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Hildebrandhaus

aus Wikipedia, der freien EnzyklopÀdie
Das Hildebrandhaus von SĂŒdwesten, 2019
Selten gezeigte Nordfassade, beim Eingang Siebertstraße

Koordinaten: 48° 8â€Č 36,8″ N, 11° 35â€Č 56,2″ O Das Hildebrandhaus ist eine KĂŒnstlervilla im MĂŒnchner Stadtteil Bogenhausen, Maria-Theresia-Straße 23, die 1898 fĂŒr den Bildhauer Adolf von Hildebrand nach dessen eigenen PlĂ€nen errichtet wurde und fĂŒr ihn und seine Familie sowohl Wohnung als auch Ateliers bot. Das Haus im Heimatstil an den Maximiliansanlagen auf dem Hochufer der Isar wurde durch den Architekten und Bauunternehmer Gabriel von Seidl erbaut.

Es war bis 1934 im Eigentum der Familie von Hildebrand. Nach dem Verkauf wurde es 1941 arisiert. Nach dem Ende der NS-Zeit gehörte es der amerikanischen MilitĂ€rregierung und anschließend der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern. Von 1967 bis zum Jahr 1974 war es Spekulationsobjekt und sollte abgerissen werden. Es wurde durch das Denkmalschutzrecht gerettet und saniert.

Seit 1977 beherbergt es das stÀdtische Literaturarchiv Monacensia mit Bibliothek und Ausstellung. Von 2013 bis 2016 wurde es denkmalgerecht generalsaniert, dabei wurde durch den Architekten Lorenz Wallnöfer ein kleiner moderner Anbau aus Glas ergÀnzt. Das GebÀude ist seit 1973 in der bayerischen Denkmalliste verzeichnet.[1]

Bauplan mit ErgÀnzungen durch von Hildebrand, Erdgeschoss. Osten ist oben
1. Obergeschoss
Das Turmzimmer
Das große Tor aus dem Atelier

Das Hildebrandhaus ist seit der Sanierung von 2013 bis 2016 wieder fast vollstĂ€ndig im Originalzustand. Von außen weicht nur der an den OstflĂŒgel nach SĂŒden vorgesetzte Glasanbau vom Erscheinungsbild der Bauzeit ab.

Der Grundriss zeigt drei FlĂŒgel in T-Form. Das Wohnhaus besteht aus einem Winkel nach Westen und SĂŒden, ausgerichtet nach der Sonne und den Isaranlagen.[2] Im Osten schließt sich der Ateliertrakt an. Das Wohnhaus weist zwei Hauptgeschosse und ein Dachgeschoss auf, letzteres hat die volle Raumhöhe und wirkt nur durch das Mansardwalmdach den anderen Stockwerken untergeordnet. Im Winkel des Wohnhauses steht, weitgehend in die Fassade eingezogen, das TĂŒrmchen mit leicht ovalem Querschnitt. Seine Zwiebelturmhaube ragt nur leicht ĂŒber den First hinaus. Der AtelierflĂŒgel besteht Ă€ußerlich aus dem 12 × 12 Meter großen und 7,5 Meter hohen Hauptatelier mit einem einfachen Walmdach, ihm sind weitere RĂ€ume im Norden des Baukörpers zugeordnet.

Die Fassaden des Wohnbereichs sind aufgelockert durch Fensterbekrönungen in barockem Schwung, einen kleinen Balkon mit bauchigem GelĂ€nder und kontrastreichen FensterlĂ€den. Ein Relief mit der Darstellung einer Nymphe aus der eigenen Hand von Hildebrands ist nach Westen ausgerichtet. Der Westseite des SĂŒdflĂŒgels ist eine Terrasse vorgelagert, zu ihr öffnen sich die WohnrĂ€ume in großzĂŒgigen Rundbögen. Neben der Terrassentreppe steht ein kleines Bassin mit einem Wandbrunnen. Die Dachlandschaft ist geprĂ€gt durch eine auffĂ€llig plastische Form des Mansarddaches. Das Dach des Mansardgeschosses ist durch eine Hohlkehle eingezogen, so dass es ĂŒber dem Knick ausschwingend wirkt. Das Dach ist durch Gauben im Mansardgeschoss, Fledermausgauben im Spitzboden und Kamine, sowie der Turmhaube stark gegliedert. Die Fassade war ursprĂŒnglich gelblich verputzt, die Dekorelemente blieben weiß und die LamellenfensterlĂ€den waren in einem dunklen GrĂŒn gehalten.

Der Eingang ist von der Nordseite, durch eine bescheidene TĂŒr mit kleinem Vordach. Das VestibĂŒl dahinter öffnet sich nach links zum Ateliertrakt, geradeaus geht es einige Stufen hinauf in den Wohnbereich. Der Wohntrakt wird durch einen Gang erschlossen, der sich in einer Kurve zu einer Halle wendet, zu der sich die Wendeltreppe im leicht ovalen Turm öffnet. Die Außenwand des Gangs ist durch eine tief gezogene Hohlkehle genauso plastisch ausgeprĂ€gt wie die als Rundbogen gestalteten ZugĂ€nge zum Turm. Um die Halle sind Speisezimmer, Salon und Terrasse angeordnet, von hier fĂŒhrt auch ein zweites, schmuckloses Treppenhaus im Osten zu den anderen Geschossen. In Gang und Halle werden heute Wechselausstellungen gezeigt, Speise- und Wohnraum dienen kleinen Veranstaltungen und ArbeitsgesprĂ€chen.

Im Obergeschoss lagen neben den SchlafrĂ€umen noch zwei kleinere AtelierrĂ€ume, die von Hildebrand fĂŒr seine Töchter Irene und Elisabeth einrichtete. Sie waren nach Norden ausgerichtet. Heute werden Zentrum und SĂŒdflĂŒgel fĂŒr die Bibliothek der Monacensia genutzt, der WestflĂŒgel enthĂ€lt BĂŒro und Leseraum des Literaturarchivs. Im Dachgeschoss waren Kinderzimmer, RĂ€ume fĂŒr GĂ€ste und das Personal, heute sind hier BĂŒros und ein Arbeitsraum fĂŒr Wissenschaftler. KĂŒche und WirtschaftsrĂ€ume lagen im Souterrain unter dem SĂŒdflĂŒgel. Das Turmzimmer in dessen Dachgeschoss mit einem winzigen Balkon nach SĂŒdwest nutzte von Hildebrand als seine Bibliothek, die Decke wurde von seinen Töchtern mit italienischen Pflanzenmotiven ausgemalt.

