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Kolonialwaren

Gesichtet
aus Wikipedia, der freien EnzyklopÀdie
Hamburger Kolonialwarenladen um 1830, ausgestellt im Museum fĂŒr Hamburgische Geschichte
Ein Schiff als Symbol des Fernhandels an einem Kolonialwarenladen in Gotha von 1893
Zwangsarbeiter und Sklaven wie hier auf Kuba um 1900 produzierten Kolonialwaren wie Zucker und Kaffee.
Stereoskopie Nr. 0669 von Knackstedt & NĂ€ther

Als Kolonialwaren, auch Colonialwaren (aus dem Englischen: colonial goods), wurden frĂŒher, besonders zur Kolonialzeit, ĂŒberseeische Lebens- und Genussmittel, wie z. B. Zucker, Kaffee, Tabak, Reis, Kakao, GewĂŒrze und Tee bezeichnet. KolonialwarenhĂ€ndler importierten diese Produkte, die in KolonialwarenlĂ€den und -handlungen verkauft wurden.

Viele dieser Erzeugnisse stammten von Großplantagen, auf denen Sklaven oder Zwangsarbeiter tĂ€tig waren. Auch die Landwirtschaft in den deutschen Kolonien (z. B. die Kaffeeerzeugung in Deutsch-Ostafrika und die Kakaogewinnung in Kamerun, Tabak aus den SĂŒdseekolonien) konnten trotz Verbots der Sklaverei im Mutterland faktisch nur durch harte Zwangsarbeit betrieben werden.[1][2][3] In Kuba und Brasilien, wichtigen ExportlĂ€ndern fĂŒr Kaffee, Tabak und Zucker, wurde die Sklaverei offiziell sogar erst 1888 abgeschafft. Aus Deutschland wurde im Gegenzug u. a. Leinen fĂŒr die Bekleidung der Sklaven exportiert.[4]

Wichtigste ImportgĂŒter waren zunĂ€chst Rohrzucker (in Deutschland bis zum Ersatz durch RĂŒbenzucker in den 1850er Jahren) und Tabak aus Nordamerika und der Karibik. Das zu DĂ€nemark gehörende Flensburg entwickelte sich seit ca. 1760 durch die Rumimporte aus den dĂ€nische Kolonien in Westindien zur „Rumstadt“. Wichtigste deutsche EinfuhrhĂ€fen fĂŒr Kolonialwaren waren Bremen, Hamburg und (das bis 1864 ebenfalls dĂ€nische) Altona, die von ihrer Stellung als zollfreie FreihĂ€fen und der Weiterverarbeitung der GĂŒter stark profitierten. Hier entstanden Kaffeeröstereien, Schokoladen-, Zigarren- und Zigarettenfabriken und in deren Folge spezialisierte Groß- und EinzelhandelsgeschĂ€fte fĂŒr Kolonialwaren.

Werbung des KolonialwarengeschĂ€fts Kofahl in Wismar, Bliedenstraße 10, gegrĂŒndet ca. 1905

Mit dem Einsatz effektiver Dampfschiffe auf den Überseerouten und der Verdichtung des Eisenbahnnetzes (in Deutschland seit den 1870er Jahren) breitete sich der Kolonialwarenhandel auch in kleineren StĂ€dten und Dörfern aus, wĂ€hrend die saisonalen großstĂ€dtischen MĂ€rkte teilweise an Bedeutung verloren. Damit wurden Erzeugnisse fĂŒr alle Gesellschaftsschichten erschwinglich, die vorher den Reichen vorbehalten waren. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts entwickelten sich die spezialisierten KolonialwarenlĂ€den meist weiter zu LebensmittelgeschĂ€ften mit breiterem Angebot, welche wiederum spĂ€ter durch die SupermĂ€rkte ersetzt wurden.

Der Kolonialwarenhandel wurde statistisch vom Produktenhandel und vom Manufakturwarenhandel abgegrenzt.

Bis in die 1970er Jahre wurde der Begriff Kolonialwarenladen noch verwendet. Diese LĂ€den boten aber nicht mehr nur Kolonialwaren an, sondern alle Grundnahrungsmittel, unabhĂ€ngig vom Herkunftsland, daneben auch Seife, Waschmittel, Petroleum und anderen Haushaltsbedarf. Er entsprach dem Tante-Emma-Laden in Deutschland oder der Schweiz, wĂ€hrend in Österreich der Begriff Greißler Verwendung fand. In der Schweiz ist Schwarzenbach Kolonialwaren in ZĂŒrich der letzte Kolonialwarenladen[5], in Deutschland der Kolonialwarenladen Wilhelm Holtorf in Bremen. Die Schweizer Migros bezeichnet einen Teil ihres Sortimentes immer noch als Kolonialwaren.[6][7]

Die Bezeichnung ist noch im Namen des in Deutschland weit verbreiteten Einzelhandelsverbandes Edeka zu finden (Einkaufsgenossenschaft der KolonialwarenhĂ€ndler im Halleschen Torbezirk zu Berlin – kurz E. d. K.).

  • Friedrich Wilhelm Schulze: Die Warenkunde des Kolonialwaren-Einzelhandels. Edeka-Verlagsgesellschaft, Berlin-Wilmersdorf 1930 (2. Auflage 1932).
  • Ulrike Gleixner, Alexandra Kemmerer, Michael Matthiesen, Hermann Parzinger (Hrsg.): Kolonialwaren. In: Zeitschrift fĂŒr Ideengeschichte, Jg. XV, Quartalsheft 1 (FrĂŒhjahr 2021), C. H. Beck, MĂŒnchen 2021 (Auszug), ZDB-ID 2271417-0.
Commons: Kolonialwaren – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Kolonialware – BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

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  1. ↑ Sebastian Gottschalk, Heike Hartmann: Der Maji-Maji-Krieg. Deutsches Historisches Museum, Berlin
  2. ↑ Jonas Kreienbaum: Zwangsarbeit in den deutschen Kolonien. Beauftragte der Bundesregierung fĂŒr Kultur und Medien, Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit, Berlin.
  3. ↑ Tom Menger: Von massiver Gewalt geprĂ€gt. Interview vom 6. MĂ€rz 2023, Ludwig-Maximilians-UniversitĂ€t MĂŒnchen.
  4. ↑ Horst Rössler: Bremer Kaufleute und die transatlantische Sklavenökonomie 1790–1865. In: Staatsarchiv Bremen (Hrsg.): Bremisches Jahrbuch, Band 95 (2016), S. 75–106 (Digitalisat).
  5. ↑ Heini Hofmann: Kuriosum: Der letzte Kolonialwarenladen der Schweiz. In: Luzerner Zeitung. 11. Mai 2018, abgerufen am 7. November 2019.
  6. ↑ Die RĂŒckkehr der Kolonialwaren (Neumarkt 3) – Saiten – Ostschweizer Kulturmagazin und Veranstaltungskalender. Abgerufen am 15. Juni 2020 (deutsch).
  7. ↑ Neubau Migros Wittenbach. Archiviert vom Original (nicht mehr online verfĂŒgbar) am 9. Juni 2020; abgerufen am 15. Juni 2020.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprĂŒft. Bitte prĂŒfe Original- und Archivlink gemĂ€ĂŸ Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.