Heinkel Tourist
| Heinkel | |
|---|---|
Heinkel Tourist 103 A1 | |
| Tourist | |
| Hersteller | Ernst Heinkel AG, Stuttgart |
| Verkaufsbezeichnung | 101Â A0 / 102Â A1 / 103Â A0 / 103Â A1 / 103Â A2 |
| Produktionszeitraum | 1953 bis 1965 |
| Klasse | Motorroller |
| Motordaten | |



Der Heinkel Tourist ist ein Motorroller, den die Ernst Heinkel AG, Stuttgart von 1953[1] bis 1965 herstellte. Reinhard Lintelmann nennt in seinem Buch Die Motorroller und Kleinwagen der fĂŒnfziger Jahre âJanuar 1954â als Produktionsbeginn.[2]
Technik
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Als einziger deutscher Motorroller seiner Zeit war der Heinkel Tourist mit einem Viertaktmotor ausgestattet. Im 101 A0 hatte der luftgekĂŒhlte Einzylindermotor einen Hubraum von 149 cmÂł und leistete 7,2 PS bei 5200/min. Im 102 A1 wurde der Hubraum auf 174 cmÂł erhöht, wodurch die Motorleistung auf 9,2 PS bei 5500/min stieg. AuĂerdem erhielt mit diesem Modell jeder Roller einen Elektrostarter. 103 A1 und A2 erreichten mit diesem Motor 9,5 PS bei 5750/min. Der Verbrauch blieb bei weniger als 3 Liter Benzin auf 100 km. In Kombination mit dem Viergang-Klauengetriebe mit Handschaltung, das mit dem 103 A0 eingefĂŒhrt wurde (vorher Dreigang), erreichte er eine Höchstgeschwindigkeit von 95 km/h (mit einem Plexiglas-Brustschild ĂŒber 100 km/h).
Der Typ 103 A1 (Ende 1957) bekam als wichtigste technische Verbesserung eine Dreipunktgummilagerung fĂŒr den Motor. ĂuĂerlich ist er an dem Schalenlenker mit integriertem Tachometer zu erkennen, ohne die vorher serienmĂ€Ăige Zeituhr. 1960 brachte Heinkel mit dem 103 A2 die letzte Variante des Tourist heraus, mit elegantem âLangheckâ, integrierter breiter Schlussleuchte und serienmĂ€Ăiger Blinkanlage.
Zur serienmĂ€Ăigen Ausstattung des Heinkel Tourist gehörten von Anfang an ein vorklappbarer BuggepĂ€cktrĂ€ger ĂŒber dem Scheinwerfer und ein HeckgepĂ€cktrĂ€ger ĂŒber dem Reserverad.
Der Roller war als Autoersatz konstruiert und ĂŒberzeugte vor allem durch seine ZuverlĂ€ssigkeit und Robustheit. Der Viertaktmotor war in Kombination mit dem wartungsarmen, in Ăl laufenden Kettenantrieb nahezu unverwĂŒstlich. Mit einer LĂ€nge von wenig mehr als 2 Metern und der ausladenden Verkleidung hob sich der Heinkel Tourist deutlich von anderen Motorrollern seiner Zeit ab. Mit seiner hohen zulĂ€ssigen Zuladung von bis zu 200 kg je nach Modell und einer SteigfĂ€higkeit von 32 % im ersten Gang war er auch fĂŒr Urlaubsreisen ĂŒber die Alpen geeignet.