Der Ateliertrakt im Osten hat eine gegenĂŒber dem Wohnhaus leicht eingezogene Nordwand, die durch große Fenster aufgebrochen und gegliedert wird. Dadurch vermeidet das Haus eine monumentale Front auf der Nordseite an der Siebertstraße. Er beginnt links vom VestibĂŒl mit einem kleinen Raum, in dem von Hildebrand nur BĂŒsten fertigte und dessen SĂŒdwand der Kurve des dahinter liegenden Ganges folgt. Hier zeigt die Monacensia heute eine kleine Ausstellung zur Geschichte des Hauses. Dahinter liegt von Hildebrands Haupt-Arbeitsraum, heute Ausstellung ĂŒber Zeit und Kultur Adolf von Hildebrands mit Exponaten ĂŒber die Dichter, Maler und VolkskĂŒnstler um die Wende zum 20. Jahrhundert in MĂŒnchen, die bei der Familie von Hildebrand ein und aus gingen. Von Hildebrand hatte hier große Regale mit Vorlagen und Modellen in Gips und gestaltete hier seine Werke. Der große Atelierraum im Osten mit siebeneinhalb Metern Raumhöhe und einem gewaltigen Tor zum Hof, diente ĂŒberwiegend den Gehilfen und Assistenten von Hildebrands, die seine EntwĂŒrfe in Stein ausfĂŒhrten. Heute ist dies ein großzĂŒgiger Aufenthalts- und Leseraum fĂŒr Besucher, zudem finden hier große Veranstaltungen statt wie Lesungen und Konzerte.

Das Haus wird als „offen und doch zurĂŒckhaltend“ beschrieben, vor allem im Vergleich zu anderen Villen, die sich KĂŒnstler in MĂŒnchen errichten ließen. Franz von Lenbach und Franz von Stuck setzten mit Portikus und Ehrenhof am Lenbachhaus und gewaltigen SĂ€ulen und Friesen an der Villa Stuck auf ReprĂ€sentation. Dagegen blieb von Hildebrand in der Tradition der gerade zu „lĂ€ndlich“ wirkenden konservativen Architektursprache eines „Barockschlösschens und Gutshofes“, eingebunden in den damaligen vorstĂ€dtischen Charakter des Viertels abseits der Hauptstraßen und die landschaftlich geprĂ€gte Lage an Hangkante und Isar.[3]

Die ursprĂŒngliche Einrichtung wurde vorwiegend von Irene von Hildebrand ausgewĂ€hlt. Sie wird als „streng, fast spartanisch“ beschrieben. Frei stehende Möbel italienischen Stils in lichten, hellen RĂ€umen. Keine prĂ€tentiösen ReprĂ€sentationsrĂ€ume, sondern ein privates Wohnhaus fĂŒr die Familie und GĂ€ste. Gang und Salon hatte von Hildebrand mit GemĂ€lden seines ehemaligen Freundes Hans von MarĂ©es geschmĂŒckt, die er als „große, reine Naturanschauung“ schĂ€tzte.[4]

Das Hildebrandhaus nach der Fertigstellung. Foto um 1900.

Der Bildhauer Adolf von Hildebrand lebte und arbeitete seit 1874 in Florenz, wo er das ehemalige Kloster San Francesco di Paola als Atelier- und Wohnhaus hergerichtet hatte. Er war aber fast ausschließlich fĂŒr deutsche Auftraggeber tĂ€tig. Nachdem er sich 1888 am Architektenwettbewerb fĂŒr das Denkmal fĂŒr Kaiser Wilhelm I. in Berlin beteiligt hatte, wurde er 1889 in die Jury des Wettbewerbs berufen, die ĂŒber einen Brunnen am MĂŒnchner Lenbachplatz entscheiden sollte. Das Projekt war als Abschluss der ersten Wasserversorgung MĂŒnchens vorgesehen und es waren nur MĂŒnchner KĂŒnstler zugelassen.[5] Als die Jury den Eindruck gewann, dass keiner der eingereichten EntwĂŒrfe der architektonischen und zugleich der skulpturalen Aufgabe gerecht wurde, legte Hildebrand die Arbeit in der Jury nieder um sich selbst am Wettbewerb zu beteiligen. Trotz der Proteste MĂŒnchner KĂŒnstler gewann sein Entwurf fĂŒr den Wittelsbacher Brunnen, nachdem er die Bereitschaft erklĂ€rt hatte, sich in MĂŒnchen niederzulassen.[6]

Nach der Fertigstellung des Brunnens 1895 wurde Hildebrand gefeiert und er beschloss nicht zuletzt wegen seines 1897 bevorstehenden 50. Geburtstages, fĂŒr sich und seine Familie ein Haus in MĂŒnchen zu errichten.[7] Das KĂŒnstlerhaus war seit der spĂ€ten Renaissance zu einem eigenstĂ€ndigen Bautypus herangereift. Bildende KĂŒnstler, vor allem Maler und Bildhauer, suchten nicht nur zweckmĂ€ĂŸige Arbeitsbedingungen in fĂŒr ihre BedĂŒrfnisse errichteten Ateliers, sie drĂŒckten auch ihre schöpferische Persönlichkeit aus, das Haus „wurde zur Demonstration einer Idee, zur programmatischen Sichtbarmachung der kĂŒnstlerischen Erfahrung und Existenz“.[8] In Deutschland schuf erst die GrĂŒnderzeit die Voraussetzungen fĂŒr die Verbreitung dieser GebĂ€udeform. Vor der Reichseinigung 1871 hatten die „beengenden VerhĂ€ltnisse“, der „Partikularismus seiner Teilstaaten“ und der „Irrationalismus der politisch einflusslosen, bĂŒrgerlichen Intelligenz“ dessen AusprĂ€gung verzögert.[9] Die Selbstinszenierung und ReprĂ€sentation des KĂŒnstlers durch die Gestaltung des eigenen Hauses gilt als spezifisch fĂŒr MĂŒnchen in dieser Zeit.[10]

Von Hildebrand erbat und erhielt von der Stadt MĂŒnchen eine UnterstĂŒtzung von 15.000 Mark fĂŒr den Hausbau in Anerkennung der Leistung am Wittelsbacherbrunnen und um „einen hervorragenden KĂŒnstler MĂŒnchen zu erhalten“.[11] Daraus erwarb er ein BaugrundstĂŒck in prominenter Lage. Das frĂŒhere Bauerndorf Bogenhausen war 1892 nach MĂŒnchen eingemeindet und in den Folgejahren erschlossen worden. Es sollte zum vornehmsten Villenviertel der Stadt werden.

