Hafenofen

Ein Hafenofen ist ein Ofen, der in GlashĂŒtten zum Schmelzen von Glas verwendet wird. Der Name leitet sich von den als HĂ€fen bezeichneten GefĂ€Ăen ab, in denen sich das geschmolzene Glas befindet, und unterscheidet sich damit von Tageswannen. Hafenöfen werden benutzt, um kleine Mengen Glas herzustellen, wie Kunstglas, Farbglas, Mundglas oder SpezialglĂ€ser. Da ein Ofen mehrere HĂ€fen enthĂ€lt, können verschiedene GlĂ€ser gleichzeitig erschmolzen werden.
Betrieb
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Gegensatz zum Wannenofen, der kontinuierlich arbeitet, werden Hafenöfen in Tagesschichten diskontinuierlich betrieben. Der Hafenofen wird kontinuierlich auf Temperatur gehalten. Einschmelzen und Verarbeitung sind hingegen diskontinuierlich. Das Gemenge wird in den Hafen eingelegt (Beschickung) und bei hoher Temperatur eingeschmolzen (Rauschmelze), darauf folgt die LĂ€uterung (Blankschmelze), wobei der Ofen auf Maximaltemperatur gebracht wird. In der anschlieĂenden Abstehphase kĂŒhlt das Glas auf die geringere VerarbeitungsÂtemperatur ab und wird schlieĂlich zur Verarbeitung mit einer Glasmacherpfeife oder durch spezielle Schöpfkellen an Arbeitsöffnungen entnommen.
Aufgrund ineffizienter Energienutzung und der aufwendigen Handhabung der HÀfen werden Hafenöfen zunehmend durch Kleinstwannenöfen verdrÀngt.
Aufbau
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Man unterscheidet Zellenöfen mit 1 oder 2 HĂ€fen (Studioglasofen), Rundöfen bis 7 HĂ€fen und BĂŒttenöfen mit bis zu 16 HĂ€fen. Sie werden meist mit Erdgas befeuert; kleine Ăfen können auch elektrisch beheizt sein.
FĂŒr die Herstellung von Bleiglas werden, speziell in Frankreich und England, auch gedeckte HĂ€fen verwendet.
Schmelzhafen
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Der Schmelzhafen wird ĂŒblich als Hafen bezeichnet. Die meist aus Schamotte oder feuerfestem Ton hergestellten GlasschmelzgefĂ€Ăe (HĂ€fen) haben heute einen Durchmesser von bis zu einem Meter und Höhen von 0,3 bis 1 Meter. Sie stehen in einem beheizten, feuerfest ummauerten Ofenraum, der fĂŒr jeden Hafen ein Ofentor hat, durch das Glas zum Bearbeiten entnommen wird, sowie ein Hafentor, durch das der Hafen ausgetauscht werden kann.
Durch die hohe, stark wechselnde thermische Beanspruchung verschleiĂen die HĂ€fen relativ schnell â die typische Lebensdauer betrĂ€gt 50â100 Schmelzen entsprechend 10 Wochen bis zu einem Jahr je nach Benutzung. Wenn die Wanddicke des Hafen nach dieser Zeit dann zu dĂŒnn geworden ist, beginnt der Prozess des Hafenwechsels. Er dauert mit allen Vorbereitungen bis zu 7 Tage.
Es beginnt damit, den neuen Hafen zu setzen, das heiĂt, ihn in einen speziellen Hafentemperofen einzufahren. Dieser Temperofen unterscheidet sich vom normalen Schmelzofen hauptsĂ€chlich dadurch, dass die Flamme nie direkt den Hafen berĂŒhrt, sondern durch ein System aus Leitungen und SchĂ€chten den Hafen indirekt aufheizt. Das ist unerlĂ€sslich fĂŒr das Tempern, das sehr sorgfĂ€ltig, langsam und genau durchgefĂŒhrt werden muss. Dieses langsame Aufheizen bis zur Endtemperatur von 1200 °C wird mit verschiedenen Steigungsraten von 3 °C/h bis 15 °C/h ĂŒber einen Zeitraum von 5â8 Tagen durchgefĂŒhrt. Somit wird eine gleichmĂ€Ăige Temperaturverteilung um den Hafen herum und im Hafenkörper selbst erzielt. Ansonsten können Risse entstehen, welche den Hafen unbrauchbar machen wĂŒrden.
