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Josepha Duschek

aus Wikipedia, der freien EnzyklopÀdie
Josepha Duschek, 1796

Josepha Duschek geb. Hambacher, tschechisch: JosefĂ­na DuĆĄkovĂĄ (6. MĂ€rz 1754 in Prag – 8. Januar 1824 ebenda) war eine der berĂŒhmtesten SĂ€ngerinnen klassischer Musik ihrer Zeit, auch Pianistin und Komponistin. Sie sang fĂŒr eine Reihe von StaatsoberhĂ€uptern in Wien, Dresden und Warschau. Sowohl Mozart als auch Beethoven komponierten Arien fĂŒr sie.

Josepha Duschek war die Tochter des Prager Apothekers Adalbert Hambacher und dessen aus Salzburg stammender Ehefrau Dominica Columbia Weiser. Ihre Eltern heirateten am 14. April 1749 im Salzburger Dom[1]. Ihre Mutter war die zweitgeborene Tochter von Ignatz Anton von Weiser, der von 1772 bis 1775 BĂŒrgermeister Salzburgs war. Josepha war SchĂŒlerin des damals bereits berĂŒhmten Pianisten und Komponisten Franz Xaver Duschek, der sich 1770 als Klavierlehrer in Prag niedergelassen hatte und den sie am 21. Oktober 1776 heiratete. Sie wohnten zusammen in der Villa Bertram in SmĂ­chov. Im Jahr 1777 besuchte das Ehepaar Salzburg und lernte dort die Familie Mozart kennen. Wolfgang Amadeus Mozart komponierte damals fĂŒr sie die große dramatische Arie der Andromeda mit Rezitativ Ah, lo previdi – Ah, t’invola agl’occhi miei (KV 272), die er jedoch spĂ€ter seiner SchwĂ€gerin Aloisia Weber widmete. In Salzburg trat sie am 15. August 1777 im Rahmen eines Privatkonzertes im Tanzmeisterhaus in Leopold Mozarts Wohnhaus auf. Es entwickelte sich eine enge Freundschaft zwischen dem jungen Mozart und dem Ehepaar Duschek.

Josepha Duschek wurde als geistreiche und hĂŒbsche SĂ€ngerin geschĂ€tzt. Sie besaß Charme und hatte fĂŒr ihre Zeit verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig liberale Ansichten; die Leiterin der GedenkstĂ€tte Bertramka bezeichnete sie als „eine sehr emanzipierte Frau“.[2] Sie sang in Prag Opernpartien, wurde aber vor allem als KonzertsĂ€ngerin bekannt. Als solche trat sie sehr erfolgreich im Rahmen von Konzerten und Akademien in Wien und Berlin, in Dresden, Leipzig, Weimar und Warschau auf. Gemessen an den Schwierigkeiten, die die fĂŒr sie geschriebenen MusikstĂŒcke enthalten, muss sie sowohl ĂŒber eine virtuose Gesangstechnik als auch ĂŒber einen großen Tonumfang verfĂŒgt haben. Sie komponierte eine Reihe von Liedern und KlavierstĂŒcken.[3] Durch ihre virtuose Gesangstechnik erwarb sie den Beifall des Kaisers Joseph II. und des polnischen Königs Stanislaus II. August Poniatowski. In Dresden wurde ihr die Auszeichnung zuteil, als Zeichen der Begeisterung des KurfĂŒrsten in LebensgrĂ¶ĂŸe gemalt zu werden –

Die Duscheks verfĂŒgten ĂŒber eine Stadtwohnung am Prager Kohlmarkt und ĂŒber einen Landsitz, die Vila Bertramka in SmĂ­chov.[2] Die Ehe blieb kinderlos.

2006 gelang es Milada JonĂĄĆĄovĂĄ, die Verlassenschaftsabhandlung von Josepha Duschek zu finden. Sie berichtete ĂŒber ihren Fund auf dem Kongress „Böhmische Aspekte des Lebens und des Werkes von W. A. Mozart“, der von der Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik am 27. und 28. Oktober 2006 veranstaltet wurde. Die Autorin veröffentlichte die Studie mit einer vollstĂ€ndigen Transkription des Testaments und der Verlassenschaftsabhandlung im Tagungsband. Es stellte sich heraus, dass die kinderlose KĂŒnstlerin ihre letzten Jahre in einer komfortablen Vier-Zimmer-Wohnung auf der Kleinseite in der Pfingstplatz verbrachte, in der Obhut eines DienstmĂ€dchens und mit einer großen Bibliothek. Das Inventar der Bibliothek zeigt, dass sie einer intellektuell ĂŒberlegenen KĂŒnstlerin mit großer Weltoffenheit diente. ...Sie selbst zeichnete und besaß eine umfangreiche Sammlung von ÖlgemĂ€lden, Pastellen und Stichen. Am Ende ihres Lebens befand sie sich in guter geistiger Verfassung, wie die Tatsache beweist, dass sie noch im Alter von 70 Jahren Gesangsunterricht gab.[4]