Die Maria-Theresia-Straße konnte nur einseitig im Osten bebaut werden. Im Westen lagen die Maximiliansanlagen, direkt an der Hangkante der Isarterrasse. Adolf von Hildebrand sicherte sich 1895 eines der GrundstĂŒcke mit unverbaubarem Blick auf die Parkanlagen am Fluss. Das GrundstĂŒck Maria-Theresia-Straße 23 hatte 2179 Quadratmeter und kostete 76.611 Mark.[12] Die Lage an der Ecke Siebertstraße garantierte, dass die fĂŒr das Atelier notwendige Nordseite nicht durch eine Nachbarbebauung verschattet werden könnte.

Seitdem er sich mit einem Umzug nach MĂŒnchen befasste und Jahre vor der Auswahl eines Bauplatzes, skizzierte von Hildebrand diverse EntwĂŒrfe fĂŒr ein Wohn- und Atelierhaus. Im Laufe seines Lebens plante oder errichtete von Hildebrand insgesamt acht GebĂ€ude und hinterließ in seinen gesammelten Schriften auch architekturtheoretische Texte sowie autobiographische Werke, in denen er seine Herangehensweise erklĂ€rte. Von Hildebrand hatte kunsttheoretische und -pĂ€dagogische AnsprĂŒche, lehnte aber die akademische Kunsttheorie entschieden ab. Nur seinen Freund und MĂ€zen Konrad Fiedler und den ihm persönlich verbundene Heinrich Wölfflin ließ er gelten.[13]

Er begann mit den Anforderungen fĂŒr den Bau: Ein „großes, von Norden belichtetes Bildhaueratelier, verbunden mit einem gerĂ€umigen Wohnhaus, die sich beide dem Charakter des Villenviertels im Strahlungsbereich von Prinzregentenstraße und Friedensengel einzufĂŒgen hatten.“[14]

In den Skizzen fĂŒr Bogenhausen kristallisierten sich frĂŒh Grundelemente heraus: Der Grundriss in T-Form, das Mansardwalmdach und der Turm. Auch architektonische Einzelteile sind hier schon angelegt, wie die Rundbogenfenster zur Terrasse, in denen er die Form der Renaissance-Loggia von San Francesco di Paola in Florenz ĂŒbernahm. Als Bildhauer schuf von Hildebrand in einem frĂŒhen Entwurfsstadium ein dreidimensionales Modell aus Ton, das er mehrfach ĂŒberarbeitete und immer detaillierter ausfĂŒhrte.[15] Aus den erhaltenen EntwĂŒrfen ist erkennbar, wie von Hildebrand von den Proportionen her dachte. Anordnung und Gliederung der Baukörper standen im Zentrum des eminent plastischen Entwurfs. Dabei nahm er in besonderer Weise die Situation des Bauplatzes auf, Blickachsen entlang der Straße wurden zu Richtungen, die Rhythmik der Baukörper und ihre Stufung sollten ein „weittragendste[s] Gegenstandsbild“[16] schaffen. Durch die T-Form werden die erstaunlich großen Baumassen kaschiert und in den Villencharakter, entsprechend dem Viertel aufgelöst.[17]

Seine Skizzen und das Modell ĂŒberfĂŒhrte das BĂŒro des mit von Hildebrand befreundeten Architekten und Baumeister Gabriel von Seidl in exakten BauplĂ€ne. Von Seidls BĂŒro ĂŒbernahm auch die Bauleitung. Der Bau begann 1897 und wurde im Folgejahr vollendet. Die technische Ausstattung war die modernste der Zeit. Das Haus verfĂŒgte ĂŒber ElektrizitĂ€t in jedem Raum und einen Telefonanschluss. Das Atelier hatte Schienen im Boden und einen Flaschenzug unter der Decke.[18]

1911 wurde es behutsam umgebaut, als von Hildebrands Schwiegersohn Carlo Sattler eine abgeschlossene Wohnung fĂŒr Irene von Hildebrand und ihren Mann Theodor Georgii in den ersten Stock und das Dachgeschoss einbaute. Dabei wurde das Atelier fĂŒr Elisabeth von Hildebrand aufgelöst und in ein Speisezimmer mit Wirtschaftsraum fĂŒr die verbleibende Wohnung August und Elisabeth von Hildebrand umgebaut.[19]

In der Zeit des Nationalsozialismus erfolgten viele kleine, unkoordinierte Ein- und Umbauten, um fĂŒr die stĂ€ndig wachsende Zahl der Bewohner zumindest rudimentĂ€re SanitĂ€ranlagen bereitzustellen.

In der Nachkriegszeit verfiel das Haus weitgehend. Erst nach der Enteignung 1974 durch den Freistaats Bayern und die folgende Schenkung an die Stadt MĂŒnchen wurde eine Renovierung begonnen. Dabei wurden die RĂ€ume bis 1977 fĂŒr die Nutzung durch das Literaturarchiv Monacensia umgebaut.[20] Die Baumaßnahmen wurden von Denkmalpfleger Enno Burmeister koordiniert, der besonders die Dimensionen der AtelierrĂ€ume fĂŒr erhaltens- und wiederherstellenswert hielt. Fast alle Ausstattungselemente konnten erhalten werden, FensterlĂ€den und weitere Holzteile mussten zum Teil neu gefertigt werden. Mehrere schmiedeeiserne Gitter waren verloren und mussten nach Fotos rekonstruiert werden. Der ursprĂŒngliche Kamin im ehemaligen Wohnzimmer war verloren, stattdessen wurde ein zeitlich passender eingebaut. Einige weitere Änderungen waren der neuen Nutzung oder dem Feuerschutz geschuldet.[21]

Von 2013 bis 2016 wurde das Hildebrandhaus denkmalgerecht generalsaniert. Seither sind Innen- und AußenwĂ€nde wieder in den originalen Farbtönen gehalten. Im Interesse der Barrierefreiheit wurden AufzĂŒge zu allen fĂŒr Benutzer des Archivs zugĂ€nglichen RĂ€ume eingebaut. Im SĂŒdosten wurde dem großen Atelierraum durch den Architekten Lorenz Wallnöfer ein kleiner moderner Anbau aus Glas vorgelagert. Darin ist heute das Museumscafe untergebracht.

