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Landerziehungsheim

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(Weitergeleitet von Landschulheim)
Blick auf das 1901 von Hermann Lietz als reformpĂ€dagogisches Landerziehungsheim im nordfrĂ€nkischen HĂŒgelland gegrĂŒndete Internatsdorf Haubinda, das wie ein kleines Schloss im Fachwerkstil wirkt.
Das Lietz Internatsdorf Haubinda wurde 1901 von Hermann Lietz als reformpĂ€dagogisches Landerziehungsheim im nordfrĂ€nkischen HĂŒgelland gegrĂŒndet

Landerziehungsheime oder Landschulheime sind eine Ende des 19. Jahrhunderts entstandene Form reformpĂ€dagogisch orientierter Internate. Sie sollen nicht eine Lehranstalt, sondern ein Lern- und Lebensort sowie Heimat fĂŒr die SchĂŒler sein.

Der Begriff wurde vom GrĂŒnder der deutschen Landerziehungsheim- oder Landschulbewegung, dem ReformpĂ€dagogen Hermann Lietz, geprĂ€gt. Ihr Ursprung liegt in der Kritik an der bloßen Wissensvermittlung der herkömmlichen Schulen. Als erstes deutsches Landerziehungsheim gilt die 1898 gegrĂŒndete PulvermĂŒhle bei Ilsenburg im Harz, es folgten die Hermann-Lietz-Schule Haubinda in ThĂŒringen (1901) und Schloss Bieberstein in der hessischen Rhön (1904). Zu ihrem Konzept gehört die Lage auf dem Land, die fern dem als schĂ€dlich betrachteten Einfluss der Großstadt eine ganzheitliche Erziehung ermöglichen soll. Es besteht eine enge Verwandtschaft zur Jugendbewegung. Weiteren, eher praktischen Hintergrund der Landerziehungsheimbewegung lieferten aus England die Public School sowie die erzieherischen Ideen von John Locke und Thomas Arnold, aus Deutschland die Philanthropie und aus Frankreich die Ideen Michel de Montaignes und Jean-Jacques Rousseaus.

Als frĂŒhe VorlĂ€ufer, die bereits einzelne Strukturelemente der Landerziehungsheime aufweisen, sind in Deutschland die FĂŒrstenschule Schulpforta (gegr. 1543) bei Naumburg (Saale), die Salzmannschule Schnepfenthal (gegr. 1784) und die „Allgemeine Deutsche Erziehungsanstalt“ von Friedrich Fröbel (gegr. 1816, ab 1817 in Keilhau) zu nennen.[1]

Als erste Boarding School, Public School bzw. Internat gilt die 597 in England gegrĂŒndete King’s School, Canterbury, gefolgt von Winchester College 1382, Sevenoaks School 1432, Eton College 1440, Westminster College 1509, Oundle School 1556, Rugby School 1567, Harrow School 1572, Charterhouse 1611 etc. Eine der Ă€ltesten Preparatory Schools ist die 1645 in Headley gegrĂŒndete Cheam School.

Maßgeblichen Einfluss auf Hermann Lietz hatte die 1889 von Cecil Reddie gegrĂŒndete Abbotsholme School in den Midlands von England.

GrĂŒnder deutscher Internatsschulen nach Geburtsjahrgang:

Landerziehungsheime in Deutschland

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Hermann-Lietz-Schulen:

weitere Schulen:

14 der genannten Landerziehungsheime haben sich, zusammen mit der schweizerischen École d’HumanitĂ© im Dachverband Die Internate Vereinigung zusammengeschlossen. Dieser hat sich 2012 aus seiner VorgĂ€ngerin, der Vereinigung Deutscher Landerziehungsheime (LEH), neu konstituiert, nachdem zuvor mehrere ihrer Mitglieder ausgetreten waren.[5]

JĂŒdische Landschulheime in Deutschland und ihre GrĂŒnder

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In WolfenbĂŒttel existierte seit 1786 die Samson-Schule, eine jĂŒdische Freischule. In den 1920er Jahren wurde versucht, die Schule neu auszurichten, was aber nicht gelang und zur Schließung im Jahre 1928 fĂŒhrte. Zu den GrĂŒnden schreibt Hildegard Feidel-Mertz: „1928 war gerade die traditionsreiche Samson-Schule in WolfenbĂŒttel daran gescheitert, ein modernes jĂŒdisches Landerziehungsheim nach dem Vorbild von Wickersdorf oder der Odenwaldschule zu werden, weil das assimilierte jĂŒdische BĂŒrgertum seine Kinder lieber von vornherein in diese durch Toleranz und Weltoffenheit ausgezeichneten liberalen Landerziehungsheime schickte.“[6]

In der Folge der ab 1933 zunehmenden Ausgrenzung jĂŒdischer Kinder und LehrkrĂ€fte aus dem deutschen Schulwesen entstanden in Deutschland erneut JĂŒdische Landschulheime. Sie standen ĂŒberwiegend in der Tradition der ReformpĂ€dagogik, stellten sich aber auch der Aufgabe, die Kinder zu selbstbewussten Mitgliedern der verfolgten jĂŒdischen Gemeinschaft zu erziehen und auf eine Auswanderung vorzubereiten.[7]

In der Tradition dieser JĂŒdischen Landerziehungsheime stand auch das in Schweden gegrĂŒndete

Landerziehungsheime im Vereinigten Königreich

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Landerziehungsheime in Frankreich

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Landerziehungsheime in Italien

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Landerziehungsheime in den Niederlanden