Die Villa Bertramka in Prag

1781 ließ sie sich die Arie Ah, lo previdi – Ah, t’invola agl’occhi miei nach Wien nachschicken. 1786 begleitete Mozart sie als Pianist in einem privaten Konzert am Wiener Hof. 1787 stieg Mozart im Rahmen der UrauffĂŒhrung seines Don Giovanni im Prager StĂ€ndetheater bei der Familie Duschek in Prag ab, unter anderem in deren Landhaus Villa Bertramka, wo er seine Oper vollendete. GerĂŒchte besagen, Mozart habe aus Dankbarkeit fĂŒr die SĂ€ngerin fĂŒr sie eine zweite Konzertarie komponiert: Bella mia fiamma – Resta, o cara (KV 528). Die Komposition erfolgte am 3. November 1787. Es gibt jedoch auch einen anderen Bericht ĂŒber die Entstehung dieser Arie, der von Mozarts Sohn Karl Thomas stammen soll:[5]

„Petranka [sic] ist wohl bekannt als die Villa, in welcher Mozart seinen Aufenthalt in Prag bei seinen musikalischen Freunden, den Duscheks, genoss und wo er eine Reihe von Nummern seines ‚Don Juan‘ [Don Giovanni] komponierte. Auf dem kleinen HĂŒgel nahe der Villa steht ein Pavillon, in welchem eines Tages Frau Duschek den großen Mozart einfach einsperrte, nachdem sie sich zuvor um Feder, Tinte und Notenpapier gekĂŒmmert hatte. Sie teilte ihm mit, er wĂŒrde seine Freiheit erst wieder erlangen, nachdem er die Arie mit den Worten bella mia fiamma addio komponiert habe, welche er ihr schon lange versprochen habe. Mozart tat, wie ihm befohlen ward. Doch er rĂ€chte sich fĂŒr die böse Tat, die ihm die Duschek angetan hatte, indem er eine Reihe von schwierig zu singenden Passagen in die Arie packte. Zudem drohte er seiner despotischen Freundin, er wĂŒrde die soeben fertiggestellte Arie umgehend vernichten, sofern es ihr nicht gelĂ€nge, diese a prima vista fehlerfrei zu interpretieren.“

Bernard Wilson kommentiert diese Geschichte wie folgt: „Die Entstehungsgeschichte der Arie scheint eine gewisse GlaubwĂŒrdigkeit zu besitzen, denn die Worte Quest’ affano, questo passo Ăš terribile per me sind in einem fĂŒrchterlichen Gewirr chromatischer Sequenzen komponiert, brillant gesetzt, um der SĂ€ngerin GefĂŒhl fĂŒr Intonation und ihre Kraft der Interpretation auf den PrĂŒfstand zu stellen. Offenbar bewĂ€ltigte Mme. Duschek diesen passo terribile, denn das Originalmanuskript trĂ€gt ihren Namen – in Mozarts Handschrift.“[6]

Eineinhalb Jahre spĂ€ter sang Josepha Duschek im Leipziger Gewandhaus die Szene Ch'io mi scordi di te – Non temer, amato bene (KV 505) und war dann gemeinsam mit Mozart am 13. und 14. April 1789 in Dresden zu hören. An beiden Orten soll sie auch die schreckliche Arie gesungen haben.[7]

Mozart vollendete auch seine letzte Oper, La clemenza di Tito, im September 1791 in der Vila Bertramka.[8]

Nach Mozarts Tod nahm das Ehepaar dessen Kinder zu sich, sie lebten fortan in der Vila Bertramka.[9]