Die Bewohner bis 1934

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Adolf von Hildebrand, 1912

Das Haus der Familie Hildebrand stand voll im Zeichen der Kunst. Adolf war der Patriarch, an dessen Tagesrhythmus sich das Leben im Haus anpassen musste.[22] Er selbst spielte nebenbei mit Begeisterung aber nur begrenzter Technik Bratsche. Fast alle der sechs Kinder waren kĂŒnstlerisch tĂ€tig und bekamen zum Teil im Laufe der Zeit eigene Ateliers im Haus eingerichtet. Irene Hildebrand wurde selbst Bildhauerin, Elisabeth malte, Silvia schrieb TheaterstĂŒcke, Eva und Berta wurden Musikerinnen, Berta komponierte zudem schon als Kind und heiratete spĂ€ter den Komponisten und Pianisten Walter Braunfels. Nur Sohn Dietrich von Hildebrand wurde Philosoph. Zu den regelmĂ€ĂŸigen GĂ€sten gehörte der junge Wilhelm FurtwĂ€ngler.[23] Die Kinder wurden trotz Schulpflicht ausschließlich durch Hauslehrer erzogen, die mit der Familie im Sommer ĂŒber Monate nach Florenz gingen.

Der Vormittag war im Hause Hildebrand der eigenen Schöpfung gewidmet. Zum Mittagessen waren fast tĂ€glich GĂ€ste geladen. Am Nachmittag ging die Familie hĂ€ufig und zusammen aus. Man besuchte Museen und Konzerte. Oder man war bei Honoratioren und Auftraggebern geladen. Von Hildebrand war eng mit dem Haus Wittelsbach befreundet; vor allem mit Prinzregent Luitpold und Kronprinz Rupprecht. KĂŒnstler wie Rudolf von Seitz und Hans Thoma gehörten zum Freundeskreis, so auch die Schriftstellerinnen Annette Kolb und Isolde Kurz. Aber auch der Generalmusikdirektor Hermann Levi, die Berliner Museumsdirektoren Richard Schöne und Wilhelm von Bode und die Industriellenfamilien Werner und Arnold von Siemens, Zander und Helmholtz aus MĂŒnchen, Borsig aus Berlin und Philosoph Götz Martius aus Kiel waren regelmĂ€ĂŸig zu Gast.[24] Mit dem Kunsthistoriker Heinrich Wölfflin, dem Philosophen Hans Cornelius, dem ReformpĂ€dagogen Georg Kerschensteiner und dem Architekten Theodor Fischer arbeitete er zusammen zu Kunstbetrachtung und Kunsterziehung.[25] Das Haus an der Maria-Theresia-Straße war ein Mittelpunkt der kĂŒnstlerischen und großbĂŒrgerlichen Gesellschaft im MĂŒnchen der Prinzregentenzeit.

1910 erlitt von Hildebrand einen Schlaganfall und konnte nicht mehr selbst mit dem schweren Marmor arbeiten.[26] Er fertigt ab da nur noch Gipsmodelle, nach denen seine Assistenten die eigentlichen Werke ausfĂŒhren. Nach dem Tod Adolf von Hildebrands 1921 ging das Haus an seinen Sohn Dietrich von Hildebrand, Philosophie-Professor an der Ludwig-Maximilians-UniversitĂ€t und seine Tochter Irene Georgii. Dietrich musste 1933 nach der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler nach Florenz flĂŒchten und ging spĂ€ter ĂŒber Wien, die Schweiz und Frankreich in die USA. Irene erhielt 1936 Berufsverbot als Bildhauerin, nachdem sie und Theodor Georgii von 1935 bis 1938 nach Wien gegangen waren.[27] Das Haus wurde 1934 verkauft, einige Familienmitglieder bleiben aber darin wohnen.

Das Haus war 1934 an Elisabeth Braun verkauft worden. Braun war ganz bewusst zum evangelischen Glauben ĂŒbergetreten, galt aber ab 1935 nach den NĂŒrnberger Rassegesetzen als VolljĂŒdin. ZunĂ€chst zog nur ihre Stiefmutter Rosa Braun in die Wohnung im ersten Stock ein. Das Atelier und eine kleine Wohnung im SĂŒdflĂŒgel des Dachgeschosses war zusammen mit dem Verkauf fĂŒr sieben Jahre an Theodor Georgii und seine Frau Irene, geborene Hildebrand, vermietet worden.[28] Im 1. Stock mietete 1934 der Pianist Wolfgang Ruoff eines der Ateliers und WohnrĂ€ume. Von Januar 1936 bis Mitte 1937 lebte auch der Geiger Wilhelm Stross im Haus.[29]

Ab Januar 1937 nahm Elisabeth Braun im Hildebrandhaus Bekannte auf, die alle nach den NS-Gesetzen als Nichtarier gefĂŒhrt wurden. Im November 1938 musste die EigentĂŒmerin ihren Hauptwohnsitz am Tegernsee verlassen und zog selbst in die Maria-Theresia-Straße ein. Als im Sommer 1941 das Haus zwangsgerĂ€umt und die nicht-arischen Bewohner interniert wurden, hatte Elisabeth Braun 15 Menschen im Haus Obdach geboten.[30]

„Arisierung“ des Hildebrandhauses, dokumentiert in der Dauerausstellung der Monacensia

Am 16. August 1941 organisierte die ĂŒber 70-jĂ€hrige Rosa Braun den Umzug aus dem Hildebrandhaus in das Sammellager Berg am Laim fĂŒr MĂŒnchner Juden. Ihre Tochter Elisabeth Braun saß zu diesem Zeitpunkt aus heute unbekanntem Grund in der Justizvollzugsanstalt MĂŒnchen im GefĂ€ngnis. Auch die anderen nichtarischen Bewohnerinnen und Bewohner des Hildebrandhauses mussten es nach und nach verlassen. Sie zogen teilweise ebenfalls in die „Heimanlage“, andere wurden im Judenlager Milbertshofen interniert. Ende 1941 wohnten keine „nicht-arischen“ Menschen mehr im Hildebrandhaus. Das Haus gehörte jedoch pro forma noch Elisabeth Braun, bis ihr gesamtes Vermögen im Oktober 1941 arisiert und durch das Deutsche Reich eingezogen wurde.

Elisabeth und Rosa Braun wurden kurze Zeit spĂ€ter deportiert und ermordet. Elisabeth Braun kam am 25. November 1941 bei der Massenerschießung im KZ Kauen, heute Litauen, ums Leben.[31] Rosa Braun starb 1945 im KZ Theresienstadt. Auch von den anderen „nicht-arischen“ Bewohnerinnen und Bewohnern ĂŒberlebte niemand den Holocaust.