Beim Heinkel Tourist schwingt die Einarmschwinge, die zugleich Kettenkasten ist, um das Antriebskettenrad, so dass beim Ein-/Ausfedern keine Schwankungen der Kettenspannung entstehen. Anfangs waren Feder und DĂ€mpfer getrennt.[3]
Technische Daten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]| 101 A0 (1953) | 102 A1 (1955) | 103 A0 (1956) | 103 A1 (1957) | 103 A2 (1960) | |
|---|---|---|---|---|---|
| Motor | geblĂ€segekĂŒhlter Einzylinder-Viertaktmotor, Kickstarter; ab Juni 1954: wahlweise Elektrostarter |
geblĂ€segekĂŒhlter Einzylinder-Viertaktmotor, Elektrostarter | |||
| Ventilsteuerung | OHV-Ventilsteuerung | ||||
| Bohrung Ă Hub | 54,5 Ă 59 mm | 60 Ă 61,5 mm | |||
| Hubraum | 149 cmÂł | 174 cmÂł | |||
| Leistung | 7,2Â PS (5,3Â kW) bei 5200/min | 9,2Â PS (6,8Â kW) bei 5500/min | 9,5Â PS (7Â kW) bei 5750/min | ||
| Elektrische Anlage | 6 V | 12 V | |||
| Getriebe | 3-Gang mit Magura-Drehgriffschaltung | 4-Gang mit Drehgriffschaltung | |||
| Endantrieb | Kette (vollgekapselter Kettenkasten mit Ălbad) | ||||
| Rahmen | Stahlrohrrahmen | ||||
| MaĂe (L Ă B Ă H) | 1980 Ă 710 Ă 980 mm | 2060 Ă 710 Ă 1000 mm | 2085 Ă 710 Ă 1000 mm | 2020 Ă 710 Ă 1000 mm | |
| Radstand | 1330 mm | 1390 mm | 1370 mm | 1375 mm | 1380 mm |
| RadaufhĂ€ngung vorn | Teleskopgabel mit hydraulischen StoĂdĂ€mpfern | ||||
| RadaufhĂ€ngung hinten | Einarmschwinge (als Kettenkasten ausgebildet), Federbein mit hydraulischem TeleskopstoĂdĂ€mpfer | ||||
| Bereifung vorn | 4.00 Ă 8âł | 4.00 Ă 10âł | |||
| Bereifung hinten | |||||
| Bremsen | Trommelbremsen vorn/hinten | ||||
| Leergewicht | 129 kg | 133 kg | 152 kg | 156 kg | 148 kg |
| Tankinhalt | ca. 11,5 Liter | ||||
| Höchstgeschwindigkeit | ca. 85 km/h | ca. 95 km/h | |||
| Preis | 1790 DM | 1890 DM | 1790 DM | 1890 DM | 1925 DM |
Modellgeschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die meisten Produktionsanlagen der Ernst Heinkel AG (Rostock) demontiert. Zum Neubeginn ab 1950 produzierten die Heinkel-Werke in Stuttgart zunÀchst Motoren und ab 1952 ein Moped mit eigenem Zweitaktmotor.[4] Ab 1953 wurde der Heinkel Tourist gebaut, 1954 die Produktion ins neue Werk nach Karlsruhe verlegt, wo er bis Ende 1965 hergestellt wurde.
Er wurde in den frĂŒhen Jahren des deutschen Wirtschaftswunders zu einem beliebten Fortbewegungsmittel. Wer sich noch kein Auto leisten konnte, aber weder einen der ĂŒblichen Zweitakt-Roller noch ein Moped oder ein Motorrad fahren wollte, entschied sich hĂ€ufig fĂŒr einen Heinkel Tourist.
Die Deutsche Bundespost erwarb etwa 100 Fahrzeuge unter anderem fĂŒr die Zustellung von Telegrammen.
Von den mehr als 160.000 produzierten Heinkel Tourist waren 2015 in Deutschland noch mehr als 7000 zugelassen. Da es auf dem deutschen Markt nur noch wenige aktive Hersteller fĂŒr Motorroller gibt, ist die Marke Heinkel damit nach wie vor eine der hĂ€ufigsten in Deutschland.
1955 erweiterten die Heinkel-Werke in dem zugekauften FabrikgebĂ€ude in Speyer das Sortiment um drei-, spĂ€ter vierrĂ€drige Rollermobile (âKabine 153â und âKabine 154â) sowie das verbesserte Moped âPerleâ. 1956 wurde zusĂ€tzlich ein kleiner Roller mit 125-cmÂł-Viertaktmotor vorgestellt, der jedoch nicht in Serie ging. Nur fĂŒnf StĂŒck sollen gebaut worden sein.[2] Von 1962 bis 1964 bot Heinkel auĂerdem einen Zweitakt-Roller mit der Bezeichnung âHeinkel 150â an.[5]
Bilder
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Heinkel Tourist 103 A0 (Baujahr 1956)
- Heinkel Tourist 103 A1 mit Schalenlenker
Konkurrenzmodell
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Dieter Lammersdorf: Heinkel Tourist â Perle â Kabine 1953â1965. Schrader, Stuttgart 2001, ISBN 3-613-87220-X. Umfang 95 S.
- Dieter Lammersdorf: Heinkel Roller â Moped â Kabine. Kleine Vennekate, Lemgo 2007, ISBN 978-3-935517-32-4. Umfang 137 S.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- â Heinkel-Club. Abgerufen am 23. November 2022.
- 1 2 Reinhard Lintelmann: Die Motorroller und Kleinwagen der fĂŒnfziger Jahre. 3. Auflage, Verlag Walter Podszun, Brilon 1995, ISBN 3-86133-136-5, S. 66â69.
- â GĂŒnter Winkler in: Hans Trzebiatowsky (Hrsg.): MotorrĂ€der, Motorroller, Mopeds und ihre Instandhaltung. Pfanneberg, GieĂen 1955. S. 698, 708
- â Erwin Tragatsch: MotorrĂ€der ⊠1894â1971. Motorbuchverlag, Stuttgart, 2. Auflage 1971, S. 140.
- â âHeinkel 150â mit Zweitaktmotor. In: Kraftfahrzeugtechnik 5/1962, S. 209.