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Landerziehungsheime in der Schweiz

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  • Hermann Lietz: Die ersten drei Deutschen Land-Erziehungs-Heime zwanzig Jahre nach der BegrĂŒndung. Ein Versuch ernsthafter DurchfĂŒhrung deutscher Schulreform. Verlag des Land-Waisenheims a. d. Ilse, Veckenstedt 1918.
  • Kurt Hahn: Reform mit Augenmaß. AusgewĂ€hlte Schriften eines Politikers und PĂ€dagogen. Herausgegeben von Michael Knoll. Mit einem Vorwort von Hartmut von Hentig. Klett-Cotta, Stuttgart 1998, ISBN 3-608-91951-1.
  • Willy Potthoff: EinfĂŒhrung in die ReformpĂ€dagogik, Freiburg 2003, ISBN 3-925416-26-9.
  • Hermann Lietz: Reform der Schule durch Reformschulen. Kleine Schriften (= PĂ€dagogische Reform in Quellen 1). Herausgegeben von Ralf Koerrenz. IKS, Jena 2005, ISBN 3-938203-15-3.
  • Gustav Wyneken: Freie Schulgemeinde Wickersdorf. Kleine Schriften (= PĂ€dagogische Reform in Quellen 4). Herausgegeben von Ulrich Herrmann. IKS Garamond, Jena 2006, ISBN 3-938203-41-2.
  • Paul Geheeb: Die Odenwaldschule 1909–1934 (= PĂ€dagogische Reform in Quellen 6). Texte von Paul Geheeb. Berichte und Diskussionen von Mitarbeitern und SchĂŒlern. Herausgegeben von Ulrich Herrmann. Verlag IKS Garamond, Jena 2010, ISBN 978-3-941854-15-4.
  • Bernhard Hell: Die Evangelische Schulgemeinde. Versuch zur Gestaltung eines evangelischen Landerziehungsheims (= PĂ€dagogische Reform in Quellen 8). Herausgegeben und kommentiert von Ralf Koerrenz. Verlag IKS Garamond, Jena 2011, ISBN 978-3-941854-44-4.
  • Ralf Koerrenz: Hermann Lietz. EinfĂŒhrung mit zentralen Texten. Paderborn 2011, ISBN 978-3-506-77204-6
  • Hermann Lietz: Protestantismus als idealistische PĂ€dagogik. Kleine Schriften zur Religion und zum Religionsunterricht. Hg. von Ralf Koerrenz. Jena 2011 (PĂ€dagogische Reform in Quellen Bd. 14)
  • Hildegard Feidel-Mertz:
    • (Hrsg.) Schulen im Exil. Die VerdrĂ€ngte PĂ€dagogik nach 1933. rororo, Reinbek, 1983, ISBN 3-499-17789-7.
    • JĂŒdische Landschulheime im nationalsozialistischen Deutschland, von Hermann Schnorbach aktualisierte Fassung in: Inge Hansen-Schaberg (Hrsg.): Landerziehungsheim-PĂ€dagogik, ReformpĂ€dagogische Schulkonzepte, Band 2, Schneider Verlag Hohengehren, Baltmannsweiler, 2012, ISBN 978-3-8340-0962-3, S. 159–182. Der Aufsatz enthĂ€lt ein umfangreiches Quellen- und Literaturverzeichnis.
  • Jens Brachmann: ReformpĂ€dagogik zwischen Re-Education, Bildungsexpansion und Missbrauchsskandal: die Geschichte der Vereinigung Deutscher Landerziehungsheime 1947–2012. Verlag Julius Klinkhardt, Bad Heilbrunn 2015, ISBN 978-3-7815-2067-7.
  • JĂŒrgen Oelkers: PĂ€dagogische Provinz: Goethe, Fichte und die Landerziehungsheime. In: Claude Haas, Johannes Steizinger, Daniel Weidner (Hrsg.): Goethe um 1900. Kulturverlag Kadmos, Berlin 2017, ISBN 978-3-86599-349-6, S. 117–138, urn:nbn:de:hebis:30:3-528029.
Wiktionary: Landerziehungsheim – BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

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  1. ↑ Willy Potthoff S. 75–87
  2. ↑ Gustav Marseille: PĂ€dagoge und GrĂŒnder der Internatsschule Schloss Bischofstein
  3. ↑ Willy Potthoff, S. 47
  4. ↑ s. Kap. 2.6 S. 33ff hier ( (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im April 2019. Suche im Internet Archive))
  5. ↑ (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Februar 2026. Suche im Internet Archive) ( Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prĂŒfe den Link gemĂ€ĂŸ Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.)ml
  6. ↑ Hildegard Feidel-Mertz: „Mit dem Blick fĂŒrs Ganze“. Die SozialpĂ€dagogin Gertrud Feiertag (1890–1943), in: Inge Hansen-Schaberg und Christian Ritzi (Hg.): Wege von PĂ€dagoginnen vor und nach 1933, Schneider Verlag Hohengehren GmbH, Baltmannsweiler, 2004, ISBN 3-89676-768-2, S. 24
  7. ↑ Hildegard Feidel-Mertz: JĂŒdische Landschulheime im nationalsozialistischen Deutschland
  8. ↑ Das JĂŒdische Landschulheim Herrlingen befand sich zwar auf dem GelĂ€nde des von Anna Essinger gegrĂŒndeten und 1933 nach England verlegten Landschulheims Herrlingen, es war jedoch konzeptionell völlig anders ausgerichtet und kann deshalb nicht als dessen Nachfolgeeinrichtung angesehen werden.