Noch wĂ€hrend Rosa Braun den Auszug aus dem Hildebrandhaus organisieren musste, wurde die Wohnung der Brauns am 14. August 1941 von der MĂŒnchner Pianistin und MusikpĂ€dagogin Rosl Schmid, ihrem Mann Ernst Schmidt und der gemeinsamen Tochter bezogen. Ob Rosl Schmid schon beim Einzug ĂŒber die Vorgeschichte ihrer neuen Wohnung Bescheid wusste, ist unbekannt. Sie wird sie jedoch spĂ€testens von den anderen kĂŒnstlerisch tĂ€tigen Mietern erfahren haben.[32] In den letzten Kriegsjahren zog Schmid aufs Land, um den Bombenangriffen auf MĂŒnchen zu entgehen. In dieser Zeit wurde die Wohnung und ein Zimmer im Dachgeschoss fĂŒr die Unterbringung von „FliegergeschĂ€digten“ genutzt.

Außer Schmid wohnten im Hildebrandhaus zu dieser Zeit Theodor Georgii, Bildhauer und Schwiegersohn von Adolf von Hildebrand mit seiner Familie, der Pianist Wolfgang Ruoff, sowie die Bildhauer Ernst Geiger (seit 1939) und Ernst Andreas Rauch (seit 1938). Letzterer schloss 1941 einen Untermietvertrag mit dem Bildhauer und Freskenmaler Wilhelm Nida-RĂŒmelin, der das große Atelier nutzte, aber nicht im Hildebrandhaus lebte.[33]

Nach Kriegsende, am 28. Dezember 1945, wurde das Haus von der UNRRA beschlagnahmt.[34] Wie viele andere „arisierte“ GebĂ€ude sollte es seinen rechtmĂ€ĂŸigen EigentĂŒmern zurĂŒckgegeben werden, in der Zwischenzeit jedoch von Behörden genutzt oder Verfolgten des NS-Regimes zur VerfĂŒgung gestellt werden. Noch am selben Abend begannen die Hausbewohner und deren Familienangehörige gegen die Beschlagnahme vorzugehen. Sie beschwerten sich bei hochrangigen Persönlichkeiten und organisierten beim Bayerischen Landesamt fĂŒr Denkmalpflege eine BestĂ€tigung fĂŒr den kulturellen Wert des Hauses. Trotz Hilfestellungen seitens des Kommissars fĂŒr rassisch Verfolgte, Hermann Aumer, und des bayerischen Innenministers, Josef Seifried, gab es am 30. Dezember 1945 einen weiteren Versuch einer jĂŒdischen Hilfsorganisation, das Haus zu beschlagnahmen. Die Hausbewohner hatten jedoch bei den amerikanischen Besatzern erwirkt, dass sie „Off Limits“-Schilder an den EingangstĂŒren anbringen durften und konnten die Interessenten so abwehren. Auch einen weiteren Versuch im Februar 1946, das Haus zu beschlagnahmen, konnte Georgiis Schwiegersohn Franz Treppesch abwenden, indem er sich an den bayerischen MinisterprĂ€sidenten Wilhelm Hoegner wandte. Treppesch sagte außerdem aus, dass Dietrich von Hildebrand, der mittlerweile US-amerikanischer StaatsbĂŒrger war, Anspruch auf das Haus anmelden wolle. Diese Aussage scheint ausschlaggebend dafĂŒr gewesen zu sein, dass die Behörden von einer Beschlagnahme absahen.[35]

Nachdem Wilhelm Nida-RĂŒmelin sich 1945 das Leben genommen hatte, bezog sein Sohn Rolf das große Atelier und wohnte zusammen mit seiner Frau Margret und den Kindern Martine und Julian im Hildebrandhaus. Das Ehepaar lud zu Diskussionen ĂŒber verschiedenste kulturelle Themen ins Hildebrandhaus ein. Bald fanden auch Seminare der Akademie der bildenden KĂŒnste im Haus statt, und Wolfgang Ruoff unterrichtete dort einen Teil seiner SchĂŒler. Weitere Bewohner waren weiterhin Theodor Georgii, Rosl Schmid und der Bildhauer Martin Mayer. Dies alles fĂŒhrte dazu, dass das Hildebrandhaus wieder zu einem Ort der Begegnung fĂŒr MĂŒnchner KĂŒnstlerinnen und KĂŒnstler wurde. An diese Zeit erinnert sich Julian Nida-RĂŒmelin:

Im Haus werkten zwei alte Herren: im oberen Stock in einem kleineren Atelier ein KĂŒnstler, dessen Name ich als „Herr Fritz“ in Erinnerung habe, meist in kurzen Lederhosen, sowie Theodor Georgii (1883–1963), ein baumlanger ernster Bildhauer und Schwiegersohn Adolf von Hildebrands, der als sein wichtigster SchĂŒler gilt. SpĂ€ter kam der damals noch junge KĂŒnstler Martin Mayer (1931–2022) als unmittelbarer Ateliernachbar meines Vaters hinzu. Ich erinnere mich an Silvie Treppesch, eine Nenntante unserer Familie, Tochter von Georgii, erzkatholisch wie auch der wĂ€hrend der NS-Zeit in die USA emigrierte Sohn Dietrich von Hildebrand (1889–1977). Der phĂ€nomenologische Philosoph hatte die KĂŒnstlervilla nach dem Tod seines Vaters 1921 zu einem Zentrum katholischer und philosophischer IntellektualitĂ€t gemacht. HĂ€ufig waren die KlavierĂŒbungen der Pianistin Rosl Schmid (1911–1978) zu hören, eine energische Dame, die bei Problemen regelmĂ€ĂŸig zu meinem Vater eilte, der den Ruf hatte, alles Handwerkliche oder Technische im Haus rasch in Ordnung bringen zu können. Ich erinnere eine alleinstehende Dame mit einer Tochter mit Trisomie, die mit uns regelmĂ€ĂŸig spielte, an die Familie Fickenscher, die die schönste Wohnung im Hildebrandhaus mit der großen Terrasse und dem Garten zu den Isaranlagen bewohnte, in der ich in der kurzen und wenig erfolgreichen Zeit meines Spinetunterrichts am FlĂŒgel ĂŒben dufte, der in unserer Wohnung auch in der Schrumpfform eines Klaviers keinen Platz gehabt hĂ€tte, auch an die Musikerfamilie Ruoff.[36]

1946 ĂŒbernahm das Bayerische Landesamt fĂŒr Vermögensverwaltung und Wiedergutmachung das Hildebrandhaus, TreuhĂ€nder wurde OberfinanzprĂ€sident Alexander Prugger.

