Geminatio
Erscheinungsbild
Geminatio (lat.: âVerdopplungâ) ist ein Begriff aus der Rhetorik, der die unmittelbare Verdoppelung eines Wortes oder einer Wortgruppe bezeichnet.[1] Diese Wortfigur soll der Rede meist Nachdruck verleihen,[2] wie in dem Beispiel âNiemals, niemals verlassâ ich dich!â
Werden Wörter oder Wortgruppen dreimal oder öfter wiederholt, spricht man von einer Epizeuxis.
Die Geminatio wird unter dem Begriff der Positionsfiguren eingeordnet (genauer unter den Wortwiederholungen). Grammatisch gesehen handelt es sich um âeine primitive Bildung des Superlativs; it. pian pianoâ.[3]
Beispiele
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- âGerne, gerne gedenken ja deiner die Sterneâ (Ludwig Tieck)
- âMein Vater, mein Vater, jetzt fasst er mich an!â (Johann Wolfgang von Goethe, Erlkönig)
Es gibt Varianten, die durch Zwischenschaltung nicht wiederholter Satzteile entstehen, wie:
- âStirb, Lysis, stirb, viel besser ist gestorbenâ (Christian Hofmann von Hofmannswaldau: Armseliger, was hilft dich doch dein Lieben)
- âKomm, Seele, komm, und lerne weiter schauenâ (Christian Hofmann von Hofmannswaldau: Die Welt)
- âSchluck, Abgrund, ach schluck ein...â (Andreas Gryphius: Die Hölle)
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Heinrich Lausberg: Handbuch der literarischen Rhetorik. Eine Grundlegung der Literaturwissenschaft. 3. Aufl. Mit einem Vorwort von Arnold Arens. Franz Steiner, Stuttgart 1990, ISBN 3-515-05503-7, S. 312âŻff., § 616â618.
- Heinrich F. Plett: EinfĂŒhrung in die rhetorische Textanalyse. 5. Auflage. Buske, Hamburg 1983, ISBN 3-87118-082-3, S. 33âŻf.
- Dietmar Till: Geminatio. In: Historisches Wörterbuch der Rhetorik. Hrsg. von Gert Ueding. Bd. 3: EupâHör. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1994, ISBN 3-484-68103-9, Sp. 1476â1486.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- â Geminatio in Literaturwissenschaft-online ( vom 19. MĂ€rz 2015 im Internet Archive).
- â Till: Geminatio, Sp. 700.
- â Lausberg: Handbuch der literarischen Rhetorik, S. 313, § 617.