George Gallion
George A. Gallion (* 1937 in Kentucky) ist ein US-amerikanischer Automobildesigner, der 1969 zu Opel kam, dort zum stellvertretenden Leiter der Designabteilung aufstieg und bis zu seinem Ruhestand im Jahr 2002 blieb. Er wird vor allem mit dem Entwurf fĂŒr den Manta A in Verbindung gebracht.
Kentucky
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]âAls 14-jĂ€hriger habe ich eigentlich Flugzeuge entworfen, das war meine Leidenschaft. Autos habe ich immer gezeichnet, weil ich keine Kamera hatte, um sie zu fotografieren.â
Es begann damit, dass Gallion als Kind Flugzeuge aus Balsaholz baute. Er kannte alle Flugzeuge und liebte Zeichnen. Da er unweit einer vielbefahren Bahnlinie wohnte, zeichnete er auch Lokomotiven, nur mangels NĂ€he zum Meer keine Schiffe.[2] Bei den Autos mochte er damals besonders die Karosserien von Ford, aber auch von Cadillac, nicht so sehr von Chrysler.[3]
Atlanta
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Nach Abschluss der Schule hĂ€tte Gallion gerne Industriedesign studiert, aber die bekannten Schulen dafĂŒr lagen ihm zu weit entfernt, nĂ€mlich in Kalifornien oder mit dem Pratt Institute in New York. So ging er nach Atlanta ans Georgia Institute of Technology, um Maschinenbau zu studieren. Dabei handelte es sich um eine Kombination aus abwechselnd drei Monate Studium und drei Monate IndustrietĂ€tigkeit, nĂ€mlich bei Ashland in der Valvoline-Motorölproduktion.
In der Architektur-Abteilung der Gorgia Tech gab es ein Produktdesign, aufgebaut vom ehemaligen Bauhaus-SchĂŒler Hin Bredendieck. Da die Architektur aber in einem entlegenen GebĂ€ude untergebracht war, erfuhr Gallion erst davon, als er sich in der Mitte des dritten Studienjahrs befand und ihm nur noch ein halbes Jahr zum Abschluss fehlte. Er wandte sich an Bredendiek, bekam seine bisherigen Leistungen angerechnet und musste nur noch Design-Kurse belegen, um in eineinhalb Jahren einen Bachelor of Science in Industrial Design zu bekommen. Dabei lernte er die Bauhaus-Prinzipien kennen. Als Abschlussarbeit wollte er ein Automobil entwerfen, was aber als zu kompliziert abgelehnt wurde, er solle besser etwas unaufwendigeres wie einen Plattenspieler wĂ€hlen. Ein erneuter Vorschlag, diesmal ein Taxi, fand aber Akzeptanz. So kreierte Gallion ein Modell im MaĂstab 1 : 10.[1][2]
Im Anschluss bewarb sich Gallion bei mehreren Unternehmen, darunter General Motors. Dort unterzukommen hielt er aber fĂŒr nahezu aussichtslos, da kein einziger GM-Designer von der Georgia Tech kam.[2]
Detroit
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Unerwartet erhielt Gallion eine Einladung von General Motors. Der Chef-Designer Chuck Jordan befand nĂ€mlich, es wĂ€re nicht gut, wenn alle Designer von den gleichen Hochschulen kĂ€men. Deswegen schuf er einen Kurs fĂŒr vier Absolventen von vier Hochschulen, die neun Monate lang unter Aufsicht EntwĂŒrfe zeichnen und alle drei Monate beurteilt werden sollten. Sie erhielten dabei keinen Zugang zu den Design-Studios. Als Vertreter der Georgia Tech wĂ€hlte man Gallion fĂŒr diesen Kurs aus.[2]
âSie suchten vier junge Designer, die völlig neue Ideen mitbringen. Einer davon war ich.â