Auch mit Ludwig van Beethoven war das Ehepaar Duschek freundschaftlich verbunden. Als der Komponist 1796 in Prag weilte, komponierte er eine große dramatische Konzertarie fĂŒr Josepha Duschek: Ah perfido, op. 65. Sie konnte allerdings die UrauffĂŒhrung wegen anderer Verpflichtungen nicht ĂŒbernehmen, weshalb am 27. November 1796 Josephine von Clary und Aldringen sang, die mit dem schweren Werk ĂŒberfordert war. Dennoch widmete ihr Beethoven spĂ€ter das Werk. Josepha Duschek interpretierte die Konzertarie jedoch noch 1796 in Prag und spĂ€ter in Leipzig. Das Werk wurde 1808 von Beethoven auch in das Programm seiner Akademie am Theater an der Wien aufgenommen und von der damals erst 17-jĂ€hrigen Josephine Killitschky gesungen, die ebenso wie Josephine von Clary und Aldringen an der gesanglichen Herausforderung der Arie scheiterte.[10]

Nach dem Tod ihres Ehemannes im Jahre 1799 zog sich Josepha Duschek weitgehend aus der Öffentlichkeit zurĂŒck. Es sind noch Auftritte in den Jahren 1801 und 1804 verbĂŒrgt, bei Letzterem sang sie zum Besten der Witwen- und Waisen-Versorgungsanstalt der Prager TonkĂŒnstler-Gesellschaft. Unter den Zuhörern dieses Konzerts, das am 1. April 1804 stattfand, wurde eine Ode verteilt, die anhebt:

„Einmal noch ist sie zum Fest erschienen, an der Tonkunst heiligem Altar.“

Schließlich musste sie die Vila Bertramka verkaufen und ĂŒbersiedelte mehrfach in stets kleinere Wohnungen in Prag. Als sie starb, war sie vollstĂ€ndig verarmt.

Das Privatleben der SĂ€ngerin war von GerĂŒchten und Beschuldigungen umrankt. Man sagte ihr nach, dass ihr frĂŒher Reichtum – den sie ĂŒbrigens rasch verschwendet haben soll – einer zweifelhaften Beziehung mit dem Grafen Christian Philipp von Clam-Gallas, noch vor ihrer Hochzeit zu verdanken sei. Der Graf soll ihr noch nach dem Ende der Beziehung eine jĂ€hrliche Apanage von 900 Gulden gezahlt und auch zum Erwerb der Vila Bertramka beigetragen haben. Diese Beziehung war auch Anlass fĂŒr Leopold Mozart, seinen Sohn vor der SĂ€ngerin zu warnen, was dieser jedoch ignorierte.[2]

Als sie 1788 in Weimar weilte und erfolgreich Konzerte sang, erregte ihr Benehmen Anstoß. Friedrich Schiller bezeichnete sie als „anmaßend, ja frech“ und die Herzogin-Mutter Anna Amalia schrieb, sie sĂ€he „recht aus wie eine abgedankte MaĂźtresse“. Maynard Solomon hat eine Beziehung zwischen Mozart und Josepha Duschek in den Raum gestellt, allerdings fehlen dafĂŒr Belege.[11]

AnlĂ€sslich der 200. Wiederkehr der UrauffĂŒhrung des Don Giovanni gedachte man auch des Ehepaares Duschek und restaurierte die Vila Bertramka in Prag. Sie kann heute besichtigt werden und es finden dort auch Konzerte statt.[12][13]

Die Stadtgemeinde Salzburg benannte im Jahr 1997 eine Straße in Leopoldskron und Gneis im Gedenken an die Sopranistin. Die Josepha-Duschek-Straße fĂŒhrt von der Sandor-Vegh-Straße, benannt nach SĂĄndor VĂ©gh, dem langjĂ€hrigen Leiter der Camerata Salzburg, Richtung Konstanze-Weber-Gasse, benannt nach Mozarts Ehefrau Constanze.

  • Das Geburtsjahr der KĂŒnstlerin wird fallweise auch mit 1753 oder mit 1756 angegeben.[14] Verwendet wird hier die hĂ€ufigere, auch von der Deutschen Nationalbibliothek verwendete, Nennung. Auch den Geburtstag betreffend bestehen Divergenzen, fallweise wird der 7. MĂ€rz angegeben. Kutsch/Riemens nennen den 6. MĂ€rz als Tag der Geburt. Wien Geschichte Wiki schreibt, sie sei am 6. MĂ€rz 1754 getauft worden.
  • Die KĂŒnstlerin wird fallweise mit der englisch-italienischen Sopranistin Sophia Corri-Dussek (1775–1847) verwechselt, die mit dem böhmischen Komponisten Jan Ladislav Dussek verheiratet war, der am 12. Februar 1760 in Tschaslau geboren wurde und am 20. MĂ€rz 1812 in Saint-Germain-en-Laye verstarb.
  • Die Deutsche Nationalbibliothek hat fĂŒr die SĂ€ngerin und Komponistin zwei GND-Nummern vergeben: 1068086327 und 135729572. Die erste Eintragung nennt den Namen Franziska Josefa Duschek mit denselben Geburts- und Sterbejahren.

