglichst weit weg von Störquellen befinden und auch noch eine sinnvolle Richtcharakteristik aufweisen. Das lĂ€sst sich im Empfangsbereich z. B. recht einfach mit kompakten Magnetantennen erreichen.
Langdraht als Sendeantenne
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]FĂŒr den Sendebetrieb haben Langdrahtantennen typische Abmessungen bis zu einigen wenigen Vielfachen der WellenlĂ€nge. Bei lĂ€ngeren Antennen sinkt der Wirkungsgrad, der Aufwand bringt hier keine Vorteile mehr, das Richtdiagramm erhĂ€lt zudem zahlreiche Minima. Die oben genannte Richtwirkung lĂ€sst sich deshalb sendeseitig nicht nutzen. Mehrere WellenlĂ€ngen ist so eine Sendeantenne in der Praxis nur lang, wenn sie fĂŒr ein niedrigeres Band ausgelegt ist (wie z. B. 80-m-Band 40 m lang), aber z. B. auf 20 m betrieben wird (2 WellenlĂ€ngen). Nach Möglichkeit ergĂ€nzt man eine solche Langdrahtantenne jeweils durch eine weitere fĂŒr die entsprechend höheren BĂ€nder. In der ehemaligen Sowjetunion verwenden manche Rundfunksender Langdrahtantennen, sogenannte Sarja-Antennen. Langdrahtantennen werden auch gelegentlich fĂŒr Mittelwellensender verwendet, die an einem Standort mit einem geerdeten AntennentrĂ€ger, zum Beispiel einen Standort der primĂ€r der UKW- und TV-Versorgung dient, betrieben werden. In diesen FĂ€llen ist die DrahtlĂ€nge meist in der GröĂenordnung λ/4 bis λ/2, manchmal auch kĂŒrzer als λ/4.
Endgespeiste Antennen
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Aufgrund ihrer LĂ€nge erfolgt die Speisung einer Langdrahtantenne aus praktischen Gesichtspunkten meist an einem ihrer Enden. Sie gehören damit dann wie die âendgespeiste Halbwellenantenneâ (englisch: âend-fed half-waveâ, EFHW) zu den endgespeisten Antennen.
Vielfache der halben WellenlÀnge
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Antennen, die genau λ/2 oder λ oder 3/2 λ oder weitere Vielfache davon lang sind, sind am Ende hochohmig und weisen eine Wellenimpedanz von etwa 2000 Ω und darĂŒber auf. Sie sind daher spannungsgespeist: Am Speisepunkt treten hohen Spannungen bei minimalen Strömen auf. Diese Antennen benötigen somit einen Resonanztransformator zur Anpassung an die erheblich niedrigere Impedanz ĂŒblicher Koaxialkabel von 50 Ω.
Traditionell wird zur erforderlichen Anpassung ein Parallelschwingkreis (âFuchskreisâ) benutzt. Diese Bauform wird âFuchsantenneâ genannt, nach Josef Fuchs, Funkamateur aus Ăsterreich, der diese Antennenbauform 1927 patentieren lieĂ.[4][5]
Alternativ kann statt des Parallelschwingkreises auch ein Unun (teils in diesem Zusammenhang inkorrekterweise auch als Balun bezeichnet) mit einem ĂbersetzungsverhĂ€ltnis von z. B. ĂŒ=1:7 oder ĂŒ=1:8 verwendet werden, was einer Impedanztransformation von 1:49 oder 1:64 entspricht (siehe: Idealer Transformator) und somit die hochohmige Antenne ebenfalls nĂ€herungsweise an 50 Ω anpasst (Beispielrechnungen: 2000 Ω / 49 = 41 Ω und 3500 Ω / 64 = 55 Ω). Ein Vorteil gegenĂŒber dem Fuchskreis ist, dass man diese Antenne auch auf resonanten BĂ€ndern betreiben kann (z. B. 40/20/10m), ohne den Schwingkreis neu abstimmen zu mĂŒssen.[6]
Eine weitere Alternative zur Anspeisung des Langdrahtes stellt die Zeppelin-Antenne dar.[7][5] Dabei wird zur Impedanzanpassung eine Bandleitung mit der LÀnge λ/4 verwendet. Die Bandleitung dient dabei nicht nur als Impedanztransformator, sondern auch als Gegengewicht, sodass eine Zeppelin-Antenne Àhnlich einer symmetrischen Antenne ohne Erdung betrieben werden kann. Der Name dieser Antennenbauform kommt von den ersten Anwendungen in den 1920er Jahren auf Flugschiffen wie dem Zeppelin. Die Impedanztransformation durch die Bandleitung entspricht dabei:[8]
mit der Wellenimpedanz der Bandleitung, beispielsweise 450 Ω. Damit kann die Impedanz eines Koaxialkabels mit Zin = 50 Ω auf die Impedanz der Langdrahtantenne von ca. 4 kΩ angepasst werden.
Der groĂe Vorteil endgespeister Halbwellenantennen sind:
- im Empfangsfall die Vorselektion durch den Abstimmkreis,
- beim Senden die deutlich vergröĂerte Bandbreite von etwa 10 % der Mittenfrequenz,
- die hochohmige Speisung verringert den Speisestrom.