Nachdem Rosa und Elisabeth Braun 1947 bzw. 1948 offiziell fĂŒr tot erklĂ€rt worden waren, wurde das Testament von Elisabeth Braun beim Amtsgericht MĂŒnchen eröffnet. Als Alleinerbin wurde die Evangelisch-Lutherische Kirche festgestellt.[37]

Die evangelische Kirche ließ die bisherigen Mieter, darunter die KĂŒnstler im Haus. Eine eigene Nutzung hat das Landeskirchenamt nie entwickelt. 1965 entschloss sie sich zum Verkauf des Hildebrandhauses. Als GrĂŒnde werden genannt, dass der erhoffte Verkaufserlös fĂŒr den Kauf von Wohnungen fĂŒr Kirchenmitarbeiter und ein GebĂ€ude als neuen Sitz des Landeskirchenrats verwendet werden sollte. Drei Interessenten hatten sehr unterschiedliche PlĂ€ne fĂŒr das Hildebrandhaus. Hans Joachim Ziersch wollte das Haus wegen seiner kĂŒnstlerischen Vergangenheit erhalten und als Kulturzentrum oder als Sozialeinrichtung fĂŒr Kinder nutzen. Gleichzeitig rettete er mit dem Stuck-Jugendstil-Verein die nahegelegene Villa Stuck. Das Kultusministerium bot an, das GebĂ€ude zu kaufen oder gegen ein GrundstĂŒck zu tauschen, an dem die Kirche ein Interesse hatte. Der dritte Interessent war der Immobilienunternehmer Edgar Heckelmann von der Deutschen Wohnbau (DEBA). Er erklĂ€rte im Rahmen der Verkaufsverhandlungen, dass er die Villa erhalten wollte und bot der Kirche an, Studentenwohnungen fĂŒr Theologiestudenten darin einzurichten.

Nach dem Zuschlag an Heckelmann im Jahr 1967 fĂŒr 650.000 DM entschloss sich dieser fĂŒr den Abriss. Sein Architekt Ernst Maria Lang hatte Hausschwamm und Mauersalpeter im GebĂ€ude gefunden und Heckelmann hielt eine Sanierung fĂŒr nicht angemessen. Lang erklĂ€rte, das Hildebrandhaus stelle „keinen lebendigen Beitrag zur Erhaltung des GedĂ€chtnisses an Hildebrand“ mehr dar.[38] Der Bauausschuss der Stadt MĂŒnchen lehnte Anfang 1969 einen Abriss ab, woraufhin die DEBA das GebĂ€ude fĂŒr 1,6 Millionen DM im Sommer 1969 an den Immobilienzweig der Augsburger Messerschmitt AG weiterverkaufte.[39]

Gegen den Abriss erhoben sich Proteste von DenkmalschĂŒtzern und Kunsthistorikern, auch die Mitglieder der Familie Hildebrand setzten sich fĂŒr den Erhalt ein. Nicht zuletzt die noch im Haus verbliebenen KĂŒnstler mobilisierten Politik und Öffentlichkeit. Anfang 1970 erhob die inzwischen in Raulino Treuhand umfirmierte Messerschmitt AG Klage auf Erteilung einer Abrissgenehmigung. Erstaunlicherweise beteiligte sich Edgar Heckelmann jetzt in einer Koalition aus DenkmalschĂŒtzern als „Verein zur Erhaltung des Hildebrandhauses“, die von ihm zusammen mit Hans Joachim Ziersch und dem Hildebrand-Enkel Wolfgang Braunfels gefĂŒhrt wurde. Sie wollten das GebĂ€ude mit eigenem Geld und Mitteln aus der Kulturförderung erwerben. Heckelmann rĂ€umte seine Mitschuld an der Situation ein und wollte umfangreiche Mittel zum RĂŒckkauf des Hauses bereitstellen.[38]

Rettung des Hildebrandhauses, dokumentiert in der Dauerausstellung der Monacensia, 2024

Die Gerichte entschieden in erster und zweiter Instanz fĂŒr den EigentĂŒmer Raulino Treuhand, ein Denkmalschutzgesetz gab es noch nicht. Da berief sich die Stadt MĂŒnchen auf Initiative des stĂ€dtischen Rechtsrats Walter Grasser auf das NS-Gesetz ĂŒber die Enteignung aus GrĂŒnden des Gemeinwohls, das 1933 erlassen und 1945 nicht aufgehoben worden war. Gemeinwohl war im Gesetz nicht nĂ€her definiert, so dass die Stadt sich darauf berief, dass entsprechend einem inzwischen gewandelten öffentlichen Bewusstsein inzwischen Denkmalschutz darunter fallen wĂŒrde.[40] Julian Nida-RĂŒmelin spricht im RĂŒckblick von der Vielzahl an BĂŒrgern, Journalisten und Politikern sowie den verbliebenen Bewohnern des Hauses, die sich gemeinsam fĂŒr den Erhalt einsetzten.[41] Auch Heckelmann ließ seine Kontakte zur CSU spielen und im Juli 1971 beschloss die Bayerische Staatsregierung entsprechend dem Gesetz die Enteignung. Eine dagegen gerichtete Klage der Raulino Treuhand wies der Bayerische Verwaltungsgerichtshof im November 1971 ab. Raulino plante, gegen die Entscheidung in Revision vor dem Bundesverwaltungsgericht zu gehen. In kĂŒrzester Zeit verabschiedete deshalb der nur wenige 100 m vom Hildebrandhaus entfernte Bayerische Landtag ein seit langem diskutiertes und eigentlich noch nicht zu Ende beratenes Bayerisches Denkmalschutzgesetz, das am 1. Oktober 1973 in Kraft trat. Das Hildebrandhaus war das erste GebĂ€ude, auf das das neue Gesetz angewandt wurde. In der Zwischenzeit war einerseits das GebĂ€ude mangels Unterhaltsmaßnahmen weiter verfallen, andererseits stiegen die GrundstĂŒckspreise in Bogenhausen enorm an. Als EntschĂ€digung der EigentĂŒmer bezahlte der bayerische Denkmalfonds schließlich 2,5 Millionen DM, weit mehr als ein Ankauf einige Jahre frĂŒher gekostet hĂ€tte. Der Freistaat ĂŒbertrug das GebĂ€ude anschließend am 31. Juli 1974 der Stadt MĂŒnchen fĂŒr die kulturelle Nutzung.[38]

Die evangelische Landeskirche in Bayern war im Nachhinein mit ihrer Rolle in den Verfahren nicht zufrieden. Sie entschloss sich, den Erlös aus dem Verkauf nicht in MĂŒnchner Immobilien einzusetzen, sondern einen „Sonderfond Elisabeth Braun“ zu schaffen. Daraus werden Begegnungen von Christen und Juden sowie ein Altenheim im israelischen Haifa gefördert.[31]