Im Anschluss an die neun Monate erhielt Gallion einen Platz in den Studios von Buick. Dort gestaltete er zuerst einen KĂŒhlergrill, dann arbeitete er an dem Entwurf fĂŒr die zweite Generation des Buick Riviera maĂgeblich mit,[3] gefolgt vom Chevrolet Camaro des Modelljahrs 1970.[4]
SchlieĂlich bewarb sich Gallion fĂŒr ein Austauschprogramm. General Motors hatte erkannt, das es nicht ratsam ist, die Karosserien fĂŒr die Tochterunternehmen in Detroit zu gestalten, und deswegen bei Opel in RĂŒsselsheim, bei Holden in Australien und bei Vauxhall Motors in England moderne Design-Studios eingerichtet. Die Designer konnten fĂŒr drei Jahre in eins der Studios wechseln. Dabei wĂŒnschte sich Gallion einen Aufenthalt in Deutschland, da ihm die deutsche Design-Kultur durch Hin Bredendieck vertraut war und in besonderem MaĂe faszinierte.[2]
RĂŒsselsheim
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Als Gallion im Januar 1969 bei Opel begann, war man gerade mit dem Design des Opel Ascona A beschĂ€ftigt. Das zugehörige Projekt 1450 sollte ursprĂŒnglich den Nachfolger des Kadett B, nach Erscheinen des Ford Capri aber plötzlich eine etwas gröĂere Limousine ergeben. Zudem sollte das zugehörige CoupĂ© nun â wie bei Ford â eine eigenstĂ€ndige Karosserie erhalten. Das hĂ€tte der Leiter der Design-Abteilung Chuck Norden am liebsten selber gezeichnet, aber er konnte einen geplanten sechswöchigen Sommerurlaub mit seiner Familie nicht verschieben. So bekam Gallion im Sommer 1969 den Auftrag, binnen sechs Wochen ein Modell in OriginalgröĂe zu schaffen. Als Ausgangsbasis diente ein ursprĂŒnglich als Kadett gedachtes Modell mit dem Vorderwagen der Limousine, ein Entwurf von Gallions VorgĂ€nger Roy Hill, der nach England gewechselt war.[2]
Als Name fĂŒr das CoupĂ© stand unter anderem Corsa zur Diskussion, schlieĂlich entschied man sich fĂŒr Manta, da Tiernamen gerade fĂŒr Autos en Vogue waren, beispielsweise Mustang, Stingray, Impala oder Barracuda.[5][6] Gallion konnte aber kein Signet fĂŒr den Wagen zeichnen, da niemand wusste, wie ein Manta-Rochen aussieht. Nicht einmal das Senckenberg-Museum konnte eine brauchbare Abbildung liefern. So flog er nach Paris, um sich von Jacques-Yves Cousteau Filmaufnahmen vom Manta zeigen zu lassen. Nach mehreren Stunden sah er solch einen Fisch von unten im Gegenlicht aufgenommen, der die perfekte Silhouette fĂŒr ein Logo abgab.[7][6] Der Wagen erschien bereits im September 1970.
Gallion arbeitete auch maĂgeblich an der Studie Opel CD Concept mit. In RĂŒsselsheim hörte man davon, dass Mercedes-Benz auf der IAA 1969 den C 111 prĂ€sentieren wird. Da beide Unternehmen in der Halle 8 ausstellten, wollte die Opel-Design-Abteilung dem etwas entgegensetzen. So schuf man auf dem modernen Fahrwerk des Diplomat einen futuristisch anmutenden Sportwagen. CD stand dabei fĂŒr CoupĂ© Diplomat. Dieser Wagen wies eine Fiberglas-Karosserie auf, eine weitere Besonderheit lag aber im Einstieg. Er besaĂ keine eigentlichen TĂŒren, vielmehr schwenkte die Frontscheibe mit der vorderen Dachpartie und den TĂŒrausschnitten nach vorne.[8] Es gab dabei keine A-SĂ€ulen, stattdessen eine stark gewölbte Plexiglas-Frontscheibe, fĂŒr die man einen Hubschrauber-Hersteller in der Schweiz gefunden hatte, der sie herstellen konnte. Dabei wĂ€hlte man das MaximalmaĂ, das dessen Produktionsanlage zulieĂ.[3]
AnschlieĂend arbeitete Gallion am Entwurf fĂŒr den Opel Rekord D mit.