Anmerkungen und Einzelnachweise

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  1. ↑ Josepha Duschek – Salzburgwiki. Abgerufen am 23. Oktober 2022.
  2. 1 2 3 Vor 250 Jahren wurde Josefina DuskovĂĄ (Josepha Duschek) geboren. Radio Praha, 21. Februar 2004; abgerufen am 24. August 2016.
  3. ↑ Otto Ebel: Women Composers. 1902, S. 47 und 48, archive.org.
  4. ↑ Milada JonĂĄĆĄovĂĄ: Das Testament und die Verlassenschaftsabhandlung von Josepha Duschek. In: Milada JonĂĄĆĄovĂĄ – Tomislav Volek (Hrsg.): Böhmische Aspekte des Lebens und des Werkes von W. A. Mozart. Institut fĂŒr Ethnologie der Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik,v.v.i. und Mozartgemeinde in der Tschechischen Republik, Prag 2011, ISBN 978-80-87112-28-1, S. 39–124 (bertramka.eu [abgerufen am 3. MĂ€rz 2024]).
  5. ↑ Publiziert 1856 in der Berliner Musik-Zeitung Echo, Vol. 4, S. 198–199. Die Zeitschrift schrieb diese ErzĂ€hlung Mozart’s Sohn zu und da von den beiden Söhnen Mozarts damals nur mehr Karl Thomas am Leben war, wird ihm diese Aussage zugeschrieben. Die englische Übersetzung findet sich in Peter Kivy: Child Mozart as an Aesthetic Symbol, Journal of the History of Ideas, Vol. 28, No. 2. (April – June 1967), S. 249–258. Hier abgedruckt ist eine RĂŒckĂŒbersetzung ins Deutsche.
  6. ↑ Bernard E. Wilson: Review of Neue Ausgabe sĂ€mtlicher Werke, Ser. II: BĂŒhnenwerke, Werkgruppe 7: Arien, Szenen, Ensembles, und Chöre mit Orchester, Band 4. In Notes, 2nd Ser. Vol. 30, No. 4. (Juni 1974), S. 856–857.
  7. ↑ Zu berĂŒhmten Interpretinnen dieser Arie im 20. und 21. Jahrhundert zĂ€hlen Cecilia Bartoli, Anett Fritsch, Barbara Frittoli, Margaret Price, Kiri Te Kanawa, Olena Tokar, Dawn Upshaw und Edith Wiens.
  8. ↑ Tadeusz Krzeszowiak: Freihaustheater in Wien: 1787-1801. WirkungsstĂ€tte von W. A. Mozart und E. Schikaneder, Böhlau-Verlag 2009, S. 253
  9. ↑ Bodo Schwalm: GrĂ€ber auf meinen Reisen. Band 2: Geschichte(n) und Erinnerung. S. 58.
  10. ↑ Mit dieser Arie verabschiedete sich auch die aus rassischen GrĂŒnden verfolgte SĂ€ngerin Elsa JĂŒlich im Jahr 1935 von Berlin, bevor sie gemeinsam mit ihrem Ehemann Michael Taube nach PalĂ€stina emigrierte. Quellen dazu siehe im Artikel ĂŒber Elsa JĂŒlich.
  11. ↑ Maynard Solomon: Mozart: A Life. HarperCollins, New York 1995, Ch. 28.
  12. ↑ Bertramka – GedenkstĂ€tte fĂŒr W. A. Mozart und das Ehepaar DuĆĄek. Das offizielle Tourismusportal der Stadt Prag, archiviert vom Original am 23. April 2016; abgerufen am 23. August 2016.
    Bertramka — Museum of W. A. Mozart and the DuĆĄek family. Bertramka - Muzeum W.A.Mozarta a manĆŸelĆŻ DuĆĄkovĂœch. Prague City Tourism, abgerufen am 1. August 2024 (englisch, tschechisch).
  13. ↑ Vila Bertramka – Mozartova obec v ČeskĂ© republice. Vila Bertramka; abgerufen am 23. August 2016.
  14. ↑ Duschek, Josephine. In: Deutsche Biographie (Index-Eintrag).