Nach einer Renovierung von 1974 bis 1977 fĂŒr knapp 2,5 Mio. DM eröffnete das MĂŒnchner Literaturarchiv Monacensia am 19. Oktober 1977 im Hildebrandhaus. Das große Atelier war der Lesesaal, im kleinen Atelier standen die Kataloge.[42] Im Zuge der Planungen fĂŒr das MĂŒnchner Kulturzentrum Gasteig, das 1984/85 eröffnet wurde, stellte sich die Frage, ob die Monacensia in die neue, nur einige hundert Meter entfernte, Zentrale der MĂŒnchner Stadtbibliothek umziehen solle. Das Hildebrandhaus hĂ€tte dann Ateliers fĂŒr bildende KĂŒnstler und Wohnraum fĂŒr Stipendiaten bieten können. Dazu kam es nicht, die Monacensia blieb im Hildebrandhaus.[41]

Eine weitere Sanierung fand 2013 bis 2016 statt. Seitdem steht das große Atelier fĂŒr Veranstaltungen zur VerfĂŒgung, in den beiden kleinen Ateliers werden Ausstellungen ĂŒber die Geschichte des Hauses und die Zeit von Adolf von Hildebrand gezeigt. Die RĂ€ume im ersten Stock sind Bibliothek und Archiv, unter dem Dach befinden sich BĂŒros und ein Arbeitsraum fĂŒr Wissenschaftler. Die ArchivbestĂ€nde sind weitgehend im Keller untergebracht, als Buchmagazin dienen die Keller des Gasteigs.