âDer Wagen war italienischer als italienische Autos.â
Das gesamte Team schaute vor allem nach Italien und wenig nach Frankreich, England oder Amerika. Diesen Trend hatte Chuck Jordan eingefĂŒhrt, es gab ihn also vor Gallions Kommen, der sich dem aber begeistert anschloss. Er hielt die Design-Studios Pininfarina, Bertone und Ghia fĂŒr herausragend. Der Rekord wies eine gerade GĂŒrtellinie auf, also keine Coke-Bottle-Linie mehr, auĂerdem groĂe GlasflĂ€chen, dĂŒnne DachsĂ€ulen und einfache geometrische Formen. Der italienische Stil setzte sich im Innenraum fort, mit einem Armaturenbrett âwie in einer Cessnaâ, dass den Insassen viel Platz lieĂ und mit wenigen Bedienelementen auskam.[3]
Im weiteren Verlauf beschloss Gallion, fĂŒr immer in Deutschland zu bleiben, woraufhin er zum stellvertretenden Leiter des Opel Designs aufstieg. In Detroit erachtete man eine Mischung aus wechselnden und lange Zeit bleibenden Designern als sinnvoll, da letztere die neuen Mitarbeiter einarbeiten konnten und so fĂŒr eine KontinuitĂ€t sorgten.[3]
Von den EntwĂŒrfen unter seiner Leitung hĂ€lt Gallion rĂŒckblickend den Corsa A fĂŒr bedeutend. Obwohl es von Opel zuvor keinen Kleinwagen gab, orientierte man sich nicht an der Konkurrenz. Man wollte vielmehr etwas âModernes, Sportliches und Jugendlichesâ, das eigenstĂ€ndig erschien. So hatte Gallion die Idee fĂŒr die KotflĂŒgelverbreiterungen und die kantigen RadlĂ€ufe. Ăberhaupt hob man sich von den runden Formen beispielsweise bei Fiat oder Ford ab. Dazu gehörte auch, dass KĂŒhlergrill und StoĂstange eine Einheit bildeten. Ăberlegungen, dass dies eine Modellpflege vereinfacht, so wie es spĂ€ter gekommen ist, gab es dabei aber nicht. Der Corsa B sollte sich dann mehr an Frauen wenden und hat deswegen eine rundlichere Form bekommen.[3]
Privatleben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Gallion hat seine Frau wĂ€hrend seiner Zeit in Detroit bei General Motors kennengelernt, sie stammt aus Amberg. Er wohnt bis heute in Schlangenbad, in einem von Richard Neutra entworfenen Haus, was er als sein âStĂŒck California-Look in Hessenâ ansieht.[1]
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 3 4 5 Mister Manta zeigt BILD seine SchÀtze. In: Bild. 1. August 2022, abgerufen am 18. Juni 2025.
- 1 2 3 4 5 6 Podcast Motor Klassik, Ausgabe Interview mit George Gallion Teil 1 vom 15. Dezember 2020
- 1 2 3 4 5 6 Podcast Motor Klassik, Ausgabe Interview mit George Gallion Teil 2 vom 25. Dezember 2020
- â The 1979 Bitter Story. 1. April 2020, abgerufen am 14. Juni 2025.
- â Warum heiĂt die Marke so? 23. November 2020, abgerufen am 18. Juni 2025.
- 1 2 Der Teufelsrochen. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 4. Oktober 2020, abgerufen am 18. Juni 2025.
- â Ein Fisch namens Manta. 17. April 2014, abgerufen am 18. Juni 2025.
- â Vergessene Studien: Opel CD Concept (1969). Abgerufen am 18. Juni 2025.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Gallion, George |
| ALTERNATIVNAMEN | Gallion, George A. |
| KURZBESCHREIBUNG | US-amerikanischer Automobildesigner |
| GEBURTSDATUM | 1937 |
| GEBURTSORT | Kentucky |