Danach wird der aufgeheizte und fertig gesinterte Hafen mit einem Metallwagen durch das Hafentor in den eigentlichen Glasschmelzofen gefahren. Dabei ist eine schnelle, starke AbkĂŒhlung zu vermeiden. Dies wird etwa verursacht durch Zugluft. Dies kann durch Rissbildung, wie ebenfalls beim zu schnellen Aufheizen, am Hafen einen irreparablen Schaden verursachen. Im Extremfall kann dadurch der Hafen auseinanderbrechen.
Befindet sich der Hafen im Schmelzofen, so wird das Hafentor wieder verschlossen und es beginnt die erste Schmelze im Hafen, die sogenannte Jungfernschmelze. Sie besteht nur aus Altscherben, da die Einlage von Gemenge den noch unglasierten Hafen thermochemisch stark angreifen wĂŒrde. Die so entstehende Glasur schĂŒtzt den Hafen vor dem Angriff des Gemenges und damit vor vorzeitiger Korrosion.[1][2] Ein Teil des flĂŒssigen Glases der Jungfernschmelze wird ĂŒber den Hafenrand geschöpft um auch diesen zu glasieren. Diese Schmelze dauert in der Regel 12 Stunden.
In Deutschland fertigt die Firma Fastner[3] aus Arzberg SchmelzhÀfen.[4]
Geschichte der HĂ€fen Aus der FrĂŒhzeit der Glaserzeugung fanden sich GefĂ€Ăe zum Schmelzen in Ăgypten. Sie waren aus Nilschlamm gefertigt und hatten mit etwa 15 cm Durchmesser und einer Höhe von etwa 10 cm nur geringe AusmaĂe. In römischer Zeit wurden als HĂ€fen zum Teil hohe SchĂŒsseln oder Töpfe mit eingezogenem Rand in der Art von KochgefĂ€Ăen verwendet, die fĂŒr das römische[5] Kalk-Soda-Glas unter 1100 Grad, ausreichend feuerfest waren. Im Mittelalter waren bei der Erzeugung von Holzascheglas,[5] das Schmelztemperaturen von ĂŒber 1200 Grad erforderte, feuerfestere GlasschmelzgefĂ€Ăe erforderlich. In Norddeutschland wurden ab dem 16. Jahrhundert dafĂŒr Tone des Töpfer- und Glasmacherdorfes GroĂalmerode verwendet, die sich durch ihre Feuerfestigkeit auszeichneten.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Hans-Georg Stephan: GlasschmelzgefĂ€Ăe. GrundzĂŒge der Entwicklung von den AnfĂ€ngen im Alten Orient bis zur Neuzeit. In: GlashĂŒtten im GesprĂ€ch. Berichte und Materialien vom 2. Internationalen Symposium zur archĂ€ologischen Erforschung mittelalterlicher und frĂŒhneuzeitlicher GlashĂŒtten Europas. Hrsg.: Peter Steppuhn im Auftrag des Kulturkreises GlashĂŒtten e. V. LĂŒbeck 2003, ISBN 3-7950-0795-X.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- â SchmelzhĂ€fen. In: Heinrich August Pierer, Julius Löbe (Hrsg.): Universal-Lexikon der Gegenwart und Vergangenheit. 4. Auflage. Band 15: SĂ€ugethiereâSicilicus. Altenburg 1862, S. 317 (Digitalisat. zeno.org).
- â Schmelzhafen, m. In: Jacob Grimm, Wilhelm Grimm (Hrsg.): Deutsches Wörterbuch. Band 15: SchiefelnâSeele â (IX). S. Hirzel, Leipzig 1899, Sp. 1026 (woerterbuchnetz.de).
- â Glasschmelzhafenfabrik. Fastner & Co. GmbH, abgerufen am 15. Juni 2021.
- â Glasschmelzhafen aus Arzberg â Echte FuĂarbeit. (Video) In: BR Mediathek. Bayerischer Rundfunk, 6. MĂ€rz 2021.
- 1 2 Susanne Greiff: Chemische Analysen eines Glasensembles. In: Jahrbuch des Römisch-Germanischen Zentralmuseums Mainz. 51 Verlag des Römisch-Germanischen Zentralmuseums, Mainz, Nr. 1, 2004, ISSN 0076-2741, S. 376 (uni-heidelberg.de [PDF; abgerufen am 21. Februar 2022]).