Bronzefigur „Junge JĂ€gerin“ von Adolf von Hildebrand im Garten des Hildebrandhauses
  • Enno Burmeister, Christine Hoh-Slodczyk: Das Hildebrandhaus in MĂŒnchen: Sein Erbauer – Seine Bewohner. Hugendubel 1981, ISBN 3-88034-066-8
  • KĂŒnstlertreffpunkt Hildebrandhaus Maria-Theresia-Straße 23, in Rudolf Reiser: Alte HĂ€user-Große Namen:MĂŒnchen, 2. ĂŒberarb. Aufl., MĂŒnchen: Bruckmann, 1988, ISBN 3-7654-2187-1, S. 251–255.
  • Wolfgang Kehr, Ernst Rebel: Zwischen Welten: Adolf von Hildebrand (1847 bis 1921) – Person, Haus und Wirkung. A1 Verlag 1998, ISBN 3-927743-39-9
  • Christiane Kuller, Maximilian Schreiber: Das Hildebrandhaus – Eine MĂŒnchner KĂŒnstlervilla und ihre Bewohner in der Zeit des Nationalsozialismus. Allitera Verlag 2006, ISBN 978-3-86520-130-0
Commons: Hildebrandhaus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. ↑ Liste der BaudenkmĂ€ler in Bogenhausen: D-1-62-000-6516
  2. ↑ AusfĂŒhrliche Baubeschreibung bei: Christine Hoh-Slodczyk: Das Hildebrandhaus, In: Enno Burmeister, Christine Hoh-Slodczyk (Hrsg.): Das Hildebrandhaus in MĂŒnchen: Sein Erbauer – Seine Bewohner. Hugendubel 1981, ISBN 3-88034-066-8, S. 37–61, 48ff.
  3. ↑ Christine Hoh-Slodczyk: Das Haus des KĂŒnstlers im 19. Jahrhundert. Prestel 1985, ISBN 3-7913-0734-7, S. 127
  4. ↑ Christine Hoh-Slodczyk: Das Haus des KĂŒnstlers im 19. Jahrhundert. Prestel 1985, ISBN 3-7913-0734-7, S. 128
  5. ↑ Enno Burmeister, Christine Hoh-Slodczyk 1981, S. 19
  6. ↑ Enno Burmeister, Christine Hoh-Slodczyk 1981, S. 22
  7. ↑ Enno Burmeister, Christine Hoh-Slodczyk 1981, S. 28–32, 137
  8. ↑ Christine Hoh-Slodczyk: Das Haus des KĂŒnstlers im 19. Jahrhundert. Prestel 1985, ISBN 3-7913-0734-7, S. 9f
  9. ↑ Christine Hoh-Slodczyk: Das Haus des KĂŒnstlers im 19. Jahrhundert. Prestel 1985, ISBN 3-7913-0734-7, S. 26
  10. ↑ Christine Hoh-Slodczyk: Das Haus des KĂŒnstlers im 19. Jahrhundert. Prestel 1985, ISBN 3-7913-0734-7, S. 50
  11. ↑ Christine Hoh-Slodczyk: Das Haus des KĂŒnstlers im 19. Jahrhundert. Prestel 1985, ISBN 3-7913-0734-7, S. 122
  12. ↑ Dorle Gribl: Prominenz in Bogenhausen. Volk Verlag 2009, ISBN 978-3-937200-61-3, S. 114
  13. ↑ Wolfgang Kehr, Ernst Rebel: Zwischen Welten: Adolf von Hildebrand (1847 bis 1921) – Person, Haus und Wirkung. A1 Verlag 1998, ISBN 3-927743-39-9, S. 17 f.
  14. ↑ Christine Hoh-Slodczyk: Das Hildebrandhaus, In: Enno Burmeister, Christine Hoh-Slodczyk (Hrsg.): Das Hildebrandhaus in MĂŒnchen: Sein Erbauer – Seine Bewohner. Hugendubel 1981, ISBN 3-88034-066-8, S. 37–61, 40
  15. ↑ Christine Hoh-Slodczyk: Das Haus des KĂŒnstlers im 19. Jahrhundert. Prestel 1985, ISBN 3-7913-0734-7, S. 122–128
  16. ↑ Hildebrand schon 1893, zitiert nach Christine Hoh-Slodczyk: Das Haus des KĂŒnstlers im 19. Jahrhundert. Prestel 1985, ISBN 3-7913-0734-7, S. 123
  17. ↑ Christine Hoh-Slodczyk: Das Hildebrandhaus, In: Enno Burmeister, Christine Hoh-Slodczyk (Hrsg.): Das Hildebrandhaus in MĂŒnchen: Sein Erbauer – Seine Bewohner. Hugendubel 1981, ISBN 3-88034-066-8, S. 37–61, 50
  18. ↑ Wolfgang Kehr, Ernst Rebel: Zwischen Welten: Adolf von Hildebrand (1847 bis 1921) – Person, Haus und Wirkung. A1 Verlag 1998, ISBN 3-927743-39-9, S. 29
  19. ↑ Christine Hoh-Slodczyk: Das Haus des KĂŒnstlers im 19. Jahrhundert. Prestel 1985, ISBN 3-7913-0734-7, S. 126, 169
  20. ↑ Christiane Kuller, Maximilian Schreiber: Das Hildebrandhaus – Eine MĂŒnchner KĂŒnstlervilla und ihre Bewohner in der Zeit des Nationalsozialismus. Allitera Verlag 2006, ISBN 978-3-86520-130-0, S. 154–156
  21. ↑ Enno Burmeister: Die Restaurierung: Entwicklung eines Konzeptes und DurchfĂŒhrung der Maßnahme. In: Enno Burmeister, Christine Hoh-Slodczyk (Hrsg.): Das Hildebrandhaus in MĂŒnchen: Sein Erbauer – Seine Bewohner. Hugendubel 1981, ISBN 3-88034-066-8, S. 100–108
  22. ↑ Enno Burmeister, Christine Hoh-Slodczyk: Das Hildebrandhaus in MĂŒnchen: Sein Erbauer – Seine Bewohner. Hugendubel 1981, ISBN 3-88034-066-8, S. 70 f.
  23. ↑ Wolfgang Kehr, Ernst Rebel: Zwischen Welten: Adolf von Hildebrand (1847 bis 1921) – Person, Haus und Wirkung. A1 Verlag 1998, ISBN 3-927743-39-9. S. 34
  24. ↑ Enno Burmeister, Christine Hoh-Slodczyk: Das Hildebrandhaus in MĂŒnchen: Sein Erbauer – Seine Bewohner. Hugendubel 1981, ISBN 3-88034-066-8, S. 72, 84
  25. ↑ Wolfgang Kehr, Ernst Rebel: Zwischen Welten: Adolf von Hildebrand (1847 bis 1921) – Person, Haus und Wirkung. A1 Verlag 1998, ISBN 3-927743-39-9. S. 69 ff, 71
  26. ↑ Wolfgang Kehr, Ernst Rebel: Zwischen Welten: Adolf von Hildebrand (1847 bis 1921) – Person, Haus und Wirkung. A1 Verlag 1998, ISBN 3-927743-39-9. S. 47
  27. ↑ Dorle Gribl: Prominenz in Bogenhausen. Volk Verlag 2009, ISBN 978-3-937200-61-3, S. 77–79
  28. ↑ Christiane Kuller, Maximilian Schreiber: Das Hildebrandhaus – Eine MĂŒnchner KĂŒnstlervilla und ihre Bewohner in der Zeit des Nationalsozialismus. Allitera Verlag 2006, ISBN 978-3-86520-130-0, S. 30, 46, 56, 62ff.
  29. ↑ Christiane Kuller, Maximilian Schreiber: Das Hildebrandhaus – Eine MĂŒnchner KĂŒnstlervilla und ihre Bewohner in der Zeit des Nationalsozialismus. Allitera Verlag 2006, ISBN 978-3-86520-130-0, S. 116 f.
  30. ↑ Christiane Kuller, Maximilian Schreiber: Das Hildebrandhaus – Eine MĂŒnchner KĂŒnstlervilla und ihre Bewohner in der Zeit des Nationalsozialismus. Allitera Verlag 2006, ISBN 978-3-86520-130-0, S. 64
  31. 1 2 Forschungsstelle fĂŒr kirchliche Zeitgeschichte: Elisabeth Braun: Unterkunft fĂŒr Verfolgte
  32. ↑ Christiane Kuller, Maximilian Schreiber: Das Hildebrandhaus – Eine MĂŒnchner KĂŒnstlervilla und ihre Bewohner in der Zeit des Nationalsozialismus. Allitera Verlag 2006, ISBN 978-3-86520-130-0, S. 123
  33. ↑ Christine Kuller, Maximilian Schreiber: Das Hildebrandhaus. Hrsg.: Monacensia Literaturarchiv und Bibliothek, Dr. Elisabeth Tworek. Allitera Verlag, MĂŒnchen 2006, ISBN 978-3-86520-130-0, S. 119–123.
  34. ↑ Christiane Kuller, Maximilian Schreiber: Das Hildebrandhaus – Eine MĂŒnchner KĂŒnstlervilla und ihre Bewohner in der Zeit des Nationalsozialismus. Allitera Verlag 2006, ISBN 978-3-86520-130-0, S. 127–132
  35. ↑ Christiane Kuller, Maximilian Schreiber: Das Hildebrandhaus – Eine MĂŒnchner KĂŒnstlervilla und ihre Bewohner in der Zeit des Nationalsozialismus. Allitera Verlag 2006, ISBN 978-3-86520-130-0, S. 129
  36. ↑ Julian Nida-RĂŒmelin: Julian Nida-RĂŒmelin: Eine Jugend im Hildebrandhaus. In: MonMag – Blog der Monacensia. Monacensia im Hildebrandhaus (Stadtbibliothek MĂŒnchen), 20. Oktober 2024, abgerufen am 20. Juni 2025.
  37. ↑ Christiane Kuller, Maximilian Schreiber: Das Hildebrandhaus – Eine MĂŒnchner KĂŒnstlervilla und ihre Bewohner in der Zeit des Nationalsozialismus. Allitera Verlag 2006, ISBN 978-3-86520-130-0, S. 133–139
  38. 1 2 3 Christiane Kuller, Maximilian Schreiber: Das Hildebrandhaus – Eine MĂŒnchner KĂŒnstlervilla und ihre Bewohner in der Zeit des Nationalsozialismus. Allitera Verlag 2006, ISBN 978-3-86520-130-0, S. 140–153
  39. ↑ Elisabeth MĂŒller: Das Denkmal vor Gericht. Streit um das MĂŒnchner Hildebrand-Haus. In: Die Zeit. Nr. 11/1970, 13. MĂ€rz 1970 (online auf Zeit Online).
  40. ↑ Walter Grasser, Hans J. Ziersch: Die juristischen Aspekte der Erhaltung des Hildebrandhauses. In: Enno Burmeister, Christine Hoh-Slodczyk: Das Hildebrandhaus in MĂŒnchen: Sein Erbauer – Seine Bewohner. Hugendubel 1981, ISBN 3-88034-066-8. S. 95–99
  41. 1 2 Julian Nida-RĂŒmelin: Nachwort. In: Wolfgang Kehr, Ernst Rebel: Zwischen Welten: Adolf von Hildebrand (1847 bis 1921) – Person, Haus und Wirkung. A1 Verlag 1998, ISBN 3-927743-39-9. S. 139–143
  42. ↑ Christiane Kuller, Maximilian Schreiber: Das Hildebrandhaus – Eine MĂŒnchner KĂŒnstlervilla und ihre Bewohner in der Zeit des Nationalsozialismus. Allitera Verlag 2006, ISBN 978-3-86520-130-0, S. 154–159