- Das Erdungssystem, das bei niederohmig gespeisten, unsymmetrischen Antennen den Antennenwirkungsgrad maĂgeblich beeinflusst, ist nicht mehr ausschlaggebend.
Bei vielen Groundplane-Antennen â der typischen Bauform der unsymmetrischen, niederohmig gespeisten Antenne â besteht das Erdungssystem bei Verwendung im Mittelwellenbereich aus bis zu mehreren 100 DrĂ€hten, die jeweils ein Viertel der WellenlĂ€nge lang sind.
Mit Unun 1:9
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Eine abweichende Möglichkeit ist die Verwendung eines Unun 1:9 (gelegentlich als âmagnetic balunâ bezeichnet[9]) und eines Langdrahtes, dessen LĂ€nge auf allen zu verwendenden BĂ€ndern kein Vielfaches von λ/4 betragen darf, sondern so gewĂ€hlt wird, dass die Impedanz auf allen gewĂ€hlten BĂ€ndern ca. 300â600 Ω betrĂ€gt, welches vom Unun dann auf 300âŠ600 Ω / 9 = 33âŠ67 Ω transformiert wird. Hierdurch lĂ€sst sich der Langdraht bei u. U. erheblicher, aber bei geringen Sendeleistungen evtl. noch tolerierbarer Fehlanpassung (insbesondere durch nicht abgestimmte Blindanteile) ohne Abstimmung des Anpassglieds fĂŒr mehrere BĂ€nder nutzen. Eine solche Antenne wird auch random wire genannt, auf Deutsch etwa âDraht zufĂ€lliger LĂ€ngeâ, wobei die DrahtlĂ€nge eben nicht völlig zufĂ€llig gewĂ€hlt werden kann â fĂŒr typische AmateurfunkbĂ€nder bieten sich hier beispielsweise DrahtlĂ€ngen von ca. 8 m, 13 m, 26 m an.[10]
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Ulrich Freyer: Antennentechnik fĂŒr Funkpraktiker. 1. Auflage. Franzis-Verlag, 2000, ISBN 3-7723-4693-6.
- Alois Krischke: Rothammels Antennenbuch. 13. Auflage. DARC-Verlag, 2013, ISBN 978-3-88692-065-5.
- Max RĂŒegger: Praxisbuch Antennenbau. Antennentechnik leicht verstĂ€ndlich. Hrsg.: Box 73 Amateurfunkservice GmbH. 2011, ISBN 978-3-910159-35-8., Ă€ltere Textfassung in AuszĂŒgen legal auch online als PDF erhĂ€ltlich als mehrteiliges Skript z. B. unter Rund um die Antenne. Abgerufen am 31. Oktober 2021.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- â Bundesministerium fĂŒr Post und Telekommunikation: VerfĂŒgung 95/1992 (Amtsblatt 12/92). Zitiert in Karl Rothammel, Alois Krischke: Rothammels Antennenbuch, 12. Auflage. DARC Verlag Baunatal, ISBN 978-3-88692-033-4. Kapitel 11 ("Langdrahtantennen"), 1. Absatz.
- 1 2 Karl Rothammel, Alois Krischke: Rothammels Antennenbuch, 12. Auflage. DARC Verlag Baunatal, ISBN 978-3-88692-033-4. Kapitel 11 ("Langdrahtantennen").
- â Otto Zinke, Heinrich Brunswig: Lehrbuch der Hochfrequenztechnik, Erster Band: Koppelfilter, Leitungen, Antennen, 2. Auflage. Springer-Verlag Berlin Heidelberg New York, ISBN 3-540-05974-1. Abschnitt 6.3.1 ("Langdrahtantennen").
- â Josef Fuchs: Tests on a method of voltage feeding the antenna. QST, Juli 1928, S. 37, 42.
- 1 2 Max RĂŒegger: Rund um die Antenne Teil 7. (PDF) Teil 7: spannungsgespeiste Antennen, verkĂŒrzte Antennen, Sonderformen. Abgerufen am 31. Oktober 2021., auch verfĂŒgbar in anderen Versionen und unter anderen URLs, sowie verfĂŒgbar als Buch unter Max RĂŒegger: Praxisbuch Antennenbau. Antennentechnik leicht verstĂ€ndlich. Hrsg.: Box 73 Amateurfunkservice GmbH. 2011, ISBN 978-3-910159-35-8.
- â https://www.hfkits.com/build-instruction-impedance-transformer-for-end-fed-antennas/
- â Patent DE225204: Luftleitergebilde fĂŒr Luftschiffe. Angemeldet am 19. September 1909, Erfinder: Hans Beggerow.â
- â Zepp end-fed Antennas. Abgerufen am 5. Januar 2015.
- â Max RĂŒegger: Rund um die Antenne Teil 3. (PDF) Antennenkoppler, SWR-Meter, Instrumente, Baluns. Ehemals im (nicht mehr online verfĂŒgbar); abgerufen am 31. Oktober 2021. (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive), auch verfĂŒgbar in anderen Versionen und unter anderen URLs, sowie verfĂŒgbar als Buch unter Max RĂŒegger: Praxisbuch Antennenbau. Antennentechnik leicht verstĂ€ndlich. Hrsg.: Box 73 Amateurfunkservice GmbH. 2011, ISBN 978-3-910159-35-8.
- â http://dl7ahw.bplaced.net/dl7ahw/Antennenlaenge.html